andrés balhorn, powervoice-grundlagen: hilfreich oder falsch?

Gerade Sänger scheinen besonders gern nach einer Wundermethode zu suchen und darauf anzuspringen, wenn etwas in der Richtung versprochen wird. Ich weiß auch nicht, warum das so ist.

Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass niemand (außer Sängern selber, und die vielleicht sogar nicht immer) die Arbeit sieht, die in gutem Gesang steckt. Schließlich benützt ja jede/r die Stimme.

Singen ist keine Arbeit, singen muss man nicht lernen :rolleyes: - so die landläufige Meinung. Kein Wunder, dass viele auf ein Wunder hoffen...
 
Wie gesagt: deine jetzigen Beschreibung geben normale Gesangslehrerpraxis wieder.

also mein gesangslehrer hat mich bisher andere dinge gelehrt, die im widerspruch zu powervoice stehen. ist also wirklich schon alles gesagt?

Ich fürchte, da muss ich Skin Recht geben:

Ich hab hier gerade die Bücher von Balhorn und Sadoline übereinander legen und ein Beispiel verdeutlich dies nur zu gut (in eigenen Worten):

PV: Beim Hochziehen der Töne den Unterkiefer nach unten-vorne schieben und somit Spannung auf das Gebiss und Gesicht geben.
CVT: UNBEDINGT vermeiden, den Unterkiefer nach unten-vorne zu schieben, da dies Verspannungen in den Stimmlippen verursachen kann.

Ich bin im Moment zu müde, näher drauf einzugehen, aber ich halte die PV-Techniken + Übungen für Anfänger absolut gefährlich. Es wird hier KEIN Wort von Techniken wie Twang, Belt o.ä. erwähnt.
Sollte ich die Übungen auf der CD (die nicht nach Stimmfächern unterschieden werden) wirklich blind befolgen, fürchte ich, dass ich mir mit den dort angegebenen Techniken ziemlich die Stimme verballern könnt...
Die Kopfstimmübungen allerdings halte ich für klasse; die werdn nicht einfach links liegen gelassen..

... weshalb ich mich von Wundermethoden mit dazugehörigem Gesangsguru immer schon tunlichst ferngehalten habe.

Es ist im Grunde auch nicht schwer, jemandem weiszumachen, seine Technik/Performance/whatever sei ganz schlecht, und ihm dann die neue Methode als alleinseligmachende zu verkaufen. Läuft in ganz vielen Branchen so, weil die zugrundeliegende Psychologie stets dieselbe ist. Das Problem mit uns Menschen ist ja: wir wollen so gern an etwas glauben.
Skeptiker stören da bloß und werden vom Rudel weggebissen.

Weisst Du, wer diese Strategie schon seit Jahrhunderten befolgt? Die katholische Kirche!! Also, hat sich offensichtlich bewährt!! ;)
 
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Vergesst doch einfach mal alle "Methoden".
Es kann ja durchaus vorkommen, daß eine bestimmte Methode für eine einzelne Person gut paßt und diese Person damit auch gute Fortschritte erzielt. Aber bei jeglichem Anspruch auf Allgemeingültigkeit seitens des Methodenverkäufers und seiner Adepten würde ich stutzig werden. Zumindest vorsichtig.

---------- Post hinzugefügt um 07:51:36 ---------- Letzter Beitrag war um 07:51:06 ----------

Weisst Du, wer diese Strategie schon seit Jahrhunderten befolgt? Die katholische Kirche!! Also, hat sich offensichtlich bewährt!! ;)

Das gilt doch für alle Religionen, Sekten, Glaubensrichtungen, Psychosekten, Ideologien....

---------- Post hinzugefügt um 07:54:50 ---------- Letzter Beitrag war um 07:51:36 ----------

PV: Beim Hochziehen der Töne den Unterkiefer nach unten-vorne schieben und somit Spannung auf das Gebiss und Gesicht geben.
CVT: UNBEDINGT vermeiden, den Unterkiefer nach unten-vorne zu schieben, da dies Verspannungen in den Stimmlippen verursachen kann.

Da würde ich Sadolin sogar zustimmen.
Mit vorgeschobenem Unterkiefer zu singen, das kann man mal kurz machen, als Effekt, aber es führt tatsächlich zu Verspannungen und klingt oft auch sch...
Das hat mich am Powervoice-Buch auch immer gestört: die Stimme des Vorsängers auf der Übungs-CD klingt für meine Ohren angestrengt und gequetscht und oft einfach nur unangenehem. Ich habe oft gedacht: so möchte ich nicht klingen.
 
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Skin schrieb:
Wie gesagt: deine jetzigen Beschreibung geben normale Gesangslehrerpraxis wieder.

also mein gesangslehrer hat mich bisher andere dinge gelehrt, die im widerspruch zu powervoice stehen.

Ich fürchte, da muss ich Skin Recht geben:

Ich hab hier gerade die Bücher von Balhorn und Sadoline übereinander legen und ein Beispiel verdeutlich dies nur zu gut (in eigenen Worten):

Wobei ja beide vorgeben, keine "normalen" Gesangslehre zu praktizieren, sondern eine jeweils einzigartige Methode.

Ansonsten gebe ich Bell* in allen Punkten recht. Ich habe das in einem vorigen Post schon angedeutet: Der Erfolg einer Methode liegt nicht - oder nur zu einem Teil - am Lehrer oder der Methode, sondern am Schüler bzw der Kommunikation zwischen beiden.

Daher würde ich dir, Skin, raten: auch wenn PV nicht zwingend für jeden oder ganz allgemein schlecht sein muss: wenn dein Eindruck eher negativ war, hör auf deine Intuition, solange du noch eine hast. Die sagt dir mehr, als es tausend Forenuser-Meinungen könnten.

Es wäre nebenbei auch strunzend langweilig, wenn jeder nur durch eine Technik alles so singen könnte, wie er wollte. Heutzutage wird ja gern versucht, dem Gesang eine einheitliche, bewertbare Qualitätsnorm zu verpassen. Schneller, höher, weiter - aber mit Gefühl und wenn es geht noch ein paar ad libs. Die Stimme selbst gerät mehr und mehr in den Hintergrund. Beim Zuhörer führt das zu einer Übersättigung und nur noch Nuancen entscheiden über Top oder Flop. Und der jetzigen Sängergeneration wird suggeriert, singen sei eine sportliche Disziplin, bei der es nur auf die richtige Technik, den Lehrer und den eigenen Fleiß ankäme.
 
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Vielen Dank für all Eure Beiträge. Mir wird immer deutlicher, wie wenig ich eigentlich über Gesang weiß und wie viel ich noch lernen muss.

Klasse finde ich auch, dass ihr stets versucht, objektiv zu bleiben. So der Hinweis, dass manches aus dem Buch doch gut zu verwenden ist:

Die Kopfstimmübungen allerdings halte ich für klasse; die werdn nicht einfach links liegen gelassen..


An Religionen und Sekten musste ich rückblickend auch denken - da ist was dran.
 

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