Achtung - mal was irgendwie "Religiöses" :-)

von Frank_aus_D, 11.04.19.

  1. Frank_aus_D

    Frank_aus_D Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.04.19   #1
    Ich bin musikalisch im weitesten Sinne "bei Kirchens" aktiv und arbeite unter anderem an Songs, die bewusst abseits des kirchlichen Mainstream sind und damit vielleicht auch anschlussfähig für Leute, die mit dem Laden eher nix zu tun haben.... um es kurz zu machen: Ich schmeiß hier also mal 'nen eher religiös angehauchten Text übern Zaun... (wer auf das Thema nun so überhaupt nicht steht, darf "weglesen" :-)
    Was meint Ihr so dazu?


    EXAUDI

    Mir sind die Fragen ausgegangen.
    Der Blick verengt, seit Langem schon,
    Mein Tag ein Weg durchs Niemandsland.
    Kein Hoffen, und auch kein Verlangen.
    Nur Schulterzucken statt Vision.
    Die alten Träume: längst verbrannt.

    Gott, fehle mir!

    In Kurven über dünnes Eis.
    Der Zweifel findet keinen Halt
    Das glatte, makellosen Leben:
    Hochglanzpoliert und strahlend weiß
    Wie frischer Schnee und auch so kalt.
    Es gibt nichts zu vergeben.

    Gott, fehle mir!

    Es ist zu leicht, es zu ertragen.
    Nach außen glatt und innen leer.
    Ich bitt‘ Dich, meiner Seele Zier:
    Such Du mit mir nach meinen Fragen.
    Ich selber finde sie nicht mehr.
    Und bitte, bitte - fehle mir!

    Gott, fehle mir!

    Stör mir meine Ruhe.
    Wirf mich aus meiner Bahn.
    Streich mir durch meine Rechnung.
    Und änder meinen Plan.

    Und fehle mir!
     
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  2. hobz biz-zejt

    hobz biz-zejt Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.04.19   #2
    Ich kenn mich wenig aus mit kirchlicher Musik generell und mit kirchlicher Musik abseits des Mainstreams noch viel weniger.

    Vielleicht erklärt das die Art, wie der Text auf mich wirkt.

    Positiv: Ich finde die Strophen sprachlich sehr gut.

    Negativ: Ich kapier den Refrain und damit den Text insgesamt irgendwie nicht.

    "Fehle mir" ist eigentlich eine faszinierend kurze Formulierung, kann Imperativ sein oder Konjunktiv und ist als Aufforderung für mich gefühlt in einem interessanten logischen Grenzbereich von: Ist das überhaupt möglich.

    Als Refrain ist es mir aber deswegen zu vielschichtig; intellektuell anspruchsvoll, aber für den Pöbel wie mich zu schwierig. Da täten mir ein paar Zeilen gut, die den Inhalt der Strophen einordnen.
     
  3. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 13.04.19   #3
    Mir geht es, was kirchlicher Musik ob diesseits oder jenseits des Mainstreams angeht, ähnlich wie hobz biz-zejt.

    Den Refrain finde ich klasse, gerade das Widersprüchliche, kurze und Offene daran - kann man wirklich jemandem sagen oder ihn auffordern: Fehle mir? Wirft man nicht etwas jemandem andern rüber, was zu einem selbst gehört: nämlich ein Fehlen zu bemerken, wenn es da ist?
    Gerade deshalb aber setzt es bei mir etwas frei, was anfängt, zu spekulieren und zu wirken.

    Die Refrains finde ich gut - alles passt, aber wenig, was mich überrascht. Manchmal blitzt etwas auf: "Kein Hoffen, und auch kein Verlangen" - das packt mich. Vielleicht ist der Rest Geschmacksache - wie gesagt: alles paßt.

    Was ich gemacht habe, ist, in dem Text Gott durch etwas anderes zu ersetzen, Liebe etwa.
    Und der Text hat dann auch funktioniert.
    Will sagen: er hat deshalb eine kirchliche, eher religiöse oder spirituelle Aussage, weil das Gott steht. Aber auch unabhängig davon wäre es ein Text, der zu mir spricht.

    Spannend finde ich die 6-Zeilen-Strophen für eine musikalische Umsetzung.

    x-Riff
     
  4. Charvelniklas

    Charvelniklas Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.04.19   #4
    Wow. Mir gefällt der Text richtig gut. Ich finde es beeindruckend, wie er in Worte fasst, wenn man innerlich zerrissen ist von seiner eigenen Gleichgültigkeit und der Banalität des eigenen Lebens. :great:

    Darf ich fragen, aus welcher "Ecke" der Kirchenlandschaft du kommst?
     
  5. Frank_aus_D

    Frank_aus_D Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.04.19   #5
    Vielen Dank für die Rückmeldungen! Ich habe beim Texten wohl eine Liebe zum Mehrdeutigen, schätze ich... will die Texte aber auch gar nicht weiter erklären. Wenn sie sich nicht selbst vermitteln, sind sie nicht gut genug. Dieser scheint immerhin irgendwie zu funktionieren.

    Ach so: Ich bin in einer "ganz normalen" ev. Landeskirche (Westfalen) aktiv, greife u. a. hobbymäßig in einer Kirchenband in die Tasten - meist geht das so in die Richtung Pop, einfache Jazz-Standards etc., und wir stellen damit ab und zu das Gottesdienst-"Rahmenprogramm". Seit einiger Zeit versuchen wir, auch eigene Songs zu verwenden, bisher kommen die jeweils von mir ... vielleicht wird sich das Ganze ja auch irgendwann zu einem Konzert(chen) ausweiten, mit entsprechenden Anmoderationen oder so, mal schauen. Den Text oben kennen die Jungs allerdings noch nicht...
     
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  6. Primut

    Primut Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.04.19   #6
    Ein schöner Text.
    Und auch wenn zwar religiöse Begrifflichkeiten verwendet werden, so ist die eigentliche Thematik für mich nicht zwangsläufig religiös.
    Um die Formulierung bzw. das Zitat "meiner Seele Zier" etwas besser zu verstehen, ist es sicher hilfreich das Kirchenlied, aus dem es stammt, zu kennen.

    Ich gebe zu, ich bin kein Freund von negativen Formulierungen und mich irritiert zugegeben die negative Ausformulierung des Refrains als überspitzter Ausdruck der Sehnsucht des LI nach dem tiefen, intensiven und gefühlvollen Leben jenseits der leblosen Gleichgültigkeit (des / im Alltag(s)).
    Die negative Formulierung "fehle mir" vermittelt mir, dass es ja gar nicht um Gott geht sondern vorrangig um das eigene (vermisste) Gefühl und lässt mich an Jugendliche denken, die sich selbst verletzten, um zu spüren, dass sie noch leben und - zumindest Schmerz - noch fühlen können.
    Aber auch wenn ich mit dieser Formulierung nicht warm werde, so ist der Refrain doch - wie @x-Riff schon feststellte, eben kurz und offen und gleichzeitig eine widersprüchliche und durchaus provokante Überspitzung und lässt einiges an Interpretationsspielraum zu, von daher also alles ok.

    "Streich mir durch meine Rechnung." empfinde ich als eine umgangssprachlich sehr unübliche, ungewohnte und etwas holprige Formulierung, auch wenn mir natürlich schon klar ist, was du damit meinst.
    Wäre es nicht schlüssiger, einfach ganz kurz zu bleiben: "Streich meine Rechnung" , denn schließlich rechnet Gott nicht und für das tiefe, gefühlvolle und intensive Leben gibt es auch keine Berechnungsformel.... ?

    Ich finde es ja interessant, dass in den Strophen eine klare Entwicklung stattfindet: Vom Monolog der Symptombeschreibung des Problems in den ersten beiden Strophen zum Dialog der Bitte an Gott um Hilfe in den letzten beiden Strophen. Im Refrain dagegen bleibt die Spannung bestehen....
     
  7. Ikone

    Ikone Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.04.19   #7
    Ja, sehr schöner Text. Ist das an Moosbach angelehnt?
     
  8. Frank_aus_D

    Frank_aus_D Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.04.19   #8
    Moosbach? (Musste ich googeln. Ich denke, Du meinst Carola Moosbach?) Also: wohl nicht...
     
  9. Ikone

    Ikone Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.04.19   #9
    Ja, die meinte ich. Das gibt so ein Gebet "Vermisst". Müßte ich aber erst raussuchen :) Es geht dabei um eine Bitte.
     
  10. RED-DC5

    RED-DC5 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.05.19   #10
    Ist schön wenn sich überhaupt mal jemand mit Gott beschäftigt.
    Denn ihm verdanken wir unser hiersein. Da wird uns noch zugehört
    wenn Alle weghören.Dein Text regt zum Nachdenken an
     
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