Der Panther

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Der Panther


Ein Panther schleicht durchs Nachtgesicht
so glänzend schwarz wie Teer
und leiser als die Stille

du siehst ihn nicht du hörst ihn nicht
kennst weder sein Begehr
noch ahnst dass zwei Berylle
dich funkelnd streng beäugen


Und doch ist da ein Unwohlsein
das kriecht vom Nackenhaar
Dir tief in Deinen Magen

von einer Art ganz allgemein
doch sehr elementar
du kannst es zwar nicht sagen
doch zweifellos bezeugen


was dir mein Freund von außerhalb
der diesseitigen Wand
von jenseits der Kulissen

erscheinen mag als wär‘s ein Alp
ist dir sehr wohl bekannt
man nennt es das Gewissen
du stehst unter Beschattung


drum sperre Deinen Panther nicht
in eis'rne Stäbe ein
lass ihn sich frei bewegen

sonst hört Dein eignes Lebenslicht
im Herzen auf zu sein
und netzt Dich nicht mehr Regen
und drückt Dich die Ermattung
 
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WOW!

Soll ich jetzt sagen, Rilke kann einpacken?

Hier stimmt einfach alles, von der Intention über die Wahl der Worte bis zu der Versform, die mich erst kurz stolpern ließ und mich dann komplett in dein Werk hineingezogen hat.

Aber am beeindrucksten finde ich das Bild vom Gewissen als die um mich schleichende Raubkatze, die ich fürchten müsste - oder doch nicht? Es kommt darauf an. Das Bild werde ich jedenfalls im Herzen behalten.

Großartig. Vielen Dank fürs Teilen!

Beste Grüße
Markus
 
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  • #3
Soll ich jetzt sagen, Rilke kann einpacken?
Das würde ich nicht sagen wollen. 🙂

Aber man könnte sich schon fragen, wenn Rilkes bekanntes Gedicht eine Metapher ist - wofür steht der Panther dann?

Ich habe versucht, (m)eine Antwort darauf zu finden.

Danke für Dein Feedback. Es freut mich, dass Dir der Text in sich schlüssig vorkommt.
 
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Tolle Bilder, starker Aufbau: Ging mir wie @Tone Poet , erst gestolpert, dann begeistert.

Zwei Mini-Ideen:
statt
in eis'rne Stäbe ein
in eisern Stäbe ein

(ließe sich besser sprechen/singen und klingt für mich noch etwas poetischer)
so glänzend schwarz wie Teer
... und hier, weil ich Teer nicht glänzend sehe, gerade nicht in der Nacht, vielleicht
so schwer und schwarz wie Teer
 
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Kann ich mir gesprochen auch nur schwer verständlich vorstellen. Gitterstäbe? Oder vermutlich spricht man das eisern schneller, so dass der Rhythmus passt.

Teer kann schon glänzen, wenn er heiß oder feucht ist.

Ansonsten cooler spannender Text mit dem Rilke-Bezug!
 
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  • #6
Zwei Mini-Ideen:
statt

in eisern Stäbe ein
Das wäre tatsächlich eine Option. Ich war auch mit "eis'rne" nicht 100-prozentig zufrieden. Obwohl es geschrieben schwieriger aussieht, als es sich aussprechen lässt.
Einziger Wermutstropfen: "eisern' Stäbe" wäre dann die einzige Stelle mit einem etwas antiquierten Spachduktus. Ich habe mich in dem Text um einen relativ neutralen, d.h. zeitlosen Pinselstrich bemüht.

Aber vielen Dank für den Ratschlag!

... und hier, weil ich Teer nicht glänzend sehe, gerade nicht in der Nacht, vielleicht
so schwer und schwarz wie Teer
Opa Albin hat es schon geschrieben: Teer kann schon glänzen. Ich war als Kind ein paar Mal dabei, wenn mein Vater und mein Onkel die Dächer von Schuppen und Garage geteert haben. Frischer flüssiger Teer glänzt so - wenn er in einem Fass ist und man hineinblickt, kann man sein eigenes Spiegelbild darin erkennen.
 
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Vielleicht
drum sperre deinen Panther nicht
in Stahl-Stäbe ein

(stählerne böte keinen Vorteil gegenüber eiserne)

Die Wendung mit "deinen Panther" finde ich sehr genial, weil es die Subjekt-Objekt-Beziehung eines Panthers, den man im Zoo betrachtet, aufhebt.

x-Riff
 
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starre Stäbe
kalte Stäbe
 
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  • Ersteller
  • #9
Ich habe eiserne genommen, weil das Material ein Sinnbild für Brutalität, Härte und Unnachgiebigkeit ist. Z.B. der eiserne Wille, der alles andere plattmacht. Oder eiserne Klauen. Jemanden das Eisen kosten lassen, bedeutet., ihn mit einer Klinge zu töten usw.
 
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  • #10
Ich finde Stahl da bedeutungsgleich ... kalt, hart, Material für Waffen ... stählerne Umklammerung etc.
Ist aber natürlich Empfindungssache.
 
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  • Ersteller
  • #11
Da gibt es für mich einfach Nuancen, weswegen ich Eisen besser fand. Stahl ist Eisen(erz) mit Zusätzen wie Chrom, Mangan, Kohlenstoff usw. und impliziert für mich eher etwas Moderneres. Ich war auf der Suche auch nach zeitloser Allgemeingültigkeit. Die Stäbe in alten Zoo-Käfigen . . . da hätte ich nicht Stahlstäbe gesagt. Das wären für mich immer Eisenstäbe - auch wenn es u.U. etwas kindlicher klingt.
 
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  • #12
Und dann einfach
"in Eisenstäben ein"?
 
  • Ersteller
  • #13
Weil ich das Wort Stäbe allein wollte - als Reminiszens das Rilkes Stäbe. Ich wollte sie nur noch etwas konkretisieren.
 
  • #14
Schöner Text!
Wenn man es vertonen wollte, wäre "eiserne Stäbe" nicht gut zu singen und auch schwer zu verstehen, da man es schnell singen müsste. Für mich wäre "Eisenstäbe" die erste Wahl.
LG Jörg
 
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  • #15
Dein Text hat mich gleich gepackt , leise ,unbesehen eben wie der
Panther .
 
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  • #16
Schöner Text.

Stahl ist Eisen(erz) mit Zusätzen wie Chrom, Mangan, Kohlenstoff usw. und impliziert für mich eher etwas Moderneres.


Wenn du die Legierungen nennst, klingt es natürlich modern-wissenschaftlich. Aber du nennst Eisen ja auch nicht "chemisches Element mit der Ordnungszahl 26 und dem Symbol FE", sondern Eisen. Und da reines Eisen an sich eher wabbelig ist, käme die Vergütung zu Stahl dem näher. Oder Gusseisen.

Aber wenn dir Eisen einfach besser gefällt, ist es auch okay. Zu Stäben passt es wahrscheinlich wirklich besser.

---
 
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  • #17
Ich verstehe den Konflikt und Du machst Dir zur Bedeutung und Wirkung der Worte ja sehr viele Gedanken.
Tatsächlich ist das aber die einzige Stelle an der auch ich beim Lesen ins Stolpern kam. Hier bricht auch das Versmaß trotz der Auslassung, wenigstens wenn ich das r versuche mitzusprechen.

Mir persönlich gefällt "eisern Stäbe" am besten und ich finde, dass der sprachliche Stil sich dennoch gut einfügt und nicht antiquiert klingt, sondern einfach poetisch, was der Rest des Textes auch ist.

Alternativ werfe ich mal noch folgende Variante in den Ring:

drum sperre Deinen Panther nicht
in Stäb' aus Eisen ein
 
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  • #18
Wenn man einen Text schreibt, tun sich Probleme auf, die gelöst werden müssen:

Reim-Probleme, dramaturgische Probleme, begriffliche Probleme usw.

Es macht Spaß, diese Probleme zu lösen, aber es ist auch Arbeit. Nicht immer lassen sich alle Probleme 100-prozentig zufriedenstellend lösen. Manchmal muss man Kompromisse eingehen. Manchmal muss ein ungelöstes Problem auch zunächst liegen bleiben - im Vertrauen darauf, dass es sich zu einem späteren Zeitpunkt lösen wird.

Das "eis'rne" - Problem ist solch ein evtl. noch nicht ganz gelöstes. Aber es macht am Gesamtpacket weniger als 0.5 Prozent aus. Deshalb sehe ich das momentan nicht so dramatisch.

Das größere "Problem" sind mMn die beiden Schlusszeilen, die ein bisschen wie drangepappt wirken. Aber auch dieses Problem lässt sich lösen. Wenn nicht über die Lyrics selbst, dann durch den Vortrag. Man muss froh sein, wenn man bei einem Text 95, 96, 97, 98 Prozent dessen erreicht, was überhaupt möglich gewesen wäre.
 
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  • #19
Mir geht es mir Eisen und Stahl genauso. Eisen klingt archaischer, Stahl eher industriell.
 
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  • #20
Eisen klingt archaischer, Stahl eher industriell.
Ja. Eisen ist ein natürlich vorkommender Stoff, Stahl wird künstlich hergestellt. Archaisch -> Eisenzeit.

Sehr deutlich ist es auch in Englisch: iron vs steel.

Steel klingt für mich sofort nach Manowar.
 
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