Aktive Einsteiger-Studiomonitore - M-Audio BX5 D3 vs. JBL LSR 305

JoeMeek
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Ich habe schon länger (über ein Jahr) mit dem Gedanken gespielt, mir für zu Hause ein Paar preiswerte (das heißt bei mir: bis maximal 300€/Paar) Studio-Monitore anzuschaffen.
Ich hatte leider nicht die Gelegenheit, mir einmal live in einem großen Musikgeschäft Studiomonitore anzuhören, deshalb habe ich mich zu dem Thema durch zahllose Forenbeiträge hier und anderswo, diverser Testberichte, sowie etliche YouTube-Videos gewühlt.

Letztlich haben sich bei den Einsteiger-Studiomonitoren die JBL LSR 305 als am häufigsten empfohlen herauskristallisiert, aber auch M-Audio mit ihren verschiedenen BX5 wurden immer wieder positiv besprochen.

Nun wurde diesen Juni die dritte, verbesserte Generation der M-Audio BX-Reihe angekündigt, die D3 genannt wird, und diese Ankündigung klang sehr interessant. Seitdem suche ich (bisher erfolglos) nach einem aussagekräftigen Test dieser Monitore, speziell im Vergleich mit den JBL LSR 305.

Mitte August fiel dann der Preis sowohl der JBL LSR 305 als auch der M-Audio BX5 D3 auf knapp unter 120€/Stück, also dachte ich mir, wenn ich keinen Test finde, dann mache ich mir eben selber ein Bild. :) So habe ich mir von beiden jeweils zwei Stück bestellt, und habe sie in den letzten zwei Wochen intensiv probegehört.

Ach ja, ich werde die Monitore zunächst hauptsächlich zum Musikhören und als überdimensionierte PC-Lautsprecher nutzen, nebensächlich (mit hoffentlich steigendem Anteil) aber auch tatsächlich als Abhöre für eigene Aufnahmen (Gesangsduo mit Klavier und/oder Backing Track). Die Monitore stehen auf Isopads auf meinem Schreibtisch in einem ca. 12qm großen Raum mit einer Dachschräge.

Die "Testkandidaten"




M-Audio BX5 D3 (im Folgenden BX5 genannt)

Technische Daten laut Hersteller
JBL LSR 305 M-Audio BX5 D3
Abmessungen HBT298 x 185 x 251 mm 254 x 176 x 197 mm
Gewicht4,6 kg 5,6 kg
Hochtöner1" (25 mm) 1" (25 mm)
Tieftöner5" (127 mm) 5" (127 mm)
Trennfrequenzk.A. 2,5 kHz
Endstufe HT41 W Class-D 40 W Class A/B
Endstufe TT41 W Class-D 60 W Class A/B
max. Schalldruck108 dB (C-Weighted) 110 dB
Frequenzbereich43 Hz - 24 kHz 52 Hz - 35 kHz
KlanganpassungHT / TT je +2, 0, - 2 dB TT 0, -2, -4 dB
[TBODY] [/TBODY]
Beide sind aktive, bi-amped 2-Wege-Studio-Nahfeld-Monitorboxen nach dem Baßreflexprinzip (Öffnung hinten), beide bieten je einen XLR- und einen symmetrischen 6,3mm-Klinkeneingang, einen Lautstärkeregler (bei der 305 ist er gerastert) und einen bei beiden verzögert und knackfrei wirkenden Ein-/Ausschalter. Schließlich haben beide noch eine Kaltgerätebuchse für die Stromzufuhr. Alle Bedienelemente sind jeweils auf der Rückseite der Boxen.

Auf der Vorderseite findet sich bei beiden zwischen HT und TT eine weiße LED, die betriebsbereitschaft signalisiert, d.h. nach dem Einschalten erst dann leuchtet, wenn die Box tatsächlich bereit ist, Töne wiederzugeben.
Bei der BX5 ist diese LED so eingebaut, dass sie am hellsten leuchtet, wenn man frontal mittig auf die Box schaut, das soll bei der optimalen Ausrichtung helfen. Die LED der 305 ist deutlich größer und heller, und auch von der Seite gut zu erkennen.

Auspacken...

Eine knappe Woche nach der Bestellung kamen die Boxen pünktlich zum Wochenende in zwei Paketen bei mir an. Die große Kiste enthielt die beiden 305 und eine BX5, die zweite BX5 wurde in ihrem eigenen Karton separat verschickt:

Auspacken_1.jpg


Also zuerst mal die BX5 ausgepackt - im Karton steckt noch ein Karton:

Auspacken_2_bx5.jpg


Und darunter dann eine Pappabdeckung mit dem Stromkabel darauf:

Auspacken_3_bx5.jpg


Und dann die eigentliche Box, nochmal in einer Tüte und mit - ja wie nennt man das? - Dämmfolie geschützt:

Auspacken_4_bx3.jpg


Und hier die BX5 an sich:

BX5_vorne.jpg


Man sieht schön die Gewebestruktur des Kevlar-Tieftöners sowie den (an die 305 angelehnten?) Waveguide um den Hochtöner herum.

Das gleiche Spiel für die 305. Außenkarton:

Auspacken_5_305.jpg


Innenkarton - diesmal in rot:

Auspacken_6_305.jpg


Transportschutz:

Auspacken_7_305.jpg


Und schließlich die Box selbst:

305_vorne.jpg


Was beim Auspacken sofort auffällt: Die BX5 ist schwer - sogar ein Kilo schwerer als die deutlich größere 305. Um wieviel größer die 305 bzw. kleiner die BX5 ist, sieht man am besten im direkten Vergleich.

Von vorne:

beide_vorne.jpg


Von oben:

beide_oben.jpg


Interessant finde ich hierbei, dass die Treiber von beiden Herstellern mit 1" bzw. 5" angegeben werden, obwohl die bei der 305 um einiges größer ausfallen als bei der BX5 - ich habe aber nicht nachgemessen, welche jetzt näher an den Werksangaben dran sind. :)

Jetzt noch kurz die Rückseiten im Vergleich, zunächst die BX5:

BX5_hinten.jpg


Hier sieht man schön die wenigen Bedienelemente, die denen der 305 weitgehend gleichen. Die Unterschiede sind der fehlende Input Sensitivity-Schalter, der bei der BX5 stufenlos ausgeführte Lautstärkeknopf, und dass die BX5 nur einen Schalter zur Klanganpassung hat, "Acoustic Space" genannt, mit dem sich der Bass hier wahlweise um 2 oder 4 dB absenken läßt.

Und die 305:

305_hinten_.jpg


Auch hier sind alle Bedienelemente übersichtlich angeordnet, der Lautstärkeknopf ist gerastert (was ich persönlich besser finde, da man dann zwei Boxen einfacher auf die gleiche Lautstärke einstellen kann), und zur Klanganpassung gibt es zwei Schalter, HF Trim, mit dem sich die Höhen um 2 dB anheben oder absenken lassen, LF Trim macht das gleiche mit den Bässen. Anders als die BX5 hat die 305 noch einen Schalter Input Sensitivity, um die Eingangsempflindlichkeit zwischen Studiopegel (+4 dBu) und Consumerpegel (-10 dBV) umschalten zu können.

Beiden Boxen liegen jeweils ein Kaltgerätekabel, eine Bedienungsanleitung und dünne Schaumgummiklebefüßchen bei, die bei der 305 sehr klein (ca. 1cm Durchmesser) ausfallen, bei der BX5 deutlich großzügiger (und auch etwas dicker). Die Füßchen habe ich aber nicht drangeklebt, da ich ja nur eins der beiden Boxenpaare behalten wollte, und die Boxen ohnehin auf Isopads stehen.

Die Qualität und Anmutung der Verpackungen ist bei beiden Boxen sehr stabil und hochwertig, auch die Boxen an sich sind super verarbeitet, da wackelt nichts, die Bedienelemente lassen sich sauber und "knackig" verwenden. Beide Boxen sind "Made in China", was aber auch in höheren Preisklassen keine Seltenheit ist.

... Anschließen, ...

Zuerst wollte ich beide Boxenpärchen symmetrisch an mein gutes, altes Behringer Eurorack MX2642 hängen (Main out und Control out), um relativ einfach zwischen den Boxen hin- und herzuwechseln.
Das Mischpult war per unsymmetrischer Kabel mit den Ausgängen meines USB-Interfaces Steinberg UR22MkII verbunden.

Das ganze brummte und rauschte aber gottserbärmlich, so dass ich - vor allem weil ich keine Lust auf lange Fehlersuche hatte - die Boxen nun wechselweise direkt symmetrisch an das UR22MkII gestöpselt habe.

Somit war das Wechseln von der BX5 auf die 305 und zurück zwar etwas umständlicher, aber dafür war der Klang so wie ich es erwartet habe - eben störgeräuschfrei. :)

(Hätte ich mir doch nur einen Monitorcontroller dazubestellt... :rolleyes: Andererseits: Den hätte ich nur für den Vergleich benötigt, und dann wieder zurückgeschickt, und das fände ich dann auch nicht sooo fair..)

... und Anhören!


Vor dem eigentlichen Anhören habe ich zuerst versucht, alle vier Boxen (2x 305 und 2x BX5 :)) gleich laut zu bekommen. Dazu habe ich ein rosa Rauschen von irgendeiner alten Test-CD abgespielt, und mangels Schalldruckmessgerät mit entsprechenden Handy-Apps den Pegel so gut wie möglich angeglichen. Sicher nicht perfekt, aber für meinen Vergleich gut genug.

Gehört habe ich meist bei angenehmer Zimmerlautstärke, zwischendurch natürlich auch mal leiser oder lauter.

Als Hörquelle diente im Wesentlichen meine CD-Sammlung, zusätzlich aber auch YouTube oder Musikstreaming - beides per PC über das UR22MkII an die Boxen. Und zwischendurch habe ich an beide Boxen per 3,5mm-Stereo-auf-2x-6,3mm-Monoklinkenkabel auch mein Handy als Zuspieler drangehängt. Auch das funktionierte problemlos.

Begonnen habe ich mit den BX5.

Erster Eindruck bei moderater Lautstärke und Pop / Rock: Wow, da kommt aber eine Menge Bass aus diesen kleinen Kisten.

Zweiter Eindruck: WOW! Da kommt aber eine *MENGE* Bass aus diesen kleinen Kisten!!! :D

Der Rest des Klangs ist auch durchaus erfreulich, also hab ich mal verschiedene Sachen durchgehört, z.B. den Helikopter von "The happiest days of our lives / Another Brick in the Wall" von Pink Floyd (mein Lieblings-Bass-Test :evil:), wo wir gerade bei Helis sind gleich noch den Walkürenritt von Wagner, dann die ersten paar Stücke von der "Platinum" von Mike Oldfield, und ein paar aktuellere Pop-Sachen.

Insgesamt ein bassiger, warmer, runder Klang. Passt. (Erinnert mich ein bisschen an die KRK RP5 RoKit, die ich mal gehört habe.)

Jetzt aber die 305.

Erster Eindruck: Hmm, da fehlt irgendwie etwas Bass.

Zweiter Eindruck: Aber die Höhen sind irgendwie um einiges klarer. :engel:

Das wird besonders deutlich z.B. bei Airborne von der Platinum von Mike Oldfield, wenn ziemlich am Anfang der Bass (? oder ist es eine Gitarre... bin eher ein Tastenmensch :)) einsetzt, oder bei klassischen Sopran-Arien - die klingen irgendwie luftiger, freier.

Insgesamt ein eher schlanker, klarer, sehr detailreicher Klang. Passt.

Ab dann habe ich oft einzelne Stücke oder auch Passagen immer abwechselnd auf den verschiedenen Boxen gehört. Aber auch immer mal längere Strecken nur auf einer.

Besonders beim direkten hintereinanderhören relativ kurzer Passagen (z.B. dem Trompeteneinsatz ziemlich am Anfang von "So What" von der remasterten "Kind of Blue" von Miles Davis, oder Stellen aus Laurie Andersons "Life on a String") verfestigte sich die Erkenntnis, dass nicht etwa die 305 zu wenig Bass haben, sondern die BX5 (für meinen Geschmack) zu *viel*.

Mit dem "Acoustic Space"-Schalter lassen sich die Bässe der BX5 zwar in zwei Stufen sanft zurücknehmen, aber das ändert den Grundcharakter der Box nicht wirklich.

Und bei den Höhen fallen die BX5 deutlich ab - nicht, dass sie die hohen Töne nicht wiedergeben würden, aber irgendwie war das Klangbild im direkten Vergleich zu den 305 immer um einiges verschwommener, unklarer. Sowohl was die Ortung im Raum angeht (da brillieren die 305!) als auch was den Detailreichtum angeht. So war z.B. die oben angesprochene Trompete, obwohl nicht laut, auf der 305 einfach *da*, während auf der BX5 eben eine Trompete spielte...

Je länger ich die BX5 hörte, desto aufgeblähter, ja übertriebener, kam mir ihr Bass vor. Auch durchaus bewusst bassige Stücke, wie z.B. das "The wedding" von David Bowies "Black Tie, white noise" erschienen auf den BX5 eher aufgeblähter, schwammiger, undefinierter, während die 305 das Ganze deutlich klarer abbildeten, ohne dabei letztlich an Bass vermissen zu lassen.

Bei der 305 habe ich den LF- und HF-Trim ehrlich gesagt gar nicht ausprobiert, da sie schon in der Neutralstellung hervorragend klang. Dazu finden sich aber in anderen Reviews Beschreibungen.

Ich könnte jetzt noch etliche weitere Beispiele anführen, aber ich denke, die Richtung wird klar. ;-)

Ach ja, nur am Rande erwähnt - LAUT können beide, erheblich lauter als es für meinen Raum (und meine Ohren :rolleyes1:) gut wäre.

Und eins noch: Die BX5 werden beim Betrieb auf der Rückseite deutlich wärmer als handwarm, was vermutlich an den Class A/B-Verstärkern liegt, die 305 mit ihren Class D-Verstärkern bleibt hier kühl.

Fazit

Ich habe nicht viel Erfahrung mit Studiomonitoren, höre aber gerne und viel Musik, und mache auch in meiner Freizeit viel Musik selber. Insofern ist dieses Fazit naturgemäß meine ganz persönliche Meinung.

Und hier gewinnt die JBL LSR 305 diesen Vergleich klarer als von mir erwartet.

Im direkten Vergleich zur M-Audio BX5 D3, die sicher kein schlechter Lautsprecher ist, ist es tatsächlich so, als ob bei der 305 der vielbemühte Schleier zur Seite gezogen würde - sie klingt einfach so deutlich klarer und luftiger, ohne dass es ihr an Fundament fehlen würde.

Für mich ist somit die 305 die klare Kaufempfehlung, wenn man Freude an Details hat, Dinge so hören will (oder muss) wie sie sind - an sich ja der Daseinszweck von Studiomonitoren.

Die BX5 gehen für mich klanglich - wie oben schon erwähnt - eher in Richtung KRK Rokit, also bassigerer, nicht unangenehmer, eher partytauglicher Sound.
 
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