Amp-Modeler. Könnte das Konzept aufgehen?

von am_i_jesus?, 14.11.05.

  1. am_i_jesus?

    am_i_jesus? Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.11.05   #1
    Ich habe mir in letzter Zeit ein paar Dinge überlegt, wie sich prinzipiell der ideale Amp-Modeler konstruieren lassen müsste.

    Folgende Annahmen:

    1) Aus der Regelungstechnik ist bekannt, dass die Sprungantwort ein System ausreichend definiert, aus ihr lässt sich das Verhalten des Systems sowohl im Zeit- als auch im Frequenzbereich herleiten. Wird richtig gemessen, ohne Fehler, das Verfahren ist mathematisch exakt.

    2) Ein Amp ist ein System, das (elektrische) Eingangssignale in (elektrische) Ausgangssignale umwandelt.

    Meine Theorie:
    Der Verstärker wird auf die Einstellung gebracht, die man simulieren will. Gain, Volume, EQ, alles wird so eingestellt, wie der Modeler klingen soll. Auf die Lautstärke wird keine Rücksicht genommen, Endstufensättigung ließe sich so später am DSP durch verzerrungsfreie Amplitudenreduktion auch bei niedrigen Lautstärken erreichen.

    Legt man nun einen Einheitssprung am Eingang an und misst gleichzeitig die Signale aus der Endstufe.

    Hat man nun die Sprungantwort gemessen, die irgendwie auf die Art aussehen müsste,
    [​IMG]
    so hat man den Amp digitalisiert.
    Berechnung der Übertragungsfunktion geht entweder manuell oder mit Software, die Übertragungsfkt. auf einen DSP zu bringen dürfte kein Problem mehr sein. Nachteil: Für jede Klangverändernde Einstellung am Amp muss eine eigene Übertragungsfunktion aufgenommen werden, da solche Funktionen aber nicht allzuviel Speicherplatz brauchen, wäre das Elektronisch leicht realisierbar.

    Meine eigtl. Frage ist also:
    Was ist mein Denkfehler bzw. was machen die Elektronikfirmen falsch?
     
  2. angiemerkel

    angiemerkel Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.11.05   #2
    Die Antwort des Amps ist pegel- (think Anschlagdynamik) und frequenz(dürfte klar sein :) )abhängig. Viel Spaß beim Messen und mit matlab.
     
  3. Slider

    Slider Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.11.05   #3
    Ich kenne mich da zwar nicht aus, aber entweder ist das kompletter blödsinn :D (sorry)
    oder es ist genial :great:

    Cheers
     
  4. am_i_jesus?

    am_i_jesus? Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.11.05   #4
    Ach nö? ;)

    Ja, aber das dürfte kein Problem sein, oder?
     
  5. Blashyrkh

    Blashyrkh Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.11.05   #5
    Du lässt ausser acht dass die von dir gemachten beobachtungen nur für zeitinvariante Systeme in der Form gelten.(LZI-Systeme).
    Das ist ein Verstärker aber nicht.

    Das heisst, ein echter diskret aufgebauter Verstärker hat viel zu viele zeitvariante Zustandsgrössen, eben Zustandsgrössen die sich während des Betriebes ändern als dass diese sich einfach alle messen und speichern lassen könnten.
    Ich denke da einmal an thermische Effekte etc.
    Abgesehen davon ist ein Verstärker auch kein lineares System.
    das heist.

    Das so auf die schnelle uohne in meinen schlauen BÜchern nachgeschlagen zu haben.
    Kann dementsprechend auch inkorrekt sein :.-).

    Wenn es nur der Pegel und die Frequenz sind, dann ist das kein Problem. Genau dafür ist eine übertragungsfunktion ja da, dass du nicht bei jeder Frequenz und bei jedem Pegel eine neue Messung machen musst.
     
  6. dodl

    dodl Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.11.05   #6
    Hallo,

    Ein aehnlicher Ansatz hat sich ja bei Messungen an Lautsprechern bewaehrt (Impulsantwort messen und dann alle Daten daraus errechnen).

    Ich meine vernommen zu haben, das Vox deine angesprochene Methode fuer die Valvetronix Amps und die Tonelabs anwendet. Zumindest so in der Art.
    Entsprechend gut finde ich den Klang. Ich hab nur immer noch den Eindruck, dass da um den ADC nicht zu überfahren irgendwo davor limitiert wird und deshalb klingen die Geraete zwar einerseits authentisch, andererseits kommt das Röhrenoriginal irgendwie "spritziger" daher. In dem Fall kann man sogar von dynamischer reden, denn bei niedrigen Gainstellungen kann ich mit dem Plektrum gewaltige Pegelspruenge provozieren, was beim Valvetronix in dem Ausmass eben nicht geht. Der bleibt im Direktvergleich eher verhalten.

    Nichtsdestotrotz ist vermutlich dein Ansatz der richtige.

    cu
    martin
     
  7. am_i_jesus?

    am_i_jesus? Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.11.05   #7
    Thermische Effekte interessieren ja nicht - die Funktion im s-Bereich soll ja auch nur eine Momentaufnahme des Amps sein. Sind die Röhren beim Messzeitpunkt nicht heiß, dann ist das eben so, dementsprechend würde auch die DSP klingen. Solche Effekte müsste man halt beim Messen beachten (in dem Fall also erstmal die Röhren aufheizen lassen, dann erst messen
    Das heißt was? Ja logisch ist er keines. Wenn er eines wär, bräuchte ich keine ÜF..


    aha, freut mich, dass mein Ansatz offensichtlich nicht ganz falsch ist...
    Hast du da auch eine Quelle, oder mehr Infos dazu? Das interessiert mich...
    Kann ich mir nicht vorstellen, ein limitiertes Signal würde Clipping erzeugen, und das kann wohl nicht im Sinne des Erfinders sein
     
  8. dodl

    dodl Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.11.05   #8
    Hallo,

    Mit limitieren meine ich jetzt einen Comp, der Spitzen runterbügelt. Bin nicht sicher ob wir da vom gleichen reden. Wie bei PA Endstufen, die ja auch alle einen Limiter haben, damit der Amp nicht clippt.

    Quelle zu der Valvetronixtechnologie such ich dir. Ich weiss, ich hatte das mal in einem pdf gelesen.

    bis dann
    martin
     
  9. Blashyrkh

    Blashyrkh Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.11.05   #9
    Poste das gleich, würd mich auch sehr interresieren.
     
  10. DerOnkel

    DerOnkel HCA Elektronik Saiteninstrumente HCA

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    Erstellt: 16.11.05   #10
    Grundsätzlich ist Dein Denkansatz nicht falsch, allerdings ist er auch nicht vollständig. Hier ein paar grundsätzliche Überlegungen zu dem Thema:

    1. Modeler vs. Analog

    Bis vor kurzem wurden Übertragungssysteme ausschließlich als analoge Lösung realisiert. Als Grundbestandteile wurden Spulen, Kondensatoren, Widerstände, Dioden und Transistoren verwendet. Das man die damit realisierten Funktionen auch in zeit- und wertdiskreter Form realisieren konnte, hatte lange Zeit nur theoretische Bedeutung, da Speicher und schnelle Signalprozessoren (DSP) sehr teuer und/oder nicht verfügbar waren.

    Bei diesem Verfahren wurden die analogen Komponenten durch Verzögerungsglieder, Addierer und Mutiplizierer ersetzt. Dabei lassen sich Verzögerugsglieder durch Speicher realisieren und die Rechenoperationen sind eine typische Domäne eines Mikroprzessors.

    Man benötigt also Speicher, DSP und die beiden Wandler (Analog zu Digital und Digital zu Analog) und natürlich ein Programm, den sogenannten Algorithmus.

    1. Eigenschaften eines Übertragungssystems (Verstärker)

    Ein Übertragungssystem ist in der Lage folgende Veränderungen an einem am Eingang angelegten Signal vorzunehmen:
    1. Lineare Verstärkung
    2. Lineare Verzerrung
    3. Nichtlineare Verzerrung
    Theoretisch gibt es natürlich auch noch die Variante, daß nichts verändert wird, was aus Sicht der Übertragung aber keinen Sinn macht und deshalb im weiteren Verlauf vernachlässigt wird. Ein Beispiel für so ein System wäre ein idealer Impedanzwandler.

    1.1 Lineare Verstärkung

    Eine angelegte Signalgröße wird um einen konstanten Faktor vergrößert (Verstärkung) oder verringert (Dämpfung). Es ist dabei unerheblich, ob es sich Gleichspannung oder Wechselspannung handelt. Alle Frequenzen (auch f=0Hz) werden um diesen Faktor verändert.

    Beispiel:

    Ua= a*Ue (a<1: Dämpfung, a>1: Verstärkung)

    Besteht das Eingangsignal also aus einem Frequenzgemisch, wird dieses Gemisch insgesamt verändert. Eine Änderung der Signalinformation wird dabei nicht erzeugt!

    Diese Veränderung wird in der Praxis durch einen Verstärker oder einen Spannungsteiler realisiert, die für unser Verständnis jedoch als ideal aufzufassen sind!

    1.2 Lineare Verzerrung

    Regt man ein System mit einem Dirac-Puls an, so entspricht die Systemantwort im Frequenzbereich exakt der Übertragungsfunktion. Der in der Regelungstechnik übliche Weg über die Sprungantwort basiert auf praktischen Überlegungen, führt letztendlich aber zum gleichen Ziel.

    Bei der linearen Verzerrung handelt es sich wiederum um eine Verstärkung. Allerdings ist diese frequenzabhängig. Die Übertragungsfunktion eines elektromagnetischen Tonabehmers ist ein gutes Beispiel dafür:

    [​IMG]

    Hier ist zu erkennen, daß Frequenzen unter 1 kHz nicht verstärkt werden (~0dB), der Bereich zwischen 1 und 3 kHz verstärkt wird und ab 3kHz eine Dämpfung eintritt.

    Im Gegensatz zur linearen Verstärkung wird hier also das Verhältnis der Amplituden der einzelnen Frequenzen verändert. Im akustischen Verständnis könnte man sagen, daß eine "Klangumformung" oder "Verfärbung" stattfindet.

    Mathematisch muß dieses Verhalten durch komplexe Gleichung beschrieben werden. Eingebürgert hat sich die Darstellung im Frequenzbereich, die durch die sogenannte Fouriertransformation mit dem Zeitbereich verbunden ist.

    Ua(j*w)=G(j*w)*Ue(j*w) (darin ist G(j*w) die Übertragungsfunktion)

    Lineare Verzerrungen werden in der Praxis durch sogenannte Filter realisiert. Ein Equalizer ist ein gutes Beispiel für einen solchen linearen Verzerrer.

    1.3 Nichtlineare Verzerrung

    Wir betreten jetzt einen Bereich, der für die reine Übertragungstechnik eigentlich unerwünscht ist. Für Modulation und Demodulation ist er jedoch notwendig und auch die Gitarristen mögen gerne nichtlineare Verzerrungen.

    Diese Art von Verzerrung entsteht durch die Aussteuerung einer nichtlinearen Kennlinie, wie sie bei Röhren und Halbleitern Gang und Gebe ist.

    Man kann vereinfacht sagen, daß die Verstärkung des Systems eine von der Eingangsspannung abhängige Größe ist.

    Ua=a(Ue)*Ue

    Das bedeutet, daß unabhängig von der Frequenz die Ausgangsspannung nur von der Eingangsamplitude beeinflußt wird.
    In der Praxis werden die nichtlinearen Kennlinien gerne durch ein Knickkennlinie oder eine quadratische Funktion angenähert.

    Ua=a*Ue^2

    Das sich dadurch die Signalform am Ausgang verändert, ist leicht einsehbar. Bei einer Sinusaussteuerung kann die Signalform am Ausgang von einem ein- oder beidseitig abgeplatteten Sinus bis zu einem Rechteck variieren.

    Auch wenn man es optisch auf einem Oszilloskop nicht mehr sehen kann, ist das Ergebnis einer solchen Verzerrung "hörbar". Unterwirft man das Ausgangssignal einer Fourieranalyse, so stellt man fest, daß zusätzliche Frequenzen im Spektrum auftauche, die im Eingangssignal nicht enthalten waren. Je nachdem, ob es sich um Vielfache der Eingangsfrequenz handelt oder nicht, empfinden wir das Resultat als "klingend" oder als Geräusch.

    Analog zur linearen Verzerrung muß man bei der nichtlinearen Verzerrung von einer "Klangerweiterung" sprechen.

    Da zusätzliche Frequenzen entstehen, ändert sich auch die Information des Signales. Wir hören jetzt ja ein anderes Klangereignis!

    2. Der Verstärker

    2.1 Die analoge Welt

    Bevor man sich mit der digitalen Nachbildung eines Verstärkers befaßt, sollte man die analoge Realisierung genau analysieren. Betrachten wir einmal die bekannte Verstärkerschaltung. Dabei spielt es erst einmal keine Rolle, ob ein Transistor oder eine Röhre verwendet wird.

    1. Durch die Beschaltung mit Widerständen macht die Schaltung eine lineare Verstärkung. Das ist genau das, was sie ja auch tun soll. Aber

    2. durch die Kapazitäten (Trennkondensatoren zur Arbeitspunktabsicherung,...) und die Widerstände entsteht jedoch auch ein frequenzabhängiges Verhalten. Es ergeben sich dadurch in erster Linie drei Hochpässe.

    Da das Verstärkerelement (Transistor, Röhre) auch über parasitäre Kapazitäten verfügt, entstehen noch weitere Filter, die in aller Regel ein Tiefpaßverhalten zur Folge haben. Über alles entsteht dann meist ein sogenannter Bandpaß. Wir haben also jede Menge linearer Verzerrer im Spiel.

    3. Die Kennlinien des aktiven Elementes sind nur innerhalb eines gewissen Aussteuerbereiches annähernd linear. Durch gezielte Gegenkopplung wird versucht, diesen Bereich zu vergrößern.

    Wird das System übersteuert, so entstehen nichtlineare Verzerrungen.

    2.2 Verstärker goes digital...

    Möchte man das eben beschriebene Verhalten digital nachbilden, so sind mehrere Dinge notwendig.

    1. Nachbildung der linearen Verstärkung

    Das ist relativ einfach. Das digitalisierte Signal wird einfach mit einer konstanten Größe multipliziert.

    2. Nachbildung der linearen Verzerrung

    Hier müssen mehrere analoge Filter digital nachgebildet werden. Dazu ist es unbedingt notwendig, die entsprechenden Übertragungsfunktionen zu kennen. Sie werden dann mathematisch abgetastet. Dabei kommt dann die sogenannte Z-Transformation zum Einsatz.

    G(j*w) -> H(z)

    Am Ende der Prozedur steht dann ein Algorithmus, der aus Verzögerungen, Addierern und Multiplizieren besteht. Die Koeffizienten für die Multiplizierer ergeben sich dann aus der Übertragungsfunktion H(z).

    Die Realisierung solcher Filter mit Hilfe eines DSP stellt heute kein großes Problem mehr dar.

    3. Nachbildung der linearen Verzerrung

    Hier wird es schon etwas schwieriger. Grundsätzlich muß man die nichtlineare Kennlinie digital nachbilden. Da sich eine geschlossene mathematische Beschreibung in der Regel als schwierig und daher ungenau erweist, wird das ganze häufig durch eine Tabelle gelöst.

    In ihr wird jedem möglichen Wert der Eingangsspannung der entsprechende Wert der Ausgangsspannung zugeordnet. Da bei einem digitalen Signal die Wertemenge der Amplitude begrenzt ist, kann man den Eingangswert hervorragen als Index benutzen, um so aus einem mit Werten belegten Array den Ausgangswert auszulesen.

    Auch die nichtlineare Verzerrung läßt sich also gut mit den Mitteln der digitalen Signalverarbeitung nachbilden.

    2.3 Der Teufel steckt im Detail

    Da wir jetzt wissen, welche digitalen System wir benötigen, kann man das ganze ja mal schnell zusammenprogrammieren. Aber so einfach ist das leider nicht, denn es kann von entscheidender Bedeutung sein, an welcher Stelle der Kette die Nachbildung der Verzerrung erfolgt. Wer schon einmal mit einen Equalizer vor und nach einem Verzerrer experimentiert hat, weiß, daß bezüglich der Wirksamkeit und des Effektes große Unterschiede bestehen.

    Es gibt viele kleine Dinge, die das Resultat nicht zu 100 Prozent vergleichbar machen können:
    1. Die Reihenfolge von Verstärker, Filter(n) und Verzerrer(n)
    2. Die Auflösung der Lockup-Table für den Verzerrer
    3. Die Realisierung der Filter
    4. Übertragungsfehler durch ADC und DAC.
    Wie bei jeder digitalen Signalverarbeitung eines analogen Signals muß man natürlich sicherstellen, daß der ADC in keinem Fall übersteuert wird! Entweder wird der Aussteuerbereich ausreichend groß gewählt, oder es muß bei Bedarf eine Begrenzung der Signalamplitude vorgenommen werden. In diesem Zusammenhang fällt auch häufig der Begriff "Headroom".
    In der Praxis wird man sicherlich eine Kombination beider Methoden wählen.

    2.4 Das Modell eines Instrumentenverstärkers

    Das, was für eine Verstärkerstufe gilt, muß natürlich auch für einen gesamten Verstärker gelten. Es macht jedoch keinen Sinn, das gesamte Gerät als Box mit einem Eingang und Ausgang zu verstehen und die Meßergebnisse in eine digitale Lösung umzusetzen. Dabei bleiben zu viele Details auf der Strecke. Der bessere Weg ist dieser:
    1. Zerlegung des analogen Verstärkers in einzelne Stufen.
    2. Analoge Modellierung der einzelnen Stufen.
    3. Digitalisierung der analogen Modelle (Algorithmen).
    4. Verkettung der einzelnen Algorithmen zu einer Gesamtlösung.
    Das, was hier mal schnell in 4 Schritten dargestellt wurde, ist allerdings eine sehr umfangreiche Aufgabe. Gerade die beiden ersten Punkte bedürfen großer Aufmerksamkeit, denn jeder Fehler in den analogen Modellen ist dann später auch in der digitalen Lösung enthalten. Wer hier also an Aufwand spart, wird nie zu einem akzeptablen Ergebnis gelangen!

    3. Ein Modeler klingt schlecht!

    Das muß allerdings nicht so sein. Der zu treibende Entwicklungsaufwand ist jedoch nicht unerheblich und kann in der Regel nur von Elektroingenieuren geleistet werden. Dementsprechend entstehen hier hohe Kosten. Damit dürfte auch klar geworden sein, warum die billigen Modeler tatsächlich schlecht klingen. Man hat aus Zeit- und Kostengründen einfach nicht sorgfältig genug gearbeitet und quasi die Hälfte vergessen!

    3. Zusammenfassung

    Mit Hilfe der Methoden der digitalen Signalverarbeitung läßt sich ein analoger Verstärker vollständig nachbilden (Gleiches gilt übrigens auch für die Modellierung von Effekten).

    Die Qualität und damit das klangliche Ergebnis steht und fällt mit der Qualität der verwendeten analogen Modelle des zu modellierende Verstärkers.

    Ulf
     
  11. am_i_jesus?

    am_i_jesus? Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.11.05   #11
    Ohne jetzt deinen Post gelesen zu haben: Auf deine Antwort hab ich gewartet :)

    Edit
    So, jetzt bin ich durch. Hmm. Die Kennlinie einer Röhre kann von einer ÜF nicht simuliert werden, da hast du wohl recht. In der Tat ein Denkfehler. :)

    Was mich aber zum nächsten Ansatz bringt, um die Dynamik zu realisieren.

    Mein Vorschlag:
    Übertragungsfunktionen, gemessen wie auch immer, in einem Array G_f(pegel,frequenz)
    Code:
                          DSP
                        +-----------------------------------------------------------------------------------------------+
                        |                                                                                               |
    +---------+         |     +------------------------+     +------------------------------------------------------+   |
    | Gitarre |---->----|-->--| arr_Eingang = FFT(A/D) |-->--| arr_Eingang = arr_Eingang(f) * G_f(arr_Eingang(f),f) |->-|---+
    +---------+         |     +------------------------+     +------------------------------------------------------+   |   |
                        +-----------------------------------------------------------------------------------------------+   |
                                                                                                                            |
                                                                                                                            |
               +------------------------------------------------------------------------------------------------------------+
               |
               |
               |        +---------------------+           +--------+
               |        |                     |           |        |
               +--------|   Endstufe (lin.!)  |----->-----|  Box   |
                        |                     |           |        |
                        +---------------------+           +--------+
    Fragen müsste man sich allerdings, wieviele Kennlinien man mit welcher Frequenzauflösung man aufnehmen müsste, um subjektiv den gleichen Klangeindruck zu haben.

    Zu deinen 4. Schritten, einen Modeler zu bauen: Das ist mir schon bewusst. Mir geht es darum, genau diese 4. Schritte zu umgehen, soweit es geht. Wie du sagtest: Teuer, aufwändig, ungenau.

    Außerdem wäre das Automatisierte Abnehmen eines Amp-Models ohne jeden Zweifel eine Geschäftsidee, mit der man sich mehr als nur eine goldene Nase verdienen könnte.

    Hast du praktische Erfahrungen mit irgendwelchen DSPs? Kannst du was empfehlen? Ich schreib dieses Jahr eine Diplomarbeit an der Schule, "Digitale Signal-Verarbeitung mit Matlab"
     
  12. DerOnkel

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    Erstellt: 17.11.05   #12
    Du wirst um die Prozedur, die ich beschrieben habe leider nicht umhin kommen.

    Die Übertragungsfunktion ist eine dynamische Größe, die das Systemverhalten in Abhängigkeit der Frequenz beschreibt. Es ist also eine lineare Systembeschreibung im Frequenzbereich. Das führt dann zu einem digitalen Filter:

    Aus

    G(j*w)=Ua(j*w)/Ue(j*w)

    wird durch die Transformationen dann

    H(z)=Ua(z)/Ue(z)

    Die Übertragungskennlinie ist eine statische Größe eines Verstärkers und losgelöst von jedweder Frequenz. Diese Formel beschreibt die absolute Änderung der Ausgangsgröße bei einer Änderung des Eingangs. Für eine kubische Kennlinie gilt dann zum Beispiel:

    y-yA=a1*(x-xA)+a2*(x-xA)^2+a3*(x-xA)^3

    Wobei das Wertepaar (yA,xA) den Arbeitspunkt auf der Kennlinie beschreibt. Diese Funktion ist etwas vollkomen anderes als die Übertragungsfunktion, da sie ein nichtlineares Verhalten im Zeitbereich beschreibt.

    Für x wird dann die Aussteuerung eingesetzt, also

    x=xA+Â*cos(w0*t) (Â: Amplitude, hatte leider kein x mit Dach :( )

    Es ist sehr wichtig, daß man diese beiden Dinge nicht vermischt! Um das System zu modellieren brauchst Du beide Funktionen getrennt. Die Messung der beiden Funktionen muß auch getrennt erfolgen, denn für die eine Größe muß die Frequenz variiert werden, für die andere die Amplitude.

    Würde man beide Parameter variieren würde das Ergebnis zu einer zweidimensionalen Lookup-Table führen. Man steht dann vor dem Problem die als Index benötigte Frequenz im Betrieb zu messen. Das ist sehr aufwendig und daher unrealistisch.

    Ein digitaler Filter löst dieses Problem sehr elegant. Ausgehend von der diskreten Übertragungsfunktion H(z) erhält man durch inverse Z-Transformation die diskrete Impulsantwort in Form einer Differenzengleichung. Ein Frequenzmessung ist dabei nicht erforderlich!

    In Deinem Bild hast Du das System aufgezeichnet, wie ich es nicht geraten habe. Eine simple Lösung "über" den gesamten Verstärker führt zu nichts. Die einzelnen Verstärkerstufen müssen getrennt modelliert werden!

    Gäbe es die von Dir gesuchte "einfach" Lösung, dann wären diverse Firmen diesen Weg schon längst gegangen. Nebenbei bemerkt, stand dieser Weg am Anfang der Entwicklung und wurde, da unzureichend, schnell wieder verworfen.

    Lies Dich mal zum Thema digitale Signalverarbeitung ein (z.B. P.Gerdsen, P. Kröger: Digitale Signalverarbeitung in der Nachrichtentechnik), dann wirst Du einige Probleme vieleicht leichter verstehen. Auch die Kenntnis von linearen Systemen ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung. Insgesamt eröffnet sich Dir hier ein weites Feld zur Informationsaufnahme.

    Ulf

    ps: Mit DSP's hatte ich bisher nichts zu tun (außer ein oder zwei Laborversuche auf der Uni).
     
  13. Mogadischu

    Mogadischu Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.11.05   #13
    @DerOnkel

    mach doch mal aus der 0 eine 1.
     
  14. DerOnkel

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    Erstellt: 17.11.05   #14
    Gut aufgepaßt! Danke für die Korrektur! :great:

    Ulf
     
  15. Killigrew

    Killigrew Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.11.05   #15
    Hihi, ganu das hab ich grad in der Uni :)

    Zu dem kommt meiner Meinung nach noch ein anderes Problem.
    Die Endstufe hat einen seeehr großen Anteil am gesammt Klang.
    Das könnte man zwar mit einer Class-D Endstufe mit integrietem DSP lösen,
    aber wirklich gut werden die Ergebnisse sicher nicht.
    z.b. das Verhalten des Lautsprechers durch die geringe Dämpfung durch die Endstufe,
    kann man wohl sicher schlecht Modeln.
    Auch den Druck den eine Röhren Endstufe liefert bekommt man sicher nur schwer hin.
    Das liegt daran, das im Netzteil einer Röhren Endstufe bedingt durch die hohe Spannung
    ein Vielfaches der Energie gespeichert ist im Vergleich zu einer "Niedervolt" Transistor Endstufe, letzteres weiß ich aber nicht genau, evtl ist es auch Humbug ;)

    cu :)
     
  16. am_i_jesus?

    am_i_jesus? Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.11.05   #16
    Onkel: Ich hab mir jetzt deine AW ein paar mal durchgelesen, aber mir ist nicht klar, warum der Lookup-Table abgesehen von Geschwindigkeitsgründen nicht funktionieren sollte...

    Code:
    Pegel = 0.1V
    g(f) = 0 0 0 0 1 0 0 0 . . .       ________||______
    
    Pegel = 0.2V
    g(f) = 0 0 0 1 0 0 0 0 . . .       ______||________
    
    Pegel = 0.3V
    
    g(f) = 0 0 0 1 1 0 0 0 . . .       ______||||______
    
    Dynamik würde so aussehen:
    f=0  1  2  3  4  5 ...
      |  |  |  |  -- |
      |  |  |  -- |  |
      |  |  |  -- -- |
    
    Wir hätten also in Horizontalrichtung den Frequenzgang, in Vertikalrichtung verschiedene Verstärkungen für jeden Pegel, also die gewünschte Dynamik...

    Kannst du mir hier _einfach_ erklären, wieso das nicht funktioniert? Ich bin grad dabei mich in digitale Signalverarbeitung einzulesen (Richard G. Lyons - Understanding Digital Signal Processing), aber eben erst am Anfang..

    Diese Idee hatte ich aber schon vor der Beschäftigung mit dem Thema.

    Mfg
     
  17. DerOnkel

    DerOnkel HCA Elektronik Saiteninstrumente HCA

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    Erstellt: 20.11.05   #17
    Du hast also in einer Dimension g(f) ja?. Gut, dann verkläre mir doch mal, wie Du diese Tabelle indizieren willst. Jeder Wert entspricht doch der Dämpfung/Verstärkung bei einer Frequenz. Du mußt also die Frequenz in Echtzeit messen!

    So, Du bist dran. Schnell mal über das Problem nachdenken. ;)

    Ulf

    der jetzt zu Kaffee und Juchen abschwirrt.
     
  18. am_i_jesus?

    am_i_jesus? Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.11.05   #18
    FFT? OK, da krieg ich wirklich ein Geschwindigkeitsproblem. Trotzdem: die theoretische Machbarkeit hätten wir. Ein PC müsste die Rechenleistung schon zusammenkriegen, oder? Oder meinst du was anderes?

    am_i_jesus?

    der leider keinen Kuchen, aber dafür Kaf²e² hat :)

    Eine kurze Verzugszeit hab ich auch noch. Auf die Art.
     
  19. DerOnkel

    DerOnkel HCA Elektronik Saiteninstrumente HCA

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    Erstellt: 21.11.05   #19
    Du müßtest dann mehrere Frequenzen zur gleichen Zeit im Abstand der Abtastrate messen. Wie war das doch gleich bei der CD? 44kHz sind dann 22µs für dieverse Messungen!!

    Wie gesagt, daß ist eine sehr schlechte Lösung. So etwas erledigt man im Zeitbereich durch eine Differenzengleichung, also ein digitales Filter. Dann fällt die ganze FFT weg.

    Ulf
     
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