Uhu Stick
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- 20.04.26
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Im Netz wird ja immer wieder die große Preisgüte von Harley Benton gelobt. Vor 2 Jahren habe ich den damals 179€ teuren >Harley Benton PJ-74 Vintage< getestet, der dieses Klischee ziemlich gut bestätigt hat.
Nun ist das Topmodell Bassfraktion, der Harley Benton BZ-4000 II NT, an der Reihe. Dieser war während der Ostertage 2026 auf 399€ reduziert und kostet im Jahr 2026 regulär 459€. Damit ist er z.Z. die Speerspitze der Bässe von Harley Benton. Hiermit möchte ich mal meine Eindrücke wiedergeben was ich nach 3 Wochen Spielen davon halte, insbesondere in Hinblick auf die oftmals gelobte Qualität.
Lackierung und Specs
Harley Benton ist bei allen Produkten die ich bisher angespielt habe, immer durch seine gute bis sehr gute Lackierarbeit aufgefallen. So zu 99% auch hier. Nur zu 99%? Also zu 1% nicht? Jep! Auf dem Griffbrett, dick im Sichtbereich, sind von Werk aus diese dicken Kratzer gewesen. Und ja, die fühlt man. Auch war ich relativ erstaunt, dass ich Klebereste(?) an der Kopfplatte vorgefunden habe. Harley Benton? Was ist da los mit euch? Ausgerechnet bei eurem Aushängeschild passiert sowas?
Die geflammte Decke muss man sagen ist für 459€ gut geworden. Selbst eine gewisse Tiefe in der Maserung ist vorhanden.
Die Bünde sind leider nicht aus Edelstahl. Merkwürdig, 🤔grade beim Topmodell hätte erwartet, dass Edelstahl drin wäre. Bei den E-Gitarren gibt es schließlich schon bei 300€ Edelstahl als Bundmaterial.
Auch etwas das ich eigentlich nicht erwartet habe: Die Verrundung der Bundenden ist tatsächlich nicht so gut, wie die meines 250€ günstigeren Harley Benton PJ-74. Okay, man kann nicht sagen das sie krass überstehen. Aber beim Spielen merke ich sie, während ich sie beim PJ-74 hingegen überhaupt nicht merke.
Die Brücke lässt vermuten, dass theoretisch die Option vorgesehen war, die Saiten durch den Korpus zu führen. Die Bohrungen dafür sind vorhanden. Leider sagt der Korpus dazu aber „Nö“, denn der ist nicht durchgebohrt. Schade. Das hätte die klanglichen Optionen auf einfache Weise noch mehr erweitert.
Das Griffbrett, aus Palisander, ist dagegen wirklich Top. Das ist wirklich Spitzenniveau und kann sich mit allen Gitarren und Bässen messen, die ich besitze. Auch der Sattel ist sehr gut. Die Mechaniken sind alle konstant und bieten keine Widerstandsschwankungen. Die Stimmstabilität ist absolut vorhanden.
Elektronik
Der Bass hat eine aktive Elektronik spendiert bekommen. Wie so häufig funktioniert diese auch mit leerer Batterie. Leider aber gibt es im Passiv-Modus keine Höhenblende. Lediglich die Gesamtlautstärke und die Hals-Steg Verteilung der Pickups lassen sich hier einstellen. Der Passivmodus verkommt für mich dadurch zu einem reinen Notfallmodus, wenn einem Live die Batterie alle geht. Schade. Ich hätte mir hier mehr erhofft.
Sind die Potis auf neutral gestellt, ist der Klang zwischen Aktiv-und Passivmodus exakt 1:1 derselbe. Es gibt wirklich keinerlei Unterschiede.
Der Bass-Poti regelt alle Frequenzen unterhalb von 300Hz. Der Mittenregler regelt hauptsächlich zwischen 500 – 1500 Hz, mit dem Peak bei 1000Hz. Der Höhenregler regelt über 5000Hz.
Spielgefühl
Im Sitzen wie auch am Gurt offenbart sich eine sehr gute Gewichtsbalance. Es gibt kein ernsthaftes Abdriften nach rechts oder links. Die Küchenwage sagt der Hobel wiege 3760 gr. Für einen Bass ist das gut.
Der Hals ist irgendwo zwischen Precision und Jazz. Er bietet kein grobschlächtiges Precision Bass Feeling aber auch keine filigrane Jazzfrickelei. Er ist irgendwo auf eine moderne Weise dazwischen. Der Korpus bietet eine schöne Bierbauchfräsung. Gefühlt ist er dadurch dünner, als ein klassischer Precision Bass, ist aber tatsächlich genauso dick.
Sound
Den Grundsound würde ich als wunderbaren Durchschnittssound beschreiben. Präsent, aber auch dick. Nicht aufdringlich im Anschlag, aber vernehmbar. Im Studio konnte ich schnell gute Ergebnisse generieren. Hier finde ich, liegt die größte Stärke des Basses.
Fazit
Nachdem Harley Benton in der 300€ Region unheimlich viel liefern kann, hatte ich tatsächlich die Erwartung gehabt, beim Top Modell ein Instrument zu erhalten, das fast in der Boutique Klasse mitspielt. Also etwas das dick am Klotzen ist und in jeder Hinsicht 100% ist. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Dieser Patzer am Griffbrett und Kopfplatte, sowie die fehlende Höhenblende im Passivbetrieb sind zwar (für mich) keine echten Rücksendegründe, aber beim Flaggschiff finde ich das ein bisschen peinlich.
Auch sehe ich ganz allgemein nicht, dass sich der BZ 4000 in Sachen Qualität, Haptik und Verarbeitung von einem Sire, Cort oder Ibanez absetzt. Auch die machen richtig gute Arbeit in dieser Preisklasse. Und in Sachen Ausstattung bietet Sire hier sogar deutlich mehr. Grade was die EQ-Beeinflussung angeht.
Das Preis/Leistungsverhältnis das ich erhalten habe, ist für mich unterdurchschnittlich.
Es wäre verkehrt zu sagen, dass der BZ 4000 ein schlechter Bass wäre. Aber ich habe mehr erwartet. Vor allem beim Topmodell. Während andere Gitarren/Bässe von HB deutlich mehr wert sind, als ihr Preisschild sagt, ist dieser Bass dieses Mal höchstens das wert, was auf seinem Preisschild steht.
Meine Kaufempfehlung lautet: Bedingt.
Ich bin zwar nicht enttäuscht, aber suspekt wie sowas beim Aushängeschild passieren konnte, ist es mir dennoch.
Hätte ich den Bass nicht im Osterangebot für 60€ günstiger bekommen, und nochmal obendrauf 20€ von Thomann wegen der Kratzer erhalten, wäre das das erste Mal gewesen, dass ich bei Harley Benton was zurückgeschickt hätte.
Nun ist das Topmodell Bassfraktion, der Harley Benton BZ-4000 II NT, an der Reihe. Dieser war während der Ostertage 2026 auf 399€ reduziert und kostet im Jahr 2026 regulär 459€. Damit ist er z.Z. die Speerspitze der Bässe von Harley Benton. Hiermit möchte ich mal meine Eindrücke wiedergeben was ich nach 3 Wochen Spielen davon halte, insbesondere in Hinblick auf die oftmals gelobte Qualität.
Lackierung und Specs
Harley Benton ist bei allen Produkten die ich bisher angespielt habe, immer durch seine gute bis sehr gute Lackierarbeit aufgefallen. So zu 99% auch hier. Nur zu 99%? Also zu 1% nicht? Jep! Auf dem Griffbrett, dick im Sichtbereich, sind von Werk aus diese dicken Kratzer gewesen. Und ja, die fühlt man. Auch war ich relativ erstaunt, dass ich Klebereste(?) an der Kopfplatte vorgefunden habe. Harley Benton? Was ist da los mit euch? Ausgerechnet bei eurem Aushängeschild passiert sowas?
Die geflammte Decke muss man sagen ist für 459€ gut geworden. Selbst eine gewisse Tiefe in der Maserung ist vorhanden.
Die Bünde sind leider nicht aus Edelstahl. Merkwürdig, 🤔grade beim Topmodell hätte erwartet, dass Edelstahl drin wäre. Bei den E-Gitarren gibt es schließlich schon bei 300€ Edelstahl als Bundmaterial.
Auch etwas das ich eigentlich nicht erwartet habe: Die Verrundung der Bundenden ist tatsächlich nicht so gut, wie die meines 250€ günstigeren Harley Benton PJ-74. Okay, man kann nicht sagen das sie krass überstehen. Aber beim Spielen merke ich sie, während ich sie beim PJ-74 hingegen überhaupt nicht merke.
Die Brücke lässt vermuten, dass theoretisch die Option vorgesehen war, die Saiten durch den Korpus zu führen. Die Bohrungen dafür sind vorhanden. Leider sagt der Korpus dazu aber „Nö“, denn der ist nicht durchgebohrt. Schade. Das hätte die klanglichen Optionen auf einfache Weise noch mehr erweitert.
Das Griffbrett, aus Palisander, ist dagegen wirklich Top. Das ist wirklich Spitzenniveau und kann sich mit allen Gitarren und Bässen messen, die ich besitze. Auch der Sattel ist sehr gut. Die Mechaniken sind alle konstant und bieten keine Widerstandsschwankungen. Die Stimmstabilität ist absolut vorhanden.
Elektronik
Der Bass hat eine aktive Elektronik spendiert bekommen. Wie so häufig funktioniert diese auch mit leerer Batterie. Leider aber gibt es im Passiv-Modus keine Höhenblende. Lediglich die Gesamtlautstärke und die Hals-Steg Verteilung der Pickups lassen sich hier einstellen. Der Passivmodus verkommt für mich dadurch zu einem reinen Notfallmodus, wenn einem Live die Batterie alle geht. Schade. Ich hätte mir hier mehr erhofft.
Sind die Potis auf neutral gestellt, ist der Klang zwischen Aktiv-und Passivmodus exakt 1:1 derselbe. Es gibt wirklich keinerlei Unterschiede.
Der Bass-Poti regelt alle Frequenzen unterhalb von 300Hz. Der Mittenregler regelt hauptsächlich zwischen 500 – 1500 Hz, mit dem Peak bei 1000Hz. Der Höhenregler regelt über 5000Hz.
Spielgefühl
Im Sitzen wie auch am Gurt offenbart sich eine sehr gute Gewichtsbalance. Es gibt kein ernsthaftes Abdriften nach rechts oder links. Die Küchenwage sagt der Hobel wiege 3760 gr. Für einen Bass ist das gut.
Der Hals ist irgendwo zwischen Precision und Jazz. Er bietet kein grobschlächtiges Precision Bass Feeling aber auch keine filigrane Jazzfrickelei. Er ist irgendwo auf eine moderne Weise dazwischen. Der Korpus bietet eine schöne Bierbauchfräsung. Gefühlt ist er dadurch dünner, als ein klassischer Precision Bass, ist aber tatsächlich genauso dick.
Sound
Den Grundsound würde ich als wunderbaren Durchschnittssound beschreiben. Präsent, aber auch dick. Nicht aufdringlich im Anschlag, aber vernehmbar. Im Studio konnte ich schnell gute Ergebnisse generieren. Hier finde ich, liegt die größte Stärke des Basses.
Fazit
Nachdem Harley Benton in der 300€ Region unheimlich viel liefern kann, hatte ich tatsächlich die Erwartung gehabt, beim Top Modell ein Instrument zu erhalten, das fast in der Boutique Klasse mitspielt. Also etwas das dick am Klotzen ist und in jeder Hinsicht 100% ist. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Dieser Patzer am Griffbrett und Kopfplatte, sowie die fehlende Höhenblende im Passivbetrieb sind zwar (für mich) keine echten Rücksendegründe, aber beim Flaggschiff finde ich das ein bisschen peinlich.
Auch sehe ich ganz allgemein nicht, dass sich der BZ 4000 in Sachen Qualität, Haptik und Verarbeitung von einem Sire, Cort oder Ibanez absetzt. Auch die machen richtig gute Arbeit in dieser Preisklasse. Und in Sachen Ausstattung bietet Sire hier sogar deutlich mehr. Grade was die EQ-Beeinflussung angeht.
Das Preis/Leistungsverhältnis das ich erhalten habe, ist für mich unterdurchschnittlich.
Es wäre verkehrt zu sagen, dass der BZ 4000 ein schlechter Bass wäre. Aber ich habe mehr erwartet. Vor allem beim Topmodell. Während andere Gitarren/Bässe von HB deutlich mehr wert sind, als ihr Preisschild sagt, ist dieser Bass dieses Mal höchstens das wert, was auf seinem Preisschild steht.
Meine Kaufempfehlung lautet: Bedingt.
Ich bin zwar nicht enttäuscht, aber suspekt wie sowas beim Aushängeschild passieren konnte, ist es mir dennoch.
Hätte ich den Bass nicht im Osterangebot für 60€ günstiger bekommen, und nochmal obendrauf 20€ von Thomann wegen der Kratzer erhalten, wäre das das erste Mal gewesen, dass ich bei Harley Benton was zurückgeschickt hätte.
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