BLAS-PHEMIE oder der Lack ist ab. Macht das Blech den Ton ?

von Egbert Nuernberg, 08.02.19.

  1. Egbert Nuernberg

    Egbert Nuernberg Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    25.08.14
    Zuletzt hier:
    8.03.19
    Beiträge:
    50
    Ort:
    Nürnberg
    Zustimmungen:
    8
    Kekse:
    366
    Erstellt: 08.02.19   #1
    Hallo zusammen,
    von Berufes wegen zerlege ich ja vorgegebene (oder eigene) Texte.

    DEN HIER unten, habe ich schon vor längerem in Peto.
    Stammte (als weiterführender LINK) aus einem anderen Forum.

    Von wem ER ist, habe ich nicht herausfinden können.
    Der (gute, informative) Text, hatte Zeitungs-Länge +
    ellenlange Fußnoten, die hier den Diskurs-Rahmen
    wissenschaftlich sprengen würden ...

    Aber die - nun meine - komprimierte Raffung
    ist hoffentlich nicht sinnentstellend.

    Wenn jemand Veto einlegt, werde ich Ihn löschen.

    ICH FAND JEDENFALLS - die Diskussion darüber - und die
    teils nonchalante-wissenschaftliche Betrachtungsweise
    des mir (leider) unbekannten Autors lesenswert.

    Nun, wie interpretiert IHR - die dargelegten Fakten -
    über SINN- und UNsinn über des/das Klang-Bau-Kauf-Blech
    von Posaunen und Mundstücken und ihrer Besitzer im Allgemeinen.



    HIER IST DER AUSZUG:
    (dem Fließtext entrissen und optisch strukturiert):



    Posaunisten sind ein Leben lang mit ihrem Instrument unzufrieden.

    Sie versuchen alles Mögliche, um das Stradivari-Geheimnis für die Posaune zu entdecken,
    suchen also analog zur Geige nach dem idealen Werkstoff und einer raffinierten Verarbeitung
    und nerven damit die armen Instrumentenmacher, denen bald der Text ausgeht, den Bläsern
    nach dem Munde zu reden.

    Das kann Posaunisten und Posaunenmacher nicht entmutigen.
    Sie arbeiten weiter an der Entdeckung des Steins der Weisen.

    Warum sind also die Posaunisten so unzufrieden mit ihrem freiwillig erwählten Instrument
    und vergeuden ein Leben lang viel kostbare Zeit und Geld auf der Suche nach dem
    edelklingenden Metall oder dem „Stradivari-Geheimnis".

    Sie probieren die Posaunen aller Marken durch, ob weit, ob eng, ob Messing, Goldmessing,
    Neusilber oder gar Sterlingsilber.

    Sie reisen zu Instrumentenmachern, die ihnen die seltsamsten Wünsche erfüllen:
    einen Stimmbogen aus reinem Kupfer, einen besonders schweren Außenzug,
    ein Bündel an unterschiedlichen Mundrohren.

    Noch zeitaufreibender gestaltet sich die Suche nach dem „richtigen" Mundstück.

    Wenn die große Palette an erhältlichen Mundstücken nicht ausreicht, pilgert man
    zu den Mundstückdreher-Spezialisten, die mit mehr oder weniger Geduld die Sonderwünsche
    bezüglich Stängelbohrung, Kesselform und –tiefe, Rand und Materiallegierung zu treffen versuchen,
    wobei zwischendurch immer mal aufs neue probiert wird, solange, bis der Rohling gänzlich verdorben ist.

    Im Ernstfall kehrt man reumütig zum alten Mundstück zurück.

    Diese Misere verdanken wir ausschließlich unserem Aberglaube, wonach Metalllegierungen
    und Wandstärken einen Einfluss auf die Klangfarbe eines Blechblasinstrumentes haben.

    Es gibt hervorragende Bläser, die sich einen Deut darum kümmern, und die es auch nicht nötig haben.
    Wir anderen wollen es aber genauer wissen, ermangeln aber der Fähigkeit, die komplizierten
    physikalischakustischen Vorgänge zu verstehen.

    Akustiker geben uns auf diese Frage keine Auskunft, da ihr Interesse nicht dem Metall,
    sondern allein der Luftschwingung gilt. Wir wollen nicht begreifen, dass ein Blechblasinstrument
    kein Blech-Klinger, sondern ein Luft-Klinger ist. Die Geige ist auch kein Holz-Klinger.

    Schauen wir uns mal die Sache näher an.

    Da bei den Blechblasinstrumenten nicht das Blech, sondern die im Blechrohr eingeschlossene Luft
    zum Klingen gebracht wird, ist die Bezeichnung Blechblasinstrument nach zwei Seiten hin falsch.

    Denn es gibt zum einen auch Instrumente aus Urstoffen wie Holz (Alphorn, Zinken),
    Horn (Widderhorn) Elfenbein (Zinken), Ton, Muschel und neuerdings Kunststoff (Karbon, Glasfiber),
    die zur gleichen Spezies der Luftklinger gehören.

    Also nicht der Werkstoff ist das allen diesen Instrumenten verbindende Kriterium,
    sondern deren gleiche Anblasweise durch die Bläserlippen.

    Überhaupt sollte man festhalten: „Im Gegensatz zu sämtlichen anderen Instrumentengattungen
    wird der Klang beim Blechblasinstrument durch die Schwingungen von nicht zum Instrument
    gehörenden Elementen, nämlich den Bläserlippen erzeugt."

    Die Bezeichnungen Blech- oder Metallblasinstrumente, wie auch im englischsprachigen Raum
    „brass instruments" oder französisch „cuivres", werden sich umgangssprachlich weiter behaupten,
    bis schließlich doch das Kunststoffzeitalter, die Carbonzeit über uns kommt.

    Die erste leichtgewichtige und in vier unterschiedlichen Farben erhältliche Kunststoff-Posaune
    lockt mit niedrigem Preis und wird, wenn sich vor allem auch gute Bläser ihrer bemächtigen
    – wie schon Jiggs Whigham sich beeindruckend hören ließ - die Diskussion über die Frage neu beleben,
    ob Materialbeschaffenheit, Metalllegierung und Wanddicke einen messbaren Einfluss auf Klangfarbe
    oder Ansprache der Polsterpfeifeninstrumente haben.

    Dieser Frage soll in dieser Abhandlung speziell nachgegangen werden.

    Die Fachliteratur über die Physikder Musikinstrumente im allgemeinen und der Blasinstrumente
    im besonderen ist für jeden Musiker, der nicht ausnahmsweise auch ein Studium der Akustik
    absolviert hat, sehr schwer verständlich und oft ein Buch mit sieben Siegeln.

    Aber eines lässt sich durchaus sicher herausfinden: kaum eine physikalisch-akustische Abhandlung
    widmet sich der Frage nach dem Einfluss von Rohrwandvibrationen der Blechblasinstrumente
    auf deren Klangfarbe oder Klangvolumen.

    Helmholtz und andere Physiker erforschten akribisch das Klanggeschehen, die Schwingungszustände
    der durch Bläserlippen angeblasenen Luft und die Resonanz der stehenden Schallwelle in den Blasrohren.
    Aber keiner hat je einen Gedanken oder eine Stunde daran verschwendet, die Rohrwandung
    in die Untersuchungen und Schwingungsmessungen mit einzubeziehen.

    Das ist nicht Bequemlichkeit oder Desinteresse, sondern eher die wissenschaftliche Einsicht
    in die Sinnlosigkeit solcher an Erhellungen nichts bringenden Überlegungen.

    Die Posaune ist ein Luftklinger und kein Blechklinger, das müssen wir uns immer wieder eintrichtern.

    Wie stark müsste ein Posaunist blasen, dass durch die Luftschwingungen die Metallröhre
    so zum Mitschwingen angeregt wird, bis deren Eigenresonanz hörbar oder lauter
    als der Posaunenton selbst ist! Das beträfe überdies auch nur einen einzigen Ton,
    der mit der Eigenresonanz– sagen wir - der Stürze übereinstimmt.
    Und dieser Sekundärton wäre gegenüber dem Primärsound marginal.

    Auf die Klangfarbe der Posaune hat das keinen Einfluss. Die Posaune ist kein Instrument,
    um das Blech zum Klingen zu bringen. Dem widerspricht nicht die Tatsache, dass die Luftschwingung
    benachbarte Medien zum Mitschwingen anregt.

    Das ist die Krux für jeden Laien, diese Unterscheidung zu begreifen, wo doch bei der Geige der Resonator
    vermeindlich so einfach verstanden wird. Denn hier wird die sichtbare Schwingung der Saite über den Steg
    und den Stimmstock auf Decke und Rücken des Geigenkorpus übertragen, wodurch die Luft im Hohlraum
    zum Schwingen angeregt wird.

    Hingegen wird bei dem Blechblasinstrument die Lippenschwingung nicht auf die Metallteile übertragen,
    von denen dann eine Schwingungsanregung auf die im Rohr eingeschlossene Luft erfolgt.
    Nein, die Lippenschwingung überträgt sich direkt auf die im Rohr eingeschlossene und gemischt
    zylindrisch-konisch geformte Luftsäule.

    Es leuchtet also ein, dass die Materialbeschaffenheit, die Blechlegierung und die Wandstärke keinen Einfluss
    auf die Resonanz und die Klangfarbe des Blechblasinstrumentes hat. Diese Logik erschließt sich auch ganz einfach
    aus der Tatsache, dass z. B. Horn, Trompete und Posaune aus den gleichen Messingblechen gefertigt werden,
    und dass trotzdem der spezifische Klangcharakter dieser Instrumente unverwechselbar bleibt.

    Es gibt also andere physikalische Gesetze.

    Weiterführende Forschungen wurden im Laboratorium für Musikalische Akustik
    der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt Braunschweig betrieben.
    Für die Blechblasinstrumente war besonders Klaus Wogram verantwortlich, der 1972
    mit der Dissertation „Ein Beitrag zur Ermittlung der Stimmung von Blechblasinstrumenten" promovierte.

    Er entwickelte eine mechanische Anblasvorrichtung, die alle bisherigen Prototypen wesentlich verbesserte
    und genauere Messergebnisse in einem reflexfreien Raum ermöglichte.

    Als Schallquelle diente eine eigens dafür konstruierte Lochsirene, die durch Beschleunigung stufenlos alle Frequenzen
    anregen konnte. So ließen sich die Naturtonfrequenzen und deren Abweichung von der temperierten Stimmung ermitteln.
    Sein Sohn Nils Wogram hat eine große und auch internationale Karriere als Jazzposaunist hingelegt.

    Vermutlich, nein sicher besitzt er eine maßgeschneiderte Posaune nach den Berechnungen seines Herrn Vaters,
    bei der auch das Mundstück auf das Instrument und auf den erwünschten Tonumfang abgestimmt ist,
    allerdings eine Posaune aus normalem, handelsüblichem Messing, nicht aus Silber und nicht vergoldet,
    dafür aber von einer in sich ausgeglichenen Stimmung und somit von leichter Ansprache, also Gold!

    Das „Maßschneidern" oder die gezielte Vorausberechnung eines gut stimmenden Instrumentes
    ist eine komplizierte Geschichte. Die „Schnittbogen" dafür lieferte Wogram 1974.

    Der mechanische „Bläser" lieferte die Abweichungen der Naturtonfreqenzen von der wohl- (oder übel)
    temperierten Stimmung. Stimmungskorrekturen lassen sich, wie Wogram umfangreich belegt hat,
    durch Mensurveränderungen an Rohr-Stellen von Schallkonten oder Schallbäuchen vornehmen,
    wobei die stehende Welle im Instrument immer mit einem Bauch am Mundstück beginnt
    und am Schallstückende mit einem Knoten endet.

    Die von Wogram gelieferte Faustregel besagt: Mensurverengung an der Stelle eines Knotens
    erniedrigt die Stimmung und erhöht sie an der Stelle eines Bauches.
    Bei einer Mensurerweiterung ist es genau umgekehrt. Klingt einfach, jedoch einen Knoten,
    der nur einen Naturton verbessert, muss man erst finden und ist Computerarbeit.

    Erforderliche Mensur-Verengungen oder -Erweiterungen im Bereich des Schallbechers beispielsweise
    führen zu der Konsequenz, neue Druckformen erstellen zu lassen.

    Außerdem, mit einer Korrektur ist es meist nicht getan, so dass weitere Druckformen nötig sind.
    Daraus erhellt, dass der sparsamste Weg, zu einer in der Stimmung ausgeglichenen Posaune zu gelangen,
    darin bestehen muss, den Mensurverlauf vor dem Bau vorauszuberechnen.

    Alle diese wissenschaftlichen Experimente beantworteten aber noch nicht die eigentlich brennende Frage,
    die in der Posaunenzunft so heiß debattiert wird und zu Sektenbildungen geführt hat,
    vor allem zu der Sekte der Materialgläubigen und Stradivari-Geheimnis-Fetischisten,
    die Frage, der auch dieser Artikel hauptsächlich gewidmet ist: Macht das Blech den Ton?

    Wogram untersuchte 1976 schließlich doch den Einfluss von Material und Oberflächenbeschaffenheit
    des Schallstücks auf den Klang von Blechblasinstrumenten und erklärte dazu:

    „Erst die Entwicklung von objektiven Messverfahren für die Untersuchung der akustischen Eigenschaften
    von Blechblasinstrumenten ermög ichte die reproduzierbare Ermittlung von Qualitätsparametern,
    die nicht mehr durch persönliche Einflüsse verfälscht wurden."

    Untersucht wurden acht Tenorposaunen gleicher Bauart mit in der Mensur baugleichen Schallstücken,
    die jedoch in Material, Wandstärken und Oberflächenbehandlung variierten.
    Verglichen wurden aus den standardmäßig gehandelten 60 Messinglegierungen die Sorten Ms. 72 (CuZn28),
    Ms. 82 (CuZn18) und Ms. 85 (CuZn15, Goldmessing, Mittelrottombak), Neusilber (Kupfer-Nickel-Zink-Legierung),
    Messing verchromt und versilbert und lackiert.

    Außerdem variierten die Wandstärken zwischen 0,7 (normal) bis 0,3 mm (extra dünn).

    Zunächst wurden die Instrumente durch acht Berufsposaunisten beurteilt, die hinsichtlich des Untersuchungszieles
    im Unklaren gelassen wurden, und die durch besondere Vorkehrungen nicht erkennen konnten,
    dass es sich um unterschiedliche Instrumente handelte. Eine gelbe Beleuchtung ließ alle Instrumente gleich aussehen.

    Jeder hatte jeweils das „Tuba mirum" aus Mozarts Requiem und das Solo aus Strawinskys „Pulcinella" zu spielen,
    zunächst im echofreien, dann in einem Raum mit normaler Akustik. Außerdem wurde alles auf Band aufgenommen.

    Das Fazit dieser subjektiven Testreihen zur Beurteilung der Stimmung, des Klanges und der Ansprache lässt sich abschließend
    so zusammenfassen, dass es den Posaunisten nicht gelang, „sich eindeutig zu einer Qualitätsabstufung zu bekennen."

    Somit ergibt sich als abschließendes Urteil:
    Entscheidend für den Klang der Posaune ist das Schwingungsverhalten der im Rohr eingeschlossen Luft,
    oder wie es Wogram ausdrückt: „Eine Beeinflussung der akustischen Eigenschaften von Blechblasinstrumenten
    kann bei nüchterner Betrachtung nur durch eine Veränderung des inneren Schallfeldes erfolgen."

    Bezüglich der Stimmung wird eine Beeinflussung durch das Material oder die äußere Oberflächenbeschaffenheit ausgeschlossen.

    Beim Klangvergleich heißt es, dass sie „weder durch Veränderung der Wandstärke noch durch Oberflächenbearbeitung
    beeinflusst werden" können. Lediglich die Ansprache könnte geringfügig durch die Materialstärke (dicker oder dünner?)
    beeinflusst werden, während die Materialzusammensetzung und die Beschaffenheit der äußeren Oberfläche keine Rolle spielen.

    Das „Stradivari-Geheimnis" für die Posaune wurde gelüftet: es gibt keines.

    Die Suche danach kann abgeblasen werden. Es hat aber sein Gutes. Die bekehrten Sektenanhänger sparen nun viel Zeit und Geld,
    und auch die Instrumentenmacher müssen nicht mehr ihre teuren Lottoeinsätze beim Spiel mit den geheimnisvollen Metalllegierungen
    und in der Hoffnung auf den Jackpot durch das Rohr jagen.

    Wenn alle am selben Strang bzw. „Zug" ziehen, ließe sich aus dem Ersparten ein Förderfonds begründen,
    der die Optimierung der Kunststoff-Posaune vorantreibt. Sie ist bereits in den vier Farben rot, blau, grün und gelb auf dem Markt
    und wird die Optik unserer Orchester und Instrumental-Ensembles beleben, allerdings auch einen neuen Streit entfachen,
    welche Farbe am besten klingt. Das „Stradivari"-Geheimnis der Farbe.

    (Autor mir unbekannt)
     
  2. tromboneslave

    tromboneslave Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    18.10.13
    Zuletzt hier:
    1.07.19
    Beiträge:
    281
    Ort:
    zwischen Heidelberg und Heilbronn
    Zustimmungen:
    70
    Kekse:
    1.015
    Erstellt: 08.02.19   #2
    nööö - Nils spielt eine Finke-Posaune - nix besonderes, halt aus einer "kleineren" Manufaktur - (hab ihn selber nach einem Konzert gefragt)

    aber dem allen zum Trotz : also ich glaube schon dass es einen Unterschied macht ob Blech oder Plastik.
    Und das manche Posaunisten hier im Forum den Betrag eines Kleinwagens für ein entsprechendes Instrument ausgeben
    macht sicher auch einen Sinn.

    LG
    Bernd
    mit ihrem Instrument sicher nicht - aber mit ihrem Ansatz und ihrer Technik, - jedenfalls werde ich lebenslang daran arbeiten.
    Meine Instrumente dazu habe ich gefunden
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  3. BioMarco

    BioMarco Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    21.12.11
    Zuletzt hier:
    28.02.20
    Beiträge:
    397
    Zustimmungen:
    122
    Kekse:
    2.735
    Erstellt: 10.02.19   #3
    Hallo,

    Die zitierte Studie liest sich interessant, würde einer wissenschaftlichen Überprüfung aber vermutlich nicht standhalten. Es wurden nur 8 Berufsposaunisten in einer Blindstudie zu ihrer subjektiven Meinung bzgl 8 nur den Schallbecher (warum darauf beschränkt?) betreffender Materialien befragt. Von den Materialien am Schallbecher wurde dann jeweils nur ein Exemplar getestet. Serienstreuungen, die kleine Unterschiede überdecken könnten, wurden so nicht betrachtet. Auch wurden unterschiedliche Materialstärken zugelassen, man hat also einen weiteren Parameter als das Material variiert. Man kann also entweder sagen, "dass es den Posaunisten nicht gelang, „sich eindeutig zu einer Qualitätsabstufung zu bekennen."". Oder man kann sagen, dass etwaige feine Unterschiede sich statistisch nicht nachweisen ließen, mit Verweis auf diese zu kleine Stichprobe an Musikern bei gleichzeitig zu vielen Variationen.

    Der Autor reduziert die Suche des Posaunisten nach dem idealen Instrument zudem auf die Suche nach dem idealem Material. Dabei lässt er bewusst oder unbewusst aus, dass es uns Posaunisten bei der Suche und der Interaktion mit dem Instrumentenmacher ganz vordergründig um eine gute Stimmung, leichte Ansprache und zuguterletzt auch um so Banalitäten wie eine gut laufende Mechanik (Zug, Ventile) und die Ergonomie geht. Es geht hier also mitnichten nur um die Frage des Materials, sondern einfach um guten Instrumentenbau mit all seinen Facetten.

    In Summe lässt sich ein gut stimmendes, leicht ansprechendes und dann auch noch leicht zu bedienendes Instrument mit weniger körperlichem und geistigem Aufwand spielen. Das minimiert die Ablenkung vom eigentlichen Zweck der Übung, dem Musizieren. Und es erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, ein befriedigendes Endergebnis produzieren zu können. Insofern haben wir hier doch einen nicht unwesentlichen Einfluss vielleicht weniger des Materials, aber doch wohl des Instrumentenbaus auf den durch den Posaunisten produzierten Klang. Der Weg zum Instrumentenbauer lohnt sich für den Posaunisten also doch! ;)

    Ich erlebe das derzeit am eigenen Leib: meine Lätzsch Bassposaune wird überholt und ich habe eine K&H Bassposaune als Ersatz. Natürlich klingt die K&H auch, aber ich muss mich damit mehr anstrengen und darunter leidet bei mir als Amateur mit begrenzten Leistungsreserven einfach der Klang. Das liegt zum einen sicherlich am deutlich höheren Gewicht bei gleichzeitig fehlenden Haltehilfen, aber vielleicht auch an Unterschieden in der Bauart. Meine Lätzsch ist ja eine Posaune "deutscher Bauart", die K&H ist dagegen eine Posaune "amerikanischer Bauart". Die Unterschiede werden auf www.bassposaunen.de ganz gut zusammengefasst. So rückt die deutsche Bauart z.B. durch den konischen Zug und eine weiter ausladende Schallbecherform einen Tick näher an die Hornfamilie, was wohl die Ansprache verbessert, gleichzeitig aber den Ton auch formbarer macht, er rastet nicht so stark ein und der Musiker muss mehr auf die Intonation achten.

    Das Material des Instruments spielt aber dennoch eine meiner Meinung nach nicht unwesentliche Rolle, wenn es um die Haltbarkeit des Ibstruments geht: Das weit verbreitete, preisgünstige Gelbmessing mit ca. 70% Kuper und 30% Zinkanteil ist anfällig für Zinkfraß. Hochpreisiger, aber eben auch deutlich haltbarer sind die Instrumente, wenn man wie im traditionellen deutschen Posaunenbau üblich statt Gelbmessing das korrosionsbeständigere Goldmessing (ca. 85% Kupfer und 15% Zinkl) und für die Zughülsen Neusilber (Kupfer+Nickel+Zink) verwendet.

    Ich bin sicher nicht 100% überzeugt, dass das Material keinen Einfluss auf den Klang haben soll. Vermutlich nicht gravierend, denn selbst Plastikinstrumente klingen nach Posaune, aber dennoch in Nuancen. Aber sollte das Material wirklich gar keinen Einfluss haben, könnte ich mir gut vorstellen, dass die traditionelle Verbindung zwischen deutscher Bauart und höheren Kupfergehalten im Messing zu einer Übertragung der Klangeigenschaften der Bauart auf das Material geführt hat (z.B. Goldmessing + dünnes Blech = weicher, warmer Klang der deutschen Posaune). Das Themengebiet ist durch die Mischung aus Materialeigenschaften, Bauart und handwerklichem Können sicherlich kein einfaches. Es ist aber toll, dass es Leute gibt, die da so viel Zeit hineinstecken und die Zusammenhänge erkennen wollen.


    Vielen Dank & Grüße
    Marco
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  4. BioMarco

    BioMarco Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    21.12.11
    Zuletzt hier:
    28.02.20
    Beiträge:
    397
    Zustimmungen:
    122
    Kekse:
    2.735
    Erstellt: 10.02.19   #4
    Hallo nochmal,

    Der Originalartikel stammt von Karlheinz Weber, ehemaliger Soloposaunist im Gürzenich-Ochester Köln, und ist wie so manch andere Artikel zu finden auf http://karlheinzweber.de/ - eine wahre Fundgrube! Anbei der Direktlink zum ober zitierten Artikel als PDF: klick mich.

    Der Artikel ist auch um einiges länger als oben zitiert und gibt auch weitergehende Informationen preis, die mir beim Schreiben des obigen Textes noch nicht vorlagen. So wurde neben dem Vergleich der 8 Posaunen durch menschliche Musiker auch 4 objektive Testparameter mit einer vom Menschen unabhängigen Testapparatur ausgemessen: "Stimmung, Klangvergleiche und „Gegenüberstellungen der Resonanzamplitude sowie des Absorptionsgrades im vorderen Schallstückbereich"". Einzige ein geringer Einfluss der Wandstärke auf die Ansprache wurde wohl gemessen, nicht aber auf dem Klang als solches.

    Sehr interessant finde ich auch den Abschnitt zum Einfluss der Mensur auf die Stimmung des Instruments. Durch gezielte Verengung oder Erweiterung im Mensurverlauf ließe sich wohl eine optimale Stimmung erzeugen. Das ist so ziemlich genau das, was ich oben gemeint habe: der Weg zum Instrumentenmacher lohnt sich, weil durch die Bauart bedingt Unterschiede in der Stimmung erzeugt werden können, die durchaus den Unterschied zwischen einem Durchschnitts- und Meisterinstrunment ausmachen können.

    Es wäre mal interessant zu wissen, inwieweit Intrumentenhersteller die Erkenntnisse von Herrn Wogram aus den 1970er Jahre heutzutage nutzen, um den Mensurverlauf der Posaune präzise so vorauszuberechnen, dass dadurch so etwas wie die ideale, wohltemperierte Posaune entsteht. Diese Posaune wäre mit entsprechendem Marketing sicherlich ein lukratives Geschäftsmodell. Andererseits hat die Erkenntnis "Material hat keinen Einfluss auf den Klang" natürlich auch kanibalistische Züge, wenn ein Instrumentenbauer das in seine Hochglanzbroschüren schreibt. Letztlich ist die Optik des Instruments ja auch wichtig und solange es Käufer für Sterling-Silber Schallbecher gibt (z.B. King Duo Gravis - sieht optisch klasse aus! :D), wird man diese auch verkaufen ;)

    Viele Grüße
    Marco
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  5. Egbert Nuernberg

    Egbert Nuernberg Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    25.08.14
    Zuletzt hier:
    8.03.19
    Beiträge:
    50
    Ort:
    Nürnberg
    Zustimmungen:
    8
    Kekse:
    366
    Erstellt: 11.02.19   #5
    ... ja (und hallo), war AUCH im ersten Moment konsterniert ... das ICH (und auch schon mein Vater)
    dem Sterlingsilber keinen besonderen ;) Klangvorteil entlocken konnten, laut dem Herrn Diplom-Ing-Akustiker.

    Dass dies mit dem - Entscheidend für den Klang der Posaune ist das Schwingungsverhalten der im Rohr eingeschlossen Luft -
    war mir schon vorher geläufig, aber das BLECH eben nur BLECH ist UND wie ich es mit dem Mundstück ansatzmäßig gut
    oder weniger gut maltretiere ist auch noch - so gesehen einsehbar - ...

    Ich habe ja NIE den kernigen Ton auf der King erreicht, den mein Vater hatte. Seine Bauart KING hat eben zu seiner Bauart Mensch gepasst.
    Wenn ICH die Töne erreiche, wie vorhergesehen (ohne ;) Sauerstoffzelt, danach) meinte ich des Öfteren ernsthaft:
    EIGENTLICH steht mir der Ton überhaupt nicht zu, denn DAS macht - die KING Artus (Exalibur -das Silberschwert);) für meiner-einer.

    So wäre ja - dann auch - :D auf FRAUEN im Allgemeinen übertragen, nicht jede Einmalig (Zweimalig hält MANn eh nicht aus) :D
    so gesehen - das beste Ehe-Ponton von allen - AUCH nur eine Kohlenstoff:D (blech)einheit und (eine wie die Andere) Austauschbar ... so gesehen.

    Auch bei Frauen (wie POsaunen) kommt ES auf die gefühlte :DHandhabung an. Ansatz, Wandung und Bohrung und Leichtgängigkeit
    sind ja AUCH DA Parameter ;) , die nicht nur durch den Strömungsverlauf für den Alltag wichtig wären - dem-zu-Folge -
    kehren manche AUCH nach langen optimierenden fremdinstrumentalen Hochglanzbroschüren ;) Fehlversuchen (Mundstück oder Alltagstauglichkeit)
    (oder finanziellen Veredelungs-Desasternwieder) treu-erdings-bums zu dem - alten Blech - zurück. :D

    (unernste Faschingsgedanken):D
     
Die Seite wird geladen...

mapping