[Combo] Warwick BC150 Combo

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Mir scheint, als gäbe es hier noch kein Review zum BC 150: Zeit, eins nachzuliefern! :)

Warum Warwick? Sowohl zum Kaufzeitpunkt, als auch heute noch habe ich keinen Sound gefunden, bei dem ich sagen könnte, dass es der eine Sound ist, mit dem ich mich identifizieren könnte. Dafür spiele ich einfach zu viele verschiedene Genres, in zu vielen unterschiedlichen Formationen, habe auch meinen Traumbass noch nicht gefunden (aktuell: LTD B-50, Review in der Signatur) und bin deshalb darauf angewiesen, einen Verstärker zu haben, der so wenig Klangfärbung wie möglich hat und genau das tut, was ein Verstärker ursprünglich mal tun sollte: Einfach nur verstärken. Die BC-Serie versucht, diesem Anspruch gerecht zu werden.

Warum gerade der BC 150? Schlichtweg aufgrund der Speaker-Ausstattung. Der nächstkleinere BC 80 hat einen 12" Tieftöner und einen 2" Hochtöner, während wir es hier mit 15" + 4" zu tun haben. Mir gefiel der noch wärmere und vollere Klang des BC 150 subjektiv noch etwas besser. Zudem hasse ich es, meinen Sound nicht selbst im Griff zu haben und da sind 150W schon ganz praktisch, weil man selbst für kleinere Gigs und im Bandraum genug Headroom hat, um mit dem eigenen Equiptment gut beschallen zu können, ohne auf eine PA oder Amps von Extern angewiesen zu sein. Mangels Lagerbeständen wurde also das Vorführgerät in Köln gleich mitgenommen (der Mitarbeiter, der im winzigen Proberaum den Riesen ausgraben und dann rausschaffen durfte, hat sich gefreut :D ). Seitdem ist etwa ein Jahr vergangen, ich habe einige andere Amps (hauptsächlich Gallien Krueger) spielen können und die Kaufeuphorie sollte soweit verflogen sein.

Als Bewertungsgrundlage nehme ich hier mal die Werbung von Warwick selbst: In allen Handbüchern, Merkmal-Listen und Videos werden die Combos der BC-Serie damit beworben, dass sie möglichst verfärbungsfrei verstärkt, der Klang vom Instrument, sowie vom Spieler transparent wiedergegeben wird, der Preis im Einsteigersegment mitspielt und alles hochwertig verarbeitet ist. Man versucht dagegen nicht, mit Edel-Amps/-Boxen mitzuhalten. Höchste Zeit, herauszufinden, ob Warwick das auch gelungen ist!



Merkmale (lt. Warwick):

Combo-Verstärker für elektische Bassgitarren und Kontrabässe
Passiver und aktiver Eingang
Line-Out
Send/Return auf dem Frontpanel
Class-A Vorstufe mit niederohmiger Schaltung für minimale Nebengeräusche bei maximalem Headroom
150 Watt Endstufenleistung
15” Warwick WXC 15/8 Basslautsprecher
4” Warwick WTR 4/8 Hochtonlautsprecher
4-Wege EQ mit Reglern für Bässe (Bass), Tiefmitten (Low Mid), Hochmitten (High Mid) und Höhen (Treble)
DDL (Dynamic Distortion Limiter) für verzerrungsfreie Wiedergabe bei jeder Lautstärke
Aux-Mini-Stereo-Klinkeneingang (iPod, MP3-Player, CD-Player)
Selbstkühlende Konstruktion (ohne Lüfter)
Speziell abgestimmter Stereo-Kopfhörerverstärker
Bassreflex-Lautsprecherbox
Robustes Schutzgitter aus Stahl
Gewicht: 24 kg
Abmessungen: (B/H/T) 530 x 545 x 380mm

Technische Daten:

Eingangsempfindlichkeit:
Aktiver Eingang 440mV/50KΩ
Passiver Eingang 120mV/500KΩ
Aux-Eingang 660mV/50KOΩ

Klangregler:
Bass +/- 12dB @ 60Hz
Low Mid +/- 8dB @ 800Hz
High Mid +/- 8dB @ 2500Hz
Treble +/- 12dB @ 10 kHz

Ausgangsleistung: 150W @ 8 Ω
Frequenzumfang: 20Hz - 20kHz +/-0;5 dB
Gesamtverzerrungen (THD): 0;02% bei der angegebenen Ausgangsleistung
Stromaufnahme: 300W

Lautsprecher-Spezifikationen:
15” Basslautsprecher: 150W, Impedanz: 8 Ω, max.
Schalldruck (SPL): 95 dB,
Frequenzumfang: 70 Hz – 3 kHz

4” Hochtonlautsprecher mit Horn: 30W, Impedanz: 8 Ω,
max. Schalldruck (SPL): 98 dB
Frequenzumfang: 1,8kHz – 16kHz



Optik/Verarbeitung:

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Der BC 150 wirkt solide, edel, aufgeräumt und seriös. Er versucht nicht cool oder rockig zu sein, was insoweit auch zu seinem "Klangcharakter" (streng genommen soll er den ja eben nicht haben) passt. Auf der Vorderseite haben wir links die Eingänge für passive und aktive Bässe, dann die vier Drehregler für den Equalizer (Funktionsweise in den technischen Daten angegeben), sowie die Lautstärke des Instruments und des Aux-Eingangs. Dieser liegt zusammen mit dem Kopfhörerausgang wiederum rechts, also zwischen der (roten) Kompressor-LED und der (blauen) On-LED. Ganz rechts haben wir dann die Schriftzüge von Warwick und den Modellnamen, sowie die Effektschleife und die Line-Out-Buchse. Die Angaben zu den Drehreglern des EQ, die ihr auf den Bildern seht, sind im Original natürlich nicht da :rolleyes:

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Darunter liegt dann der Boxenteil der Combo, also mittig-links der 15"-Tieftöner und rechts oben (halb vom Warwick-Logo verdeckt) der 4"-Hochtöner. Ganz unten haben wir dann die längliche Bassreflexöffnung.
Auf der Rückseite haben wir lediglich die Stromversorgung (die beim BC 150 über die Steckdose geerdet werden muss), sowie den Netzschalter. Die Position des Netzteiles wurde lt. Warwick so gewählt, dass man möglichst weit vom Verstärker entfernt ist, sodass man unnötige Einstreuungen und Störgeräusche durch die Stromversorgung vermeiden kann. Ob die Position nun auch im Alltag praktisch ist, hängt sicherlich vom Einsatzort ab.

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Im Detail betrachtet, ist dann aber doch nicht alles Gold, was glänzt: Das erste, was die (Vorführ)-Combo getan hat, war, sich vom Tragegriff auf der Oberseite zu verabschieden, den mittlerweile wohl fast jede Combo in dieser Form haben dürfte. Die seitlichen Führungen des Tragegriffs, die gebrochen sind, wurden mit GFK-Platten verstärkt und wieder angeschraubt, womit das Ganze nun hält, auch wenn der Griff nicht mehr einschiebbar ist.

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Weiter sind die Drehregler nicht sehr sauber angebracht, sie drehen alle mehr oder weniger unrund, manche drehen etwas weiter, andere weniger (siehe Bild). Durch einen Vergleich mit einem neuen Vorführgerät einige Monate später konnte ich zudem feststellen, dass die Potis ursprünglich wohl mal deutlich schwerer zu drehen waren. Inwieweit das als normaler Verschleiß gilt... :confused: Es stört jedenfalls nicht, ausgeleiert sieht anders aus!

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Als letzter Kritikpunkt bleibt wohl, dass in der Bassreflexöffnung Klebereste vorhanden sind. Das stört insoweit, als dass manch einer sicherlich versuchen könnte, die Combo hier zum Transport anzufassen und Pollen und Co., die im Außeneinsatz so durch die Gegend fliegen hier gerne kleben bleiben.

Das war es dann aber auch schon mit der Kritik, große Mängel hat Warwick sich hier nicht geleistet, somit würde ich den BC 150 hier nicht besser oder schlechter sehen, als andere Amps dieser Preisklasse.



Betriebstest:

Was Warwick dafür umso besser gelungen ist: Auf technischer Seite scheinen die Konzepte Früchte zu tragen! Tatsächlich brummt der BC 150 praktisch nicht, selbst wenn der Volume-Regler voll aufgedreht ist und das Rauschen des Hochtöners beginnt erst bei etwa 3/4 der Maximallautstärke, dann aber immer so gering, dass das kleinste Eingangssignal im Amp alles übertönen würde. Hier ist man von anderen Hochtönern viel Schlimmeres gewohnt! Einen Lüfter hat der BC 150 inzwischen auch nicht mehr. Im Netz kursieren noch Bilder und Informationen der alten Version, die ist aber seit langem nicht mehr im Angebot.
Ganz Silent geht dagegen auch nicht, in lautloser Umgebung ist minimales Rauschen des Hochtöners immer vorhanden, selbst ohne angeschlossene Eingangssignale und zugedrehten Volume-Poti. Es gibt keine Einstreuungen des Stromnetzes und vergleichsweise wenig Störgeräusche, wenn wild funkende Smartphones auf dem Amp liegen. Klasse! :great:



Weiter geht es mit den Bemühungen, die maximale Verzerrung gering zu halten. Dazu muss man verstehen, wie Warwick das gemacht hat: Zum einen sind alle Bauteile als Class A ausgeführt. Das vermeidet zwar Verzerrungen durch schnelle Pegelanstiege, bedeutet aber auch, dass der Amp beim absoluten Nichtstun etwa 40W braucht, was dann entsprechend zur angeforderten Leistung wieder langsam ansteigt (lt. Warwick bis zur 300W-Grenze). Dazu kommt der eingebaute dynamische Kompressor, welcher solange nichts tut, bis die Endstufe an ihrer Leistungsgrenze ist und auch das Netzteil nicht mehr Strom liefern kann. Dann nämlich springt er an (bemerkbar durch die rote LED) und komprimiert das Signal, sodass nicht nur die Peaks die 150W nutzen können, sondern der gesamte Sound näher an diese Grenze heran kommt.
Funktioniert das Konzept nun? Ja! Hier zerrt nichts, hier brummt nichts. Während bei voller Leistung der halbe Proberaum einzustürzen droht, weil Deckenplatten wackeln und alle Metallgegenstände im Zimmer fröhlich mitvibrieren, gibt der BC 150 nicht mehr und nicht weniger als das wieder, was auch reinkommt. Es gibt kein Clipping, keinen flatternden Tieftöner, keinen wild rauschenden Hochtöner (s.o.) Auch springt der Kompressor nur im Notfall an, d.h. wenn man wirklich auf die 150W zugeht. Ist das Eingangssignal nicht auf Normalniveau für einen aktiven oder passiven Bass, bleibt das Signal unkomprimiert.

Trotzdem kann Warwick natürlich auch hier nicht hexen: Wer es darauf anlegt und in den falschen Eingang geht, per Effektpedale das Signal verstärkt o.Ä. und damit die Vorstufe zum Übersteuern bringt, hört dies natürlich auch. Der Kompressor arbeitet wie gesagt für die Endstufe und kann hier nicht verhindern, was mutwillig provoziert wird. Wird dagegen alles richtig angeschlossen und das Signal nicht vorverstärkt, kann die Vorstufe auch hier komplett Verzerrungsfrei arbeiten, selbst wenn der eingebaute Equalizer ganz aufgedreht ist. Auch hier wieder ein Lob an die Qualität der Bauteile, der Werbeaspekt, dass man hier "True 150W without Distortion" kriegt, die bei manch anderem 150Watter dank Verzerrung nicht herauszuholen sind, ist gerechtfertigt! :great:

Auch der Kopfhörerausgang funktioniert gut, die Abstimmung der Maximallautstärke ist bei einem durchschnittlichen Widerstand der Kopfhörer gelungen und es dürfte sich keiner beschweren, keine Lautstärke zu kriegen oder sich versehentlich die Ohren bei einem voll aufgedrehten Volume-Regler zusammen mit den Kopfhörer-Speakern rausgepustet zu haben. :rolleyes: Aufgepasst bei Geräten mit sehr niedrigem Ausgangspegel: Natürlich gilt im Umkehrschluss, dass keine 150W durch die Kopfhörer gehen und nicht unbegrenzt verstärkt wird. Ist der Eingangspegel am Amp ungewöhnlich gering, könnte einem der Headroom ausgehen.

Zwei kleines Phänomen: Dreht man den Volume-Poti ganz zu, bedeutet das keinesfalls, dass die Boxen stumm wären! Es wird lediglich nicht mehr verstärkt. Eingangssignale werden trotzdem über die Boxen wiedergegeben, wenn auch verständlicherweise sehr leise. Das stört wohl in der Praxis niemanden, die andere kleine Besonderheit dabei schon eher: Wird das Signal des Aux In eher laut wiedergegeben, was ja durchaus schon Mal passieren kann, geht dieses Signal zusätzlich zum Instrument leise über den Direct Out wieder raus, was eigentlich nicht so sein sollte. Ich kann nicht erklären, wie das Signal zum Direct Out kommt, Fakt ist aber: Wer gerne zuhause etwas aufnimmt und dabei das Original ebenfalls über die Box hört, was ja gerade bei den angesprochenen Einsteigen unter uns Bassisten keine Seltenheit ist, könnte Probleme bekommen.



Der Sound:

Vorweg: Bei beiden folgenden Soundfiles habe ich meinen LTD B-50 mit Fender Flatwounds light ohne Effekte gespielt, beide Pickups (P vorne, J hinten) voll auf, Höhenblende geöffnet, Aktivelektronik deaktiviert, Anschlag zwischen den Pickups und vermutlich durchschnittlich stark und die Fingernägel nicht geschnitten, um mit so manchem Zwischengeräusch auch die Plek-Spieler hier zu bedienen :D

Aber wie klingt er denn nun, der BC 150? Gar nicht! Und das ist nicht einmal negativ gemeint: Laut Datenblatt soll der Amp nur 0,5% Abweichung im Frequenzgang haben, also keine Frequenz stärker anheben als andere, wodurch letztendlich auch kaum eine Klangfärbung stattfinden kann. Also praktisch der genaue Gegenpol zum Ampeg und Co., die ja für ihren mittig betonten Knurrsound gekauft und geliebt werden. Wer jetzt genau liest, stellt fest: Ja, Warwick gibt im Datenblatt an, dass der Amp praktisch linear arbeitet, aber eine Combo besteht ja nunmal auch aus dem Boxenteil. Dieses ist nicht ganz so linear, aber vorhersehbar. Der 15"er sorgt dafür, dass der Sound einen Tick voller und bassiger wird, der Hochtöner arbeitet ohne Eingriff per Equalizer ein kleines bisschen zurückhaltend. Dadurch haben wir den Bass dann eine Nuance runder und wärmer, als er tatsächlich klingt, durch den Höhenmangel sind Griffgeräusche und Bundschnarren weniger präsent und durch die Anhebung der Tiefbässe ohne Mittenanhebung wirkt das ganze Paket etwas weniger aggressiv. Aber wir reden hier nur von Nuancen, insgesamt ist der Sound doch dem Original schon sehr Nahe!

Getestet wurde dies durch einen Vergleich von einer Direktaufnahme (Bass -> Soundkarte), einer Aufnahme über den Line Out (Bass -> BC 150 -> Line Out -> Soundkarte) und einer Aufnahme mit dem T.Bone SC 440 USB (Bass -> BC 150 -> SC 440) im Abstand von 10cm vor dem Warwick-Label oben rechts , jeweils aufgenommen am PC. Die Soundkarte ist eine Asus Xonar DX, die Kopfhörer zum Abhören Sennheiser HD 555, die technisch zu HD 595 gemodded wurden, welche auch für einen relativ linearen Frequenzgang bekannt sind. Das entsprechende Soundfile mit den drei Aufnahmearten in dieser Reihenfolge findet ihr im Anhang, zum selbst hören und vergleichen ;) Aus diesem Teil des Tests entnehme ich aber, dass die Aufnahme mit dem Mikrofon vor der Box der Realität am nähesten kommt (hier scheint die große Membran des Mikrofons den Druck des Amps soweit zu verstärken, dass es auch auf linearem Setup ganz gut die Realität widerspiegelt).

Eine kleine Anmerkung für Multifunktionalisten: Die Mitten beide etwas raus, Bässe und Höhen etwas rein und das ganze funktionert auch gut als Verstärker für einen Filmabend, wenn man sich damit abfinden kann, dass wir hier natürlich nur eine Mono-Box haben und die Soundqualität durch die eher günstige Box trotz gutem Verstärker nicht mit Mittelklasse-Setups mithalten kann, vor allem der Hochtöner scheint zu schwächeln.



Der EQ:

Für die Betrachtung des EQs habe ich sowohl Soundfiles erstellt (s.u.), als auch die Aufnahme mit einem Spektogramm betrachtet, auf dass ich hier immer mal wieder verweisen werde. In diesem sieht man leider nichts mehr oberhalb von 2500Hz, was vermutlich daran liegt, dass mein Bass Flatwounds drauf hat und diese Frequenzen daher kaum vorhanden sind. Zur Verdeutlichung des Wirkungsweise des EQs taugt es aber ganz gut, wie ich finde :) Habe die Bereiche, in denen der EQ stark wirkt zusätzlich markiert.

Screeny.jpg

Der Equalizer arbeitet dabei nicht perfekt, aber durchaus brauchbar. Der Bassregler greift mit 12db Verstärkung oder Absenkung mittig auf die 60Hz-Frequenz, also definitiv im Tiefbassbereich. Wenn ich dies mit meinem EQ-Pedal Boss GEB-7 vergleiche, greift der 50Hz-Regler von eben diesem primär noch etwas tiefer, der 120Hz-Regler aber eindeutig darüber. Wir haben hier am BC 150 also einen Regler, der vorrangig das Potenzial des 15"ers, Druck aufzubauen ausreizt oder diesen etwas zügelt, der eher hörbare statt fühlbare Bass wird ebenfalls leicht angetastet, wenn auch nicht ganz so stark. Laut Spektogramm greift der Regler von 40Hz bis an die 300Hz-Marke, hauptsächlich jedoch im tatsächlichen Bassbereich.
Persönlich finde ich die Wirkungsweise dieses Reglers super, da er keinen Matsch erzeugt, sondern eben hauptsächlich den Druck regelt, der in der Magengrube mal kräftig durchmischt. Aber vorsicht: Der Bassregler greift mit Abstand am brutalsten! Während bei Zimmerlautstärke so beispielsweise noch fast bis zum Anschlag gedreht werden kann, sodass man selbst bei moderaten Lautstärken noch den Druck in der Magengrube hat (was ich übrigens als eine gelungene Eigenschaft sehe!), habe ich bei kleineren Gigs, wo also genug Leistung anliegt, um den Tieftöner ordentlich zu bewegen, Angst, das Ding über 2 Uhr zu drehen, da der Tiefbass sonst alles so dermaßen verdickt, dass es deutlich zu viel des Guten ist. Nach wie vor höre ich kein Flattern oder sonstige Überforderung des Speakers, aber es ist einfach ein definitiv unangenehm großer Bassanteil vorhanden.

Weiter geht es dann mit dem Tiefmittenregler, der mit +/- 8dB primär die 800Hz-Frequenz beeinflusst, laut Spektogramm ist der gesamte Wirkbereich zwischen 200 und 2500Hz, hauptsächlich zwischen 500 und 1500Hz. Die Tiefmitten sind ja bekanntlich hauptverantwortlich für das tiefe Röhren eines Basses. Wieder verglichen mit dem GEB-7: Während beim EQ-Pedal 400Hz eher für ein tiefes Röhren steht, 800Hz für ein sehr hohles, aber präsentes Röhren (erinnert mich ein bisschen an die britischen Driven-Sounds) und 500Hz irgendwo in einer gesunden Mitte liegt, greift der Regler am Amp hier wie aus dem Spekto zu entnehmen ist alle genannten Bereiche gut an, ohne es zu übertreiben. Da er mit "nur" 8dB Beeinflussung arbeitet, kriegt man eigentlich keinen Sound hin, der total daneben ist, in negative Richtung wird es einfach etwas aufgeräumter und HiFi-ähnlicher (die gute alte Badewanne) und in positive Richtung dreckiger, röhriger, manch einer würde vermutlich auch hier das Knurren eines Singlecoils einordnen (so denn mit einem abgenommen wird). Subjektiv lasse ich den Regler bei jeder Lautstärke in der Mittelstellung, da mir der Bass bei rausgedrehten Tiefmitten zu sauber klingt und bei reingedrehten Tiefmitten zu mumpfig.

Als nächstes steht der Hochmittenregler auf dem Plan, wieder +/- 8dB, dabei allerdings schon bei 2500Hz (Spekto: 800Hz aufwärts). Für manchen grenzt dies schon an das, was man als "Höhen" bezeichnet, ich persönlich finde den Regler hier super platziert: Rausgedreht haben wir den Bass wieder etwas zurückhaltender und braver, reingedreht allerdings um einiges Präsenter. Schnarr- und Griffgeräusche, sowie vor allem ein Anschlag per Plektrum oder Popping liegt ebenfalls schon in diesem Bereich, alles klingt etwas heller und freier, man schneidet besser durch das Bandgefüge, ohne mit wummernden Bässen oder zu hoher Lautstärke arbeiten zu müssen. Ich habe den Regler sehr oft auf 3 Uhr, da eben diese Klarheit ein wenig darüber hinwegtäuscht, dass es einen Bereich gibt, der für den Tieftöner zu hoch und für den Hochtöner zu tief ist und die Griff- und Schnarrgeräusche ein bisschen Aggressivität reinbringen. Selbst beim Slapping finde ich diesen Regler gar nicht so verkehrt...

Und zum Schluss den Höhenregler, +/- 12dB bei 10.000Hz Mittelfrequenz. Die 12dB sind auch bitter nötig, denn wie schon erwähnt, arbeitet der Hochtöner von Haus für meinen Geschmack ein klein wenig zurückhaltend und 1-2 Uhr sind schon nötig, um den Frequenzgang etwas gerade zu bügeln. Weiter aufgedreht kriegen wir noch mehr Details und Griffgeräusche in den Klang, zugedreht wird es etwas dumpf, ein Höhenregler eben, wie man ihn kennt und wie er kaum anders funktionieren könnte. Achtung: 10.000Hz sind tatsächlich Höhen und bei weitem keine Hochmitten mehr. Wer also bei ganz weggedrehten Höhen eine Höhenblende von passiven Bässen erwartet, wird bitter enttäuscht, wir haben hier bei weitem nicht so einen großen Einfluss! Bei mir entweder 1 Uhr bei gleichzeitiger Anhebung der 4.5k- und 10k-Frequenz am GEB-7 oder 3 Uhr ohne Pedal. Dabei kann dieser Regler selbst meinen Flatwounds (~6 Monate alt) noch so manche Brillianz entlocken, die ansonsten untergeht. Mit Roundwounds kann dieser Regler vermutlich noch einiges mehr.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass der EQ recht gelungen ist. Der Bassregler hat genug Spielraum, um den Tieftöner auch bei Zimmerlautstärke zu Motivieren, die Mittenregler tun, was sie sollen und der Höhenregler arbeitet auch wirklich nur in den Höhen. Alle Frequenzen sind in meinen Augen sinnvoll platziert. Wer dagegen gewohnt ist, viel Eingriff in die verschiedenen Mittenbänder zu haben (wie eben beispielsweise mit einem grafischen EQ), einen Regler für den Nicht-Sub-Bass wünscht, eine Höhenblende sucht oder gar Regler zum Anpassen des "Drecks", des Gains zum Übersteuern oder ähnliches, der wird von der Vorstufe des Amps enttäuscht.

Wie die vier Regler wirken habe ich in den weiteren Soundfiles mal versucht darzustellen, ihr hört hier eine leere A-Saite, während die Regler der Reihe nach von der Nullstellung zuerst ins Negative gedreht werden, dann ganz ins Positive und schließlich zurück in die Nullstellung. Im letzten File habe ich den Verstärker mal etwas weiter aufgedreht, mit einem normalen Eingangssignal dürfte das knapp vor der Hälfte des Volumenreglers seit. Hier hört man ganz gut, welchen Druck der Tieftöner erzeugen kann, wenn man ihn befeuert. Der EQ ist dabei flat. Insgesamt sind diese Sounds alle mit dem Mikrofon aufgenommen, das Rauschen des Mikrofons wurde zwecks Erhaltung des Originalklangs nicht herausgefiltert.



Zusammenfassung:

Tja, was kann der BC 150 nun? Verdammt viel! Er kann nämlich genau das, was der Bass kann. Ich würde die Combo daher auch keinem Genre zuordnen wollen, er klingt so neutral, dass er in praktisch allem gut einsetzbar sollte, von der Akustik-Bassgitarre in der Country-Band, über den Kontrabass im Jazz bis hin zum E-Bass in allen Bereichen (was nicht heißen soll, dass diese drei Gattungen nur in diesen Genres funktionieren :D). Der EQ arbeitet nicht aufdringlich, wir haben keine Features (außer dem fast dauerhaft inaktiven Kompressor) an Board, die irgendetwas tun könnten, was den Amp daran hindern könnte, einfach möglichst ohne Eigencharakter zu verstärken.
Manch einer würde sich sicherlich im Heavy-Metal mindestens ein paar Pedale vorschalten, vielleicht eher einen anderen Amp suchen. Und da sind wir schon bei dem, was der Amp nicht kann: Er kann nichts erzeugen, was nicht da ist. Ein Ampeg betont die Mitten so, dass aus einem Schmusebass ein richtiger Rotzbrocken werden kann, eine (Halb-/Voll-)Röhre kann Zerren und mit Dreck nur so um sich werfen und der BC 150 steht daneben und hat überhaupt nichts.

Wer mit dem Sound seinen Basses zufrieden ist, wer Veränderungen in der Spieltechnik hören will und wer sich nicht auf einen Grundsound festlegen will, für den ist der Warwick eine echte Überlegung wert, wenn nicht sogar in der Preisklasse mit seinem Konzept konkurrenzlos. Denn dank seinem Preisfall auf 349€ (Stand 2014; 2013: 399€) und der Tatsache, dass man hier tatsächlich 150W ohne Verzerrung bekommt hat man hier ein echtes Angebot und Warwick hat auch in diesem Punkt nicht gelogen. Auch insgesamt orientiert sich die Combo an den Zielen, die Warwick sich hier gesetzt hat und erreicht sie ganz gut. :great:
Wer sich allerdings eher im Rock-Genre und härteres bewegt und immer so klingen will, als hätte man seinen Sound gerade aus einer Schlammgrube gezogen, oder eine High-End-Combo sucht, die jede feinste Nuance von Bass und Spieler hörbar macht, der wird mit der BC-Serie wohl nicht glücklich.

Alternativen zum BC 150 aus der gleichen Serie sind der BC 300 (300W, grafischer Equalizer) oder die kleineren Versionen mit jeweils weniger Power, kleineren Speakern und weniger Ausstattungsmerkmalen (keine Effekt-Loop, kleiner EQ, keine Erdung).
 
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Wow, das nenne ich mal ein Review! Ausführlich, kompentent und gut geschrieben.
Persönlich finde ich eingebundene Soundfiles (über Soundcloud oder ähnliches) noch schöner, als Downloads, aber das ist nur eine Kleinigkeit.

Mir stößt nur die Angabe von Warwick zur Größe des Hochtöners etwas auf. Die Angabe von 4" suggeriert einen großen Hochtöner, da standardmäßig damit der Ausgang des Druckkammertreibers bei Hochtonhörnern gemeint ist. Ein 4"-Treiber wäre ein wahres Monstrum, mir ist da nur der Community M4 bekannt. Oft wird mit der Angabe auch der Schwingspulendurchmesser (was bei Treibern dem Membrandurchmesser entspricht) gemeint. 4" wären dann ebenfalls sehr viel, von 18s gibt es da ein paar Exemplare, die alle mehr kosten, als der gesamte BC150.

Warwick bezieht die Größenangabe wohl auf den Durchmesser der Hornöffnung. 4" ist in dem Zusammenhang aber eher als klein bzw. für Bassboxen üblich zu bezeichnen.
Das ändert natürlich nichts an den Qualitäten des Combos. Mich stören nur solche leicht irreführenden Angaben, wenn sie zur Werbung verwendet werden. Korrekterweise ist das wohl eher ein 0,75", maximal 1" Hochtöner.
 
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