Concertina für traditionelle Stücke anschaffen - reichen 500 €?

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bernie_r
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Hallo zusammen,
ich gehe demnächst in den Ruhestand und würde gerne noch ein weiteres Instrument lernen (soll ja gut für die Leistungsfähigkeit der grauen Zellen sein). Derzeit spiele ich ein wenig Gitarre, Bass, Tinwhistel. Klarinette habe ich vor einem Jahr wieder aufgegeben, das war mir zu schwierig.

Ich bilde mir eine Concertina ein. Ein Instrument dieser Art habe ich noch nie gespielt. Ich habe mich auch schon in das Thema eingelesen und ich kenne zumindest theoretisch die Unterschiede zwischen Anglo, English und Duett Concertinas.
Ich spiele hauptsächlich für mich, einfache, traditionelle Stücke (What shall I do with a drunken Sailor, Fly me to te moon, etc..) würde vielleicht auch mal bayerische oder Österreichische Volksmusikstücke lernen wollen. Tangomusik ist auch schön!
Ich würde für den Einstieg ca. 500 EUR investieren wollen

Welcher Typ von Concertinas empfielt sich denn für diesen Zweck? English, Anglo oder Duett
Für welche gibt's die meiste und beste Lernliteratur
Lohnt sich Gebrauchtkauf oder doch besser neu
Was ist von den gebrauchten "Original DDR" Concertinas zu halten, die relativ oft und relativ günstig angeboten werden?

Über Tipps und Anregungen würde ich mich freuen
Gruß Bernie
 
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Torquemada
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ich kenne zumindest theoretisch die Unterschiede zwischen Anglo, English und Duett Concertinas.
Ich spiele keinen dieser Konzertinatypen, weil sie mir alle zu teuer sind und vor allem weil mir ihr Klang nicht gefällt. (Das liegt daran, dass sie durchgehend nur einchörig sind.) Daher kann ich dir zu deiner eigentlichen Frage nichts sagen.

Was ist von den gebrauchten "Original DDR" Concertinas zu halten, die relativ oft und relativ günstig angeboten werden?
Aber zu dieser Frage kann ich was sagen, weil ich so eine zweireihige Ostkonzertina spiele. Meine ist zweichörig.

Auf der Seite hier habe ich vor einiger Zeit ein paar Beispielvideos gemacht: http://dicta.bplaced.net/konzertina/exkurs_anwendungsbeispiele.html
 
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bernie_r
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Vielen Dank!
 
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Hallo, Bernie,
Ich komme nicht so oft in dieses Forum - bin eher Sänger und Zupfmusiker - aber jetzt bin ich da und merke, dass du nicht viel Resonanz auf deine Anfrage bekommen hast. Dem sollte abgeholfen werden!
Neben mehreren Banjos, Mandolinen, Waldzithern und Gitarren besitze ich auch ein paar Concertinas verschiedener Systeme. Es handelt sich um zwei 30-knöpfige Anglos (eine mit traditionell englischen Zungen, eine mir Akkordeonzungen), eine Crane Duet mit 48 Knöpfen und trad. Zungen, und ein kleines Bandoneon, 104 tönig, einchörig mit trad. deutschen Zungen (mehrere Zungen auf einer Platte). Meine erste Concertina war eine 20-knöpfige aus der DDR - die hatte einen 2-chörigen Bass und klang nach ein paar Jahren verstimmt.

Wie @Torquemada es andeutet, gibt's einen deutschen und einen britischen Concertinasound. Wenn du ernsthaft unter €500 bleiben willst, gibt's für dich fast nur noch eine deutsche Concertina aus Ostproduktion, diatonisch mit 20 Knöpfen (also zwei spielbaren Tonarten) und den Klang eines kleinen Akkordeons. Evtl. gibt's eine 30-knöpfige Anglo von der Firma Concertina Connection - deren Modell "Rochelle" - für unter 500 ($ oder €). Die sieht nicht besonders schön aus, klingt nicht so wie eine traditionelle englische Anglo (sie ist ein Hybrid mit Akkordeonzungen) und ist etwas unbequem in der Handhabung. Sie wird trotzdem gerne von Anfängern gekauft, weil der Hersteller einen Umtausch gegen ein Modell höherer Qualität unter Abzug des ursprünglichen Preises anbietet.

Ich erwähne die Anglo zuerst, weil ich mich am besten mit ihr auskenne. Sie ist und bleibt ein diatonisches Instrument, obwohl die 30-knöpfige de facto alle Töne der chromatischen Tonleiter besitzt. Wenn es darum geht, einigermaßen raffinierte Harmonien zu spielen, schafft man das gut in den Haupttonarten (meist C und G), aber die Möglichkeiten verringern sich rapide, je mehr Kreuze und Bes verlangt werden. Rein melodisch, wie bei der irischen Tanzmusik, sind mehr Tonarten spielbar, als z.B. bei voll harmonisierten Kirchernliedern.

Irgendwann wollte ich von den Tonarten C und G wegkommen, jedoch bei der Concertina mit ihrer charakteristischen Timbre bleiben. Da recherchierte ich die verschiedenen Duet-Systeme und freundete mich mit der Crane an. Mir wurde bewußt, dass es eine Crane gewesen sein muss, die meine Faszination für die Concertina erweckte - als Kind Sonntags bei der Heilsarmee! Denn die "Triumph"-Concertina der HA ist nichts anderes als eine Crane-Duet, das extra für diese Organisation hergestellt wurde.
Die Crane schien mir leichter verständlich, als das Maccann-Duett. Logisch, wenn man an die Verwendungsbereiche der beiden Systeme denkt: Das Maccann wurde von Profimusikern auf der Varietébühne gespielt - die Crane/Triumph von ehrenamtlichen Seelsorgern, die neben dem Predigen auch noch populäre Gospellieder begleiten mussten.
Und tatsächlich ließ sich die Crane relativ leicht erlernen. Die rechte Seite spiele ich wie eine Mandoline: die Knöpfe der Reihe nach, bis ich keine Finger mehr übrig habe, dann weiter am Anfang der nächsten Reihe. Die linke Seite ist wie ein Banjo: alle Dur- und Moll-Akkorde lassen sich mit ein paar wenigen, verschiebbaren Griffe mit 3 Fingern spielen. Die Crane ist gleichtönig und voll chromatisch - die Tonart C-Dur ist einfach, aber die Kreuze und Bes liegen nahe an ihren Namensgebern, wie beim Klavier. Das können des Spielers ist der begrenzende Faktor bei der Tonartwahl!

Von der English Concertina habe ich leider keine praktischen Kenntnisse. Hoffentlich hilft dir der Vergleich Anglo/Crane etwas weiter!
Cheers,
Jed
 
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bernie_r
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Hallo Jed,
vielen Dank für deine ausführliche Antwort!
Ich habe lange überlegt, welche Concertina für mich sinnvoll ist. Da wurde mir ein günstiges Akkordeon angeboten, ein altes Hohner Ouverture V Club Akkordeon. Ich habe zugeschlagen und übe seither fleißig Knopfakkordeon. Der Klang ist wunderschön, aber das Clubsystem ist für mich nicht ganz einfach zu verstehen und das Gewicht (knapp 8 kg) des Instruments zerrt schon ganz schön an den Schultern. Lange Übesessions werden mit Rückenschmerzen bestraft :)
Aus diesem Grund ist für mich das Thema Concertina doch noch nicht endgültig vom Tisch. Concertinas sind, glaube ich, doch etwas leichter.
Mal sehen, wo mich die musikalische Reise noch hinführt.
Ich wünsche ein schönes Wochenende
Bernie
 
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Hallo @Jed

Behalte das 5-chörige Clubinstrument; damit kannst Du so viel Verschiedenes spielen, das mit einer Concertina sehr schwer bis fast unmöglich ist. Und das Clubsystem (Griffschrift) lernst Du im Nu.

Und wegen dem Gewicht: 8 Kg sind doch nichts im Vergleich zu meinen drei 15 Kilönern im Avatar. Breite gepolsterte Gurten, allenfalls noch ein Quergurt und Du kannst auf den Bühnen mit dem Instrument herumhüpfen wie ein Derwisch.

Und dann die schönen Register: mein bevorzugtes ist 16' + 4'.

Herzliche Grüsse vom Paul Frager.
 
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Mal sehen, wo mich die musikalische Reise noch hinführt.
Vielleicht zu einer Club IIIM, die wiegt so ca. 5Kg, ist dreichörig mit 5 Registern und ein paar Halbtönen weniger. Die langt wahrscheinlich für das meiste und kostet nicht viel weil sie massenhaft im Angebot ist.
 
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Torquemada
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Da wurde mir ein günstiges Akkordeon angeboten, ein altes Hohner Ouverture V Club Akkordeon. Ich habe zugeschlagen und übe seither fleißig Knopfakkordeon. Der Klang ist wunderschön, aber das Clubsystem ist für mich nicht ganz einfach zu verstehen und das Gewicht (knapp 8 kg) des Instruments zerrt schon ganz schön an den Schultern.
Die Ouverture V ist ein Superinstrument! Ich habe mir im direkten Vergleich V mit IV allerdings die IV-er zugelegt, weil die wummsigere Bässe hat. Allerdings ist sie ähnlich schwer wie die V-er, und deshalb: Sie liegt seit Jahren ungespielt im Kasten. Die Konzertina dagegen liegt immer offen entweder in der Küche oder im Wohnzimmer rum. :D

Das Clubsystem ist eigentlich ganz einfach (wenn man nicht in die Falle von Griffschrift & Co. tappt): Die Club ist ein dreireihiges Akkordeon. Die Hauptreihe ist die mittlere diatonische Reihe (bei dir wahrscheinlich in F). Die äußere Reihe ist dazu die Dominantreihe (also in C). Bei einem normalen dreireihigen Akkordeon ist die innere Reihe dann die Subdominantreihe (also in B). Da die innere Reihe fast nur Tondopplungen der anderen beiden Reihen hätte, hat man diese Dopplungen beim Clubsystem aus Kostengründen eingespart und nur Knöpfe für die neuen Töne gemacht.

Etwas detaillierter habe ich meine Ansicht hier mal beschrieben: https://einundzwanzigknoepfe.wordpr...nken-zu-einigen-eigenheiten-des-club-systems/
 
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Die Konzertina dagegen liegt immer offen entweder in der Küche oder im Wohnzimmer rum. :D
Richtig! Das ist bei mir auch wichtig. Darum hätte ich auch gerne noch eine Concertina (...und ein Klavier...). Wenn man erst mal aufbauen oder auspacken muss, macht man das meistens doch nicht. Auf meinem Sofa liegt z.Zt. eine Bassukulele, eine Tinwhistle und eine Mundharmonika :)
Kenn' ich schon. Wahrscheinlich die beste deutschsprachige Erklärung des Club-Akkordons!! Vielen Dank für die Arbeit!
 
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Torquemada
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darf ich als Nicht-Diatoniker mal nachfragen? Gibt es beim Clubsystem unterschiedliche Stimmungen (also verschiedene Tonarten)? Ich dachte, Club sei Club und immer gleich ...
Club ist immer Club. Das System ist immer gleich. Aber natürlich gibt’s Instrumente in unterschiedlichen Tonarten.
 
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Club ist immer Club. Das System ist immer gleich. Aber natürlich gibt’s Instrumente in unterschiedlichen Tonarten.
C-F ist die gebräuchliste Stimmung in der Schweiz
B-Es dazu kann man besser singen, ist auch die Stimmung im Handharmonika-Club Wädenswil
F-B Baritoninstrument, wird als 3. Stimme eingesetzt, oder für spezielle Stimmen wie "Elektronium"
Weitere sind mir nicht bekannt.

Eine schöne Restwoche wünscht euch Paul Frager
 
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diatoner
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F-B Baritoninstrument, wird als 3. Stimme eingesetzt, oder für spezielle Stimmen wie "Elektronium"
Kannst du das F-B Baritoninstrument genauer beschreiben z.B. Modellbezeichnung oder tonale Ausstattung?
Und was genau hat es mit einem "Elektronium" zu tun bzw. gemeinsam?
 
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Ich hatte mal Unterlagen in einem Harmonikaheft, diese aber als Preis in meinem Akkordeonquiz abgegeben.
Elektronium war oft in Partituren eine separate Stimme, die beim Fehlen eines echten Elektroniums durch die F-B Handharmonika (angeschlossen an eine Hohner Verstärkerbox) übernommen wurde.
 
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