Dereux Sakralorgel läuft unruhig

von polifonico, 24.09.16.

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Casio
  1. polifonico

    polifonico Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 24.09.16   #1
    Hallo zusammen,
    ich bin eigentlich eher im Akkordeon Forum unterwegs, da ich aber ein klassisches Akkordeon mit Melodiebass spiele, ist zumindest die gespielte Literatur vergleichbar.
    Mein Musikzimmer ziert auch ein große elektromechanische DEREUX Orgel aus den frühen 60er Jahren. Diese Orgel wurde damals von Steinway vertrieben. Sie ist im Grunde die erste Orgel mit Samplingtechnik.
    Real abgenommene Tonaufnahmen wurden hier auf drehenden Bakalitscheiben als Tongrundlage eingespeist.
    Bei späteren Modellen wurden Tonbandschleifen eingesetzt. Der Klang unterscheidet sich sehr von Orgeln, bei denen der Klang rein elektrisch erzeugt ist. Fette Röhrenverstärker ergeben einen eigenen Ton.

    Ich habe mal zwei Links angehängt, der erste zeigt den mechanischen Tongenerator, der zweite ein Klangbeispiel der Orgel





    Die Orgel ist trotz kleinen Alterserscheinungen super spielbar - inzwischen schleichen sich aber erste Fehler ein.
    Immer schon war der Motor mit dem Antrieb für die 12 Tonscheiben sehr laut. Seit kurzem gibt es leichte Schwankungen in der Laufgeschwindigkeit , was dann kurze Verstimmungen zur Folge hat.
    Hat da jemand Erfahrungen ? Muß der Motor oder der Antrieb in irgend einer Weise geölt oder gewartet werden ?
    Kennt jemand vielleicht eine Werkstatt oder einen erfahrenen Bastler im Berliner Raum ?

    Vielen Dank,

    Ludger
     
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  2. happyfreddy

    happyfreddy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.10.16   #2
    Ich hatte vor Jahren mal eine DEREUX in den Fingern........
    Der Generator ist eigentlich eine verkapselte Einheit ähnlich eines quaderförmigen
    Blechbehältnisses.
    Anbei mir noch vorliegende Bilder, dabei auch die Tonscheiben die elektrostatisch
    abgetastet werden sowie der Amp

    chassis.gif dereux3kl.JPG dereux4kl.JPG dereux5kl.JPG

    Wenn Der Generator unruhig läuft so hängt das mit dem Antrieb zusammen.
    Damit die Töne konstant erzeugt werden MUSS der Motor ein Syncronmotor sein.
    Entweder hakt es am Antrieb einer der 12 Tonkaskaden oder der Motor selbst,
    vorausgesetzt der Riemen ist noch intakt mit der nötigen Festigkeit.
    Wenn es der Motor selbst ist kommt eigentlich nur der Kondensator in Frage der womöglich
    seine Kapazität verändert hat. Dadurch entsteht ein Phasenfehler was sich auf die konstante
    Drehzahl auswirkt.
    Ist es eine der Kaskaden muß sich nur auf den dort erzeugten Tönen der Fehler äußern.
    Dies kann man möglicherweise noch heraushören bzw messen mit einem Oszillokop.

    Generell ist die Orgel im Bereich der Tastenkontakte schon als gefährlich einzustufen, da hier
    mit Spannungen von ca 900 Volt gearbeitet wird.
    Ein weiteres Problem stellen die Endröhren der Verstärker dar dergestalt, daß es diese Röhren
    kaum noch gibt. Hierfür muß man dann mit Ersatzröhren arbeiten und zwei Röhren auf einem
    Zwischensockel als "eine" einsetzen
    Die einzelnen Generatorkaskaden würde ich in KEINEM Fall demontieren. Sowas gibt es nicht mehr als Ersatzteil. Entweder kommen alle Töne oder halt nicht. Fehlende Töne kann man elektronisch nachbilden.
     
  3. polifonico

    polifonico Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 07.10.16   #3
    Hallo

    und vielen Dank für die ausführlichen Informationen !
    Ich habe mich der Orgel noch einmal genau angenommen und konnte feststellen,
    daß letztlich nur ein Ton Schwankungen hat. Es lag immer abwechselt ein Gewicht auf den Tasten,
    das A war es dann. Alle ca. 2min , recht regelmäßig sackt derTon 1-2 Sekunden ab.
    Ich habe alles noch einmal aufgemacht, der Antriebsriemen schied aus, der lief ganz gleichmäßig.
    Die runden Scheiben, die man in dem Video sieht, dienen nur als Übersetzung für den Antrieb der Kaskaden
    Diese drehen sich ca 5cm nach innen versetzt. Da die Achsen nur gesteckt sind, ist die eine wohl trocken gelaufen.
    Ich habe die Antriebsscheiben jeweils sorgfältig abgebaut und mit einem Tröpfen Ballistol gefettet.
    jetzt geht es erst einmal wieder ganz sauber !
    Die Schaltpläne habe ich auch studiert, es gäbe noch eine Möglichkeit einer Fehlintonation ,
    doch die müsste dann dauerhaft zu hören sein.

    Meine Orgel hat übrigens nur einen Röhrenvorverstärker , die Endstufe ist schon mit Transistoren.
    Dies scheint von Werk aus so zu sein, obwohl in den beiliegenden Schaltplänen die Endstufe mit den seltenen Röhren verzeichnet ist.
    Falls jemand Bedarf an den Plänen hat, da kann ich gerne die Scans zuschicken !

    Vielen Dank erst einmal für diese konstruktive Hilfe !

    Ludger
     
  4. happyfreddy

    happyfreddy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.10.16   #4
    Wenn es nur Steckachsen sind ist es schonmal gut. Hier wird der Schmierstoff mehr oder weniger eingetrocknet sein. Ob nun Schmieröle die Lösung sind würde ich bezweifeln eher irgendein Schmierfett.
    Zumindest muß hier verhindert werden daß ein verwendetes Schmiermittel in das Innere eindringen kann, was für die Profile schädlich sein kann.
    Die Tonscheiben wiegesagt nicht demontieren. Die Abtastung erfolgt mit der sehr hohen Spannung und nach meinen Infos sind die relevanten tonerzeugenden "Profile" auf den quadratischen Plättchen nur aufgedampft.
    Die Röhrenverstärker wurden anscheinend mehrmals geändert. So wie auf dem Bild habe ich jedoch auch keinen seinerzeit vorgefunden. Statt der Originalrähre waren hier schon ( eigentlich unüblich wegen der Heizspannung) solche aus TV Geräten verbaut : 4 x PL 504 .
    Die dazugehörige Lautsprecherbox strahlte übrigens nach oben ab mit den früher üblichen
    Elektrodynamischen Lautsprechern deren Wicklung an 220 Volt Gleichspannung lag.
    Der im Bild dargestellte Endverstärker hatte die EL 84 als Endröhre somit schon gebräuchlicher.
    Wenn hier später dann Transistoren eingesetzt waren dürften das auch heute schon exotische Typen aus den 60ern sein wie etwa der OD 603 oder der OC 26 bzw TFK 30/50 ( allesamt Germanium Typen ). Mehr wie 20 Watt waren damit nicht zu erzielen.
    In jedem Fall sollte man im Hinterkopf behalten daß die Orgel seinerzeit für Betrieb an 220 Volt ausgelegt war.
    Die heutige Netzspannung ist jedoch höher.
     
  5. polifonico

    polifonico Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 28.10.16   #5
    Hallo happyfreddy

    ....etwas später :

    die Orgel läuft jetzt wieder einwandfrei !
    Die Sorge das irgendein Fett über die Achsen bis zu den Tonplatten vordringt ist eher unwahrscheinlich,
    da die Achsen fast 8cm lang sind. Ich glaube auch, daß ich die Orgel zu wenig gespielt habe.
    Ich habe sie nach dem Ölen mal einige Tage länger laufen lassen.
    Sie will einfach länger und regelmäßiger benutzt werden...

    Vielen Dank also !
     
  6. andiu

    andiu Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.10.16   #6
    Hab zwar mit Orgeln nichts zu tun, aber ich bitte dringend zu bedenken: Das Ballistol ist nicht für die dauerhafte Schmierung geeignet wie @happyfreddy schon sagte. Es ist ein Kriechöl und da erfüllt es seinen Zweck. Nach ein paar Tagen/Wochen/Monaten haftet es nicht mehr auf der Achse und die Lager laufen trocken. Für die dauerhafte Schmierung benötigst Du ein (Lager-)Fett mit hoher Viskosität welches auf den Achsen haften bleibt um die dauerhafte Schmierung zu gewährleisten. Besorg Dir doch eine kleine Tube Lagerfett (hält ewig und kann auch noch nach Jahren verwendet werden) und schmier die Achse / Achsen nochmal nach - nachdem Du das Ballistol mit einem Lappen abgenommen hast.
     
  7. happyfreddy

    happyfreddy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.10.16   #7
    Hi, sehe ich genauso.........
    Ob nun Ballistol oder WD 40 , zum Lösen festsitzender oder schwergängiger Wellen / Lager bestens geeignet. Läuft alles wieder rund sollte man tunlichst den "Schmierstoff" verwenden, der empfohlen wurde. Es sei denn man hat das Bedürfnis ständig mit der Ölkanne zu hantieren nur weil man den typischen Geruch von Ballistol etc bevorzugt.
     
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