Ein Lied mit dem Titel "Israeli"

von J.Iscariot, 11.05.06.

  1. J.Iscariot

    J.Iscariot Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.05.06   #1
    Ein Text, der aus meinen eindruecken in diesem schwierigen Land entstanden ist. Es hat eine ruhige, schoene Melodie und sollte mit einem Klavier begleitet werden...



    Israeli

    Seine Augen
    Kommen von weit her
    Aus Wuesten
    Die gibt es Nicht mehr
    Sein Haar faellt
    In sein zimtenes Gesicht
    Sein Land faellt
    Und kein Land in Sicht

    Und er betet
    Wie sein Vater, Grossvater
    Ein ewiges Lied
    Baruch ata Adonai, Eloheinu, Melech HaOlam*

    Er geht weiter
    Geht allen voran
    Der Krieg schwer
    Weint so gut er kann
    Seine Himmel
    Voll irdischem Geschrei
    Rauschende Voegel
    Mit Adern voll Blei

    Und er traeumte
    Von einem Land, gegeben
    Aus ewiger Hand
    Baruch ata Adonai, Eloheinu, Melech HaOlam*



    * ein juedisches Gebet: Gesegnet seist Du, unser Gott, Koenig der Welt
    Mit dieser Formel beginnen die wichtigsten juedischen Gebete, wie die Heiligung des Weines am Shabat.


    Manchmal ist es das Schwierigste, das, was man wahrnimmt und fuehlt auszufruecken. Es wuerde mich sehr interessieren, was fuer Bilder dieser Text in Euch erzeugt, ob Ihr etwas damit anfangen koennt.

    Liebe Gruesse
     
  2. Wolf-107

    Wolf-107 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.05.06   #2
    also der Text ist echt gut, stellenweise würde ich einige wörter etwas verändern aber sonst echt gut.
    Ich hab dabei an einen jungen Mann gedacht der in den Himmel schaut, dabei die Bomben und Schüsse fallen hört und sich fragt wie es mit seinem Land weitergehen soll.
    Wirklich sehr emotional und gut...Respekt!
     
  3. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 11.05.06   #3
    Ich bin ein ganz einfacher Mensch. Deswegen kann ich den Text leider nicht losgelöst von Deiner Person sehen. Und - um auf Deine Frage, welche Bilder der Text in uns erzeugt, zu beantworten - leider: gar keins!

    Nicht, weil der Text schlecht ist. Aber es drängen sich mir eher die Fragen auf, warum ein junger in Tel Aviv lebt, solche Texte mit biblischen Zitaten schreibt und sich selbst auch noch einen biblischen Nick-Namen gibt. Das finde ich dummerweise viel interessanter als den Text selbst.
     
  4. J.Iscariot

    J.Iscariot Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.05.06   #4
    Hallo Antipasti,

    ich bin in Tel Aviv, weil ich hier studiere. Dass ein Zitat aus der Bibel (auch noch ein Gebet) darin vorkommt hat nichts damit zu tun, dass ich anfangen will zu predigen oder den Inhalt zu verehren. Es ist ein Stilmittel, es soll veranschaulichen. Es soll ein Gefuehl vermitteln (Was sicher besser funktioniert, wenn man den Text hoert).
    Mein Nickname ist deswegen der von Judas Iscariot, da ich ihn fuer eine der interessantesten Persoenlichkeiten der Bibel sehe. Das ist schon alles.
    Es versteckt sich kein religioeser Wahn hinter meiner Erscheinung.

    Mich wuerde interessieren, was die Tatsache, dass Du den Text nicht von meiner Person losgeloest sehen kannst (welche Du auf die Tatsache, dass ich einen biblischen Nickname habe und in Tel Aviv wohne reduzierst), damit zu tun hat, dass Du ein "ganz einfacher Mensch" bist.

    Liebe Gruesse
     
  5. Sergio

    Sergio Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.05.06   #5
    Hallo,
    Ich persönlich finde den Text sehr gut. (Vor allem das Bild "Rauschende Voegel
    Mit Adern voll Blei" finde ich sehr genial)

    Zu dem Eindruck den der Text auf mich gemacht hat:
    Ich bin noch in der Schule(Oberstufe) und wir haben vor ein paar Monaten das Buch "God of Small Things" von Arundhati Roy gelesen. Irgendwie habe ich den Text im ersten Moment sofort damit assoziiert. (Der Gott der 'großen Dinge' verkörpert den Staat, das Offizielle, das 'Wichtige', das an dem mehr als nur 15 Personen beteiligt sind. Und im Vergleich zu diesem 'God of Big Things' ist der 'God of Small Things' -das persönliche, das Individuum, der/die Einzelne, vll auch Familien- unbedeutend, klein und vor allem zu 'klein' um wichtig zu sein)

    Bei mir wurde der Eindruck von einem Mann(eher ein junger Mann) erzeugt, der durch sein Land "läuft", es betrachtet, sich an die Geschichte des Landes 'erinnert' und irgendwie 'heimatlos' und auch ziellos ist. Jemand der zwar Israeli ist(oder als Israeli geboren wurde), aber irgendwie den Bezug zu diesem Land verliert(Wahrscheinlich deswegen weil "Sein Land faellt"). Jemand der nicht weiss was die Zukunft bringen wird. Jemand über den man Bescheid wissen sollte... Jemand der wichtiger ist als Britney Spears.


    Seine Augen
    Kommen von weit her
    Aus Wuesten
    Die gibt es Nicht mehr
    (heimatlos)

    Sein Land faellt
    Und kein Land in Sicht
    (ziellos, mit einer 'schlimmen' -irgendwie das falsche Wort, eher tragischen- Vergangenheit)


    Und er betet
    Wie sein Vater, Grossvater
    Ein ewiges Lied
    Baruch ata Adonai, Eloheinu, Melech HaOlam*
    (Jude = Verfolgter; Bild von einem betenden Juden, bei dem die Nazis vor der Tür stehen...im ersten Moment kam dieses Bild, auch wenn das nicht hundert pro in das Lied passt finde ich;
    'Zuflucht in der Religion?' sowohl im negativen als auch im positiven Sinne)


    Er geht weiter
    Geht allen voran
    Der Krieg schwer
    Weint so gut er kann
    Seine Himmel
    Voll irdischem Geschrei
    Rauschende Voegel
    Mit Adern voll Blei
    (Vom Krieg gebeuteltes Land? Schon abgestumpft "Weint so gut er kann")
     
  6. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 12.05.06   #6
    Das "Einfach" war als humorvoller Einstieg in Thread gedacht, bezogen auf die Tatsache, dass auch ich nicht sachlich und rational genug denken kann, um mich davon zu lösen, dass es oft eher drauf ankommt "wer" etwas sagt, als auf den tatsächlichen Inhalt.

    Und wenn ich lese: Judas Iscariot, Bibelzitate und wohnt auch noch Israel, dann melden sich all meine kleinbürgerlichen Ängste und Vorurteile und sagen: "Kuck mal: ein sehr christlicher Jugendlicher - uiuiui. Wonach der wohl sucht? Sind seine Eltern Zeugen Jehovas?"

    Das meinte ich mit "Einfach."

    Diese Mißverständnis zeigt glücklicherweise, dass ein bißchen "Einfachheit" auch in Dir steckt. Das macht Dich symphatisch. Nein - natürlich reduziere ich Dich nicht auf diese drei Merkmale. Es sind halt die einzigen, die Du preisgibst, und schon diese lassen ein Bild entstehen. Kein komplettes, das ist mir klar, aber eben ein Bild, eine Tendenz.

    Das sind ja keine zufälligen Merkmale. Immerhin kennst Du diese Namen und Gebete. Frag mal hier im Board, wer sie noch kennt.

    Wenn sich ein User "666-Dr.Evil" nennt und als Avatar eine Teufelsmaske nutzt, dann entsteht auch ein Bild: "Dieser User hört bestimmt gerne laute Rockmusik mit Gitarren und weniger Britney Spears" werde ich denken, ... ohne es natürlich genau zu wissen. Aber meistens stimmts.

    Aber jetzt mal zum Text, dem eigentlichen Thema. Ganz losgelöst von Deiner Person.

    Das ist kein schlechter Text. Die Sprache ist sehr einfach, das Zitat macht ihn interessant, die Bilder sind stimmig. Er hat fast das Zeug von einem Profi-Werk eines 70er Jahre Schlagerkomponisten. Damals gab es ja auch immer einen Trend zum "Schlager mit ernstem oder sozialkritischem Hintergrund" (Am Tag, als Conni Kramer starb, Mein Freund, der Baum usw)... an die Richtung erinnert mich das Ganze.
     
  7. Errraddicator

    Errraddicator Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.05.06   #7
    Die Frage die sich bei dem Text stellt:
    Was soll uns das jetzt sagen?
     
  8. Martin Dillinger

    Martin Dillinger Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.05.06   #8
    Analysiere und interpretiere
    Analysiere und interpretiere
    Analysiere und interpretiere
    Analysiere und interpretiere
    Analysiere und interpretiere
    Analysiere und interpretiere

    Zitat aus "American History X" ;)

    Ich würde dir aber bei solchen Fragen eher die Variante:
    Analysiere und interpretiere dann assoziiere ans Herz legen! :great:
     
  9. Errraddicator

    Errraddicator Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.05.06   #9
    interpretieren?
    Dann habe ich eigentlich schon keine Lust mehr.
    Ich finde Liedtexte in die man sich alles mögliche hineininterpretieren kann nich so dolle.

    Aber das is dann wohl Geschmackssache. ;)
     
  10. Cervin

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    Erstellt: 13.05.06   #10
    Soviel zu interpretieren gibt es da garnicht. Also das was passiert ist ziemlich klar, vielmehr find ich es interessant was NCIHT geschrieben ist. also alles drum rum.

    Find den text echt klasse, sehr einfach geschrieben (teilweise vllt sogar "zu" einfach) und sehr schöne umschreibungen (z.B. das was Sergio schon sagte mit den Vögeln).

    Klasse :-)

    EDIT: Das beste find ich noch daran das es nciht so ein Thema ist, was alle 20 sekunden im radio kommt!
     
  11. J.Iscariot

    J.Iscariot Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.05.06   #11
    Hallo an alle,

    erstmal vielen Dank fuer Eure Meinungen. Fuer alle, die es interessiert kann man den Song in einer ersten Version und noch einen weitern von mir unter

    http://jonas_birthelmer.myownmusic.de

    anhoeren.

    Liebe Gruesse
     
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