[Gitarre} Ibanez AZES31 (Ibanez Testrun)

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@Features – über große Schwestern und Großtanten

Ich hatte im Rahmen eines Ibanez AZES-Testruns (@hack_meck: danke noch mal dafür!) die Gelegenheit, dieAZES31 zu testen, und das mit dem Zusatzauftrag, sie mal mit ihren Großtanten aus den frühen 90ern, den Starfield Altair (Starfield war eine Marke aus dem Hause Ibanez), zu vergleichen. Der Vergleich liegt nahe, da beide ähnliche Kernfeatures wie PRS-Mensur, schmale Hälse und Vintage-Bezug teilen. Einen echten Vergleich mit dem teureren Schwestermodell AZ kann ich leider nicht bieten, da ich die AZ bislang nur im Laden anspielen konnte.
Die AZES31 kostet im Augenblick 298€ bei Thomann.
Sie wird ausdrücklich als Schüler- bzw. Anfängergitarre vermarktet. Das geht sogar soweit, dass die 25-Zoll-Mensur auf der Ibanez-HP ausdrücklich als Schülerfeature herausgestellt wird: „AZES guitars feature a 25" scale length, which makes for an easier playing instrument for children and players of smaller stature. Additionally, as the 25", medium scale is also large enough that the player can continue to grow with the instrument as they mature as a guitarist.“
Wenn das Herr Tremonti und andere professionelle User dieser Mensur lesen würden … Ich spiele seit fast 40 Jahren Gitarre, mitgewachsen ist eigentlich keine meine Gitarren :biggrinB:, diese Mensur spiele ich erst seit ca. 8 Jahren. Ich mag sie: Mit 010er Saiten noch genügend Widerstand und trotzdem – gerade für kleinere Finger – leicht zu spielen.
Die AZES ist mit 3,0 kg leicht.
Die Saiten werden durch die Korpusrückseite eingefädelt. Die Bohrungen für die Saitendurchführung sind nicht in einer Reihe (s. Foto). Dahinter stehen wahrscheinlich neueste psychoakustische Erkenntnisse der Ibanez- Klangforscher – oder einfach die Erkenntnis, dass die tiefe E-Saite zum Einstellen der Oktavreinheit ohnehin nach „hinten“ gestellt werden muss und so nicht verklemmt. Ehrlich gesagt sieht es aus, als hätte der Mann an der Fräse einen schlechten Tag gehabt, aber da die Fotos auf der Ibanez-HP dasselbe zeigen, kann man von Absicht ausgehen.
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Alle technischen Daten (https://www.ibanez.com/eu/products/detail/azes31_1p_01.html):

  • AZ Education Serie
  • Korpus: Pappel
  • geschraubter Hals: Ahorn
  • Griffbrett: Jatoba
  • Halsprofil: AZES (Dicke 1. Bund 21 mm / Dicke 12. Bund 23 mm)
  • White Dots Griffbretteinlagen
  • Mensur: 635 mm (25")
  • Griffbrettradius: 250 mm (9,84")
  • Sattelbreite: 42 mm (1,65")
  • Kunststoffsattel
  • 22 Medium Bünde
  • Mint Schlagbrett
  • Tonabnehmer: 3 Essentials Single Coils
  • 1 Volume- und 1 Tonregler
  • dyna-MIX8 System mit Alter Switch
  • 5-Wege Schalter
  • F106 Steg
  • Ibanez Mechaniken
  • Chrom Hardware
  • Werksbesaitung: .010 - .046
  • Farbe: Vermillion


Vergleich der Features Ibanez AZES31 - Starfield Altair Classic

Wer sich über die Ibanez-Submarke Starfield genauer informieren möchte, der kann sich folgende Artikel durchlesen:

musiker-board oder Gitarre&Bass oder musiker-board

Ich habe aktuell 3 Starfields (s. Foto, von links nach rechts: Ibanez AZES/ Starfield Altair Classic II/ Trad mit Unicut-Hals und Neulackierung in Gold/ American Custom). Am ehesten vergleichbar ist die Altair Classic in Seafoam Green; diese hat allerdings mittlerweile Fender hot noiseless Pickups, die originalen klangen mir zu dünn/ 50s-mäßig, aber insgesamt sicher nicht schlecht.
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  • Natürlich gibt es offensichtliche Unterschiede wie die Body- und Kopfplattenform – weitgehend Geschmacksache. Allerdings sorgt die Neigung der Kopfplatte bei den Starfields für den Verzicht auf Stringtrees – sie sind also theoretisch verstimmungsfreier bei Tremolo-Einsatz, die Kopfplatte könnte allerdings bei Stürzen leichter abbrechen.
  • Die AZES kommt aus Indonesien, die vorliegenden Starfields aus Japan bzw. USA; es gab allerdings auch eine Starfield-Serie aus Korea (kenne ich nicht).
  • Meine Starfiels haben alle ein Tremolo (2 point), die vorliegende AZES31hat keines; allerdings gibt es die AZES40 mit Humbucker an der Bridge und 6 point Tremolo. Klassische 6 point Tremolos mag ich nicht so sehr, aber auch das ist ja bekanntlich Geschmacksache: Investiert man regelmäßig etwas Zeit, kann auch ein Trem mit 6 Schrauben verstimmungsfrei sein.
  • Der Hals der AZES ist fetter und klassischer (wie bei der AZ 20,5mm am I. Bund, plain sawn) als der einer Starfield (19,5 am I. Bund, quarter sawn), der All Access Neck Joint fällt bei der AZES etwas fülliger aus (s. Fotos), was man aber eher sieht als spürt. Der „Handshake“ ist bei beiden sehr bequem, hohe Lagen können mühelos erreicht werden. Die Bünde sind bei AZES/ Starfield gleichermaßen dünn/ medium (2,3 mm), der Griffbrettradius ist bei der AZES rundlicher (9.8“ vs. 12“), der Hals ist dünn matt lackiert (Starfield: gewachst)
  • Die AZES hat Singlecoils mit Keramikmagneten (bei Starfield imho ab Werk immer AlNiCo) und mit dem dyna-MIX8-System eine deutlich aufwändigere Elektrik, die sehr viel variabler als die einer Altair Classic ist. Meine Starfield American Custom geht zwar in diese Richtung (5-Wege-Schalter bei HH-Bestückung), ist aber eindeutig nicht sooo variabel.
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Verarbeitung/ Handling

Die vorliegende AZES ist für eine Gitarre dieser Preisklasse sehr gut verarbeitet, das Bundfinish ist klasse, die Bünde sind ordentlich poliert (kaum Kratzen beim Ziehen). Man sieht, dass die Bundenden mit einer Bundendenfeile sorgfältig verrundet wurden (Handarbeit, s. Foto). Nichts steht über, sehr smooth! Ich gehe jede Wette ein, dass der Nylonstrumpf von Phillip McKnight nach dem entsprechenden Test noch tragbar wäre (y) (Wer den Test nicht kennt, der sollte sich mal eins seiner Testvideos anschauen). Wir sind optimistisch und gehen davon aus, dass alle AZES ab Werk so behandelt werden … obwohl ich da in der Preisklasse bei Ibanez auch schon Ausrutscher erlebt habe (ein unspielbarer SR Mezzo Bass, eine blutige Angelegenheit).
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Die Lackierung ist gut, lediglich an den Randstellen (Halsschraubenlöcher) nicht perfekt, das schert keinen in der Preisklasse. Der Hals ist da, wo es drauf ankommt, wunderbar gefinished, nur in den Rundungen der Kopfplatte nicht perfekt verschliffen/ etwas rau, was PRS-Jünger evtl. wütend machen würde, mich aber (Ommmmmmmm) daran erinnern würde, wieviel Geld ich im Vergleich zu einer PRS Core gespart hätte und dann ein seliges Lächeln auf mein Gesicht zaubern würde.
Die Mechaniken sind geschlossen, also moderner Bauart, und haben einen split shaft, was das Saitenwechseln ungemein erleichtern dürfte. Schöne Detaillösung!

Sound

Wer sich die Sounds der Starfields anhören möchte, kann sich hier noch einmal eine ältere Aufnahme von mir anhören, ein Hörvergleich mit meinen aktuellen Starfields verbietet sich imho, da sie heftig modifiziert wurden.
Akustisch klingt die AZES klasse – laut und ausgewogen. Man hört ja des öfteren Kritik an Pappel als Korpusholz und ich habe auch schon mal eine Squier aus Pappel u. a. auch wegen des unverstärkten Klangs sofort weitergereicht. Hier ist alles gut, für mich klingt Erle auch nicht anders. Da sie kein Tremolo hat, sind die Saiten unnachgiebiger, man hat ein bissiges Attack, das durch die - im Vergleich zu Teles und Hardtail-Strats - kürzere Mensur etwas abgemildert wird.
Die Pickups sind gut gewachst und pfeifen nicht (nicht selbstverständlich in dieser Preisklasse -habe ich bei Harley Benton und LTD schon anders erlebt).

Von Ibanez sind schon einige Sounddemos von wirklich großartigen Gitarristen bei Youtube zu finden, nämlich von Tom Quayle, Paul Gilbert, …, s.
Kein Grund, nur noch für sich im stillen Kämmerlein zu spielen :p ...
Die Aufnahmen habe ich mit einem aktuellen Line6 Spider (clean: 1965 Double Verb, Lead: 1993 Solo 100 Head) aufgenommen.
Clean-Spur: 5x von Bridge zu Neck (Alter switch off), dann direkt danach 3x die zusätzlichen Sounds mit Alter switch on (Bridge/ Mitte seriell, Bridge und Neck parallel, Mitte/ Neck seriell)
Lead-Spur: Erst Bridge/ Mitte seriell, dann Mitte/ Neck seriell)

Meine subjektive Meinung zu den AZES-Sounds:
Steht der Alter switch auf off, werden die klassischen Stratsounds mit dem entsprechenden Output geboten. Hier klingen die Pickups alleine OK, die Zwischenpositionen eher schwächer, sehr glasig. Ich vermisse im Vergleich das Strat-typische Näseln, was ich auf die Pickups mit Keramikmagneten schiebe.
Insgesamt ist die zweite Soundebene durch den Dyna-Mix-Schalter ein echter Gewinn, auch wenn die Stellung 1 (Alter switch on), also Bridge/ Mitte in Serie deutlich anders klingt als ein Humbucker, nämlich etwas bassiger. Sie fühlt sich auch anders an. Die Stellung 5 (Alter switch on, Hals und Mitte seriell) klingt wirklich gut und brauchbar, die Stellung 3 imitiert ganz ordentlich eine Tele.

Fazit

Insgesamt eine sehr gute „Schülergitarre“ ;) in der Preisklasse um 300€.. Die Verarbeitung ist da, wo es wichtig ist, hervorragend. Die verstärkten klassischen Stratsounds sind – gemessen an der Preisklasse – gut, die Variationen durch den Alter Switch ebenfalls. Wäre es meine Gitarre, würde ich die Pickups wechseln. Ich gehöre ausdrücklich nicht zu denen, die Werkspickups immer doof finden, aber hier ist imho wirklich die schwächste Stelle (keine echte Schwachstelle) des Gitarre. Behebt man diese, erfüllt sie auch sehr hohe Ansprüche.
Mir gefällt sie – auch im Vergleich zu meinen Starfields – recht gut, der Hals der AZES ist fleischiger, aber genauso schmal (42mm am Sattel) wie bei den Starfields, und hat meine Lieblingsmensur. Es fehlt allerdings ein Tremolo. Also werde ich mir im Laden die AZES40 genauer anschauen (und ggf. den Pickupwechsel miteinkalkulieren).
Sind die Starfields hochwertiger?
Ein wenig schon (Verarbeitung im Detail, Materialien wie Quarter-Sawn-Hals, Made in Japan, Gotoh-Hardware, die amerikanische hat Seymour Duncans …), sie punkten aber vor allem mit Vintage Vibe, da sie immerhin schon 30 Jahre alt sind.

Und schließlich: Die AZES ist rot. Rote Gitarren klingen bekanntlich hervorragend.
 
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Die Bohrungen für die Saitendurchführung sind nicht in einer Reihe (s. Foto). Dahinter stehen wahrscheinlich neueste psychoakustische Erkenntnisse der Ibanez- Klangforscher – oder einfach die Erkenntnis, dass die tiefe E-Saite zum Einstellen der Oktavreinheit ohnehin nach „hinten“ gestellt werden muss und so nicht verklemmt.
Nur als kleine Anmerkung zu dem schönen Review. Ibanez macht das schon lange, dass bei einigen Modellen die Durchführung der tiefsten oder auch der beiden tiefsten Saiten versetzt sind. Die Gibraltar Brücken haben dafür auch mehrere Bohrungen in der Grundplatte.
 
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Danke für die Bilder und das Review(y)

Da Du ja schon so lange Gitarre spielst: Merkst Du denn den Unterschied zwischen dieser Mensur und der einer "normalen" Strat?
Ich stelle mir die Frage, ob das für einen Anfänger so einen Riesenunterschied macht bzw. man das wirklich (im Sinne einer leichteren Bespielbarkeit) merkt.
Wird der Einstieg hierdurch (Handling => mehr Spaß => mehr üben/spielen und irgendwann dann Fortschritt) wirklich erleichtert oder ist das eher Marketing?

Vielen Dank für eine kurze Info und schöne Grüße an die Pader,
Jörg
 
macforst
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Das ist eine schwierige Frage.
Ich merke den Unterschied zwischen den Mensuren schon. Mir erleichtert es das Spielen, weil ich so bestimmte Akkorde, ... etwas leichter greifen kann. Ich habe aber auch ziemlich kleine Hände, hat man "Pianistenfinger" wie Paul Gilbert, ist das nicht so wichtig. Die Saitenspannung verändert sich allerdings unabhängig von den Handgröße: Kürzere Mensur: bei gleicher Saitenstärke geringere Saitenspannung, also leichter zu drücken (für Anfänger evtl. relevant). Insofern macht die Entscheidung von Ibanez für diese Mensur durchaus Sinn. Ein "Riesenunterschied" zu anderen Gitarren ist es aber nicht.
Ich würde die Mensur aber auf keinen Fall zum alleinigen Kriterium für den Gitarrenkauf machen. Auch andere Konstruktionsmerkmale beeinflussen die Bespielbarkeit und damit den Spaß am Spielen, vor allem Halsdicke, -breite und -form, oder das Gewicht der Gitarre. Da sollte man als Anfänger vielleicht keine Extreme wählen.
Die gängigen Einsteigergitarren der großen Marken sind da alle im grünen Bereich.
Wenn ich mir das, was ich geschrieben habe, so durchlese: ganz schön verkopft! Shut up and play (y)!
 
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Okay, also war meine Überlegung ja doch nicht völlig abwegig. Danke!;)
 
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Puh, da hast Du mal eine Review vorgelegt! :) Sehr schön geschrieben! Die Gitarre befindet sich gerade bei mir und ich befasse mich mit ihr. Meine Review wird weniger analytisch (mangels Fachwissen :D ). Ich hoffe, ich habe dem Ganzen noch etwas hinzuzufügen.
 
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