[Gitarre] Ibanez S470 (1992-1994)

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Ibanez S470 (1992-1994)

Einstieg

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Ich war vor einer Weile schon einmal stolzer Besitzer einer S-Klasse Gitarre (S420; Zweitgitarre) und war eigentlich sehr zufrieden. Als ich aber einen neuen Amp brauchte, habe ich diese wieder verkauft. Als ich nun vor ein paar Wochen auf einem Konzert einer lokalen Band war, dessen Gitarrist am Bühnenrand unter anderem auch eine S-Klasse stehen hatte, packte mich das Fieber und ich wollte unbedingt wieder eine vom Spielgefühl her so großartige und einzigartige Gitarre haben! Da es ein Spontankauf war, wollte ich nicht allzu viel dafür ausgeben und habe diese hier noch am gleichen Abend als Gebrauchtware im Internet gefunden. Schnell hingefahren wurde mir die Gitarre, Original-Rechnung von 1.350 DM und ein Koffer mitgegeben. Bezahlt habe ich weniger als 300€! Die Gitarre (Baujahr 1993) wurde vom Vorbesitzer 1994 neu gekauft und hat die meiste Zeit im Schrank verbracht, was man am hervorragenden Zustand auch eindeutig erkennen kann - Optik und Technik fast wie neu!


Geschichte

Die S470 wurde von '92 bis '99 in Japan (Fujigen-Werk) hergestellt - ab '94 allerdings mit Lo TRS I Tremolo und anderen Pick Ups, später auch mit anderem Hals. Diese Version wurde in Japan als S370 vermarktet. Die von 2003 bis 2009 gebaute S470 hat nichts mit der hier vorgestellten zu tun und wird in Korea hergestellt.

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Datenblatt


  • Produktion: Japan / 1993
  • Korpus: Mahagoni
  • Bridge: Lo Pro EdgeMechaniken: Gotoh
  • Hardware Farbe: Schwarz
  • Hals: Wizard / 1-Piece Maple
  • Griffbrett: Rosewood
  • Inlays: Pearl Dots
  • Bünde: 22 / Jumbo
  • Schalter: 1 Lautstärke / 1 Ton / 5-Wege-Switch
  • Gewicht: 2,8 kg

Tonabnehmer


  • Hals: IBZ V7
  • Mittlere Position: IBZ S1
  • Brücke: IBZ V8

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Verarbeitung

Die Verarbeitung ist grandios und fehlerfrei. Die Bünde sind sauber abgeschliffen, der Hals sauber in den Korpus eingesetzt und auch der Lack ist ohne Unebenheiten aufgetragen worden. Einen kleinen Minuspunkt bekommt der Deckel zu den Tremolo-Federn auf der Rückseite: Dieser ist nicht in den Korpus eingelassen, sondern uneben zur Oberfläche - Allerdings sitzt auch dieser perfekt gerade, so dass die Verarbeitung nicht darunter zu leiden hat (früher hat man es einfach so konzipiert). Die Hardware zeugt von einer Gitarre, die einen gewissen Anspruch mitbringt. Gotoh-Mechaniken und ein absolut stimmstabiles Ibanez-eigenes und unter Floyd Rose lizenziertes "Lo Pro Edge"-Tremolo-System setzen hier einen sehr guten Standard.


Optik

Mir persönlich gefällt die Gitarre optisch sehr gut. Mit der tief-schwarzen Hardware auf schwarzem Lack und den Dot-Inlays sieht sie noch wie eine "echte" 80er-/ und 90er-Jahre-Gitarre aus. Einige positive Kleinigkeiten habe ich auch noch entdecken können: So weist die Kopfplatte lediglich das Ibanez-Logo und keinen störenden "S-Klasse", "Premium", "Prestige" etc. -Schriftzug auf - Manchmal ist weniger einfach mehr. Auf der Rückseite der Kopfplatte findet sich auch kein plötzlicher Übergang von klarlackierter Kopfplatte zum nicht-lackierten Hals (s. z.B. Ibanez RG1 Premium).

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Bespielbarkeit

Natürlich ist die Gitarre durch den dünnen Korpus und den noch dünneren Wizard-Hals klar als Lead- und Solo-Gitarre zu identifizieren. Die tiefe Saitenlage und das verstimmungsfreie Lo Pro Edge-Tremolo laden förmlich zum virtuosen Solieren ein! Diese Eigenschaften ermöglichen ein möglichst präzises und schnelles Spielen und ein absolut anderes Spielgefühl als z.B. bei einer Les Paul, SG oder einer handelsüblichen Strat. Doch auch das Riffing macht (zumindest mir persönlich) durch diese Merkmale und das einzigartige Gefühl einer S-Klasse erheblich mehr Spaß als auf den klobigeren und schwereren sogenannten "Riff-Monstern". Für meinen Geschmack schafft diese Gitarre es, ein gutes Gleichgewicht zwischen Technik- und Gefühls-Gitarre zu formen.


Sound

Kommen wir nun zum schwierigsten und diskussionswürdigsten Teil: der Sound. Mir persönlich gefällt der Sound sehr gut. Wie man es von ibanez gewöhnt ist, bekommt man durch die Verteilung der Pick Ups ("HSH" - Humbucker, Single Coil, Humbucker) eine große Vielfalt von Sounds hin, womit man vom Jazz bis zum Metalgitarristen wohl jeden zufrieden stellen kann! Der einzige (und verschwindend kleine) Minuspunkt ist, dass sie durch das fehlende Korpus-Volumen von sich aus etwas weniger Mitten ausspucken kann, als z.B. die verwandten RG-Modelle. Dieses Manko kann aber leicht durch die richtige Einstellung am Verstärker behoben werden! Die weitläufige Behauptung, dass die Ibanez-eigenen V7- und V8-Humbucker einen matschigen Sound hervorbringen muss ich stark relativieren. Zwar bringen High End Pick Ups der führenden Hersteller sicherlich noch ein Stück mehr Definition in den Klang, was allerdings nicht bedeutet, dass diese Gitarre nicht den Anforderungen von Proberaum-Sessions und Live-Auftritten gerecht wird.

Overdrive/Distortion
In der Bridge-Position bekommt man einen guten, hellen und etwas höhenlastigen Riff-Sound geliefert. Der Single Coil in der Mittelposition bringt einen schönen, der normalen Strat sehr nahen Single Coil-Sound und der Humbucker am Hals gibt einen warmen und glockigen Lead-Sound her.

Clean
Im Clean-Bereich ist der Humbucker in der Bridge-Position für ein paar funkige oder Country-mäßige Leads zu gebrauchen. Wichtiger werden hier natürlich Mittel- und Hals-Position. Über den Single-Coil kann man dasselbe wie im verzerrten Bereich sagen: Single-Coil halt! Der Humbucker an der Hals-Position bringt dafür einen schönen, warmen Sound, der zu offenen Akkorden einlädt und schön differenziert klingt


Fazit

Für den Preis hat sich der Kauf definitiv gelohnt! Ich bekam für unter 300€ eine perfekt verarbeitete Gitarre, hergestellt in dem Werk, welches heute für die High End "Prestige"-Modelle von Ibanez zuständig ist. Falls jemand eine neue Gitarre sucht, kann ich es aus eigener Erfahrung nur immer wieder betonen: Das beste Geschäft macht ihr auf dem Gebrauchtmarkt im Netz!
Abschließend muss ich leider noch sagen, dass ich diese Gitarre wahrscheinlich bald wieder abgeben werde. Ich interessiere mich sehr für ein Prestige-Modell der S-Serie und versuche dafür zurzeit unter anderem eine PRS SE 22 Custom zu verkaufen. Sobald ich diese loswerde, wird wohl auch diese hier dem Sparen auf die Prestige-Gitarre zum Opfer fallen müssen - zwei S-Gitarren wären neben meiner RG einfach unnötig.
 
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strogoff
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Kann ich alles absolut nachvollziehen. Habe mir kürzlich eine RG 570 aus fujigen für kleines Geld ersteigert. Hatte ganz vergessen wieviel Spass so eine flitzefinger klampfe machen kann.

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