Gitarrenbauer in Europa, die Parlorgitarren mit ladder-bracing bauen

von Fürchtegott, 07.07.16.

  1. Fürchtegott

    Fürchtegott Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.07.16   #1
    Hallo,

    Ich suche einen Gitarrenbauer, der darauf spezialisiert ist, Steelstring Gitarren wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu bauen, wie es beispielsweise die Gitarren von Fraulini oder Hauver sind.
    Da ich aber nicht so gerne aus den USA bestellen möchte, würde ich einen Gitarrenbauer aus Europa bevorzugen. Mir ist zwar klar, dass wahrscheinlich jeder Gitarrenbauer auch ladder-braced Gitarren bauen kann, jedoch hätte ich doch lieber einen Spezialisten, der hautsächlich solche Instrumente baut.

    Was mir vorschwebt ist eine Parlorgitarre im Stile der alten Stella-Gitarren von vor dem Krieg, also noch aus Zeiten der Oscar-Schmidt Company. Preislich würde ich mir so um die 3000-3500€ vorstellen, günstiger wäre natürlich auch nicht schlimm.
    Ich spiele eigentlich ausschließlich Fingerpicking, delta/country blues etc.

    Auch an Adressen für gebrauchte Instrumente bin ich interessiert, vintagestellaguitars.de kenne ich bereits.

    Viele Grüße,
    Moritz
     
  2. Flyboy

    Flyboy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.07.16   #2
    Hallo Furchtegott,

    wenn ich dich richtig verstehe suchst du den ganz speziellen Sound der kleinen Gitarren von Stella u.a. Ich bin allerdings nicht sicher, ob der tatsächlich auf die Leiterbeleistung zurückzuführen ist. Ich hatte mal 2 fast identische Parlors von Hopf von denen eine Leiterbeleistung hatte, die andere Fächerbeleistung. Und beide klangen praktisch gleich. Nur hatte die mit Leiterbeleistung eine Wölbung der Decke hinter dem Steg, ein Problem das für Leiterbeleistung durchaus typisch ist. Bei Framus hat die Amateur eine Leiterbeleistung, die ansonsten baugleiche Wanderlust meines Sohnes eine Fächerbeleistung. Wegen des geklebten Steges klingt sie sogar besser als die Amateur mit geschraubtem Steg ...

    Wenn man sich die Stellas auf Youtube anhört, dann fällt auf, dass sie sehr tief gestimmt sind, mindestens auf D, teilweise noch tiefer. Grund ist nicht zuletzt, dass die Leiterbeleistung nicht viel Saitenzug aushält. Zusammen mit der kürzeren Mensur klingt das natürlich anders als gewohnt. Außerdem sind die Gitarren zum Teil aus Birkenholz gebaut, und das erzeugt den Sound, den ich mit Blues assoziere ...

    Den Birkensound gibt es auch aus deutscher Produktion und zwar die Framus Teenager. Die klingt wirklich genial, hat aber einen sehr schmalen Hals und ist auch meist ein Fall für den Gitarrenbauer. Aber mit etwas Glück ....

    Ich selber bin sehr zufrieden mit meinen 3 Hopf Parlors 1967-68 (Ahorn,Mahagoni, Palisander) von denen 2 vollmassiv sind. Ein schöner leicht rustikaler Klang und mit 47er Hals gut fürs Picking. Bis du deine Idealgitarre gefunden hast, könntest du die Zeit mit sowas überbrücken ...
     
  3. aspenD28

    aspenD28 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.07.16   #3
    Hallo www.gitarrenmacher.de hat angefertigte Parlor-Gitarren im Programm.
    Vielleicht einen Versuch wert.

    Gruß Andreas
     
  4. bastian a.

    bastian a. Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.07.16   #4
    Die nicht so schwierig erhältliche Waterloo (by Collings) mit Ladder-Bracing kommt für dich nicht in Frage?
     
  5. Fürchtegott

    Fürchtegott Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.07.16   #5
    Hallo alle,
    ich fang mal oben an;

    die Hopf und Framusgitarren etc sind alle aus den 50er/60ern, ich such aber nach Gitarren nach Art der 20er/30er. Die sind zwar vergleichbar (also oft Birke und so) aber ein bisschen anders. Man darf sie wegen des Ladder-bracings nicht mit besonders dicken Saiten bespannen, das ist richtig.
    Ich hab schon eine Regal Parlorgitarre aus den 20ern, die mir auch gut gefällt. Diese war jedoch damals eher eine billige Gitarre, was man dann doch auch merkt, die Stellas waren da dann ne Klasse drüber.

    Die Waterloo Gitarre ist zwar interessant, geht aber eher in die Gibson L-00 Richtung, mit 14 Bünde bis zum Hals etc., ich suche aber nach 12 Bünden bis zum Hals.

    Viele Grüße und Danke schonmal!
     
  6. hatschipu

    hatschipu Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.07.16   #6
    Martin Wieland mit Deerbridge-Guitars wäre sicher der Richtige. Der bait die jedes Modell in hervorragender Qualität, auch das was nicht auf der Homepage steht. Einfach mal anmailen oder anrufen.
     
  7. rechentiger

    rechentiger Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.02.17   #7
    Hi Fürchtegott,

    das Thema ist schon etwas älter, aber ich würde dich gern fragen, wo du deine Infos zu diesen alten Gitarren recherchiert hast?

    Ich selbst spiele eher E, habe jetzt angefangen, mich mit Delta Blues zu beschäftigen, und dazu meine alte Westerngitarre hervorgesucht, die ich mir als Teenager in einem Restpostenladen gekauft habe. Jetzt nicht erschrecken: Es ist ein altes chinesisches Schätzchen aus Sperrholz, voll lackiert. Als ich sie damals im Geschäft in der Hand hatte, klang sie besser als meine Wandergitarre (aber das ist nochmal eine ganz andere Geschichte).

    Seit ich also mit dem Fingerstyle Blues angefangen habe, schiele ich auf Epiphones oder Martins etc. und überlege, welche ich gern hätte, wenn das mit dem Blues und mir was ernstes wird. Aber jetzt fange ich an, sie immer mehr zu schätzen:

    12 Bünde bis zum Hals, Ladder Bracing, gerades, nicht abgerundetes Griffbrett - scheint der Nachbau eines älteren Modells zu sein, wenn auch selbst aus den 1990gern. Nicht verzogen oder verbeult. Klar, Sperrholz, und die Verarbeitung ist nicht erste Sahne - aber klanglich sind andere Gitarren wesentlich dumpfer als diese, der weiter hinten platzierte Steg soll ja auch klarere Töne bringen bei den 12-bündigen..

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin neugierig, ob ich mich mit einer neuen Gitarre überhaupt verbessern könnte, und ich wüsste daher gerne mehr über alte Gitarren. Kannst du ein Quelle empfehlen? Würde mich freuen!
    VG!
     
  8. Fürchtegott

    Fürchtegott Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.02.17   #8
    Hallo Rechentiger,

    ja klar, kann dir gerne ein Paar Informationen geben.
    Was ich über die Gitarren weiß, habe ich mir im laufe der Zeit bei verschiedenen Quellen und über google etc. angelesen. In Deutschland gibts hierzu jedoch recht wenig (in Europa allgemein), weshalb man schon Richtung USA sehen muss, da gibts dann so ein paar Leute, die sich näher damit beschäftigen. Auch wenn du 'Fraulini' bei youtube eingibst, gibt es schöne Videos wo du einen Höreindruck bekommst.

    Zu sagen ist eigentlich, dass Ladderbracing schlechter ist als X bracing. Beim X-bracing wird die Decke gleichmäßiger in und und optimaler in Schwingung gebracht, auch ist die Stabilität besser etc. etc. Ding ist halt, dass das ladder-bracing anders klingt. Ich habe mir inzwischen eine Fraulinigitarre gekauft, und der Sound ist dahingehend anders, da er irgendwie direkter und schneller kommt, zwar eingeschränkter in der Frequenzbreite, aber was kommt, kommt halt knalliger und schneller - mir gefällt das wirklich gut :D
    Der Gitarrenbauer von Fraulini hat irgendwo mal geschrieben, dass er nicht mehr zu Gitarrenausstellungen etc. geht, weil ihn andere Gitarrenbauer immer etwas mobben, da er unkonventionelle Hölzer nutzt und und mit Ladder-bracing arbeitet. Aber er kann gut davon leben und hat genug Kunden, also nervt ihn das...

    Ladder-bracing wird aber von den großen Firmen nicht hergestellt, daher ist es etwas anstrengend, sich so eine Gitarre zu besorgen. Meine Fraulini gefällt mir aber so gut, dass ich mir wahrscheinlich bald eine 12-Saitige von Fraulini bestellen werde, um den Sound von Blind Willie Mctell und Leadbelly etc. zu haben.

    ich liste dir hier mal ein paar Links auf, auf denen du vielleicht noch Informationen kriegst, du kannst aber gern noch Sachen fragen (auch wenn ich sicher nicht alles weiß). Vorallem die Blogs von Fraulini und antebelluminstruments sind interessant und haben auch ein paar Soundfiles. Die Vintagestellaguitars ist eine Seite eines Deutschen, den kannst du also sicher auch fragen.
    Ob es sich lohnt eine neue Gitarre zu kaufen kann man natürlich wissen, bei mir ist es aber eigentlich so, dass ich kaum eine der Gitarren 'gebraucht' habe, die ich gekauft habe :D


    https://www.vintagestellaguitars.com

    http://fraulini.blogspot.de

    https://antebelluminstruments.blogspot.de

    http://www.stellaguitars.com

    http://hauverguitars.com

    http://www.vintagebluesguitars.com


    Viele Grüße!
     
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  9. rechentiger

    rechentiger Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.02.17   #9
    Hi Fürchtegott,

    vielen Dank für die Antwort, da werde ich heute gleich mal den Links folgen :-D

    Die Fraulini Anekdote gefällt mir! Und Recht hast du, mit dem "Gitarren brauchen" ;-) Wie gesagt bin ich immer eingenommener vom kristallklaren Klang meiner "China", kann sein, dass sie, wenn man Akkorde spielen möchte, sogar etwas grell klingt, aber für meine Fingerstyle-Versuche mag ich das sehr!!

    Zu schade, dass ich nicht nachvollziehen kann, woraus meine Gitarre denn nun wirklich gemacht wurde und damit, wodurch ihr Klang denn nun genau beeinflusst ist. Der tiefsitzende Steg? Das Sperrholz? Ladder Bracing? Ich mag sie :-D

    VG!
     
  10. hack_meck

    hack_meck Lounge .&. Co. Moderator HFU

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    Erstellt: 22.02.17   #10
    Auch wenn du ja schon eine Quelle hast ...

    Mike Sanden hat eine tolle kleine Gitarre im Program die sich hervorragend für "alten Blues" eignet ... Er erklärt dir sicher gerne, was er da als Bracing verbaut und ob es Optionen bei individueller Bestellung gibt ..

    http://www.sandenguitars.com/r14

    Hier spielt mein Kumpel Homesick Mack sie auf der Musik-Messe ...



    Gruß
    Martin
     
  11. saitentsauber

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    Erstellt: 22.02.17   #11
    Guck mal hier (leider nur niederländische Beschreibungen, aber Parlor und Ladderbracing versteht man ja, und für den Rest gibt's ja Hilfsmittel...). Er baut auch neue.
     
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