Come on, erzähl einer Klassikerin als contemporary, was in der Klassik vorkommt... Sorry, vor allem den Rest des Postes kann ich nicht so ganz ernst nehmen. Glaub mir, ich beschäftige mich derzeit viel mit hohen Tönen und Vokalausgleich. Und dem Ziel, Text-verständlich zu singen. Da sind Vokale einigermaßen wichtig. Btw, "große Höhe" ist für einen Alt woanders als für einen Hochsopran

Beim c''' habe ich schon so langsam das Bedürfnis, zu pfeifen...
Ein Sopran pfeift normalerweise auch etwa ab dem c''', das ist ganz normal. Und natürlich gibt es Abweichungen bezogen auf das Stimmfach und den Unterschied zwischen Männern und Frauen.
Aber Vokale sind nunmal Vokale und definiert über ein bestimmtes Verhältnis der akustischen Formanten. Es ist auch kein Geheimnis, dass vor allem hohe klassische Stücke für die meisten Hörer wesentlich schwieriger zu verstehen sind als Contemporary-Stücke in Sprechtonlage. Natürlich bemüht man sich das möglichst durch eine entsprechende Vokalanpassung wett zu machen, aber "reine" Vokale sind in der Höhe schlicht und einfach nicht vereinbar mit dem klassischen Timbre. Dafür braucht man kein Klassiker zu sein, sondern sich nur die Definition der Vokale anschauen und die Akustik von Tonhöhen.
Der Vokal I ist z.B. definiert über einen 1. Formanten bei etwa 300 Hz und einen 2. Formanten bei etwa 2400 Hz. Alles, was zu stark davon abweicht, wird nicht mehr als I wahrgenommen. Singt man einen Ton oberhalb von 300 Hz (oberhalb von d'), kann der Vokal im Grunde schon kein "reines" I mehr sein. Tatsächlich reagiert unser Gehirn aber v.a. auch auf den Abstand zwischen den beiden Formanten und nicht nur auf die genaue Position. Deshalb kann durch ein gleichzeitiges Anheben oder Absenken beider Formanten (durch Heben oder Senken des Kehlkopfes) quasi die Illusion eines "reinen" Vokals erhalten bleiben. Aber natürlich gibt es für das Heben und Senken des Kehlkopfes gewisse Grenzen, die teils vom Individuum abhängen.
Für das Textverständnis reicht die Präsenz eines der beiden Formanten teilweise aus. So kann auch ein I oberhalb von 300 Hz noch verstanden werden, weil der 2. Formant bei 2400 Hz sehr charakteristisch ist und dieser Formant bis in sehr große Höhen erhalten werden kann.
Ab einer bestimmten Tonhöhe wird aber sogar der Erhalt eines einzelnen Formanten problematisch, weil der Formant schlicht und einfach von keiner Harmonischen mehr getroffen wird. An dieser Stelle fängt dann das Formanten-Tuning an, das v.a. auch von weiblichen Klassikern zum Erhalt der Textverständlichkeit verwendet wird. Mit "reinen" Vokalen hat das aber schon lange nichts mehr zu tun, weil es einfach zu weit weg ist von der Sprechtonlage, über die Vokale definiert sind. Es geht vielmehr darum den Klang reiner Vokale noch halbwegs ordentlich mit einer für das Singen in dieser Höhe geeigneten Technik zu imitieren.
Der Vokal A hat von allen Vokalen den höchsten 1. Formanten. Wenn man sich im Vokalraum A bewegt, wird die Stimme erst um etwa 1000 Hz "resonanzlos", das ist gerade das c'''. Aber genau aufgrund dieses Umstandes beginnen auch alle Stimmen spätestens in diesem Bereich mit dem Pfeifen, natürlich mit einer gewissen Varianz.
Man muss also einen gewissen Kompromiss eingehen. Durch Überformung nach A kann man mehr Resonanz behalten in der Höhe, aber es wird natürlich auch immer schwieriger, dass sich der Vokal dann nicht auch nach A anhört. Es ist also manchmal ein Wandeln auf Messers Schneide, auch auf Mittelwegen zwischen den Vokalen. Aber schon aus rein akustischer Sicht ist an "reine" Vokale im eigentlichen Sinne in dieser Höhe überhaupt nicht mehr zu denken.