Improvisation lernen

von blattschraube, 29.12.07.

  1. blattschraube

    blattschraube Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.12.07   #1
    Liebe Kollegen!
    Ich spiele nun schon 7 Jahr Saxophon, davor 10 Jahre klassischer Gitarrenunterricht mit nebenher ein wenig Lagerfeuergeschrammel. Grad eben bringe ich mir noch Klarinette bei. So schön das alles ist, klebe ich an der klassischen Konzertgeschichte fest. Wenn ich Lieder höre, dann kann ich zwar die Intervalle abschätzen und höre auch, wenn ich den richtigen Ton treffe und habe auch theoretische Vorbildung, aber ich brauche ein bißchen moralischen Anstoß. Ich bin dankbar für alle Tips, sowohl was Literatur angeht als auch die Abgewöhnung der sturen Notenabhängigkeit. Als ich grade 2 Jahre Saoxphon spielen konnte sah ich bei einem BigBand Wettbewerb einen jungen Mann, der Impros absolut drauf hatte. Das Feeling, man hat es einfach gesehen. Augen zu und losgrooven, ohne über Skalen nachzudenken oder sonstiges. Seitdem bin ich infiziert und es frustriert mich regelmäßig, dass ich sowas nicht kann.
     
  2. Hans_3

    Hans_3 High Competence Award HCA

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    Erstellt: 29.12.07   #2
    Improvisieren setzt voraus

    1. Es ist ein Metrum/Tempo vorhanden. Metronom anstellen oder mit dem Fuß 1,2,3,4 klopfen oder beides gleichzeitig.

    2. Es ist eine rhythmische Vorstellung vorhanden, z.B. Ballade, Blues, Funk oder was Anderes. Das muss in Deinem Kopf schon mal als Vorstellung drin sein.

    3. Beginne mit dem Improvisieren mit einer Pentatonik, z.B. (G) A C D E G (A C)

    4. LAss ein (eher langsames) Metrum laufen und spiele erstmal nur mit dem Grundton A herum. Versuche, damit rhytmische Motive zu erzeugen, die Du empfindest. z.B. 1 x Viertel, 1 x Triole, 2 Achtel, 2 Achtel oder jede beliebige Kombination, mit der Du 1 Takt füllst.

    5. Nach einigen Minuten nimmst Du das unter dem A liegende G hinzu. Spiele Deine Ryhtmiken zwischen A und G hin und her. Da Du Dich auf den Grundton A mittlerweile eingehört hast, ist klar, dass Dein G die kleine Septime ist, die zur Auflösung nach --> A drängt. Versuche diesen Vorgang (Spannung G , Auflösung nach A) innerlich zu spüren.

    6. Nimm dann die kleine Terz C hinzu. Spiele mit A und C, empfinde das Intervall. Wie klingt es im Verhältnis zum Grundton? Wo will es hin? Kombiniere mit der unteren Sept. G. Behalte dabei das A als Grundton im Ohr. Probiere alle zig Variationen, die Dir mit diesen 3 Tönen einfallen. Rhythmik nicht vergessen!

    7. Nimm nun die Quart D dazu und kombiniere.

    8. Nimm nach und nach Quinte E und die obere Septime G dazu. Spiel die Sachen aber nicht stur tonleitermäßig aufwärts und abwärts sondern versuche, kleine Themen zu entwickeln. Aus 1 Ton , aus 2 Tönen, aus 3 Tönen, mit Intervallsprüngen usw.

    9. LAss Dir Zeit. Wenn Du mit Grundton und Septime keine Mini-Themen hinbekommst, bekommst Du es mit 20 weiteren Tönen auch nicht.

    10. Siehe 1. Du musst eine innere Vorstellung entwickeln, von dem was Du tun willst. Du musst Rhytmik empfinden, Töne und dessen Spannungen und Gefühle hören und empfinden. Sicher wird Dir jemand auch noch ein geeignetes Lehrbuch empfehlen können. Sinnvoll: ja - das kann aber immer nur eine Ergänzung sein, sonst klebst Du am Ende wieder nur an Noten. Wie meine Freundin, die gut Sax spielt, aber wo ohne NOten eben nix läuft.

    Wenn Du improvisieren willst, ist Deine Vorstellungskraft erstmal wichtig. Höre z.B. einfache Bluesnummern.



    .
     
  3. Bloozer

    Bloozer Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.12.07   #3
    Alles was Hans gesagt hat ist richtig und doch trifft es nicht den Kern. Das wichtigste ist mit der Band zu interagieren bzw zu kommunizieren. Da bekommt man die Anregungen für kleine Motive und die sogenannten trade 4th etc - das sind wechselseitige 4-Takt Impros zwischen den Mispielern. -
    Ich hab es noch nie geschafft, was einigermassen gescheites ohne bgleitende band, nur auf mich allein gestellt, zu machen.
    Was auch gut geht, ist, sich ne CD zu schnappen und mitzuspielen.
    Manche play-a-longs sind auch recht anregend.
    Band-in-a-box songs taugen zum improvisieren rein garnichts, weil sie so leblos sind.
     
  4. Hans_3

    Hans_3 High Competence Award HCA

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    Erstellt: 29.12.07   #4
    Auf diese völlig richtige Ergänzung (und weitere) habe ich natürlich gewartet.:) Ich wollte hier bloß nicht gleich 1/2 Buch schreiben, bevor sich blattschraube erstmal meldet und man dann weitersehen kann.
     
  5. blattschraube

    blattschraube Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.12.07   #5
    Danke euch. Das schwierigste für mich ist es, auf einem Gebiet tatsächlich von ganz vorne wieder anzufangen. Ich werde aber am Exempel mir meine Ungeduld abtrainieren und euch dann berichten. Kann bekanntermaßen ein Weilchen dauern.
     
  6. guitar_franzl

    guitar_franzl Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.12.07   #6
    ... ganz wichtig ist auch Arpeggios (viele Sweeps in Shred-RockMusic basieren auch auf diesem Prinzip - siehe Jason Becker, Paul Gilbert Übungen uvm.) zu lernen in allen Tonarten - also Moll, Verm. Dur + Üm . und dies Alles auch in Umkehrungen - danach hören wie welche 3klänge über verschiedene Grundtöne & Akkorde klingen und dies evtl. zunächst daheim mit einem Sequencer langsam üben - so bekommt man zuerst Gefühl und Ohr ob's gut klingt und wenn, hat man schon mal Sicherheit und spielt dann umso überzeugender mit Band ...
     
  7. blattschraube

    blattschraube Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.12.07   #7
    ach stimmt, die arpeggien-übungen kenne ich vom gitarre spielen. das macht man ja schon beim einspielen mit dreiklängen und verschieden artikuliert.
     
  8. guitar_franzl

    guitar_franzl Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 31.12.07   #8
    ja Arpeggios sind sehr wichtig - aber ich meinte jetzt net zum Einspielen (da übe ich zb. Skalen in allen Lagen, Tonarten rhythm.) sondern mehr als Hörtraining zb. Emoll 3Klang über C oder auch G Dur über C (Erweiterungen als Cmaj) selbiges kannst natürlich auch mit anderen 3Klängen üben-hören zb.
    üm. 3Klänge als Erweiterungen für alt. Sept-Akkorde etc.
    Mit Sequencer hast dann Möglichkeit das Ganze mit Groove und Akkorden zu hören !!!
    Als Saxophonist natürlich speziell - kannst ja dann auch bei Emule die Coltrane Noten suchen (da gibts ganz super Circle-Übungen) und natürlich Charlie Parker Omnibook ...
     
  9. Saxofreak88

    Saxofreak88 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 31.12.07   #9
    Was zur Verbesserung der Impro-Skills (und nicht nur der) auch wesentlich
    beiträgt ist zu einfach Musik zu hören. Natürlich die Stil-Richtung in die du willst,
    ebenso wie die "Standards", die einfach sein müssen, die alten Größen.
     
  10. blattschraube

    blattschraube Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.01.08   #10
    Supertramp : )
     
  11. Saxofreak88

    Saxofreak88 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.01.08   #11
    Ahh, ein Fan von John Helliwell und Kollegen ^^ Gute Richtung, gefällt mir
    auch. Da dürftest du kein Problem haben an viele gute CD's zu kommen.
     
  12. Guiseppe

    Guiseppe Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.01.08   #12
    Nimm dir einfach mal die Blues-Scale vor, und spiel drauf los. Du kannst dich an gehörten Impros orientieren und deine eigenen Ideen einfliessen lassen! Das hab ich auch gemacht, und mittlerweile kann ich (denke ich:D) ganz gut improvisieren!

    Keep on chooglin'

    Guiseppe
     
  13. [Zeibər]

    [Zeibər] Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.01.08   #13
    generell gilt: von den 12 oder 11 tönen einer tonleiter kannst du alle benutzen, allerdings mit einschränkungen. bei A dur kommt ein Bb natürlich nicht sehr gut, es sei denn, du lässt gekonnt chromatisch fallen (beispiel). also spiel einfach drauf los und erschließ dir dann was gut klingt. ich empfehle dir ein keyboard einfach auf dem akkord Am dudeln zu lassen (am besten zu swing oder sonstigem was dir gefällt) und dann drauf los zu spielen. kann sehr viel spaß machen, ich mach das noch heute^^ wenn du kein keyboard oder ne möglichkeit hast, schreib mich an, ich hab für nen schüler von mir 10 minuten davon aufgenommen.
     
  14. AndreG

    AndreG Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.01.08   #14
    Was die Pentatoniken angeht, kannst du es mal mit "Hooks and more" von Beat Wenger probieren. Leider sind nur 5 von 12 Pentatoniken behandelt, der Rest steht in den Sternen. Es sind einfache Musikthemen mit anschließender Improvisation. Vorteil: Stimmung in C, Eb und Bb alle in einem Heft. Da kannst du neben der Klarinette in Bb auch mit der Gitarre in C schrammeln. Eine andere Möglichkeit, also mit erweiterter Bandbreite, ist Blue Bossa. Ich habe jetzt leider nur die Abfolge für EbAlto im Kopf, aber versuche es mal damit: 2 Takte A-Moll äolisch (in CDur), 2 Takte D-Moll dorisch (in C Dur), 2 Takte H harm. Moll(= A Harm. Moll ab 2.Ton), 2 Takte entweder A-Moll äolisch oder A harm. Moll ab A, 2 Takte C äolisch Moll (=BbDur), 2 Takte Bb Dur, 2 Takte H harm. Moll (= A harm Moll ab 2. Ton),
    2 Takte A äolisch (CDur) bzw. noch zwei Takte A harm. Moll ab A. Spiele die Skalen einfach in der Aufwärtsbewegung, um dich dran zu gewöhnen und wenn du sicher bist, dann spiele die Töne kreuz und quer. Transponier dir die Dinger in alle 12 Tonarten über z.B. Band in A Box oder hol dir auf der Seite vanbasco.com den Karaoke Player. lade dir auf gleicher Seite einen Blue Bossa runter (im Feld "search" eintragen. Mit dem Karaoke kannst du den Song auch transponieren. Hört sich natürlich nicht so an, als ob Omar Hakim am Schlagzeug sitzt, und auch das Piano ist wohl etwas anders temperiert als das von Bill Evans. Eigentlich ist das ne gute Gehörübung, weil der Song einen schlüssigen Ablauf hat. Als Komplettübung in einem Song kannst du das bei Aebersold finden im Band "Tune up". Da ists Song Nr. 1 namens Solar Flair.
    Gruß
    Andre
     
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