Improvisieren am Klavier

von Egmont, 01.09.10.

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  1. Egmont

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    Erstellt: 01.09.10   #1
    Hallo!
    Eine Frage an alle, die sich mit Bar- und jazzmusik beschäftigen und die daher regelmässig auch improvisieren müssen.
    Wie habt ihr das gelernt?
    Seid ihr anhand eines Buches vorgegangen (zB. Hal Crook - How to improvise, P.Moehrke - Improvisationen, Sikorski - Jazzharmonielehre,...), oder geht ihr eher mit Akkordzerlegungen und -verschiebungen, diversen Skalen vor?

    Ich stehe oft vor dem Problem, wie man das am besten übt?
    Ausserdem soll es ja nach etwas klingen, was bei einem "hinauf-hinunter" von Skalen ja eher nicht der Fall ist.

    Bin für alle infos dankbar;

    lg, Egmont
     
  2. HammondToby

    HammondToby HCA Live-Keys HCA

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    Erstellt: 01.09.10   #2
    Naja, es hat schon mit den Skalen und der Akkordzerlegung zu tun. Die Skalen geben einfach nur vor, welche Töne verwendet werden 'dürfen'. Das Spielen von sinnvollen und gefälligen Melodien kommt dann einfach durch's ausprobieren. Ich fand die Aebersold-Sachen immer gut, weil es Playalongs sind. Da kann man mit der harmonisch vorgegebenen Struktur lernen, was funktioniert und was einem selbst gefällt.

    Ich baue für meine Schüler auch gerne mal 8- bis 16-taktige Loops und lasse sie dazu üben ... oder auch mal nen ganzen Standart. Funktioniert viel besser als nur trocken mit einem Buch, weil es mehr dem Musikmachen-Gefühl nahe kommt, als alles aus dem Kopf und alleine machen zu müssen.

    Grüße vom HammondToby
     
  3. FantomXR

    FantomXR Keyboardmanufaktur Berlin

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    Erstellt: 01.09.10   #3
    Stop!

    Was ich gelernt habe und was mir weitergeholfen hat, ist, dass Skalen und Akkorde ein und das selbe bedeuten. Bilde einen D13 und du hast fast eine komplette Skala, die du darüber spielen kannst. Ebenso verhält es sich mit b13, #9, etc.

    Ansonsten hab ich angefangen mit sehr sehr viel Pentatonik. Das ist wohl der einfachste Weg zur Improvisation. Nun arbeite ich aber mit dem Jazz Piano Buch von Mark Levine und spiele andere Skalen als die Pentatonik, die ja doch sehr schnell langweilig klingen kann.

    Wie Toby schon sagte: Melodien und Läufe, die dir gefallen, wirst du selbst herausfinden und abspeichern und zur Not einsetzen! :)

    Achja, und der Herr heißt Sikora und nicht Sikorski! :)
     
  4. Egmont

    Egmont Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.09.10   #4
    Herzlichen Dank an alle; ich glaube, ich werde einmal versuchen, das mit Aebersold auszuprobieren; habe ich noch nie gemacht, da es mir immer zu mühsam schien, neben dem Klavier noch einen CD-Player oä. aufzustellen und dann vielleicht immer wieder zurückspulen zu müssen, aber es wird wahrscheinlich unumgänglich sein.

    Vielen dank und liebe Grüsse

    Egmont
     
  5. HaraldS

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    Erstellt: 07.09.10   #5
    Hören, spielen, hören, spielen, bei anderen Pianisten zuschauen...
    Für Barpiano (aktuell mein Hauptjob) ist vor allem ein sehr großes Repertoire notwendig, und wenn du dir das erarbeiten willst, mußt du einfach viele verschiedene Songs spielen. Übrigens ist bei Barpiano die Jazzimprovisation nicht immer so stark gefragt, denn viele Gäste & das Personal hören das gar nicht so gerne über weite Strecken. Wenn ich mein nicht-Agentur-Repertoire spiele, sind das bei 4h Spielzeit vielleicht 1h Jazz, wobei improvisiert wird. Die anderen 2,5h (0,5h Pause) sind Stücke aus anderen Stilrichtungen wie Klassik, Romantik, Schlager der 30er/40er, Pop, wenige Latin-Nummern, sehr viel Musical. Auch in solchen Stilrichtungen kann man natürlich improvisieren (und manchmal ist es auch notwendig), aber wenn es dir wirklich um Barpiano geht, ist Improvisation nur ein Stilmittel unter vielen.

    Ich habe im Alter von 15-17 viele Nachmittage am Klavier getüftelt und versucht, bestimmte Sounds nachzumachen, z.B. den Klang bekannter Orchester und Ensembles. Für Barpiano ist z.B. 4stimmiger Blocksatz recht wichtig, weil man damit sowohl George-Shearing-mäßig als auch Glenn-Miller-ähnlich spielen kann. Stride-Piano ist auch wichtig, für Ragtimes und die 20er-/30er-Musical-Nummern.

    Ich kann nur empfehlen, viel aus Songbooks zu spielen und dabei zu beobachten, wie das Verhältnis von Akkordsymbolen zu den Noten darunter ist. Dadurch kannst du gute Voicings lernen, Bassfiguren, Formabläufe und allgemein gute Dramaturgie in einem Song. Der Vorteil eines Songbooks ist, daß meistens das Wesentliche an einem Song kurz und knapp auf den Punkt gebracht ist. Jede Improvisation über einen Song sollte IMHO die Einfachheit oder Komplexität eines Songs widerspiegeln und am besten Elemente des Originalsongs mit einbeziehen, z.B. melodische Wendungen. Das schafft Einheit und lässt eine Improvisation als einen logisch dazugehörenden Formteil erscheinen.

    Ich habe mir Improvisation autodidaktisch angeeignet, was ich aber nicht durchgehend empfehlen kann. Ich bin davon ausgegangen, daß das Akkordsymbol mir schon mal passende Töne für die jeweilige Stelle vorgibt. Die anderen Töne nehme ich aus der Tonart des Stückes. Das führt langfristig zu ähnlichen Ergebnissen wie die Akkord-Skalen-Beischreibungsmethode, ist aber nicht so systematisch und variabel. Wenn du also Improvisation lernen willst, sind die üblichen Skalen schon eine gute Wahl.

    Damit Skalen nicht beliebig klingen, kannst du Muster auf sie anwenden. Also nicht nur rauf oder unter, sondern spiele Motive aus z.B. 4-5 Tönen, die eine erkennbare Kontur haben - also einen organischen Wechsel aus auf- und abwärts. Starte solche Motive von verschiedenen Tönen einer Skala aus. Das Resultat ist, daß immer ein anderer Ton der Spitzenton sein wird. Der Spitzenton einer Phrase bestimmt aber wesentlich den Spannungsgehalt einer Phrase - d.h. du spielst motivisch das gleiche, aber die "Aussagekraft" deines Motivs ändert sich, je nachdem, von wo aus du es startest.

    Wenn du mit solchen Motiven spielst, ähnelt das eher dem Umgang mit der Sprache, wenn man z.B. sich zu einem bestimmten Thema sprachlich äußert.

    Harald
     
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