Jazz-Sextett Aufnahme

von Jonny Walker, 11.09.07.

  1. Jonny Walker

    Jonny Walker Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.09.07   #1
    Hi Jungs,

    hier mal eine Aufnahme von unserem Jazzsextett (sax,tr, bass, piano, git (das bin ich) und drums).
    http://www.file-upload.net/download-403039/500Miles_Take3.mp3.html
    Ein Kollege vom SAE hat uns mit ich glaub 12 Neumännern abgenommen, die Aufnahmequali ist dementsprechend. Mich würde interessieren, was ihr vom Mix, vom Sound und der Interpretation des schönen Stückes "500 Miles" von Chick Corea haltet..was würdet ihr vll. anders machen? Was haltet ihr von den Solos? Was könnte man im Interplay, Struktur, Aufbau verbessern? Etc. :)

    Bin auf konstruktive Kritik gespannt! :)

    Gruss, Jona
     
  2. lucjesuistonpere

    lucjesuistonpere Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.09.07   #2
    Das gefällt mir grundsätzlich ziemlich gut! :great: Man merkt, daß ihr durchaus was von Jazz versteht und nicht zu den Leuten gehört, die meinen Jazz wär, wenn ein Saxophon in der Band ist und man alles triolisch spielt...

    So, jetzt kommt konstruktive Kritik:

    Zum Anfangsthema: das klingt mir noch ein wenig zu unlocker. Das würde ich nicht hundertprozentig nach den Noten spielen, sondern etwas auflockern, ein paar Anticipations rein etc. Ich weiß, das ist schwer mit zwei Bläsern unisono, da muß man sich halt einigen.

    Eurem Drummer würd ich generell raten, nicht einfach einen Bossa-Groove durchzupeitschen, sondern wie im Original von Corea etwas mehr zu variieren. Für eine Schlagzeug-Begleitung gilt auch dasselbe wie für uns Gitarristen und Pianisten beim Comping: die Begleitung ist an sich schon eine kleine, dezente Improvisation. Das Comping von eurem Pianomann ist übrigens sehr gut, er verwendet stimmige Voicings. Wenngleich ich an seiner Stelle vielleicht auch manchmal etwas weniger spielen würde.

    OK, gehen wir einen Schritt weiter, das Pianosolo. Hier fängst du ja mit dem Comping an. Das find ich auch gut, du machst ordentlich Druck dabei. Wobei ein Pianosolo generell eher die falsche Stelle fürs Gitarren-Comping ist. Als Pianist verwendet man ja bereits seine Lefthand-Voicings und hat bessere Kontrolle über sein Spiel (kann z.B. auch hin und wieder mal reharmonisieren), wenn da nicht gleichzeitig noch wer anders compt. Außerdem klingt das nicht ganz so voll.

    Das Piano-Solo selbst ist mir noch ein wenig hektisch. Hier würd ich etwas relaxter anfangen und mich mehr reinsteigern. Etwas nervend ist die linke Hand – hier sollte euer Pianist klar weniger spielen, also immer nur kurze Einwürfe geben. Die Phrasierung könnte auch jazziger sein, das klingt noch etwas nach Rock/Pop-Artikulation. Sehr cool finde ich die Idee, wo er rechts Triller spielt und dann in der linken Hand eine Melodie improvisiert! Das kann man noch ausbauen. Gelungen ist auch die Überleitung ins Bass-Solo.

    Das Bass-Solo ist mir etwas zu kurz und etwas zu wenig solo. Vielleicht liegt das aber auch an der Aufnahme. Ich würd vielleicht etwas höher spielen beim Solieren. Die Intonation könnte stellenweise auch etwas sauberer sein. Trotzdem Respekt, den Kontrabass ist alles andere als leicht zu spielen. Die Pianobegleitung sollte bei Bass-Soli übrigens grundsätzlich sehr zurückhaltend sein. Ich würde da stärker dezente Flächen legen und weniger grooven.

    OK, dann kommt ja dein Gitarren-Solo. Du fängst auf alle Fälle gut an! Sehr relaxed und melodisch, so ist’s richtig. Sehr gelungen ist am Anfang übrigens auch das Zusammenspiel zwischen dir und deinem Pianisten. Man merkt, daß der eine dem anderen zuhört. Mir gefallen auch sehr die Ideen, die du in dein Solo einbaust. Gen Ende flacht die Spannung aber etwas ab und die Phrasierung wird zu hektisch. Ein paar „Yellow Notes“ sind drin, wie man sie so schön nennt, also solltest du etwas mehr Sicherheit mit den Skalen entwickeln. Aber ich weiß, die Corea-Stücke mit all den Harmoniewechseln und Sekundärdominanten sind natürlich nicht die einfachsten zum Improvisieren. ;)

    Generell könnten die Solos für meinen Geschmack etwas jazziger vom Tonmaterial und der Phasierung werden. Das ist aber ein Prozeß, der über Jahre geübt werden muß und mit der Zeit kommt. Ihr seid auf jeden Fall auf dem richtigen Weg! :)
     
  3. Jonny Walker

    Jonny Walker Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.09.07   #3
    Danke lucjesuistonpere für die ausführliche, fundertierte Kritik, so hatte ich mir das vorgestellt. Ich stimme dir in fast allen Punkten zu. Zu meinem Solo: leider hab ich hinsichtlich der Dynamik, Tonhöhe oder Intensität schon im 2. Chorus alles Pulver verschossen - daher kann ich im 3. Chorus nicht mehr wirklich steigern (da mir dazu auch irgendwo die technischen Mittel fehlen ;-))..ich hätte vermutlich nach dem 2. Chorus aufhören sollen..aber du kennst es ja bestimmt auch - in ner Aufnahmesituation beim 2ten und letzen Take will man alles zeigen was man kann und dadurch wirds manchmal vll. n Tick zu viel.

    Da jetzt doch ein bisschen Resonanz gekommen ist, stell ich noch ein zweites Stück aus der gleichen Session vor.


    http://www.file-upload.net/download-420254/Peace_Take2.mp3.html



    Es handelt sich um "Peace" von Horace Silver, eine wunderschöne Ballade. Diesmal spiele ich den Head. Außerdem benutze ich eine andere Gitarre, nämlich die Epiphone Emperor Joe Pass. In 500 Miles benutze ich eine Gibson ES335.

    Freue mich über weitere Kommentare :).

    Gruß Jona
     
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