Ich versuche grade, das für mich ein wenig aufzudröseln, weil ich da mehrere Probleme bzw Ebenen sehe.
1. Ein Weiterkommen im Wettbewerb hängt nicht von der eigenen Leistung ab, sondern von der Konkurrenz
Leider ist es halt bei jedem Wettbewerb so, dass man nicht aufgrund einer
absoluten Leistung weiterkommt oder gewinnt, sondern nur, wenn man besser ist als die anderen.
Das ist teilweise nicht schön, wenn man super spielt, aber trotzdem die der Zweit- oder Viertbeste ist, weil andere halt besser sind. Das ist aber das grundsätzliche Problem an Wettbewerben.
Ist im Sport auch so, Beispiele kennt sicher jeder. Das Problem werden wir hier nicht lösen. Das muss man akzeptieren.
Ein Wettbewerb wird also immer auch sehr gute Leute rauskicken, die vielleicht besser sind als jemand aus einem anderen Dorf oder Bundesland, der aber weiterkommt, weil es dort keine Konkurrenz gibt.
Wer das nicht will, muss ein anderes Format erfinden.
2. Ein Wettbewerb ohne objektiv messbare Kriterien wird immer damit umgehen müssen, dass eine Bewertung nicht 100% vergleichbar ist.
Ich würde keiner Jury unterstellen, absichtlich zu hoch oder zu niedrig zu bewerten. Aber wie genau wird bewertet, woran messen sich die 20 oder 25?
Sind 24 Punkte im regionalen Wettbewerb das Gleiche wie im bundesweiten? (sehr wahrscheinlich nicht). Und 23 Punkte in Schleswig-Holstein sind vielleicht nicht das Gleiche wie in Bayern..
Objektiv lässt sich das nicht festnageln. Man wird also nur darauf vertrauen können, dass die Juroren zumindest die Reihenfolge korrekt ermitteln - die absoluten Punktzahlen sind wahrscheinlich nicht vergleichbar.
Das heißt für mich, ein Weiterkommen nur aufgrund einer Punktzahl ist eigentlich nicht sinnvoll.
Fair schiene mir zB eine Anzahl festzulegen, die weiterkommen, pro Kreis, Bundesland .. (nach Bevölkerungszahl). Ggf mehrere kleine Länder zusammenfassen.
Und wenn zu viele 24 oder 25 haben, ohne Komma, dann ist das Bewertungssystem nicht mehr zeitgemäß und muss differenziert werden. Das wäre so, als wenn man beim Weitsprung nur einen Meterstab ohne Zentimeter-Einteilung hat...
Beim Sport gibt es die Jury-Bewertung ja auch, zB beim Turnen oder Wasserspringen.
Die Bewertung ist nichts festes - sie dient dazu, die Besten zu finden und alle anderen rauszukicken, so hart wie das klingt.
Ich kenne jetzt die heutigen Wettbewerbe nicht gut. In meiner Erinnerung aus 1980ern im Fach Klavier gab es damals niemanden, der in der Gesamtwertung 25 Punkte bekommen hat. Also von einzelnen Juroren schon, aber die Gesamtpunktzahl war nach meiner Erinnerung auch bei den Besten immer sowas wie 24,4 (Kommastelle wurde angegeben). Und soweit ich mich erinnere, ist man damals mit über 20 zum Landeswettbewerb gekommen.
Wenn ich hier von so vielen mit 25 Punkten lese, wundert mich das etwas. Vermutlich hat sich da einiges verändert in der Art wie bewertet wird. Das ist ja auch OK so - führt aber offensichtlich auch dazu, dass das System nicht fein genug bewertet.
Also besser abgestuft bewerten ... und gibt es mehr TN mit hoher Punktzahl, dann muss trotzdem eine Entscheidung getroffen werden. Da die Punktzahl ja keine objektive Bewertung, sondern eine der Jury ist, sollte sich die Jury bei zu vielen mit hoher Bewertung hinsetzen und die Kandidaten fürs Weiterkommen ausdiskutieren. Ggf. nochmal Punkte vergeben. Die Jury legt die Punkte fest, also kann sie auch die "Feinabstimmung" machen. Wer sonst?
Ich denke, das kann am Ende auch jede(r) akzeptieren. Ein Losverfahren fände ich ausgesprochen unpassend.
Im finalen Bundeswettbewerb könnte es natürlich theoretisch mehrere "Sieger/innen" geben.
4. Transparenz
Transparenz in den Wettbewerbsbedingungen finde ich
extrem wichtig.
Es muss vorher genau klar sein, was das Verfahren ist, was die Kriterien sind usw.
Die Jurysitzung ist natürlich nicht öffentlich. Aber ihre Entscheidungen müssen am Ende nachvollziehbar sein.
Wenn ich sowas lese
dass ihre Schülerin 24 Punkte hat und nicht weiter kommt.
Auch kein anderer im Fach Akkordeon. Also 0!!!
... volles Unverständnis. Wie wird das begründet?
5. Teilnehmerzahl
Ich glaube nicht wirklich, dass es am Geld liegt. Vermutlich eher am zeitlichen Gesamtaufwand. Es gab ja einige hier, die in Jurys mitgearbeitet haben, es ist zwar eine schöne Sache, aber am Ende kostet es auch eine Menge Zeit, insofern denke ich schon, dass es sinnvoll ist, die Anzahl der Leute zu begrenzen - wenn es denn ein Wettbewerb sein soll und kein Grand Jam.
Irgendwo muss man eine Grenze ziehen. Das aber transparent und vorher klar kommuniziert.
6. Ein Wettbewerb hat Sieger und Verlierer
Ein Grundproblem ist, dass hier Breitenförderung und Spitzenförderung vermischt wird.
Wie oft, wenn man Ziele vermischt, wird es ein Kuddelmuddel und es muss einen Kompromiss geben.
Will ich die Besten ermitteln, darf ich kein Problem haben, Leute rauszuschmeißen.
Die Spitze sind vielleicht 1..5% der Teilnehmenden. Der Wettbewerb will ja aber auch die Breite fördern.
Was bringt der Wettbewerb allen anderen in der Breite? Ich denke, es ist extrem wichtig, für die auch eine Motivation aus dem Wettbewerb zu generieren.
Klar, 21 Punkte sind schon was, aber "Nicht weiterkommen" ist halt eine negative Rückmeldung.
Ich weiß nicht, was es da vielleicht schon gibt. Ich wäre sehr für ein ergänzendes "Belohnungssystem", wo es nicht um Punkte geht, sondern um eine Bestätigung.
Vielleicht sowas wie eine Prädikatsurkunde ohne relative Bewertung. Vielleicht ja auch über andere Kanäle, zB eine Veröffentlichung bei youtube, Unterstützung für sowas,
Bei schulischen Mathewettbewerben steht zT ab einer bestimmten Punktzahl ein "1. Platz" auf der Urkunde, so dass es dann zB 30 erste Plätze gibt.
Für die Kinder schön - hilft aber beim Problem Teilnehmerzahl Bundeswettbewerb nicht weiter. Aber so was in der Art fände ich auch sehr wichtig.
---
Aus diesen Überlegungen heraus würde ich dafür plädieren
- Die Anzahl der Finalteilnehmer nach Ressourcen (vermutlich Zeitaufwand der Juroren) festlegen
- Kreise und Bundesländer nach Bevölkerungszahl zusammenzufassen
- dort eine Anzahl von "Delegierten", also die Anzahl festzulegen, die weiterkommen
- bei Punktgleichheit muss die Jury entscheiden
- zu überlegen, welche Förderung/Bestätigung man den Nicht-Weitergekommenen, aber sehr guten TN geben kann
Ich hoffe, das ist nicht zu viel Text und jemand liest mein Geschreibsel
