Klavier unbekannter Herkunft, was steckt dahinter?

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Sebl
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Hi Leute,

es geht mal wieder ums Thema klavier bei mir.
Nachdem vor einigen Wochen meine Gromutter verstorben ist geht es so langsam um das Aufteilen des Erbes. Darunter auch ein Klavier unbekannter Herkunft über das ich gerne Bescheid wüsste.

Folgendes Kann ich Sagen:

1. Das Klavier wurde vermutlich irgendwann im laufe der 70er oder 80er Jahre aus unbekannter Quelle erstanden
2. Im Metallrahmen ist durch die Untere Klappe zugängig ein Großes W eingedruckt bei dem mittig Quer eine Linie gezogen ist, so dass die Spitze des W in der Mitte wie Ein A Aussieht. Nach einer Seriennummer müsste ich nochmal suchen.
3. Das Klavier hat eine Rennermechanik verbaut die so ähnlich aussieht wie bei unsrem Steingraeber.

Ich kann nicht ganz ausschließen, dass das Klavier nicht vielleicht aus der Tschechischen Republik stammt, wenngleich die Renner mechanik wohl eher dagegen spräche
Der Klang von dem Instrument ist fürchterlich Chorushaft, vermutlich weil sich die Saiten untereinander stärker verstimmt haben. einige töne sind komplett ab ihrer tonlage verstimmt, klingen fürchterlich.

Bilder werde ich in den nächsten Tagen vermutlich keine bekommen, aber vielleicht könnt ihr mir anhand dem "W" ja schon was erzählen.

Grüße,

Sebl
 
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Hi Sebl,

da wären Fotos echt hilfreich. Sowohl von der Buchstabenkombination als auch vom restlichen Innenleben. Eine andere Möglichkeit für Dich wäre herauszufinden, ob und bei wem Deine Großmutter das Klavier hat zuletzt stimmen lassen. Dann diesen Stimmer anrufen und ihn fragen, ob er sich noch an dieses Klavier erinnern kann. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, ein Versuch ist es wert :)

Gruß,

Paul
 
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Sebl
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So, war am Freitag mal wieder beim Klavier und konnte demnach Bilder machen, siehe Anhang. Die Infos von Oben sind natürlich weiter aktuell.

LG Sebl
 

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Merkwürdig :) Das Wappen auf dem Gußrahmen kommt mir bekannt vor, weiß aber z.Z. partout nicht, wo ich es hinstecken soll. Auf jeden Fall handelt es sich schon mal einen kreuzsaitigverspannten Unterdämpfer. Das ist schon mal gut :) Die sichtbaren Risse im Resonanzboden sind altersbedingt. Die Mechanik ist von Renner, einem der renommiertesten Mechanikhertsellern. Das ist auch gut :) Was nicht gut ist, ist wohl der Verstimmungsgrad des Pianos. Das lässt darauf schließen, dass entweder die Wirbel nicht mehr fest und/oder der Stimmstock (der Teil, wo die Wirbel befestigt sind) kaputt ist. Es kann natürlich auch sein, dass es deswegen so stark verstimmt ist, weil Deine Oma es schon über Jahre nicht hat stimmen lassen. Das kann ich von hier aus nicht beurteilen.
Ich schätze das Alter des Instrumentes auf ca 70 Jahre (+/- 10 Jahre). Manchmal hat man Glück so ein Pianoleben zu verlängern, wenn man die Wirbel etwas teifer schlägt und die Mechanik etwas aufarbeitet. Da besteht auf jeden Fall auch Handlungsbedarf ;)

Gruß,

Paul
 
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Das könnte theoretisch eins von der Pianofortefabrik Gerhard Adam (Wesel) sein. Auf den Klavieren stand eine Zeitlang entweder "Gerhard Adam Wesel" oder auch nur "Adam Wesel". Wenn das so ist, ist es auf jeden Fall ein früheres Baujahr als ca. 1930, denn seitdem gibt's die nicht mehr.

Ich hatte mal eins von denen aus Baujahr 1907, und sowohl der Rahmen als auch die Mechanik kommen optisch ungefähr hin.

So ganz passt es dann auch wieder nicht, denn die Adam-Klaviere waren eigentlich immer reich verziert (Intarsien, Wurzelholzeinlagen,...) und innen waren (vermutlich) handgemalte Beschriftungen drin, mit Baujahr und Seriennummer etc. Und es gab immer einen prominenten Schriftzug, auch außen.

Da die Firma aber 1928/29 von der Wirtschaftskrise stark gebeutelt wurde und zusätzlich ja auch in den späten 20ern die Ästhetik eine andere wurde (die Klaviere um 1900 hatten die klassische Jugendstil-Optik - dann kamen ja Strömungen wie Bauhaus und Neue Sachlichkeit auf, dazu würde die Optik wieder passen), könnte es sein, dass die dann später auch wesentlich schlichtere Klaviere gebaut haben.

Wenn mein Tipp mit dem "AW = Adam, Wesel" richtig ist, dann wäre das wohl ein spätes (1925-1930), womöglich eins der letzten aus der Firmengeschichte. Ich kann zuhause nochmal schauen - ich habe noch Fotos, auch vom Innenleben meines alten Klaviers (das ich nicht mehr besitze). Vielleicht findet sich das Logo da auch irgendwo.
 
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@ Jens

Das ist kein Adam Wesel :)
Wie Du schon richtig bemerkt hast, sind die Gußplatten meist reich verziert. Zudem gab es, wenn ich mich recht erinnere, auf der rechten Innenseite eine Art von Brandzeichen mit Seriennummer, etc. Auf den Bildern von Sebl ist davon gar nichts davon zu sehen. Zudem die Konsolen (die "Verbindungsstäbe" zwischen Spieltisch und Füße) schon eine merkwürdige Form haben. Auf jeden Fall nicht so wie von einem Adam Wesel.
 
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...nicht so, wie man das gemeinhin gewohnt war. Deswegen ja meine Vermutung "neue Sachlichkeit" und "Sparzwang wegen kurz vor Pleite"... Die reich verzierten Adams sind ja alle von um die Jahrhundertwende, also Jugendstil - da passt das. Ob das 30 Jahre später auch noch so war...? Aber der fehlende Stempel ist natürlich ein Argument, warum sollten die das weglassen?

Was höchstens noch sein kann: In der Zeit gab es IMHO schon "Hausmarken" diverser Pianohäuser (also lokale Händler), die die Innereien zugekauft haben - Adam Aachen ist so ein Fall (wobei die Namensgleichheit mit Adam Wesel hier Zufall ist). Vielleicht haben wir es mit sowas zu tun - die großen Pianohersteller haben es sich ja normalerweise nicht nehmen lassen, ihren Namen groß auf das Klavier zu schreiben...
 
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...ich hab nochmal nachgesehen: Adam Wesel wird es wohl doch nicht sein. Auf den Fotos von meinem alten Klavier gibt es zwar neben den Verzierungen auch ein Buchstaben-Logo, aber das ist ein verschlungenes GA. Das hatte ich im Hinterkopf, wusste aber nicht mehr, ob GA oder AW. Die Suche beginnt erneut...

Aber ich habe hier eine recht umfangreiche Liste von Klavierherstellern, z.T. mit Zeitangaben gefunden, da sind auch weniger bekannte dabei: http://wiki.hammerfluegel.net/index.php/Klavierbauer
 
Veit Stanz
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Hol doch mal die Mechanik raus.
Renner hatte immer einen Vermerk mit Bleistift hinten drauf.
So in der Art:
gepr.14.5.1929 unleserlicher Name

Veit
 
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Tut mir leid um Deine Oma.

Back to the roots.

Beim Aufteilen des Erbes geht es um´s Geld.

Es ist durchaus interessant, wer das Instrument gebaut hat. Da kein Piano begehrter Marken, aber unerheblich. In diesem Fall als solchem ebenfalls irrelevant, ob Renner Mechanik oder nicht.

Vorbehaltlich der Inaugenscheinnahme beurteile ich das Instrument wie folgt: abgespielt, Resonanzboden gerissen, Wirbelgang sehr leicht, Stimmhaltung ungenügend. Wert Minus 200 Euro für Transporte und Verschrotten.

LG

Michael
 
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