Mackie DL806 Langzeitreview

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Hallo an alle. Erst einmal möchte ich mich, - vor meinem ersten richtigen Beitrag -, vorstellen. Ich bin Musiker und Techniker im "mittleren Alter" (seit vielen Jahren immer nur 28 Jahre alt, obwohl die Harre immer grauer werden).

In Deutschland arbeite ich profesionell, bin aber zur Zeit für ein paar Monate im Ausland und mache dort (hier) nur Musik auf privater Hobby Schiene. Es handelt sich um Jamsessions im Rahmen von 2 gemeinnützigen Musikervereinigungen.

Ursprünglich hatte ich einen alten Yamaha Promix verwendet, jedoch ist mir das Pult zu groß und sperrig für Sessions. Im Herbst hatte ich mir dann etwas kleineres gekauft. Der erste Versuch war das Phonic Acapela 16. Leider hat sich dieses Mischpult als totaler Fehlgriff erwiesen. Ich hatte es genau 2 mal Live benutzt und genau 2 mal ist es während des Konzerts ausgegangen und blieb danach im Bootmodus stecken....die Veranstaltungen mussten unterbrochen werden um sie dann mit analogen Ersatzpulten weiter zu fahren. Nachdem ich andere User gefunden habe, welche das gleiche Problem mit dem Acapela 16 hatten, schickte ich es an den Händler zurück, welcher aber keine Fehler feststellen konnte und es unrepariert wieder zurückschickte. Jetzt ist die Sache bei meinem Anwalt.

Ok, danach, habe ich mir das Mackie DL806 gekauft und bin bisher sehr begeistert von diesem Pult. Ich möchte mit dieser Tread mal ein paar Monate lang immer wieder von meinen Erfahrungen mit dem Pult berichten. Die rein technischen Details werde ich nicht erklären, dafür gibt es genug Tests und Reviews im Netz. Eher kleine Dinge bezüglich des praktischen Handlings.

Los gehts.
Ich habe das Pult für 399,00 beim Onkel T gekauft und es kam problemlos im spanischen Hinterland an. Total positiv Überrascht war ich von der Größe und des Gewichts. Noch vor dem ersten Ausprobieren habe ich mir ein Holzcase aus "marino", so eine art multiplex Holz gebaut.
Das Mischpult hat an der Unterseite 4 Gewinde für eine Rackaufnahme etc. Diese Gewinde lassen sich sehr gut verwenden, um das Pult mit Gewindeschrauben direkt im Case zu befestigen. Hier ein paar Fotos:


2015-03-30 19.56.20.jpg
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Hier sieht man die Schrauben, die durch den Boden in die Rackgewinde gehen.


2015-03-30 19.11.12.jpg


Rechts ist noch ein wenig Platz. Da möchte ich dann den Router verstauen.

Router: Ich hatte mir zunächst einen Router von Nachbarn geliehen und konnte innerhalb von 2 Minuten problemlos die Funkverbindung einrichten. Das Ipad wurde sofort erkannt. Danach bin ich auf den Flohmarkt und habe mir dort für 2,50 € einen eigenen Router gekauft welcher fest für das Pult reserviert sein sollte.
Leider hatte ich auf dem Flohmarkt vergessen mein Gehirn einzuschalten...
Zuhause konnte ich mit dem Router keine Verbindung zum Ipad herstellen. Das Ipad hat den Router nicht gefunden, abgesehen davon, fand ich keine Einstellungen, um im Router ein Wifi Passwort zu erstellen. Als sich dann irgendwann mein Gehirn dazu entschlossen hat, wieder seine reguläre Tätigkeit aufzunehmen, erinnerte ich mich dumpf, dass "früher" das Netzwerk ja noch kabelgebunden war. In der Tat hatte ich mir einen alten Router ohne Wifi gekauft. Peinlich...uff.....

Ok, am Samstag hatte ich meine erste Veranstaltung mit dem Pult. Eine Jamsession mit ca. 150 Gästen und über den Abend verteilt 20 verschiedenen Musikern.
Das Mackie DL806 stand am hinteren Bühnenrand, über ein 3 Meter LAN Kabel mit einen(wifi!!!) Router verbunden, welchen ich auf ca. 2 Meter Höhe befestigte. Ich konnte im ganzen Raum (ca. 80m2) überall guten Empfang verbuchen. Die Kommunikation zwischen Ipad und Mackie ist erstaunlich schnell. Latenzprobleme konnte ich keine feststellen, messtechnisch wäre es sicherlich möglich, aber gefühlt war da nix. Reglerbewegungen wurden sofort umgesetzt. Sehr zufrieden war ich mit der Dynamikeinheit. Die Kompressoren sind wirklich gut und man kann damit sehr schnell arbeiten.
Es war das erste mal seit Jahren, dass ich keine Headlamp oder andere Beleuchtung zum Mischen brauchte. Ein Riesenvorteil wenn man mit dem Ipad mischt. Es ist immer alles hell und sichtbar.
Aussetzer gab es keine, der Sound ist war gut. Dank der Snapshot Funktion kann man sehr schnell zwischen verschiedenen Einstellungen wechseln. Für Jamsessions ein Rießenvorteil. Es gab z.B. eine längere Passage in der sich ein Sänger und eine Sängerin abwechselnd ein Mikrofon geteilt haben. Beide waren total unterschiedlich von der Entzerrung und auch von der Dynamik. Den ersten Wechsel musste ich noch manuell einstellen, dies hat ein wenig gedauert. Danach konnte ich einfach den Szenenspeicher verwenden und immer Presets benutzen, je nachdem wer gerade gesungen hat. Als die Sängerin dann irgendwann einfach ein ganz andere Mikrofon genommen hatte, konnte ich auch sofort auf dieses Mikrofon Ihre Einstellungen kopieren. Mit einem analogen Pult wäre dies Stress geworden, bzw. ein kurze "freundliches" Gespräch mit den Sängern und der bitte doch immer nur das gleiche Mikrofon zu benutzen. So war es aber kein Problem und die beiden konnten sich auf der Bühne austoben. Hier schon mal ein großer Pluspunkt für Veranstaltungen mit unerwarteten Wechseln.
Nach der Veranstaltung habe ich ein paar Punkte gefunden, die ich gerne ändern möchte:

a) Das Mischpult, welches unbeaufsichtigt am hinteren Bühnenrand steht, soll eine "AntiBierJinTonicCubataDrinks" Plexiglas Abdeckung erhalten, um es vor Flüssigkeiten zu schützen. Das Plexiglas habe ich schon; heute baue ich einen Rahmen dafür.
2015-03-30 19.47.36.jpg


Wahrscheinlich gibt es einen kleinen Holzrahmen unter dem Plexiglas. Ein kleiner 12 Volt PC Lüfter wäre sicherlich dann noch sinnvoll um im Sommer Stauhitze zu vermeiden.

b) Ipad: Redundanz. Ein Ipad ist zu wenig. Ich möchte auf jeden fall ein zweites Ipad als Ersatz mitnehmen. Wenn das Ipad einen Schaden nimmt, ist die Vorstellung zu Ende...da ist das Risiko zu groß. Weiß jemand, ob das Ipad 1 noch unterstützt wird?!?!?

c). IPad Safty Halterung. Bei dieser ersten Veranstaltung habe ich viel vom Publikum aus gemischt. Das Ipad in der Hand haltend. Hierbei ist mir immer wieder bewusst geworden, dass es, insbesondere in Kneipen, eine hohes Risiko für das Ipad gibt. Tanzende Zuschaer rempelten mich immer wieder an. Ich werde mir nun vor der nächsten Veranstaltung eine Ipad Halterung aus Holz bauen, welche ich per Safty an meinem Gürtel oder mit einer "Art VIP-Karten-Halsschlaufe" irgendwie hinfall sicher an meinem Körper befestigen kann.
Es wird ganz gewiss irgenwann der Moment kommen, wo mir das Ipad aus den Händen fällt, dann soll es aber soweit gesichert sein, dass es nur ein paar cm tief fällt und dann am Safty/Seil hängen bleibt.

c) Antivibrationsschaumstoffunterlage für das Case. Auf kleinen Holzbühnen gibt es immer wieder Vibrationen. Auch wenn das Mackipult stabiel gebaut ist, möchte ich es gerne soweit wie möglich von mechanischen Schwingungen seitens der Bühne befreien. Zur Zeit fällt mir da nur eine dicke Schicht Isomatte ein.

d) Wunsch an Mackie: Sollte sich irgendwann die Möglichkeit ergeben, das Pult nicht nur über Wifi mit einem Ipad zu steuern, sonder auch über Lan Kabel mit einem Notebook, dann wäre es auch -aus meiner Sicht- ein Pult welches man in der 16er oder 32er Version für kleinere professionelle Gigs verwenden könnte. Aber nur eine Wifi Verbindung ist leider sehr unsicher.

d) Hier in Spanien gibt es zwei grundlegende Probleme: 1) Unterspannung: Oft sind es nur 180-190 Volt die aus der Steckdose kommen. Als erste verabschieden sich in der Regel die Keyboards sowie digitale Effektgeräte von Musikern. 2) Kurze Stromunterbrechungen.
Gegen die Unterspannung ist das Pult durch sein Schaltnetzteil sehr resistent. Ein Problem sehe ich in kurzen Stromausfällen. Diese bedeuten einen Restt / Neustart des Pultes. Bei Analogtechnik merkt man es nicht, bei Digitaltechnik ist kurz Pause. Der erste Gedanke war eine günstige USV zu benutzen. Allerdings schalten gerade die günstigen USVs auf Batteriebetrieb um, sobald die 220 Volt um ca. 10 Prozent unterschritten werden. Da allerdings die Spannung hier auch mal einen ganzen Abend bei unter 200 Volt liegen kann, würde eine USV sofort auf Batterie umschalten und wäre dann nutzlos.
Das Netzteil der DL806 liefert sekundärseitig 12 Volt DV bei ca. 50 Watt. Momentan ist meine Überlegung, zwischen Netzteil und Eingang des Pultes eine kleine 12 Volt Blei Gel Batterie zu schalten. Momentan finde ich noch keinen Grund der dagegen sprechen könnte. Hier hoffe ich auf Tipps seitens des Forums.Gedankengang: Der Bleigel Akku sollte sich durch das Netzteil nicht überladen lassen können und selbst bei Anlegung einer höheren Spannung auf Grund des steigenden Widerstand bei spätestens 14,4 Volt keine weitere Ladung mehr aufnehmen. Wahrscheinlich wäre der Akku sogar immer nur 40%-60% geladen. Das Mackie Pult müsste eigentlich Spannungen bis 16 Volt vertragen, eher noch 25 Volt (ich denke gerade an die üblichen Spannungswerte von Transistoren etc.). Sicherlich befinden sich nach dem Eingang irgendwelche 7805 oder 7809 welche die Spannung auf die üblichen Werte reduzieren.
Hat da jemand Ideen?

Mein Traum bei digitalen Pulten wäre eine eingebauter LiIon Akku wie bei einem Notebook. Damit könnte man sich den ganzen USV Kram sparen und hätte sogar noch einen Schutz vor Spannungsspitzen. Die gängigen Digitalpulte im semipro Breich laufen fast alle auf 12-19 Volt DC und haben mit Notebooks vergleichbaren Hunger. Technisch sollte es kein Problem sein und zumindes ich wäre bereit, dafür einen hunderter mehr zu bezahlen.

Ok. Soweit der erste Eindruck. Ich schreibe wieder nach der nächsten Veranstaltung, oder wenn ich etwas gebastelt habe.
Gruss an alle.
 
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So, mal Zeit für ein Update.

Ich hatte mittlerweile ca. 20 weitere Veranstaltungen mit diesem Pult.
Wie bereits im ersten Post angekündigt, habe ich mir noch ein weiteres "Backup Ipad" gekauft. Diesemal ein Ipad mini der ersten Generation. Aus dem "Backup Ipad" wurde dann aber sofort das "Haupt Ipad".
Das Ipad mini reagiert wesentlich schneller als mein altes Ipad 2. Trotz der kleineren Fläche, lässt es sich -subjektiv- besser bedienen.

Zwischenzeitlich hatte ich kurz einen alten Telefonica 2,4 Router im Einsatz, muss davon aber dringend abraten. Regelmäßig lagen die Statusinformationen, welche der Mixer ans Ipad gesendet hatte (z.B. Pegel) weit hintendran. Auch waren diese Informatione immer mal für 10-15 Minuten ganz weg. Z.B. kann man dann den Kompressor nur nach gehör einstellen, ohne Reduktionen visuell zu sehen.....und immer schwebt die Angst eines kompletten Signal Abbruchs mit.
Ich habe dann wieder auf einen 5er Router gewechselt, und alles war ok.
Hin und wieder mal ein 1-2 Sekunden Signalabbruch.
Von Klang des Mischpultes bin ich nach wie vor begeistert. Es hat einfach einen wahnsinnig guten Grundklang und auch die Bedieoberfläche ist logisch.
2 mal gab es einen kurzen Stromausfall (defekte Steckdosenleiste eines Keyboarders !!!!).
Die Resetzeit des Pultes war erstaunlich schnell. Keine 10 Sekunden und der Sound war wieder da (mit den letzten Einstellungen), noch mal 10 Sekunden und man hat wieder Wifi Kontrolle. Absolut zufriedenstellen.
Das Phonic Acapela Pult, welches ich vorher hatte, benötigte ca. 2 Minuten....sofern es überhaupt startet.....(Daumen runter).

Aber nun zu den Dingen die mich stören (deshalb verkaufe ich das Pult wieder):
Die Layerwechsel auf Ipad 2 und Ipad mini (1er) sind sehr langsam. Mir sind sie zu langsam. Insbesondere, wenn ein unerfahrener Musiker sein Mikrofon auf dem Monitor ablegt sind 1-2 Sekunden, um z.B. vom Main Mix zum Monitor zu gelangen, einfach zu lang. In der Zeit haut es einem die Ohren weg.
Auch ein Signalabbruch, bzw. eine Syncronisationszeit von 2-3 Sekunden im Falle eines Feedbacks sind ein absolutes "no go".

Fazit nach allem:
Der Sound, die Verarbeitung, sowie die Anordnung der Benutzeroberfläche, des Mackies DL806 sind hervorragend. Für eine feste Band die mit 8 Kanälen auskommt gibt es -glaube ich- kein besseres Pult in dieser Preisklasse.
Für FOH Geschichten mit wechselnden Musikern empfinde ich das Pult als zu langsam. Mit einer kabelgebundenen Steuerung und schnelleren Layerwechseln wäre es ok. Aber: Ich weiß nicht, ob die Steuerung mit einem modernen Ipad der neusten Generation dieses Defizit aushebelt. Vielleicht kann da jemand mal berichten.

Und:
Ich habe mir vor ein paar Tagen das Soundcraft UI16 gekauft. Dort sind die Layerwechsel (auf dem Ipad mini) sofort da. Ich will sogar mal behaupten, dass sie schneller sind, als auf einem traditionellen Motorfader Mischpult. Vom UI16 bin ich bisher total begeistert, man arbeitet wahnsinning schnell damit und hat eine Möglichkeit, noch einen kabelgebundenen Schleppi als Sicherheit anzuschliessen.

Saludos a tod@s,

Marc
 
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