Malte Burba "Brass Master Class" - Was findet ihr NICHT gut?

von NSGFR, 30.03.12.

  1. NSGFR

    NSGFR Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.03.12   #1
    Hi Leute,
    ich habe mir vor einem halben Jahr das Heft mit DVD von Malte Burba gekauft. Damals um mehr Kondition in der Höhe zu bekommen und auch besser in die Höhe selbst zu kommen. Um es von vorne rein zu sagen: Diese Lektüre ist nicht schlecht, denn sie hat mir sehr geholfen meinen Körper im Zusammenhang mit dem Spielen auf der Posaune besser zu verstehen. Und viele seiner Ratschläge helfen tatsächlich sehr gut.
    Doch manche Dinge machen mir heute das Leben etwas schwer auf die ich im folgenden mal eingehen möchte.
    Ich möchte mal auf einen Punkt eingehen, der mir mittlerweile überhaupt nicht mehr gefällt.
    Er schreibt, dass man den Luftdruck, um höhere Töne zu spielen, erhöhen kann, indem man die Zunge zur Hilfe nimmt (Beispiel Gartenschlauch: Mit aufgehaltenem Daumen, steigt der Wasserdruck, wobei trotzdem die gleiche Menge Wasser austritt.). Auch geht er darauf ein die Stimmbänder zur Hilfe zu nehmen, wodurch diese zusammen mit der Halsmuskulatur stark angespannt werden.
    Zur Zeit lerne ich die Doppelzunge bei meinem Lehrer. Mir fällt es deutlich schwer, den Luftstrom fließen zu lassen, mit einem nicht lockeren Hals. Und besonders die präzise Aussprache und klare Artikulation von "Ta-Ka" bei der Doppelzunge ist sehr umständlich in der hohen Lage, durch die Zuhilfenahme der Zunge für hohe Töne.

    Ich versuche mir das nun wieder abzugewöhnen, denn bis zur zweigestrichenen Oktave (Posaune) komme ich mittlerweile auch nur mit der Kraft meines Zwerchfells.

    Was hat könnt Ihr an Burbas Schule kritisieren?

    Bin gespannt ;)
    LG Fabian
     
  2. Claus

    Claus Brass/Keys Trompete Moderator HCA

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    Erstellt: 30.03.12   #2
    Ich muss mir die von dir angesprochenen Passagen übers Wochenende in den Quellen noch einmal genauer durchlesen und anschauen.

    Vorab kann ich nur sagen, dass ich das ganz anders als Du verstanden habe.

    Ich habe deshalb vorerst den Eindruck, dass Du bei der Erwähnung der Stimmbänder eine Erkärung von Malte Burba zu einem anatomischen Vorgang mit einer Spieltechnik verwechselt hast.

    Genau erinnere ich mich jedoch, dass Burba gleich am Anfang der DVD deutlich darauf hinweist, dass man spielen soll wie bisher und völlig getrennt davon die Übungen aus Heft/DVD und Seminar macht.

    Hat man durch die Übungen eine neue Spieltechnik geistig und körperlich "verdaut", wird sie von selbst Teil des eigenen Spiels. Solche Dinge zu forcieren ist dagegen nur ein Weg zu weiteren Problemen.


    Ganz unabhänig von irgendwelchen Methoden ist meine Erfahrung, dass ein willentlicher Verschluss der Stimme so ziemlich die schlechteste Idee ist, auf die man als Bläser kommen kann.
    Ein "offener Hals" wird daher oft im Unterricht geübt, z.B. durch die Vorstellung des Gähnens.
    Auch Malte Burba hat gleich am Anfang der Atemübungen eine Übung zum lockeren Einatmen, bei der man im Liegen auf dem Rücken die Luft einmal mit den Stimmbändern hält und dann allein durch gehaltene Bauchdeckenspannung bei offenen Stimmbändern am Ausatmen hindern kann.
    Wenn man diese Übung beherrscht, ist ein "enger Hals" normalerweise kein Thema.


    Bezüglich der Zunge habe ich den Eindruck, das Gartenschlauch-Modell ist nicht wirklich passend.
    Auch hier würde ich empfehlen, Burba genauer zu folgen und die Zungenartikulation nur als "Trockenübung" zu machen, aber nicht bewusst beim Spielen von Etüden oder Spieltstücken einzusetzen.

    James Morrison verwendet das gleiche Gartenschlauch-Modell übrigens, obwohl die (bewusste) Zunge für seine fulminante Höhe überhaupt keine Rolle spielt.
    http://www.youtube.com/watch?v=b7oOFaLkuVc&feature=player_detailpage#t=237s
    Der "Düse" des Gartenschlauchs entspricht bei ihm die Lippenöffnung, der "Druck" kommt natürlich aus der Stütze. Wobei eine musikalische Stütze abseits von extremen Höhen lockerer ist, als man ohne die Erfahrung wahrscheinlich meint.

    Auf der Musikmesse konnte man letze Woche am K&H Stand erleben, das Malte Burba sein System wirklich drauf hat und all das auch "mühelos" kann, was er veröffentlicht.

    Am besten funktioniert Blechblasen über gute Atmung und Klangvorstellung sowie Nachahmen des Klanges eines fähigen Lehrers oder Play-Along-Vorbilds.

    Wenn man technische Probleme isoliert behandelt, muss man sich über die Sachverhalte schon sehr genau im Klaren sein, ansonsten überlässt man sich besser der Weisheit eines unverkrampften Körpers und Korrekturen durch einen kompetenten Lehrer.

    Ganz ohne verengten Hals wirken die von Malte Burba auf der DVD vorgestellten Übungen zur Kräftigung der Ansatzmuskulatur durch Binnenspannung und max. Kontraktion der Lippen sowie die Verbesserung der Atemfunktion durch die Zirularatmung.
    Zusammen mit der Übung zu den Mundhöhlentönen/Flageolets hast Du du damit eine optimale Vorbereitung für richtig hohe Töne.

    Auch das Lip Buzzing (also ohne Mundstück) bis zum G2 (oder höher) ist eine Superübung, um eine solide Ansatzmuskulatur zu entwickeln.
    Außerdem fördert es die Stütze und teilweise kannst Du diese Übung auch noch mit Zirkularatmung kombinieren.

    Die musikalische Verfügbarkeit steht noch einmal auf einem ganz anderen Blatt.
    Das kommt am besten durch Tonleiter- und Arpeggio-Übungen, die gebungen und gestoßen gespielt werden. Ganz nach Belieben z.B. aus Arban, Irons Colin, Clarke usw.
     
  3. Hyperion

    Hyperion Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.03.12   #3
    Ich denke ebenfalls, dass du da etwas komplett falsch verstanden hast. Es wird mehrfach betont, dass die Stimmbänder von der Tonbildung komplett ausgeschlossen sein sollten.

    Generell hab ich den Eindruck, dass deine gesamten Beiträge vorne und hinten nicht zueinander passen, daher gehe ich mal nicht weiter darauf ein.
     
  4. NSGFR

    NSGFR Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 31.03.12   #4
    Da bitte ich nun allerdings drum! Zumindest bist du mir eine Antwort für die Behauptung schuldig ;)
    Die Sache mit den Stimmbändern habe ich mir grade nochmals durchgelesen und ich habe es wohl nur falsch im Kopf gehabt. Was jedoch stimmt ist der Teil mit der Zunge, so hat er es nämlich einem Freund von mir auch auf einem Seminar vermittelt.

    Zudem habe ich Euch auch kein Problem genannt für eine Hilfestellung, sondern gefragt, wo ihr seine Methoden nicht nachvollziehen könnt. ;)



    LG Fabian
     
  5. oggimatt

    oggimatt HCA Posaune HCA

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    Erstellt: 31.03.12   #5
    Tach Fabian, da bist Du ganz schön alleine auf der Welt.
    Das Zwerchfell ist für das Einatmen entscheidend, siehe auch http://www.springer.com/medicine/book/978-3-642-01650-9
    Fürs Ausatmen sind eher die Bauchmuskulatur und die Eigenelastizität der Lunge verantwortlich.
    So, Klugscheissmodus aus.
    Je höher Du Töne mit deiner Stimme formst, desto straffer (mehr geschlossen, bzw. angespannt) sind die Stimmbänder.
    Die Zunge färbt Vokale natürlich mit.
    Wenn Du ein hohes "i" vokal machst, sind die Stimmbänder eher geschlossen und die Zunge wölbt sich gen Gaumen.
    Wenn Du ein tiefes "i" vokal formst sind die Stimmbänder lockerer, aber die Zunge neigt sich trotzdem zum Gaumen.
    Natürlich hat die Stimmritze daher Einfluss auf die Tonqualität.
    Bei offenerer Stimmritze ist der Ton größer, hat mehr Volumen, bei geschlossenerer Stimmritze ist er eher flach.
    Falls genug Luft nachgeschoben wird. Ich rede lieber von Luftfluss statt "Stütze", weil bei einer "Stütze" beim Anheben
    eines schweren Gegenstandes die Stimmritze meist geschlossen ist, z.B. beim Gewichtheben.
    Das ist fürs Spielen kontraproduktiv, daher spreche ich lieber vom Luftfluss, oder englisch "flow".
    Sprich mal ein lang gedehntes"flow" laut nach, dann weisst Du, warum ich dieses Fremdwort hier einbringe.
    Genau solche Luft solltest Du beim Spielen nachschieben und bei hohen Tönen an ein tief vokal intoniertes "i" denken.
    Dann haben die hohen Töne auch Volumen und klingen nicht gequetscht.
    Zum Üben ist eigentlich der Theoriequatsch total unwichtig, Du musst nur immer nur auf die Tonqualität zu achten.
    Rein intellektuell kann man nicht Posaune spielen lernen, der Ton muß halt klingen.
    Wenn er es nicht tut, hat dein Lehrer Rat. Im Zweifel aber immer mehr Luft geben.
    Bis denne

    Matt


    P.S.: Können wir nicht einfach den Begriff "Stütze" verbannen und vom Luftfluss reden?
    Würde Vieles einfacher machen.
     
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  6. Claus

    Claus Brass/Keys Trompete Moderator HCA

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    Erstellt: 31.03.12   #6
    Kurz gesagt:
    Mir sagen Burbas Erklärungen zur "Höhe aufgrund der Zungenstellung" samt seiner quasiphysikalischen Begründung gar nichts.
    Die isolierte Übung der Zunge (a - ä - e - i) finde ich dagegen sehr gut, wie eigentlich alle "blechblaspädagogischen" Übungen aus Burbas Schatzkästlein.

    Den daraus folgenden Beitrag der unbewussten Zungenwölbung bei steigender Höhe finde ich allemal besser als die ursprüngliche Formulierung bei Charles Colin, die sich seit den 80er Jahren unkritisch auch im deutschen Unterricht verbreitet hat.

    Auch glaube ich nicht, dass der Farkas-Ansatz, den Burba letztlich propagiert, der Weisheit letzter Schluss ist.
    Zumindest nicht für Amateurtrompeter, die mit nur 60-90 Minuten Üben am Tag zu ehrgeizigen Ergebnissen in der Höhe kommen wollen.
    Aber auch hier kann ich die Übungen zur mimischen Muskulaatur aus eigener Erfahrung nur wärmstens empfehlen.
    Ich kann aber nur für die Trompete sprechen, bei Posaune kenne ich mich in solchen Fragen zu wenig aus.


    Wenn Du in einem Forum Behauptungen aufstellst, musst Du mit Beiträgen rechnen, die darauf eingehen.


    Es gehört grundsätzlich zur Tragikomik der Kritik an Burbas Methodik, dass sich besonders fast alle vehemente Kritik auf Unkenntnis seiner Aussagen oder sogar grundsätzlich fehlende Methodenkenntnis zurückführen lässt.
     
  7. oggimatt

    oggimatt HCA Posaune HCA

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    Erstellt: 02.04.12   #7
    Tach nochmals,

    ich muß leider gestehen das Buch von Malte Burba noch nicht zu besitzen, war aber durch glückliche Umstände mal bei ihm zum Seminar.
    Der Malte ist kein Guru, seine Lehrmethode hat aber seine Berechtigung.
    Sie ist halt für die Master-Class. Allen Amateuren sei angeraten, mit einem guten Lehrer seinen Ansatz auszubilden.
    Regelmäßiges Üben ist von Vorteil. Und nochmehr zu üben. Erst dann wird man eventuell verstehen, was der Malte meint.
    Bei den meisten damaligen Teilnehmern hätte ich gesagt: "Übt endlich, ihr Säcke."
    Hat Malte Burba aber nicht, sondern ist auf jeden eingegangen.
    Ich kann und werde daher nichts Schlechtes propagieren.
    Ich bin auch nur Amateur und müsste mehr üben, um besser zu werden.
    Oder man fängt an, sein Spielen zu erhalten, geringfügig zu bessern und damit Musik zu machen.
    Bis denne

    Matt
     
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