Quadrupel Bellows Shake

von Monteverdi, 13.07.09.

  1. Monteverdi

    Monteverdi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.07.09   #1
    Kann jemand erklären, wie man den Quadrupel Bellows Shake ausführt? Ich sitze gerade an einem Stück, wo schnelles Shaken benötigt wird, und zwar nicht unbedingt rhythmisch. Mit einem normalen Bellows Shake ist das ziemlich anstrengend und das klangliche Ergebnis befriedigt mich auch nicht. Ich mache die Stelle momentan mit einem Tripel Bellows Shake (Richochet), das geht ungefähr in die richtige Richtung, wenn man es schnell genug macht. Dennoch ist die Unterteilung in 3 Noten doch ein bisschen auffällig. Gibt es sonst noch eine Möglichkeit, außer es mit dem Quadrupel Bellows Shake zu probieren (Vibrato sei mal aussen vor)?

    Monte
     
  2. Ganryu

    Ganryu Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.07.09   #2
    Der Quadrupel Bellowshake wird in 4 Phasen unterteilt, die nur einmal hintereinander ausgeführt werden können, ohne die Finger von den Tasten zu nehmen. In der
    1. Phase öffnest du den Balg oben, unten bleibt er noch geschlossen
    2. Phase öffnest du den Balg unten und schließt ihn oben (gleichzeitig)
    3. Phase schließt du ihn unten
    4. Phase öffnest du ihn oben

    Jede dieser Phasen erzeugt einen Klang; da sich 1 und 4 entsprechen kann man ihn, wie gesagt, nur einmal ausführen.

    Hoffe ich konnte helfen.
     
  3. JoLala

    JoLala Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.07.09   #3
    Hallo Monteverdi,

    geht Deine Frage in Richtung einer Quatrole? Ich hab es so gelernt: Wenn Du perfekt ein (einfaches) Ricochet spielst, erzeugst Du in aller Regel eine Triole, und das geht so

    (Grundstellung: Balg ist annähernd geschlossen)

    1. Phase: Balg oben öffnen
    2. Phase: Balg oben annähernd schließen
    3. Phase: Balg oben anschlagen, mit leichtem Aufprall

    Daher übrigens der Name Ricochet, was übersetzt wohl sowas wie "An-, Ab- oder Aufprallen" bedeutet.

    Die Quatrole geht auch mit dem Ricochet, und zwar mit zweimaligem Balg-Anschlag

    (Grundstellung: Balg ist annähernd geschlossen)

    1. Phase: Balg oben öffnen (so wie bei Triole)
    2. Phase: Balg oben annähernd schließen (so wie bei Triole)
    3. Phase: Balg oben anschlagen und dabei zugleich unten etwas öffnen
    4. Phase: Balg unten anschlagen

    Bei dieser Technik wird der Ton-Anschlag im Allgemeinen jeweils mit dem Beginn der 1. Phase neu erfolgen, und die Finger bleiben bis zur Beendigung der 4. Phase auf den Tasten, kann aber aneinandergereiht beliebig oft wiederholt werden. Erfordert ziemlich viel Übung.

    Gruß, JoLala
     
  4. Monteverdi

    Monteverdi Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.07.09   #4
    Danke für die Antworten!

    Ein Ricochet habe ich bisher immer so ausgeführt, wie Ganryu den Quadrupel Shake beschreibt unter Auslassung von Schritt (4). Deine Methode, JoLala, bekomme ich spontan nicht so gut hin, weil mir scheint, dass beim Zudrücken für zwei Töne einfach zu wenig Luft vorhanden ist - d.h. hier wird der Triolencharakter automatisch noch deutlicher hörbar (was ich nicht möchte). Und Deine Quartole bekomme ich nur einigermassen hin, wenn ich die erste Note deutlich kräftiger nehme als den Rest. ISt also für meinen Fall leider nicht die richtige Lösung.

    Monte
     
  5. JoLala

    JoLala Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.07.09   #5
    Hallo Monteverdi,

    okay, kann Deine Ansicht gut verstehen. Dennoch, hier ein Link zu einer Seite, wo Du in der Hörprobe des Stücks Asturias von Isaak Albeniz, gespielt von Waldemar Gudi, hören kannst, wie perfekt gespieltes Ricochet klingt. "Meine Methode" gibt auch nur wider, was ich als Schüler bei Waldemar Gudi zum Thema Ricochet gelernt habe.

    http://www.bajanbest.com/bajan_bio5.html

    Gruß, JoLala
     
  6. Monteverdi

    Monteverdi Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.07.09   #6
    Hallo JoLala,

    habe mir Asturias komplett angehört, fein gespielt. Allerdings höre ich da gar keinen Ricochet, scheint doch alles normaler Bellowshake zusein, oder?

    Monte
     
  7. JoLala

    JoLala Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.07.09   #7
    Hallo Monte,

    in der Tat, als ich die Hörprobe seiner Asturias-Interpretation zum ersten Mal entdeckt und gehört habe, war auch ich zunächst der Meinung, ein Bellow-Shake zu hören. War aber etwas irritiert von der ungewohnt faszinierenden Rhythmik. Ich muss zugestehen, dass ich bis dahin noch nichts von Ricochet gehört hatte. In einer der folgenden Unterrichtsstunden dann hat mir Herr Gudi das Stück - vor allem den Anfang, mit dem an ein spanisches Gitarren-Tremolo erinnernden, zugleich Toccata-ähnlichen Klang – mal vorgespielt, und hat mir dann die von ihm hier angewandte Technik des Ricochet gezeigt. Sein meisterhaft gekonntes Spiel hat natürlich nichts mit dem zu tun, was man dann selbst als Ergebnis seiner ersten Ricochet-Gehversuche leidvoll erfahren muss. Ist aber auch schon beim "einfachen" Bellow-Shake nicht viel anders. Bis das richtig klappt, bedarf es enorm viel Übung.

    . . . ich übe dann schon mal.

    Gruß, JoLala
     
  8. Ganryu

    Ganryu Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.07.09   #8
    Hallo Monteverdi,

    Wünsche dir viel Glück beim üben deiner Quadrupel Shakes - ich finds hart aber lohnt sich definitiv, egal für welche Methode du dich entscheidest. Ich verwende meine aus dem Grund, dass ich das normalen Ricochet genau wie du mit den ersten 3 Phasen dieser Technik ausführe. Die Anleitung dazu habe ich übrigens von Lips Buch "Die Kunst des Bajanspiels".

    Grüße Ganryu
     
  9. Klangbutter

    Klangbutter HCA Akkordeon-Spieltechnik HCA

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    Erstellt: 04.06.13   #9
    Auch 4 Jahre nach der Frage ergab meine Recherche nach einem Tutorial für Bellows Shake und Ricochet tatsächlich keine Treffer. Stattdessen stieß ich auf unser Board mit dieser Frage.

    Meine Studenten "vergessen" die Anleitung im Unterricht auf dem Heimweg schon manchmal und nun können sie praktisch "nachschlagen".

    https://vimeo.com/67662025
     
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  10. chnöpfleri

    chnöpfleri Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.06.13   #10
    Hallo Klangbutter,

    Von mir bekommst du mindestens 5 Sterne (oder ähnliches): :great::great::great::great::great: .............. Ganz herzlichen Dank für deine sehr klaren Ausführungen!

    Ich habe mir bei diesem Vivaldi-Stück deswegen auch schon die Zähne ausgebissen, und niemand hat mir damals erklärt, wie man diese Schüttelbalgstellen technisch richtig ausführt. Jedenfalls habe ich jetzt realisiert, dass ich damals mit dem Balg viel zu viel "herumgehampelt" habe.

    Jetzt geht es ans Ausprobieren, vielleicht schaffe auch ich diese Finessen in absehbarer Zeit.

    Gruss

    chnöpfleri

    P.S. Frage: stimmt mein Gefühl, dass der Schüttelbalg auf einem Instrument mit grösserem Luftverbrauch schwieriger auszuführen ist?
     
  11. Klangbutter

    Klangbutter HCA Akkordeon-Spieltechnik HCA

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    Erstellt: 06.06.13   #11
    Ja - es gibt erhebliche Unterschiede bei den Instrumenten.
    Luftverbrauch, Ansprachegeschwindigkeit und Beschaffenheit der Balgecken sind die ausschlaggebenden Parameter.
    Hoher Luftverbrauch allein macht nur Bewegungen größer. Wenn die Stimmen aber leicht kommen, stört das nicht viel.
    Schlecht ansprechende Stimmen sind viel übler. Dann gleichst Du nämlich mit Kraft aus und bist schnell am Ende und außerdem werden die Töne dann nicht so dicht.
    Die Balgecken sind ebenso wichtig. Das Instrument im Video hat z.B. irgendwie stärker "gepolsterte" Ecken und dadurch sind die Anschläge ("Hits") nicht so gut hörbar und alles ist etwas verwaschen. Das geht also noch besser, aber ich wüßte keine geeignetere Spieltechnik.
    Trotz des Sprichwortes "a bad workman always blames his tools" erwarte ich das eigentlich vom Instrument.
     
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  12. accord

    accord Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.06.13   #12
    Hallo Uwe!

    Kannst Du bitte mir auch mal erklären, wie man die "kraftvollen" Tango-Argentino Bellows Shakes macht?
    Deine Erklärung von dem klassischen Kram war M.E. sensationell. Ich werde das jetzt auch endlich mal üben!

    VLG
    Accord
     
  13. Klangbutter

    Klangbutter HCA Akkordeon-Spieltechnik HCA

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    Erstellt: 07.06.13   #13
    Stell Dir vor, Du möchtest mit drei Zügen (Auf Zu Auf) ein brennendes Streichholz löschen.

    1. Das erste Öffnen mit schon gedrückten Tasten - also aus dem Nichts (von unhörbar bis mittellaut)
    2. Schließen ohne besondere Details (eher leise)
    3. Laut Öffnen und die Tasten bei größter Lautstärke abrupt loslassen.

    Das ist also der typische "zwei-Sechzehntel-und-ein-staccato-Achtel-Rhythmus". Am besten nur ans Crescendo denken und das staccato Achtel sehr präzise auf die eins bringen.

    Beim Flamenco könnte man dann wieder Triple und Quadruple probieren. Die selbe Erklärung wie beim Tango, nur durch mehrere Noten diffuser unterteilt. Entscheidend ist das Wegreißen des letzten Tons, was dann als "temperamentvoll" empfunden wird.
     
  14. morino47

    morino47 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.06.13   #14
    Hallo Klangbutter,

    #9 ist absolut genial. Jetzt habe ich noch eine Baustelle mehr, an der ich arbeiten muss.

    Viele Grüße

    morino47
     
  15. accord

    accord Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.06.13   #15
    Hallo Uwe,

    ich hatte mich unklar ausgedrückt.

    Prinzipiell meinte ich einen rhythmischen "einfachen Bellows Shake" in "Maximallautstärke" mit Akzenten.
    Du erklärst den BS ja über das "Fallen des Balges". Damit ist aber die Lautstärke limitiert und darauf zielte meine Frage ab.

    Auf dem Bandoneon ist das wegen des geringeren Gewichts der beiden Teile und wegen des enormen Balgweges und wegen des 3-teiligen Balges relativ einfach über die Kraft und Technik zu regeln.
    Am Akkordeon kann das je nach Modell (120 Bass ++) ganz schön in den linken Arm gehen, wenn man nicht die richtige Technik sondern nur "Kraft" einsetzt.
    Mit "Kraft" kann ich das - mit Technik nicht und mit Kraft auch nicht sehr lange....

    VLG
    Accord
     
  16. Klangbutter

    Klangbutter HCA Akkordeon-Spieltechnik HCA

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    Erstellt: 09.06.13   #16
    Ich glaube im Video steckt alles drin.

    Klappt es denn bei Dir überhaupt ohne den Bassriemen? Wenn ja, dann stecke die Hand wieder rein und versuche mit dem selben geringen Kraftaufwand weiter zu spielen. Merke das Gefühl und erhöhe nach Bedarf die Kraft.

    Natürlich muss man irgendwann nachhelfen, sollte aber die natürliche Bewegung (incl. Ausnutzung der Schwerkraft) beibehalten.

    Die ganze Sache dient eigentlich nur dem Einfühlen in den Balg, also dass man ihm nichts aufzwingt was er nicht kann oder will.
     
  17. viertel

    viertel Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.06.14   #17
    Hallo Klangbutter

    Auch ich stieß bei der Suche nach "Ricochet" auf dieses Board.
    Und auf deinen Beitrag mit dem Link zum Video, das ja nach den Reaktionen zu urteilen super sein muß.
    Leider scheitere ich daran, daß es (mittlerweile?) privat ist und ein Passwort verlangt.
    Was nun?

    Gruß vom 1/4
     
  18. Elena72

    Elena72 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.06.14   #18
    Hallo Uwe,
    ich würde mir gerne das Video anschauen, aber es wird ein Password verlangt :confused: Würdest du es mir verraten, oder erklären, wie ich das umgehen kann? - Hat denn hier sonst keiner das Problem?
    LG Elena72
     
  19. benprofane

    benprofane Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.06.14   #19
    € 10,- für das zugangsticket auf klangbutters hompage http://www.uwe-steger.de/start.htm?home.htm und man hat zugang für 200 tage ;-) ich für meinen Teil finde das ein Schnäppchen für das bereitgestellte Material und mehr als angemessen wenn man den Aufwand bedenkt.
    gruß Ben
     
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