[Review] D'Angelico Gramercy SG-200 natural

von MrPolli, 25.03.16.

  1. MrPolli

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    Erstellt: 25.03.16   #1
    Einen schönen guten Tag!

    Heute werfen wir mal einen genauen Blick auf eine der Gitarren aus der recht frischen D'angelico Akustik Reihe.
    Wenn ich mich recht entsinne, dann wurde diese Serie auf der NAMM 2015 erstmals vorstellig und ist nun seit einiger Zeit regulär im Handel erhältlich, auch wenn sie möglicherweise noch nicht in jedem Musikhaus um die Ecke zum anspielen bereit steht (das haben die elektrischen Geschwister diesen Gitarren bisher eindeutig voraus)


    Abschnitt 1: Zur Vorgeschichte

    Im Vorfeld der Adoption gilt es, zwei kurze Geschichten zu erzählen. Wer ausschließlich den Review lesen möchte der spult bitte einmal vor zu Abschnitt 2.


    Nr. 1: Gitarrensuche und GAS

    Seitdem ich mit der Beendigung meiner letzten großen Coverband auch die elektrische Gitarre auf unbestimmte Zeit weggelegt habe, um mich ausschließlich der Akustikgitarre zu widmen, habe ich die eine oder andere Anschaffung getätigt. Wir sprechen da von etwas über zwei Jahren, in denen ich drei Gitarren und eine ganze Menge Equipment gekauft habe. Für die Sorge GAS Menschen die sich kein Ipad mit ins Bett nehmen darf weil sie sonst vorm Einschlafen das nächste Monatsgehalt an Thomann übergibt, klingt das vielleicht nicht besonders viel, aber für mich war es eine ganze Menge. Vor allem im Vergleich zu den bisherigen 33 Jahren und meiner sonstigen Kaufgeschwindigkeit (ca. alle drei Jahre eine Gitarre)
    .Zunächst kam die Martin Dread, die den Stein überhaupt erst ins Rollen brachte. Dann wuchs ohne besonderen Bedarf der Wunsch nach einer Zweitgitarre, die ich in einer Gary Levinson LS23 fand. Kleine Form, keine elektrik, perfekt zum im Wohnzimmer stehen haben und immer wieder rausholen. anschließend entdeckte ich die alternativen Stimmungen und die Vielfältigen Möglichkeiten und begann, diese auch auf der Bühne einzusetzen. Da ich allerdings nur eine Gitarre mit tonabnehmer hatte, stimmte ich um. Das klappte solang ganz gut bis es dann nicht mehr klappte - und ich in meinem Set, in dem ich zu dieser Zeit fünfmal umstimmte, die Gitarre auf E-A-D-G-Bb-Eb stimmte und den Song begann ohne das nochmal zu kontrollieren. Schöner Mist. However, ich begann, mir über das Thema zweite Bühnengitarre Gedanken zu machen. An der kleinen Levinson wollte ich irgendwie nicht herumbauen lassen, sie soll genau so bleiben wie sie ist. Und ein magnetischer Pickup..naja...nichts für mich. Warum? Das weiß ich selbst nicht so genau
    Diese Lücke füllte wenig später eine Breedlove in concert Größe, die Ihre Kräfte auf DADGAD voll entfaltet.
    Diese Gitarre machte dann live soviel Spaß dass ich merkte, dass mir meine Nr. 1 Livegitarre eigentlich viel zu sperrig ist. Ich hatte mich schon öfter auf Fotos mit der Gitarre gesehen und auch optisch fand ich sie einfach immer zu groß. So kann man sich ändern - als ich damals die erste Gitarre kaufte da kam mir nichts anderes in Frage als eine Dread.
    Mit dieser Feststellung kam an und für sich auch die Entscheidung - ich möchte eine andere Bühnenprimärgitarre. Etwas kleinere Form, gleiche Bespielbarkeit, möglichst etwas besserer verstärkter Klang. Massivholz. Und schick sollte sie sein. Am besten deutlich schicker als die Martin. Holzoptik, vielleicht eine Abalone Rosette, schöne Inlays. Besonders auf der Bühne ist natürlich das Auge mit. Cutaway brauche ich immer mal wieder für so einige Songs, sollte also besser mit dabei sein.
    Die Suche nach dieser Gitarre habe ich offiziell im Oktober begonnen aber zeitlich nicht determiniert. Nicht schlimm also wenn die Suche auch ein bis zwei Jahre dauert - genug Gitarren sind ja da. Soweit zur Ausgangslage.

    Nr. 2: D'Angelico Endorserwettbewerb

    Das von @hack_meck und D'Angelico anberaumte Endorserspiel lässt sich in voller Gänze hier nachlesen. Für die Bewerbung benutzte ich einfach aus Mangel an Alternative mein "Georgia on my Mind" Video.


    Wichtiger Teil der Bewerbung war allerdings schone die Nennung einer Wunschgitarre. Das fällt angesichts der sehr hübschen Auswahl und zumindest schonmal gut aussehenden Gitarren garnicht so einfach. Da ich aber ja sowieso an und für sich sowieso auf lockerer Gitarrensuche war, hab ich die Auswahl einfach mal mit meinen Anforderungen abgeglichen. Da ließ sich die Wahl schnell auf Gramercy oder Madison (SJ-600) einengen. Da ich die Jumbo Form aber nicht so mag nannte ich gleich die Gramercy in Natural Finish.
    Über den Verlauf des Wettbewerbs sage ich an dieser Stelle nicht so viel, das kann jeder selbst nachlesen. Als einer von 2,5 glücklichen Gewinnern ging ich jedenfalls aus dem Spiel raus.
    Am 15. Februar diesen Jahres erhielt ich die Gitarre und konnte sie schon in einigen unterschiedlichen Situationen einsetzen. Leider noch nicht live, aber zumindest im Proberaum. Jedenfalls soll die Zeit ausreichen um schon einmal ein Zwischenresumee zu ziehen.


    Abschnitt 2: Die Gitarre

    Nr. 1: Let's Talk Specs

    Die Specs der ausgesuchten Gitarre lauten wie folgt (frecherweise einfach mal von D'angelico kopiert):
    • BODY: Grand Auditorium
    • BODY SHAPE: Single Cutaway
    • TOP MATERIAL: Solid Sitka Spruce
    • BACK MATERIAL: Solid Rosewood
    • PICKUP: Fishman INK-4
    • BINDING: Multi Bound
    • PICKGUARD: None
    • BRIDGE: Rosewood
    • CONTROLS: Fishman INK-4
    • HARDWARE COLOR: Gold
    • TUNERS: Grover Super Rotomatic - Gold
    • NUT: Bone - 43mm
    • NECK MATERIAL: Mahogany
    • SCALE: 25"
    • FRETBOARD MATERIAL: Rosewood
    • INLAY: Mother of Pearl
    • OUTPUT JACK: Side Mount Switchcraft
    • CASE: Deluxe Hard Case
    • PREAMP: Fishman INK-4
    • TRUSS ROD COVER: D'Angelico Stairstep
    Preisregion: ca. 1200 €


    Nr 2: Optik

    Die Optik der Gitarre empfinde ich als ziemlich einmalig. Auffallen tut natürlich sofort der Große Headstock, der auch für die Gitarre an sich an sich übergroß wirkt. Aber daran hat man sich schnell gewöhnt. Aber an dieser Stelle lassen wir lieber ein paar Bilder sprechen.


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    Nr. 3: Verarbeitung

    Analog zu diesem Bericht der D'Angelico Bowery habe ich Verarbeitungsmängel quasi mit der Lupe gesucht. Ich muss mitteilen dass ich keine gefunden habe. Zugegebenermaßen bin ich kein Profi in der Kunst des Gitarrenbaus, es ist daher anzunehmen dass ich grobe Mängel zwar noch ausmachen könnte, aber minimale Mängel werden sicherlich an mir vorbei gehen. Diese Gitarre jedenfalls ist völlig frei von frei bemerkbaren Mängeln. Alles sauber und vernünftig gemacht. Bei einer Gitarre in dieser Preislage von über 1000 Euro erwartet man allerdings schon dass so im groben und ganzen alles stimmt würde ich sagen.
    Einzig und allein das Setup der Gitarre die bei mir ankam war für mein Verständnis nicht gut gemacht. Aber da hat natürlich jeder seine Vorlieben.


    Nr. 4: Klang

    Nun kommen wir zu dem Punkt, der vielen Gitarristen vermutlich zu recht am wichtigsten sein wird. Aber leider auch der Punkt zu dem ich fast am wenigsten viel sagen kann.

    Der kleinere Korpus der Gramercy macht sich natürlich gegenüber den Geschwistern wie z.B. der Dreadnought Bowery durchaus bemerkbar. Dennoch spart sie nicht was die Satt- bzw. Vollheit des tons angeht. Aber während die Dread typischerweise ein noch fetteres Fundament hat, ist die Gramercy da logischerweise etwas sparsamer. Der Ton der Akustikserie ist gegenüber meinen anderen Gitarren ein wenig metallischer wie ich finde, das geht sicherlich auch auf die brozenen bridgepins zurück, ist also gewollt aber sicherlich eine Geschmacksfrage. Folglich bin ich mir nicht sicher, ob ich die Gitarre aufgrund des rein akustischen Klanges gekauft hätte. Allerdings war von vorn herein klar, dass ich akustisch Abstriche mache gegenüber einer Dread. Und für mich ist das völlig in Ordnung, da ich eine Bühnengitarre wollte. Dennoch werde ich vermutlich in nächster Zeit einmal die Bridgepins austauschen und sehen wie sich der Klang verändert. Mit dem vollen Ton bin ich schon sehr zufrieden, aber das leicht metallische (gewollte), das vermutlich von den Elixir Saiten auch noch verstärkt wird, ist mir ein wenig zu viel des guten. Die Betonung liegt allerdings auf "ein wenig" denn sowohl ich selbst als auch mein Umfeld ist vom Klang der Gitarre insgesamt sehr angetan. Vor allem mit einem beherzten Folkpicking stellt diese Gitarre meine anderen Instrumente durchaus in den Schatten. Jedoch ist sie auch fürs strumming und Flatpicking ein sehr potenter Wegbegleiter.

    Auf der Bühne packt die Gitarre dann richtig aus. Unter anderem nachzulesen im D'angelico Endorser-Tagebuch. Der eingebaute Fishman Ink macht einen tollen Job. Die gitarre klingt warm und für einen Piezo erstaunlich natürlich. Plus - der pramp gibt einem wirklich noch eine ganze Menge Möglichkeiten, zu feilen.

    Hier nun ein paar Klangbeispiele:
    (geschuldet der Kürze der Zeit sind die teils stark geschludert, aber damit werden wir jetzt gemeinsam leben müssen ;-))

    https://soundcloud.com/mrpolli/gramercy-sg200-light

    https://soundcloud.com/mrpolli/gramercy-sg200-fingerpicking

    https://soundcloud.com/mrpolli/gramery-sg200-light-strumming

    Nr. 5. Bespielbarkeit

    Insgesamt empfinde ich das Fahrwerk der Gramercy, ähnlich der Bowery als relativ straff. Auch mit tiefer Saitenlage ist auf der Gitarre recht viel Zug. Besonders beim Picking empfinde ich das sehr angenehm, denn natürlich wird dies tonal auch belohnt. Spielerisch sehe ich da keinen großen Unterschied zwischen Pickung, Flatpicking und Strumming. die Gitarre gibt alles gleichermaßen her und spielt sich auch in höheren Lagen genau wie in der Tiefe. Gegenüber meiner kleinen LS23 ist (zumindest gefühlt) deutlich mehr Zug auf den Saiten - aber bei dem wofür ich sie benutze ist das durchaus gewollt und kommt mir sehr entgegen. Das gilt übrigens für einen Standard 12er Saitensatz.


    Abschnitt 3: Fazit

    Eine Gitarre wie die Gramercy kostenlos zu bekommen ist natürlich ein wahres Glück. Aber auch für das Geld das man hinlegen muss erhält man sehr viel Gitarre. Meiner Empfindung nach wird die Gitarre ihrem Preis in allen Kategorien absolut gerecht. Ihre (alles andere als schlichte) Optik ist natürlich eine Freude fürs Auge, was sie in Kombination mit dem guten Pickup auf der Bühne in vollem Glanze erstrahlen lässt. Aber auch für diejenigen die gerne eine über 1000 Euro schwere Gitarre mit ans Lagerfeuer nehmen oder eben für die spontane unplugged Session - hat sie alles was der Akustiker sich wünscht. Aufgrund meines damals ersten Klangeindrucks und der zunächst etwas spielerunfreundlcihen Einstellung bin ich mir nicht sicher ob ich der Gitarre, hätte ich sie so im Laden gespielt, eine Chance gegeben hätte - ein schwerer Fehler! Ich kann jedem wärmstens ans Herz legen, die Gitarre anzutesten, denn in ihrer Preisklasse ist sie eindeutig eine starke Konkurrenz. Ich könnte mir vorstellen dass das nicht meine letzte D'angelico bleibt. Leider ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es die letzte war, die ich geschenkt kriege ;-)
     
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  2. Mr.513

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    Erstellt: 25.03.16   #2
    Wirst Du Powerpins einsetzen?
     
  3. MrPolli

    MrPolli Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.03.16   #3
    Hmm...ich weiß nicht so recht. Ich habe eher an etwas weniger metallisches Gedacht. Würden sie sich nicht doch sehr ähnlich auf den Klang auswirken, was meinst du?
     
  4. Mr.513

    Mr.513 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.03.16   #4
    Ich habe mir welche gekauft, weil ich a) über einen Thomann Gutschein genug Spielraum hatte und b) damit die mehr als 20 Jahre alte Seagull meines Bruders ausstatten wollte. Sie ist nahezu unbespielt, da Bruderherz dann doch lieber Klavier spielt(e). Ich hatte die Absicht, ihm die Gitarre damit attraktiver zu machen, aber er sagte, ich solle sie lieber übernehmen. Leider haben wir aufgrund räumlicher Distanz noch keine Zeit gefunden, das Besitzverhältnis zu ändern und die Pins einzubauen.
    Ob sie metallischer klingen wird, interessiert mich auch. Ich gehe aber davon aus, dass die Decke anders schwingen wird, weil das Widerlager nun nicht unter bzw. in der Decke ist, sondern oberhalb. Durch den geänderten, flacheren Winkel der Saiten auf den Steg könnte auch (allgeimein) eine Stimmstabilität optimiert werden - gerade bei den umwickelten Saiten, die bei kleineren Winkeln gerne an Kanten verzahnen.
    Der Vorteil ist bei Powerpins: Es ist reversibel, wenn es einem nicht gefällt.

    Ähm, am mobilen, handflächengroßen Multifunktionsendgerät klang das alles sehr gefällig, besonders gut gefiel mir der erste Beitrag. Eine Nuance von Michael Hedges. Die Saiten klangen sehr harmonisch und gleichmäßig aus. Überzeugend.

    Ist das eine Eigenkomposition? Was für eine Stimmung?

    € by Peter: Bitte für Beitragsänderungen innerhalb von 12 Stunden die Bearbeitungsfunktion nutzen und Doppelposts vermeiden ;)
     
  5. hack_meck

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    Erstellt: 25.03.16   #5
    Mache doch einfach mit deinem Spiel und der tollen Stimme Karriere.

    Sehr schönes Review hast du da geschrieben und viele Sachen lassen sich auf die Bowery übertragen. Bei den Pins habe ich gerade nicht mehr im Kopf, ob die in den Löchern reguläres Format haben - also tauschbar sind. Die Bowery hat aber eine recht tiefe Grundstimme, so dass ein wenig Höhen nicht schaden ;).

    Auf meiner ist die Saitenlage erschreckend tief, aber völlig frei von Buzz. Da sowohl meine Sanden, als auch meine Gibson J45 oberhalb des 14ten Bundes anfangen zum Schalloch abzufallen (kein Cutaway) ist die D'Angelico die Gitarre meiner Wahl, wenn ich das ganze Fingerboard brauche.

    Viel Spaß weiterhin damit ...

    Gruß
    Martin
     
  6. rbschu

    rbschu Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.03.16   #6
    Schönes Review - und auch die Hörbeispiele machen Lust, solch eine Gitarre mal selbst in Augenschein zu nehmen. Bezüglich des Preises bin ich der Ansicht, dass "Geiz-ist-geil" eine völlig falsche Einstellung ist. Gute Instrumente bekommt man eben nicht nachgeworfen (von Endorser-Wettbewerben mal abgesehen). Oberste Prämisse müssen immer Klang, Bespielbarkeit und saubere Fertigung behalten. Und offenbar bedient Deine Gitarre diese Kategorie. Ich beneide Dich....
     
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