[REVIEW] Einbau einer Sennheiser ME865 Mikrofonkapsel als "Klotzmikrofon" in meine Lowden S22 (O-22)

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[REVIEW] Einbau einer Sennheiser ME865 Mikrofonkapsel als "Klotzmikrofon" in meine Lowden S22 (O-22)



Willkommen zu einer weiteren Ausgabe von GeiGit's Bastelstunde. :hat: Heute geht es darum eine gute, übrig gebliebene Sennheiser ME 865 Mikrofonkapsel in den Korpus meiner Lowden S22 von unten unter den Steg auf die Decke zu montieren und passiv zusätzlich zum schon lange verbauten passiven K&K-FanTaStick-Stereo-Untersteg-Piezo über eine Stereo-Endpinbuchse zu einem Phantomspeiseadapter zu leiten.
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Vorgeschichte


Ich bin seit 1991 stolzer Besitzer und vorallem Spieler einer S-22 von George Lowden Guitars aus Irland aus dem Jahre 86/87. Die heutige Modelbezeichnung ist O22. Wenn euch ihre Geschichte, ihr Aussehen und ihr Klang interessiert dürft ihr euch gerne meinen Review-Bericht über sie durchlesen: Klick
1993 baute ich dann in sie einen K&K FanTaStick Stereo als Unterstegpiezo ein. Auch das könnt ihr in einem eigenen Review nachlesen: Klick
Wie ihr in diversen älteren Threads hier im Board lesen könnt, war ich mit dieser Abnahmemöglichkeit jahrelang absolut zufrieden und hatte mit ihm auch schon im Studio und Home-Studio meine Gitarrenparts aufgenommen. Außerdem hatte ich ihn live sehr oft auf der Bühne verwendet und bekam damit auch immer einen guten Sound hin!

Trotzdem hatte ich auch schon mehrmals eine Mikrofonaufnahme und auch schon die Kombination aus beidem verwendet, um doch noch etwas mehr von dem genialen Sound meiner Lowden einzufangen.
Um das vielleicht auch live zu machen und mich dabei bewegen zu können und nicht vor einem Mikrofonständer "genagelt" zu sein, entwickelte ich zwei spezielle Mikrofonhalter (klick) und testete an ihnen verschiedenste Mikrofone in meinem "Großen Mikrofonvergleich auf den DIY-Mikrofonhaltern an meiner Lowden S22".
Trotzdem kam davon live bisher noch nichts zum Einsatz, da mir die Montage und Demontage des Halters für 2-3 Lieder letztendlich einfach zu aufwendig war.
Da müsste der Aufbau einfach schneller gehen. :engel:

Inspiration durch das Musiker Board


Ich hatte dann über Empfehlungen hier im Musiker Board schon etwas mit dem L.R.Baggs Anthem geliebäugelt, da ich mir gut vorstellen konnte, dass ein internes "Tru-Mic" den Klang der Gitarre gut abnehmen könnte. Allerdings fand ich es doch ziemlich teuer und ich sah ich die Gefahr der Rückkopplung mit der Resonanzfrequenz des Gitarrenkorpusses. Das soll zwar durch das speziell entwickelte Mikro reduziert worden sein, aber trotz allem besteht die Gefahr schon bedingt durch die Art der Abnahme.
Natürlich hilft da eventuell ein Notch-Filter den man auf diese Resonanzfrequenz einstellt und ich testete einfach mal mit meinen vorhandenen Krawattenmikrofonen "den Sound aus dem Inneren der Gitarre" und war ganz angetan vom Klang wenn man diese "Dröhn-Frequenz" einfach deutlich rausdrehte.
Ich bekam jedenfalls den Eindruck, dass man auch mit einem "normalen" Mikro einen ganz annehmbaren Sound aus dem Inneren der Gitarre holen könnte.
Was mich am Anthem eben doch etwas störte war, dass es aktiv war und eine Batterie benötigte. Wenn man die dann tatsächlich ebenfalls im Korpus montiert, wird sie sicherlich im ungünstigsten Augenblick leer gehen - so ist jedenfalls meine Erfahrung als Gitarrist und Tontechniker in den letzten 33 Jahren - und es dauert eben die Saiten so weit abzuspannen bis man dann die Batterie wechseln kann...und man muss sie ja anschließend wieder spannen und die Gitarre stimmen. Das ist eigentlich keine Option für mich. Da gefiel mir der Grundgedanke um einiges besser im Gitarrenkabel das Mikrokabel ebenfalls heraus zu leiten und es dann extern mit einem Phantomspeiseadapter zu versorgen und per XLR dann in's Pult zu leiten.
Ob das allerdings mit dem Anthem möglich ist, wusste ich nicht, also spielte ich mit dem Gedanken da "was eigenes" zu bauen und zu testen.

Vorbereitung eines DiY-Tru-Mic-Systems


Ich schaute mir das L.R.Baggs Anthem auf den Bildern im Netz genau an um zu verstehen "wie die das denn machen" und sah eine Kondensator-Mikrofonkapsel mit etwa 10mm Durchmesser in einem runden Metallteil eingesetzt welches einige Bohrungen hat und dann in einem zweischaaligen Kunststoffteil sitzt, welches die Kapsel dann mit ein paar Milimetern Abstand unter die Gitarrendecke positioniert. Laut Beschreibung sind es ca. 3mm.
Daraufhin baute ich schonmal das runde Metallteil zur Mikrofonkapsel-Aufnahme passend zu meinen verschiedenen 10-mm-Kapseln und überlegte noch das Plastikteil aus Holz zu fertigen. Schließlich bin ich ja gelernter Schreiner. :engel:
Bei den Überlegungen blieb es aber erstmal aus Zeitmangel eine seeeeehr lange Zeit in der ich einfach weiterhin das Beste aus meinem K&K FanTaStick herausholte.
Hier mal das erwähnte Aluteil:
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Inspiration durch meinen weiteren Umbau


Mein DiY-Umbau des Sennheiser EW100 Handsenders mit lila Ring und 865er Kapsel (klick) lag nun auch schon eine ganze Zeit zurück und der beschaffte Phantomspeiseadapter wartete lange in einer Kiste auf seinen endgültigen Einsatz.
Als wir dann die Box für die 48V-Phantomspeisung gekauft hatten und das umgebaute Mikro so nicht mehr zum Einsatz kam (siehe Update) musste ich es umbauen um es überhaupt noch sinnvoll einsetzen zu können.
Dabei ging mir immer auch das zweite Mikro durch den Kopf, welches ich noch nicht umgebaut hatte. Für mich machte es aber absolut keinen Sinn beide umzubauen wenn ich schon eines kaum einsetzen konnte.
Also überlegte ich, ob ich eine andere Verwendung für eine gut klingende, schön große und pegelfeste Kondensator-Kapsel hätte:

Sennheiser ME 865


Und da schoß mir der Gedanke als Eingebung durch den Kopf diese Kapsel in meine Lowden einzubauen!
Dafür war aber mein vorbereitetes Metallteil natürlich viel zu klein. :nix:

Der Mikrofonklotz


Nun war natürlich wieder die Frage akut wie denn eine Mikrofonkapsel sinnvoll unter der Gitarrendecke als "Tru Mic" befestigt werden könnte. :confused:
Von meinem Paulus-Projekt lag immer noch der schöne zweiteilige Olivenholzklotz in der Werkstatt auf den das eingelassenen Kreuz montiert war:

Davon nahm ich den oberen Teil, der war schön leicht und trotzdem fest und hatte eine passende Größe.
Ich bohrte mit dem Forstnerbohrer ein 15mm-Loch hinein und erweiterte es vorsichtig auf 18mm damit die Kapsel inklusive Gummiaufhängung eingebaut werden konnte.
Dann senkte ich beidseitig das Dübelloch (welches ja von der Befestigung des Kreuzes in diesem Klotz schon drin war) mit einem 45°-Senker um den Klang der auf die Rückseite des Mikrofons aus dem Korpusinneren treffen würde, sauber zu kanalisieren. Durch dieses Loch sollte dann auch das Mikrofonkabel aus dem Klotz raus Richtung Endpin-Buchse geführt werden.

Das Befestigungs- und Abnahme-Konzept


Im Innenraum der Gitarre herrscht ein ganz eigener Klang, der natürlich vorallem durch die Resonanzfrequenz der Gitarre bestimmt wird. Es klingt dort eher wummernd, mit zu viel Bass. Um diesen Klang also nicht zu sehr dominieren zu lassen, überlegte ich mir folgendes Konzept:
Ich schnitt in ein 1,4mm dickes Spiegelklebeband von 3M ein großes Loch mit etwa 20mm Durchmesser.
Das Spiegelklebeband klebte ich dann auf den Mikrofonklotz und positionierte dabei das Loch über der Mikrofonkapsel. Anschließend schnitt ich den Rest auf die Klotzgröße zu.
Dann klebte ich den Mikrofonklotz mit diesem Klebeband von innen auf die Gitarrendecke unter den Steg.
Dadurch war die Membran nur etwa 2mm von der Decke entfernt und rundrum ziemlich abgedichtet.
Der Klang des Innenraums kann nur von hinten zur Membran.
Insofern unterscheidet sich das Konzept etwas vom "Anthem", denn es hat eine deutlich stärkere "Abdichtung" zwischen Korpusdecke und Membran und der Abstand war um einen Millimeter geringer.
Ich erhofte mir dadurch eine etwas höhere Rückkopplungsfestigkeit in Bezug auf den Direktschall der auf diese Weise nicht durch das Schalloch ins Innere der Gitarre und auf die Membran gelangen kann. Er müsste die Decke in Schwingung bringen und könnte nur dann aufgenommen werden.
"Von hinten" könnte der Klang allerdings zum Mikrofon. Da wollte ich keinen Druckbereich erzeugen und eher einen "halboffenen Klang" möglich machen. Vom Frequenzgang des 865, also der leichten Bass-Abschwächung, seiner Präzission in den Höhen und seinem hohen Grenzschalldruck von 150 dB, erhoffte ich mir einen gewissen Ausgleich zum bassreichen Innenraum der Gitarre und noch ausreichend Transparenz ohne zu schnelle Rückkopplungen trotz meiner Abdichtung und starken Kopplung eines 20mm-Durchmesser-Deckenbereiches und genügend Lautstärkefestigkeit.
Ich hoffte auch, dass der Klotz die Deckenschwingung nicht zu sehr beeinflussen oder dämpfen würde.
Natürlich kam dazu noch eine mechanische Verbindung der Kapsel über das Gummi und den Klotz und das Klebeband mit der Decke und dadurch ein nicht ganz unerheblicher Anteil an Körperschall-Übertragung.
Die konnte ich vorher nur ganz schwer abschätzen.

Der Anschluß


Ich lötete ein einadriges abgeschirmtes 3mm-Mikrofonkabel an die Mikrofonkapsel so an, dass der Schirm auch am Kapsellgehäuse angeschlossen ist und somit für ausreichend Schirmung vor Elektrosmog sorgen würde. Der Holzklotz wurde im Innenraum mit Graphitspray überzogen und eine kleine Litze wurde an den Schirm angelötet und zwischen Gummipuffer und Holzklotz eingeklemmt um eine Verbindung zur aufgesprühten Graphitschicht zu bekommen. Somit war die Kapsel auch "von hinten" geschützt und abgeschirmt.
Das Kabel ging dann durch das Dübelloch aus dem Klotz und wurde von mir an Ring und Masse der mittlerweile fast 30 Jahre alten Endpinbuchse angelötet.
In die Endpinbuchse konnte man bei dieser Anschlussweise also mit einem normalen Mono-Gitarrenkabel die Mikrofonkapsel kurzschließen und nur den Untersteg-Piezo verwenden, oder mit einem Stereokabel auch die Mikrofonkapsel aus dem Instrument abgreifen. Dazu ist auf der anderen Kabelseite ein Phantomspeiseadapter auf XLR und ein passendes Y-Kabel notwendig.

Bilder des Einbaus


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Das passende Y-Kabel


Ich nahm ein normales Mikrofonkabel und lötete auf der einen Seite einen 6,3mm-Stereo-Klinkenstecker an. Die rote Litze kam an den Ring, die blaue an die Spitze und das Schirmgeflecht natürlich an den Masseanschluss.
Auf der anderen Seite lötete ich einen 6,3mm-Mono-Klinkenstecker an. Die blaue Litze an die Spitze und das Geflecht an Masse. Zusätzlich ging ein dünneres Kabel in diesen Stecker. Ich lötete dessen Litze an die rote Litze und schrumpfte zur Isolation einen kleinen Schrumpfschlauch über die Lötverbindung. Das Schirmgeflecht des dünneren Kabels wurde parallel an die Masse des 6,3mm-Mono-Klinkensteckers angelötet.
Auf die andere Seite des dünneren Kabels kam dann ein 3,5mm-Mono-Klinkenstecker den ich in meinen Phantomspeiseadapter einstecken konnte und damit dann die Wandlung auf symmetrisches XLR vollzog.

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Das Kabel hat eine zusätzliche Leitung für den In-Ear-Kopfhörer (siehe Workshop)

Guter Klang, aber Kontaktprobleme


Ich steckte die große Stereoklinke in meine Endpinbuchse der Lowden S22 und die große Mono-Klinke in den Kanal 1 meines Marshall AS50D. Die kleine Monoklinke kam in den Phantomspieseadapter und dessen XLR-Stecker dann in Kanal 2, also den Mikrofonanschluß des Marshall.
Kanal 1 war also der schon ewig verbaute K&K FanTaStick Stereo und er klang wie immer.
Das neu eingebaute Sennheiser ME 865 kam auf Kanal 2 an und hatte leider ziemliche Kontaktprobleme in der alten Endpinbuchse.
Auch eine Behandlung mit Kontakt 601 und Kontakt 701 führte nur zu einer leichten Verbesserung.
Zumindest konnte ich meinen Test dann fortführen.
Ich drehte langsam auf und erhielt einen gut verwendbaren Sound, der noch etwas basslastig war. Ich drehte weiter bis zu einer leichten Rückkopplung und nutzte dann den Notch-Filter des AS50D um die Bass-Überbetonung und gleichzeitig die Rückkopplung zu eliminieren.
Und das, was dann übrig blieb war schön laut und klang richtig gut nach meiner Lowden!
Vorallem in einer Mixtur aus dem direkter klingenden Untersteg-Piezo und dem etwas indirekteren Mikro gefiel mir der Sound ausgesprochen gut!
Und es reichte dabei auch die etwas spartanische Klangreglung mit Bass- und Höhenregler in den jeweiligen Kanälen. :great: :D
Leider ist der Notch-Filter global für beide Kanäle und man muss dann wieder etwas mit dem Bassregler auch beim K&K gegensteuern. Aber trotzdem war der Sound wirklich deutlich besser und "natürlicher" als mit dem Untersteg-Piezo alleine.
Es blieb das Kontaktproblem, also machte ich mich auf die Suche nach einer neuen Endpinbuchse.
Ich fand schließlich eine passende, und hatte sie schon vorab in diesem Dreier-Review beschreiben, da ich gleich noch die Absturzgefahr durch die Verwendung von Security Lock eliminiert hatte:
Dreier-Kombi-REVIEW aus Endpinbuchse Göldo JA00G mit MusicNomad Acousti-Lok MN 270 und Harley Benton Security Locks

Das "Klotzmikro" in der Lowden S22 in der Praxis am XR18


Für manche Veranstaltungen, bei denen ich meine Lowden bisher mit dem Untersteg-Piezo direkt (passiv) in den Hi-Z-Eingang des XR18 auf der Bühne unseres CGS-Bistros eingesteckt und mit Monitorbox gespielt hatte, kam nun der spannende Moment wie sich denn das neue System in der Praxis bewähren würde.
Ich wollte natürlich die Kombination aus beiden Abnehmern verwenden, also schloß ich nun über mein Spezialkabel zusätzlich das interne Mikro über den Phantomspeiseadapter an einen weiteren Kanal über XLR an. Ich prüfte dann beide Signale und stellte den Klang jeweils separat ein.

Ein Hammer Sound


Und was soll ich sagen: Ich war echt total von den Socken, denn die Mikrofonkapsel des Sennheiser ME 865 übertrug den Sound der Gitarre richtig gut!
Ja, schon einzeln klangen beide Signale absolut brauchbar, aber erst in Kombination bekam der Sound dann Tiefe und Nuancen die mir sehr sehr gut gefielen!
Es war der Sound meiner Lowden mit neuen, ungeahnten Möglichkeiten und einer Natürlichkeit, die man sonst so nur bei Aufnahmen erreichen konnte!
Der Reiz lag tatsächlich in der Mischung aus beiden Signalen. Das machte die Gitarre vielschichtig, interessant und sehr ausdrucksstark!
Auf den Monitor legte ich das Mikrofonsignal aber nicht! Da blieb ausschließlich das Piezo-Signal, womit sowohl der Monitor-, als auch der kombinierte Sound im Bistro schön laut sein konnte ohne den Klang stark auf eine "Rückkopplungsfestigkeit" hin trimmen zu müssen!
Und der Unterschied im Klang wurde tatsächlich auch vom Publikum festgestellt, da einige sagten, dass die Gitarre heute besonders gut klingen würde!

Übertragung per Kabel oder per Funk


Ich hatte nun echt alle Möglichkeiten und konnte wahlweise ein normales Gitarrenkabel einstecken und nur den Piezo damit abnehmen,
oder ein spezielles Kabel verwenden und nur das Mikro abnehmen,
oder mein spezielles Stereokabel verwenden welches am Ende in einen 6,5mm-Mono-Klinkenstecker für den Piezo und einen 3,5mm-Klinkenstecker für den Phantomspeiseadapter des Kondensatormikrofons auffächern.
Oder ich konnte mit einem der beiden Signale meinen Line 6 Relay G30 (oder einen anderen) Sender füttern,
oder mit beiden Signalen zwei Sender.
Wenn ich jedenfalls beide Signale in getrennte Eingänge des Mischpults einspeiste, konnte der Tontechniker beide Signale getrennt bearbeiten und in passendem Maße verstärken.
Man konnte auch dann zu einer eventuellen Rückkopplungsvermeidung auf den Bodenmonitor beispielsweise nur das rückkopplungsfestere Piezosignal legen, oder beide auch stereo in ein In-Ear-Monitoring füttern.
Man hatte tatsächlich die volle Flexibilität und brauchte weiterhin keine teuren, batteriehungrigen und/oder rauschanfälligen Vorverstärker im/am Instrument oder Gürtel.
Da fand ich auch schon immer einen (oder zwei) Sender die bessere Alternative.

Volle Kontrolle durch Doppel-Anschluss an Line 6 POD HD500


Schon vor fünf Jahren hatte ich meinen Line 6 POD HD500 um das "HD Fully Loaded Bundle" erweitert und hatte dadurch unter anderem einen guten Akustik-Amp als Simulation mit weitreichenden Klangreglungsmöglichkeiten dazu bekommen.
Den hatte ich natürlich auch schon bisher für den Untersteg-Piezo der Lowden S22 verwendet.
Den Mikrofonanschluß des HD500 hatte ich bislang aber nur "mal getestet".
Nun programmierte ich mir zusätzlich zu meinen "normalen" Sounds für Geige, E-Gitarre usw, die ich normalerweise über den "Guitar"-Eingang per Funk anschließe, einen Doppel-Sound mit zwei Akustik-Amps mit dem "Aux"-Eingang für den Piezo und dem "Mic"-Eingang für das Mikrofon.
So konnte ich die Lowden an beide Eingänge per Spezialkabel und Phantomspeiseadapter dauerhaft anschließen und nur in diesem Sound aktiv schalten. Dann legte ich auf das eine Exp-Pedal das Volumenpedal für das Mikro und auf das andere das für den Piezo. und schon konnte ich die Sounds individuell mischen und natürlich getrennt einstellen.
Das war vorerst mal "zum Spaß" und "zum Test", wurde aber dann ganz schnell auch benötigt, denn...

...dann kam Corona und alles wurde anders


Am 12. März 2020 gingen wir noch davon aus, dass wir am 15. März einfach zum "normalen" Gottesdienst im Saal noch zusätzlich für die älteren in der Gemeinde eine Übertragung in unser Bistro machen und eben zusätzlich einen Stream in YouTube anbieten.
Dann überrollten uns die Ereignisse und Einschränkungen und wir machten "nur" den Stream am 12. und ab Montag den 16. März dann nur noch mit einem ganz kleinen Technik- und Lobpreis-Team.
Und ab der Woche war meine Lowden mit dem HD500 und dem Doppelabnehmer über Kabel sehr viel im Einsatz für die Lobpreis-Aufnahmen und Live-Übertragungen.
Da war ich froh, dass ich nun diesen guten Sound so abnehmen konnte und zur Verfügung hatte! :great:

Nachteile


Wie so vieles hatte das Klotzmikrofon aber auch seine negativen Anteile die ich euch nicht verschweigen möchte, bevor ihr vielleicht noch auf die Idee kommt das alles nachzubauen!
Gerade in den Spielpausen zwischen den Aufnahmen merkte ich wie empfindlich meine Lowden jede Berührung, jedes Klappern vom Gurt, jede Bewegung vor dem Bauch und jedes Drüberstreichen mit dem Ärmel übertrug! Ich merkte wie heftig der oben beschriebene Körperschall für mich die Freude am Mikrofon reduzierte. Ich hatte zwar einen großen Pegel aus dem Mikro, aber der Klang war mir dann auf Dauer doch etwas zu verwaschen und die Empfindlichkeit für Griff, Streich- usw. Geräusche waren mir etwas zu deutlich.

Hörprobe


Hier mal eine Aufnahme mit FanTaStick-Untersteg-Piezo und "ME865-Klotzmikro":
Der Eingang 2 meines Cakewalk UA 25-EX stand für den "FanTaStick" natürlich auf "HiZ".
Im Eingang 1 steckte das ME 865 mit Phantomspeiseadapter. Die Aufnahme lief parallel, ich werde sie hier aber auch einzeln einstellen. Sie ist komplett unbearbeitet:

Aufnahme ME 865 als "Klotzmikrofon"



Aufnahme K&K FanTaStick Stereo



Aufnahme "Stereo" gemeinsam. 50% links das Klotzmikro, 50% rechts der FanTaStick:




Fazit


Ich habe mir ein relativ rückkopplungsfestes, ungewöhnlich aufgebautes DiY-Mikrofon mit gutem Klang und vielen Möglichkeiten gebaut und in meine Lowden so integriert, dass keinerlei Elektronik oder Verstärkung notwendig war und es mit einem Stereokabel zusammen mit dem bereits verbauten Untersteg-Piezo zu zwei separaten Eingängen geleitet werden konnte. :juhuu:
Trotzdem hatte es durchaus Schwächen und der etwas indirekte Klang und die Empfindlichkeit für jegliche Korpusberührung war mir einfach zu hoch.

-> Der Gedanke reifte den Einbau nochmal umzubauen.

...und genau das tat ich einige Zeit später tatsächlich!

Ihr könnt gespannt sein! Die Fortsetzung folgt im nächsten Workshop!

...Fortsetzung folgt


Ich hoffe euch hat der Review interessiert. Es geht demnächst weiter, denn ich hatte das ME865 nun auf eine noch ungewöhnlichere Art eingebaut und schreibe im Moment schon fleissig auch an diesem Workshop!
Ich werde ihn dann auch hier verlinken. Wenn es euch also interessiert, dann klickt oben auf das "Auge" und beobachtet das Thema um dann die Ergänzungen mit zu bekommen.

Bis dahin wünsche ich euch weiterhin viel Spaß hier im Musiker-Board!
Vielen Dank für Euer Interesse! Seid gesegnet! Bis bald!

...wer noch mehr von mir lesen möchte, darf gerne durch meine Reviews und Workshops stöbern. :coffee:
 
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Mal wieder ein ausgezeichnetes Review von dir, macht wie immer Spass beim Lesen, selbst wenn ich mich nicht explizit für das Thema interessiere...
(oh Mann, du legst die Messlatte für Reviews ganz schön hoch;))
 
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Ja, auch von mir vielen Dank für den tollen Bericht!

Eine kleine Anmerkung hätte ich noch:

Was mich am Anthem eben doch etwas störte war, dass es aktiv war und eine Batterie benötigte. Wenn man die dann tatsächlich ebenfalls im Korpus montiert, wird sie sicherlich im ungünstigsten Augenblick leer gehen - so ist jedenfalls meine Erfahrung als Gitarrist und Tontechniker in den letzten 33 Jahren - und es dauert eben die Saiten so weit abzuspannen bis man dann die Batterie wechseln kann...und man muss sie ja anschließend wieder spannen und die Gitarre stimmen.

Diese Sorge ist völlig unberechtigt weil das Anthem eine sehr deutliche Anzeige für die Restspannung der Batterie hat und auch sehr Sparsam im Verbrauch ist.
 
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Danke für euer Lob und die Kekse!
Diese Sorge ist völlig unberechtigt weil das Anthem eine sehr deutliche Anzeige für die Restspannung der Batterie hat und auch sehr Sparsam im Verbrauch ist.
Gut zu wissen! Das freut mich sehr!

Ihr Lieben, ich war fleißig und habe nun den angekündigten dritten Teil fertig gestellt und veröffentlicht:

[Workshop] Einbau eines Sennheiser ME865 Mikrofonmoduls mit "DiY-Entkopplungs-Spinne" in meine Lowden S22 (O22)



Viel Spaß beim Lesen, Anschauen und Anhören!
 
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Mensch für hast ja schon mal so ne Eigenbauaktion gemacht. Und das war nicht genug? Mit der neuen Konstruktion hast du natürlich den Vogel abgeschossen. (Patent?) Glaub macht sich keiner so ne Mühe. Und dann erst der die Bauberichte. Da hängst du die Latte wirklich hoch. Schreib doch für Magazine.


Gruß Magnus
 

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