[Review] JTS CX-504, bühnentaugliches Headset für Gesang und Sprache

von deschek, 15.06.10.

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  1. deschek

    deschek HCA PA & Mikrofone HCA

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    Erstellt: 15.06.10   #1
    Das Headset JTS CX-504 für Gesangsanwendungen und Sprache gehört zu einer Familie klein bauender Kondensatormikrofone.
    Die Mikros bauen auf einer identischen Elektret-Kondensator-Kapsel auf. Sie unterscheiden sich in erster Linie durch die Anschlüsse, die Art und Bauweise der Halterung und damit der zugeordneten Anwendung.
    Der Straßenpreis des CX-504 liegt bei sehr günstigen ca. 65,-- und ist in Deutschland im Vertrieb von Monacor International.

    Das CX-504 läuft bis in die Präsenz recht linear und steigt in der Präsenz leicht an. Es betont leicht den gesamten Hochton bis zur oberen Nutzfrequenzgrenze von etwa 15kHz. In der Präsenz zeigt sich eine leichte Welligkeit, die aber nicht stört. Da das Mikro im Bass sehr linear tief geht, ist es dort sehr flexibel formbar, für viele Gesangsanwendungen wird sich aber ein Hochpass bewähren.

    Die Kapsel löst gut und natürlich auf, homogen ohne erkennbare Schwächen. Trotz der Anhebung in der oberen Präsenz bis Hochton klingt die Kapsel nicht scharf, ist also in diesem Bereich erfreulich klirrarm.

    Die Richtcharakteristik ist eine Standardniere, die recht homogen eingehalten wird. Im Hochton wird die Richtcharakteristik unregelmäßiger und es bilden sich Nebenkeulen aus, das bleibt aber in absolut praxisgerechtem Maß. Diese Richtcharakteristik führt zu einem insgesamt recht luftigen und offenen Klangbild, bedingt aber bei kritischem Monitoring etwas Rücksichtnahme. Gegebenenfalls hilft eine leichte Rücknahme dieses Frequenzbereichs, weniger wegen Feedbackneigung, sondern zur sauberen Trennung der Quellen. Bei direkter Nahbesprechung schottet die Richtcharakteristik sehr gut gegen Luftzug aus der Nase ab.

    Insgesamt ist das Klangbild natürlich, neutral und brillant ohne scharf zu sein. Sprache und Gesang sind direkt und setzen sich sehr gut durch. Ohne ausgeprägtes Sounding lassen sie jede Möglichkeit der Gestaltung offen.

    Das Eigenrauschen ist typischerweise bei so klein bauenden Condensern etwas höher als bei größeren Kapseln. Im Vergleich zur Konkurrenz ist das aber völlig im Rahmen, nur die absoluten und mehrfach teureren Referenzen sind rauschärmer.
    Die Empfindlichkeit ist eher niedrig, auch das bauart- und verwendungsbezogen typisch.
    Das Großsignalverhalten ist sehr gut, die Kapsel hat mit Direktbesprechung überhaupt keine Probleme.

    Allerdings ist die Kapsel windempfindlich, der verbaute Korb allein kann das nicht genügend bedämpfen. In vielen Fällen bietet sich daher die Verwendung des mitgelieferten Schaumstoffwindschutzes an, der sehr gut funktioniert. Der Windschutz der Instrumentalschwestermodelle CX-505, 506 usw. trägt etwas stärker auf, hat aber in kritischen Situationen noch Vorteile und verhindert alle unerwünschten Nebengeräusche sicher. Für sehr laute Sänger bei Direktbesprechung oder Sänger mit sehr lautem Umfeld wie Drummer würde ich eher zu diesem Windschutz raten.

    Das Headset ist recht einfach und robust gehalten, bietet aber sehr guten Tragekomfort. Es passt sich sehr gut an, lässt sich gut positionieren und hält die gewählte Position auch bei heftiger Bewegung sicher. Die Kapsel sitzt gut entkoppelt am Schwanenhals. Der Mikrofonarm kommt von der linken Seite, sinnvoll besonders für Drummer mit ja oft linksseitig stehendem Monitor. Der Monitor ist so im optimal toten Winkel des Mikros.
    Allerdings kann sich die Bauart des Headsets mit In-Ear-Monitoring stören, In-Ear-Anwender sollten also vor dem Kauf einen Tragetest mit beiden Systemen zusammen durchführen.

    Man sieht dem Mikro eindeutig an, dass es für Bühnensituationen oder Reportage ausgelegt ist und nicht für Konferenz oder Präsentation. Für solche Anwendungen mit eher schwieriger Beschallungssituation käme dann das CM-204U in Frage mit der selben Kapsel aber leichterem und dezenterem Headset.
    (Für die meisten Konferenz- und Tagungssituationen, immer wenn großer Wert auf Unsichtbarkeit der Technik gelegt wird, wie Theater und Musical, sind aber sicher hautfarbene leichte Headsets mit Miniaturkapseln heutzutage Standard. Auch hier hat JTS empfehlenswerte Modelle.)

    Anstelle eines integrierten Phantomspeiseadapters verfügt das CX-504 über den von JTS bei den Funkstrecken verwendeten vierpoligen Mini-XLR-Anschluss. Damit lassen sich diese Modelle an JTS-Funkstrecken betreiben oder völlig problemlos mittels der angebotenen Adapter an alle gängigen Funkstrecken etablierter Hersteller anpassen.
    Außerdem gibt es mit dem JTS PS-500 einen zweikanaligen batteriebetriebenen Phantomspeiseadapter, vergleichbar dem AKG-Modell. Der PS-500 gibt zwei Mikros gemischt auf einen XLR-Kanal wahlweise in Line- oder Mic-Pegel aus.
    Schluss endlich gibt es noch Singlephantomadapter für ein Mikro mit Vierpol-Mini-XLR auf XLR.

    Neben der sehr guten Eignung für Gesangs- und Sprachanwendungen eignet sich das CX-504 vorzüglich zur Mundstückabnahme bei Bläsern. Sei es als singuläres Mikrofon oder in Kombi mit einem Trichtermikrofon. Das CX-504 ist ja auch voll kompatibel zu dem genannten PS-500 Mischspeiseadapter. Es können also in Kombi aus CX-504 und CX-505 oder CX-508 auch zwei Kanäle sehr gut vorabgemischt auf einen Pultkanalzug ausgegeben werden.

    Die mechanische Qualität ist sehr gut, die Mikrofone sind robust und langlebig. Die Verarbeitung ist gut, obwohl der verwendete Kunststoff nicht unbedingt wertig aussieht.

    Auffällig ist bei JTS allgemein die sehr gute Serienkonstanz.
    Wer mal typische Hausmarken-Mikrofone durchgetestet hat, weiß, wie schwierig scheinbar im Budget-Bereich Serienkonstanz zu halten ist.

    Die CX-504 haben sich in den Tests auch im direkten Vergleich zu sehr anerkannten und mehrfach teueren Konkurrenten sehr gut behauptet. Auch bei kritischem Monitoring keinerlei Feedback-Probleme, für live uneingeschränkt empfehlenswert.

    Da hier keine Diskussion möglich ist, bitte bei Fragen einen Thread im entsprechenden Unterforum erstellen, oder PN an mich, dann erledige ich das...

    Ciao, Deschek
     

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