[Review] Mackie FreePlay Live (Portable Personal PA)

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Prolog

Die Idee zu diesem Review entstand, als ich mehr oder weniger durch einen glücklichen Zufall in Besitz einer Bose S1 Pro gelangt bin. Es muss doch etwas vergleichbares von einem anderen renommierten Hersteller geben, der nicht so ein Voodoo um seine Produkte macht, dachte ich mir. Violà: Mackie wartet aktuell mit einer Neuauflage seiner vor etwa drei Jahren eingeführten FreePlay-Serie auf, und das größte der drei Seriengeschwister, die FreePlay Live, bietet in etwa die gleiche Funktionalität wie die S1 Pro ;).


Einleitung

Mit der neuen FreePlay Live bietet der US-amerikanische Hersteller Mackie eine batteriebetriebene Mini-PA an, die zudem über Bluetooth-Funktionalität verfügt, und bewirbt diese als einfache Beschallungslösung für Musik Performance und Präsentationen. Inwiefern die etwa 400 € teure Box (Stand September 2018) den meiner Meinung nach doch eher durchwachsenen Eindruck des Ur-Modells toppen kann, soll im Rahmen dieses Reviews beleuchtet werden.

Lieferumfang, Ausstattung, technische Daten

Handlich kommt sie daher, die FreePlay Live, bei extrem leichten 4 kg Lebendgewicht und handlichen Abmessungen von 35,6 x 20 x 18 cm. Mit ihrem schwarzen formschönen Gehäuse (abgerundete Kanten) und einem schnörkellosen Frontgitter aus Metall macht sie zudem eine dezente elegante Figur.

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Das Gitter ist mit Akustikschaumstoff hinterlegt und verhindert zum einen eine Blick ins Innere, zum anderen eindringenden Schmutz bzw. einlaufende Flüssigkeiten. Es verbirgt einen 6"-Tieftonlautsprecher sowie zwei Kalotten-Hochtöner, die von der integrierten Endstufe mit insgesamt 150 Watt (75 W/RMS) versorgt werden und eine Stereowiedergabe bei einem maximalen Schalldruckpegel von 115 dB ermöglichen sollen. Die Trennfrequenz liegt bei 3 kHz, der Abstahlwinkel bei 90° (sämtliche Daten lt. Handbuch).

An der Oberseite wird das Gitter ein Stück weitergeführt, wo sich unter bzw. vor der haptisch guten Griffmulde die Bedien- und Anzeigeelemente der "Live" befinden:

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Herausstehende Potis, "richtige" Tastschalter oder ein Display sucht man hier vergebens, die Bedienung erfolgt über die als Folientaster ausgeführte Symbole direkt an der Gehäuseoberfläche mit zugehörigen LEDs :great:. +/- ist hierbei für die Lautstärke der drei Input-Kanäle (1, 2 und Bluetooth) zuständig; nach 5 Sekunden ohne Auswahl eines dieser Kanäle per kurzem Druck wechselt die Kontrolle auf den Main Output, also die Gesamtlautstärke der FreePlay. Angezeigt werden diese Pegel über die 6-stufige LED-Kette im unteren Bereich dieser Sektion. Drückt man länger auf das Bluetooth-Symbol, dient dies zum Pairing (Verbinden) der FreePlay Live mit dem entsprechenden Zuspieler. Außerdem ist auch die Kopplung mit einer weiteren FreePlay möglich, egal ob "Live", "Home" oder "Go". Hierzu muss bereits eine Bluetooth-Kopplung der ersten Box mit dem Zuspieler bestehen, und man drückt die Bluetooth- und "+"-Knöpfe gleichzeitig, bis die Bluetooth-LED blinkt. Diese Prozedur wiederholt man an der zu koppelnden Box, benutzt allerdings statt der "+"- die "-"-Taste.
Ähnlich wie die Lautstärkeregelung verhalten sich die RVB- (Reverb) und EQ-Schaltflächen: Zuschaltung des per FreePlay Connect ausgewählten Effekts (s. u.) sowie der Klangcharakteristik (Main Equalizer) - letztgenanntes für Bluetooth-Playbacks ("Music") oder Live-Musik ("Live").

Auf der Rückseite der Box befinden sich sämtliche Anschlüsse:

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  • Mon Out: Mono-Summe (Pre Main Fader) der anliegenden Signale zum Weiterschleifen an eine weitere Box, ausgeführt als symmterische (TRS-) Klinkenbuchse 6,35 mm
  • Aux In (BT): Anschluss für einen kabelgebundenen Zuspieler, ausgeführt als (unsymmetrische) Stereoklinkenbuchse 3,5 mm. Achtung: Benutzt man diesen Anschluss, ist keine zeitgleiche Nutzung eines Bluetooth-Zuspielers mehr möglich!
  • 1/2: Eingänge für Mikrofone und weitere Mono-Signalquellen (Instrumente), universell ausgeführt als XLR-Klinken-Combobuchse.
Rechts davon befinden sich der Hauptschalter sowie die Buchse für das Netzteil. Leider handelt es sich um ein sog. "Tischnetzteil" (wie bei Notebooks) und nicht um ein Steckernetzteil (wie bei Smartphones), und die Buchse an der Box besitzt kein Öse für die Zuentlastung.

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Apropos Stromversorgung: Beim Einschalten der Box wird der Ladestand des internen Akkus für 10 Sekunden über die LED-Kette an der Oberseite angezeigt. Mackie verspricht im Handbuch eine Laufzeit des fest verbauten 14,4-Volt-Lithium-Ionen-Akkus (2600 mAh) von bis zu 15 Stunden.

Auf der Unterseite ist neben zwei großen Anti-Rutsch-Flächen mittig ein Flansch zur Montage der "Live" auf einem herkömmlichen Mikrofonstativ, jedoch nicht auf einem 35-mm-Lautsprecherstativ, im Gehäuse eingelassen.

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Als Zubehörteil liegt ein Flanscheinsatz mit 1/2"-Gewinde bei, das bei Benutzung ein Verdrehen der Box verhindern soll. Für gängige Stative benötigt man noch ein Reduzierstück auf 3/8"-Gewinde - schade, dass dies nicht direkt beiliegt :nix:.

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Im Gegensatz zum Vorgängermodell (s. o.) besitzt die FreePlay Live keinen integrierten Schrägsteller bzw. die Gehäuseform ermöglicht kein Schrägstellen ohne separate Hilfsmittel.

FreePlay Connect App

Bei aktiviertem Bluetooth-Pairing ist über die spezielle Mackie FreePlay Connect App die Steuerung der Box möglich. Zusätzlich besteht hierüber dann auch exklusiv Zugang zu einigen weitergehenden Funktionen, die man nicht direkt an der Box vornehmen kann.
https://itunes.apple.com/de/app/mackie-freeplay-connect/id1374436917?mt=8 (iOS)
https://play.google.com/store/apps/details?id=com.mackie.freeplayconnect2 (Android)

Die Bedienoberfläche der App hat Mischpult-Charakter und zeigt im Hochformat alle Funktionen auf einen Blick:
  • Kanal 1 (Kanal 2 identisch)

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  • Kanal Bluetooth

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  • Main

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Selbstverständlich kann man sie auch im Querformat nutzen, dann bleibt bleibt jeweils der zu bearbeitende Kanalzug (also 1, 2 oder BT) links und der Main Kanal rechts sichtbar, und die Einstellmöglichkeiten werden dazwischen eingeblendet - clever! Hier exemplarisch für Kanal 1:

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Für die Inputs 1, 2 und BT ist jeweils ein 3-Band-EQ mit festen Center-Frequenzen (250 Hz, 1 kHz und 2 kHz) zuschaltbar - Anheben und Absenken kann man durch Anfassen und Ziehen der "Punkte" ;).
Zudem ist für die Kanäle 1 und 2 ein Reverb Send verfügbar, d. h. es lässt sich der Signalanteil bestimmen, der dem Effektprozessor zugeführt wird.

Die Einstellungen für den Main Kanal sind in 4 Reiter aufgeteilt:
  • Audio (Reiter wird sichtbar bei Auswahl des Main Kanals - s. o.):
    Reverb On/Off: Aktivieren und Deaktivieren des Effektprozessors
    Speaker Mode Music/Live: Einstellen der Klangcharakteristik
  • Bluetooth
    Auto Connect On/Off: Darf sich die Box automatisch verbinden, oder nicht?

    Link Mode Stereo: Koppeln von zwei FreePlays zu einem Stereosystem (Teilung links/rechts)

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    Link Mode Zone: Koppeln von zwei FreePlays für Mehrzonen-Beschallung (identisches Stereosignal)

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    Primary: Welche Box soll bei der Kopplung der Master sein?
  • Memory: Laden und Speichern von bis zu drei Setups (Pegel, EQ, Reverb etc.)

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  • About: Links zu Kontaktformular, Handbuch, Videos etc. auf der Internetseite von Mackie; Lösen der Bluetooth-Kopplung

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Generell lassen sich auch die FreePlay Go und die FreePlay Home als "Slave" mit der FreePlayLive koppeln, aber der Clou ist, dass bei der Kopllung zweier "Live" lt. Dokumentation alle Inputs beider gekoppelten Boxen nutzbar bleiben. Leider stand mir nur eine einzelne Box zur Verfügung, so dass ich dieses interessante Feature nicht testen konnte :(.
Bedauerlicherweise existiert keine App für Mac oder PC, d. h. auf die Features kann man nur mit einem Mobilgerät zugreifen.

Praxiseinsatz, Fazit

Wie von meinen vorherigen Reviews gewohnt, wurde die FreePlay Live zunächst im Wohnzimmer mit Konserve (iPhone via Bluetooth) gefüttert. Keine Überraschung war der Klang, der eher auf HiFi als auf PA getrimmt ist - diesbezüglich hat mir das o. g. "Live"-Preset etwas besser gefallen als das "Music"-Preset. Und durch die beiden Hochtöner ist tatsächlich ein Stereo-Klangbild hörbar :).
Leider war der Testzeitraum sehr knapp bemessen, so dass ich ich mich auf ganz wenige Praxiseinsätze beschränken musste und nicht mit Langzeiterfahrungen aufwarten kann.
Als Verstärker für eine Akustikgitarre hat mir die FreePlay Live sehr gut gefallen - natürlicher durchsetzungsfähiger Klang :great:.Was etwas negativ auffällt: Bei hohen Pegeleinstellungen der Inputs ohne anliegenden Nutzpegel rauscht die Box doch recht stark :rolleyes:. Hier muss man also Vorsicht walten lassen.
Haupteinsatz war dann die Ausstattung einer Festzugs-Moderationsstelle bei einem Trachtenfest in einer osthessischen Stadt ;):

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Anforderungen waren ein schneller Auf- und Abbau sowie eine einfache Bedienung ohne Fachpersonal. Hierzu bekamen die beiden Moderatorinnen neben der FreePlay (und sicherheitshalber dem Netz-/Ladegerät) ein Mikrofonstativ und zwei Beyerdynamic TG-X58 nebst zugehörigen 10-Meter-XLR-Kabeln in die Hand gedrückt - die Konfiguration hatte ich selbst vorgenommen (Inputs und Gesamtlautstärke auf ca. 80%, Klangeinstellungen neutral). Die Aufstellung der Box erfolgte schräg "in den Festzugsweg hinein", und da ich selbst Teilnehmer des Festzugs war, konnte ich mich davon überzeugen, wie die FreePlay Live den Job erledigte :D. Es war kein Brachialpegel gefordert, und sowohl Zuschauer als auch Teilnehmer konnten in der "Einflugschneise" um die Box die Moderation in etwa 15 Metern Entfernung deutlich verstehen. Da es zwischendurch auch leicht zu nieseln anfing, konnte die FreePlay Live auch gleich ihre Wetterfestigkeit unter Beweis stellen - hier gab es ebenfalls keine Beanstandungen.

Insgesamt gefällt mir die zweite Generation der FreePlay besser als ihre "Urahnin". Die "Live" ist im Vergleich zum Vorgängermodell deutlich erwachsener geworden und kann bedenkenlos für kleine PA-Einsätze, wie Spontangigs von Singer-Songwritern und Präsentationen verwendet werden - ganz abgesehen von ihren Qualitäten als Konserven-Spieler für Partys :cool:. Die Bedienung ist intuitiv, speziell in Verbindung mit der durchdachten App, und die Bluetooth-Verbindung funktioniert bei freier Sicht stabil bis in knapp 10 Metern Entfernung. Kleine Punktabzüge gibt's von mir für Netzteil bzw. zugehörige Buchse, den nicht ganz praxistauglichen Stativflansch sowie die Tatsache, dass die weitergehende Steuerung nur über ein Mobilgerät möglich ist, nicht über einen Mac oder PC.
 
Eigenschaft
 
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das größte der drei Seriengeschwister, die FreePlay Live, bietet in etwa die gleiche Funktionalität wie die S1 Pro ;).

Hierzu möchte ich auch, ohne dem Review zur S1 Pro allzu viel vorwegzunehmen, noch ein paar Worte verlieren:

Die Basswiedergabe gefällt mir bei der Bose S1 Pro besser - etwas "runder" und tiefer. Generell ist das HiFi-"Mittenloch" bei der FreePlay Live aber weniger ausgeprägt, d. h. sie ist "musikalischer". In den Höhen ist die Mackie für meinen Geschmack tatsächlich einen Tick durchsetzungsfähiger :great:.
Die Verwendung der App ist bei der FreePlay Live ein Muss, wenn man mehr machen möchte als laut und leise. Ohne geht es fast nicht - im Gegensatz zur S1 Pro. Dementsprechend bietet die Freeplay-App auch deutlich mehr Funktionen als das Pendant von Bose. Dafür ist die S1 Pro, was die Aufstellmöglichkeiten betrifft, deutlich flexibler, und der Kaltgeräteanschluss gefällt mir persönlich besser als das separate Netzteil, das man bei der FreePlay Live verwenden muss.
 
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Super Review, vielen Dank dafür :great:.
Kurze Frage zur Kopplung einer zweiten FreePlay Live: Die zweite muss, wenn es richtig verstanden habe mit der ersten per Bluetooth gekoppelt werden, dann sollten die 10m auch für diese Verbindung gelten?
Da schreibst Du noch dass auch die Eingänge der zweiten die über Bluetooth gekoppelt ist verwendet werden kann, wie sieht dann die Steuerung über die App aus?
Viele Grüße und Danke im Voraus.
 
Die zweite muss, wenn es richtig verstanden habe mit der ersten per Bluetooth gekoppelt werden, dann sollten die 10m auch für diese Verbindung gelten?
Da schreibst Du noch dass auch die Eingänge der zweiten die über Bluetooth gekoppelt ist verwendet werden kann, wie sieht dann die Steuerung über die App aus?

Ersteres ja, zu letzterem kann ich leider nichts sagen, da ich wie gesagt nur eine einzelne FreePlay Live zum Testen da hatte. Vielleicht kann aber der Produktspezialist @dimitri_mackie etwas dazu sagen, falls das aus dem oben verlinkten Handbuch oder der Produktseite nicht hervorgeht?
 
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Hallo Wil,

Danke für die ausführliche Beschreibung der Freeplay Live.
Jetzt kann ich mir schon was vorstellen.
Gruß Horst
 

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