[REVIEW] P&H - Violin Bow Fiberglas 4/4 - Der Geigenbogen, bei dem man die Haare selbst wechseln kann

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[REVIEW] P&H - Violin Bow Fiberglas 4/4 - Der Geigenbogen, bei dem man die Haare selbst wechseln kann​

Vorgeschichte​

Die Vorgeschichte zu diesem Bogen ist schon etwas länger. Ihr findet sie hier:
Thema '[REVIEW] P&H - Violin Bow Carbon Fiber 4/4 - Der Geigenbogen, bei dem man die Haare selbst wechseln kann'
In Kürze: Ich hatte mal einen Carbonbogen von P&H mit dem Rehairing-System und war mit ihm glücklich. Er ging leider kaputt und konnte trotz Garantie nicht mehr ersetzt werden, da Thomann ihn seit 2023 nicht mehr im Programm hat. Deshalb bekam ich am 5.1.2026 per Gutschrift mein Geld zurück.
Ich hatte aber sehr gerne mit ihm gespielt und wollte zumindest einen ähnlichen Bogen mit dem Vorteil des Rehairing-Systems:

View: https://youtu.be/OoradAQmXp8?si=t8Q9WShOWetRfPzW

Alternative Bögen von P&H London mit dem Rehairing-System​

Ich spielte den P&H-Carbonbogen zwei Jahre und 9 Monate. Es wurde mein Hauptbogen da er sich ganz schnell zu meinem Lieblingsbogen etabliert hatte! Ich hatte immer noch die ersten Bogenhaare drauf, da ich sehr guten Gripp und eine gute Ansprache hatte. Die Ersatzhaare hatte ich ja direkt schon beim Bogenkauf mit gekauft. Damit hatte ich die Gewissheit, dass ich sie jederzeit tauschen kann, wenn mir die Ansprache nicht mehr reichen sollte. Aber nicht nur wegen den vorhandenen Ersatzhaaren wollte ich auf jeden Fall einen P&H-Bogen mit diesem Rehairing-System spielen. Mir gefiel einfach das Konzept und das wollte ich nicht mehr hergeben!
Die anderen P&H-Bögen bei Thomann waren nicht aus Carbon, sondern aus Fiberglas und deutlich günstiger: 4/4-P&H-Geigenbögen bei Thomann
2021 hatte ich mich eben für den vermeintlich hochwertigeren Bogen aus Carbon entschieden, aber nach dem Defekt und der Entdeckung des Metallteils in der Spitze, war ich mir nicht mehr sicher, ob der Carbonbogen wegen dem höheren Produktionsaufwand, oder dem besseren Endergebnis deutlich teuerer war als die Fiberglas-Bögen von P&H ?
Also ging ich auf die Internetseite von P&H London und suchte dort nach Hinweisen für die Qualitätsunterschiede bei den Bögen:
P&H London Geigen-Bögen
Ich fand hierzu auf dieser Seite zwar einige Hinweise: P&H-bows: making our bows . Dort liest man: Wir produzieren unsere Kohlefaser-Reihe von Bögen in ähnlicher Weise wie unsere Glasfaser-Reihe, obwohl das Material anders ist. Kohlefaser bietet ein höheres Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht als Glasfaser, bietet aber keine so gute Schlagzähigkeit. Der Carbon-Bogenstab ist steifer und leichter als der aus Fiberglas, was dem Spieler eine größere Empfindlichkeit beim Streichen der Saiten verleihen kann. ... Wir verwenden eine Reihe von Materialien für unsere Teile. Der Frosch, die Spitze, der Nockenkeil und der Schieber auf der Standard-P&H-Glasfaserserie sind aus ABS gefertigt und wir fertigen sie selbst als Spritzguss mit eingelegten Metallteilen. Die Carbon-Serie verwendet Ebenholz und versilberte Metallteile.
Der Carbonbogen hatte also einen Ebenholz-Frosch mit echtem Pariser Auge und den schöneren Abalone-Slide, sowie versilberte Metallteile. Eine schönere und bessere Ausstattung ist normalerweise ein Hinweis auf einen "besseren" Bogen. Auf der anderen Seite brauchte ich dieses "schönere Aussehen" nicht für das Spielen mit dem Bogen. Ob das aus Abalone, versilbertem Metall, oder ABS-Kunststoff ist, ist mir eigentlich egal, solange der Bogen gut spielt, sauber auf den Saiten liegt, schön springt und von Forte bis Pianissimo einen sauberen Ton aus meinen Saiten holt. @Stollenfiddler vermutete später in meinem Review über den Carbonbogen Mit einer Nacht drüber schlafen gehe ich inzwischen eher davon aus, dass hier die Gewichtsverteilung im Bogen verbessert wurde, die ganzen Verbundmaterialien sind ja etwas leichter als Holz, wenn dann der Frosch "normal" wiegt, muss an der Spitze ein Gegengewicht hergestellt werden.
Das konnte ich mir auch gut vorstellen und hoffte, dass die Fiberglasbögen durch ihr größeres Eigengewicht vielleicht kein so dickes Metall-Gewicht benötigen und dafür eine bessere Verbindung von Stangenrohr und Spitze haben.

Was man nicht ausprobiert, wird man nicht erfahren​

WIe auch immer - wenn ich es nüchtern betrachtete gab es für mich keine echte Alternative. Wenn ich das Rehairing System weiterhin wollte, musste ich den deutlich günstigeren Fiberglas-Bogen testen, oder mir einen anderen Lieferanten suchen.
Also entschied ich mich dazu dem Fiberglas-Bogen eine Chance zu geben und ihn als Alternative zu testen:

P&H Violin Bow Fiberglass 4/4 BK

in schwarz

P&H Violin Bow Fiberglass 4/4 BR

in braun

Bestellung und schnelle Lieferung​

Am 6.1.2026 bestellte ich dann gleich zwei Bögen. Einen in Schwarz für meine eher dunklere, normale Geige (Modell 1000) und einen in Braun für meine eher bräunlichere Oktavgeige (Modell 100). Gespannt wie ein Flitzebogen erwartete ich deren Lieferung! Sie traf bereits am 10. Januar bei mir ein.

Unboxing​

Die Bögen wurden gut verpackt in einem großen und stabilen Karton geliefert.
Sie steckten in einer Plastiktüte mit der Anleitung für das Rehairing System (Download als PDF).
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Verarbeitung​

Beide Bögen waren gut verarbeitet und schön gerade.
Der Frosch war aus besagtem schwarzen ABS und auch der herausschiebbare Teil ist aus warmweißem ABS mit der Aufschrift P&H Bows. Die Kanten sind stärker verrundet als bei meinem Carbon-Bogen. Der Bogenstab ist im Bereich des Frosches achteckig, aber vom Bogenleder bis zur Spitze dann rund. Das "Pariser Auge" ist ebenfalls aus ABS und hat die selbe warmweiße Farbe. Das Bogenleder und der schwarz/weiß geringte Auflageschutz für den Zeigefinger sind schlicht, aber gut verarbeitet. Die Spitzen sind schön verrundet und wieder minimal breiter als bei meinen Holzbögen. Die Abdeckung der Spitze ist ebenfalls aus dem warmweißen ABS-Kunststoff. Die Bogenstangen sind einfarbig braun, bzw. schwarz und schön glatt. Ich denke sie sind dadurch leicht zu reinigen. Die Bogenhaare sind weiß, aber nicht reinweiß. Sie sind ja absichtlich nicht gebleicht worden, da das die Haarstruktur angreifen soll.
Vom Gewicht her sind beide Bögen etwas leichter als die Karbon-Version (67,6g) und mit 57,8g und 58,8g näher am Gewicht meiner Holzbögen (61,5g, 62,5g + 63,7).
Die Haare sind schön gleichmäßig lang und gut geordnet.
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Bogenbalance​

Vergleich des Schwerpunkts auf einer Tasse​

Um die Gewichtsverteilung zwischen Spitze und Frosch zu vergleichen legte ich beide Bögen wieder in ihrem Schwerpunkt auf eine Tasse. Sie sind beide einen Hauch "Spitzenlastiger" als meine Holzbögen, welche ich wieder dazu legte.
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Anspielen der Bögen auf der Geige (ohne Kolofonium)​

Nun ging es mit den Bögen auf die Saiten. Natürlich kommt ohne Kolofonium kein Ton und die "Spurstabilität" ist ohne dessen Haftung viel geringer. Trotzdem reicht es für einen ersten Eindruck und beide Bögen lagen gut auf den Saiten bei Legato-Strichen. Sie sprangen gut im Spiccato bei verschiedenen Geschwindigkeiten. Sie lagen gut im Staccato an der Spitze.
In Summe verhielten sie sich soweit gut und gewohnt.

Sie dürfen beide bleiben​

Beide Bögen waren grundsolide und ich kam gut mit ihnen zurecht. Deshalb entschied ich mich dafür, dass sie bleiben dürfen.
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Bei diesen Bögen habe ich das Wechseln der Haare nicht erneut getestet. Das hatte ich ja schon bei ihrem Vorgängerbogen gemacht. Wenn euch das interessiert, dann schaut euch die Bilder im alten Review an:
Thema '[REVIEW] P&H - Violin Bow Carbon Fiber 4/4 - Der Geigenbogen, bei dem man die Haare selbst wechseln kann'
Sobald meine Bogenhaare gewechselt werden müssen, werde ich den Wechsel dann auch hier dokumentieren. Versprochen!
 
Zuletzt bearbeitet:

[Review] Geipel - Violin Rosin Allergiker-Rosin - Hypoallergenic​

Ich hatte mir das Antialergic-Kolofonium von Walter Geipel schon im Januar 2024 gekauft und hatte es damals von Anfang an gleich mit dem P&H-Carbon-Bogen verwendet.
Eigentlich hätte ich damals gerne wieder das RDM Mini Rosin gekauft, über welches ich 2022 ein Review geschrieben hatte:
Thema '[REVIEW] RDM - Mini Rosin - Das antiallergische Kolofonium im praktischen Holzrahmen mit Kunststoffdeckel'
Aber leider war es nicht mehr im Sortiment von Thomann. Ich machte mich also damals wieder auf die Suche nach einem Kolofonium welches weniger in der Nase beißt, aber trotzdem gut funktioniert.
Die Auswahl war nicht sehr groß, aber ich fand das Antiallergic-Rosin von Walter Geipel und freue mich, dass es weiterhin im Thomann-Sortiment erhältlich ist:
Geipel Rosin Antiallergic

Ein Antiallergic-Kolofonium von einem deutschen Hersteller aus Bubenreuth war auf jeden Fall einen Versuch wert und ich wurde nicht enttäuscht!
Es trägt die Nummer 99 auf der Herstellerseite und ist, wie alle Sorten an Geipel-Kolofonium, wohl aus reinem Pinienharz hergestellt.

Gut verpackt in einer Kunststoffbox​

Es kommt in einer kleinen Kunststoffbox und sitzt ganz klassisch in einem runden Papp-Träger, in welchem ebenfalls ein Schutztuch sitzt, in welches das Kolofonium zum Transport und zur Aufbewahrung eingeschlagen werden kann. Dieses Tuch ist ganz praktisch, da man es bei entsprechender Haltung auch als "Führungsbegrenzung" für den Bogen beim Aufreiben des Kolofoniums verwenden kann. Damit vermeidet man klebrige Finger.

Sehr gute Qualität​

Ich machte von Anfang an gute Erfahrungen mit dem Kolofonium und verwendete es bisher ausschließlich mit meinem Carbonbogen, da man es vermeiden sollte verschiedene Kolofoniumsorten auf den selben Bogenhaare zu mischen.
Es ist zwar richtig Arbeit, bis man einen neuen Bogen mit diesem Kolofonium so weit spielbereit eingerieben hat. Aber das ist wahrscheinlich bei jedem Kolofonium so.
Nach gut 10 Minuten intensiven Reibens der Bogenhaare über das Kolofonium schien jedenfalls genügen Kolofonium an den Haaren kleben geblieben zu sein. Die Pferdehaare sahen nun sehr weiß aus und meine Geige gab beim Streichen endlich den ersehnten lauten Ton von sich, den man von einem neuen Geigenbogen erwartet. Ich hatte die Haare noch nicht ausgeblasen und somit stieg beim Streichen eine kleine, feine Staubwolke auf, welche keinerlei allergische Reaktion in meiner Nase erzeugte! Hallelujah! So soll es sein! Es roch einfach nur nach Kolofonium - sonst nix.
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Der Streichtest - Bogen und Kolofonium als Einheit​

Der Bogen erzeugte bei jedem Streichtempo schöne, klare Töne. Und das auch auf den etwas schwerer ansprechenden Oktavsaiten meiner Oktavgeige. Ich konnte super langsam streichen und der Ton stand auch dann sofort und schön leise. Von Pianissimo bis Fortissimo machte der Bogen dank gutem Kolofonium und frischen Haaren eine gute Figur und es machte Spaß mit ihm zu spielen! Spiccato, Staccato, Detaché, Legato - egal wie laut, oder leise - der Bogen machte das, was ich machen wollte. Zumindest im Rahmen meines Könnens. Bei Sautillé, dem schnelleren Springbogen, hatte ich meine üblichen Probleme, die aber eher daher kommen, dass ich als Linkshänder bei sehr schnellen Abläufen in der rechten Hand eben meine Probleme habe. Auch Ricochet, der Wurfbogen, ist jenseits meines Könnens. Alle liegenden Stricharten und normaler Springbogen, waren kein Problem.
Deshalb trug ich das Kolofonium dann auch auf den zweiten Bogen auf und legte ein weiteres Geipel-Antiallergic-Kolofonium in den virtuellen Einkaufswagen meines Thomann-Kontos. Ich möchte in beiden Koffern einen guten Bogen und ein gutes Kolofonium haben um jederzeit spielen zu können.

Praxiseinsatz bei der Probe​

Heute Abend konnte ich dann den Praxiseinsatz mit der Band auf der Bühne bei der Probe testen. Ich spielte bei zwei Songs Geige und war begeistert wie gut die Töne ansprachen, wie leicht ich streichen konnte und wie selbstverständlich die Töne strahlten!
Sowohl der (schwarze) Bogen, als auch das Kolophonium sind wirklich klasse und es macht Spaß sie einzusetzen!
Am Samstag und am Sonntag ist Auftritt! Ich freue mich darauf!

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Fazit Geipel Kolophonium​

Das Geipel Allergiker-Kolofonium ist sehr gut. Die Bogenhaare haben guten Gripp und es hält sich lange auf den Bogenhaaren. Somit kann man lange spielen und muss nicht jedes Mal die Bogenhaare neu einreiben. Es beißt nicht in meiner Nase und ich bin rundum mit ihm zufrieden.
Absolute Kaufempfehlung!

Fazit P&H Fiberglasbögen​

Die beiden Fiberglasbögen von P&H sind gut verarbeitet, schnurgerade und spielen sich wirklich sehr gut! Soweit ich die verschiedensten Stricharten beherrsche, konnte ich sie alle mit diesen Bögen gut umsetzen. Sie sind vom Aussehen her etwas schlichter als der bisherige P&H-Carbonbogen, machen aber was sie sollen. Somit kann man sie getrost mit auf die Bühne nehmen ohne Angs um sie haben zu müssen. Beim Preis einer Bogenbehaarung sind sie eine nachhaltige Alternative um das kostbare Fernambuk-Holz den hochwertigen Bögen zu überlassen. DIe Ersatzhaare sind günstig und man kann sie ohne Werkzeug selbst wechseln. Trotzdem halten sie sehr lange. Ich konnte mit der ersten Behaarung meines (leider defekten) Carbonbogens über zwei Jahre problemlos streichen und bin mir sicher, dass sie noch eine ganze Weile gehalten hätten!
Absolute Kaufempfehlung!
Ich hoffe euch haben beide Reviews gefallen! Vielen Dank für euer Interesse! Wenn ihr Fragen dazu habt, dürft ihr sie mir gerne hier im Thread stellen!

Ich wünsche ich euch weiterhin viel Spaß im Musiker-Board!
Seid gesegnet und bis bald! Euer GeiGit

...wer noch mehr von mir lesen möchte, darf gerne durch meine Reviews und Workshops stöbern.
 
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