[Review] Phonic Summit Digitalpult

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RaumKlang
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Hier nun das versprochene Review zum

Phonic Summit




Überblick:

Mit dem Phonic Summit haben wir ein digitales Mischpult mit 16 Inputs, 8 Auxen, Motorfadern und Touchscreen im 19" Format vor uns.

Ausstattung:
17 Motorfader 100mm
16 Mic/Line-Eingänge (XLR/TRS) mit Insert, 20dB PAD und Gainregler
8 Auxe (intern), routbar auf die (2) internen Effekte oder insgesamt 8 Multi-Outs
8 Subgruppen, routbar auf den Master oder die Multi-Outs
8 Multi-Outs (TRS), beschickbar von Aux 1-8 oder Group 1-8

Alle Ein- und Ausgänge verfügen über: Delay, EQ, Gate, Expander, Kompressor und Limiter.

Hinzu kommen: AES/EBU Ein- und Ausgang, Wordclock Ein- und Ausgang sowie ein 2-TRack Ein- und Ausgang (Cinch). Der 2-Track in lässt sich über einen Schalter auf die Kanäle 15/16 routen.
Alle Kanäle verfügen weiterhin über die obligatorischen Taster für On/Mute, Solo und Select.

Zentrales Bedienteil ist der Touchscreen mit Farbdisplay, 6 unter dem Display angebrachte Soft-Keys und ein Jogdial mit Cursortasten.
Die Stromversorgung besorgt ein externes Netzeil mit Hohlstecker und Zugentlastung am Gehäuse des Pultes.


Start
Beim Einschalten des Pultes leuchten zuerst die LEDs in allen Fader Mode, Layer Mode, Select, Solo und On Tastern auf. Dann werden die Fader in Mittelstellung gefahren und nach etwa 15 Sekunden erscheint das Phonic-Logo auf dem Display.
Nach 43 Sekunden zeigt sich ein Statusbalken auf dem Display, die Fader fahren auf minus unendlich und die LEDs verlöschen. Bei etwa 1:27 erfolgt ein Test der internen (9) DSPs.
Der gesamte Bootvorgang dauert etwa 2 Minuten und 15 Sekunden, nach dessen Abschluß erscheint die Frage "Recall previous settings?" auf dem Display. Nach der Auswahl "yes" erscheint der Standardbildschirm im Display und das Pult ist betriebsbereit.

Hier zeigt sich schon das erste Problem: Sollte, warum auch immer, einmal der Strom ausfallen (Netzteilstecker rausgerissen, Verlängerung ausgesteckt, Sicherung gefallen...), benötigt allein das Pult über zwei Minuten, um wieder betriebsbereit zu werden.

Gleich nach dem Bootvorgang befindet man sich im Channel-Layer, Kanal 1 ist ausgewählt, das Display zeigt den Startbildschirm mit dem Hauptmenü. Dieses Menü erreicht man übrigens immer wieder durch einen Klick auf die obere linke Displayecke.


Bedienung
Im Hauptmenü lassen sich folgende Punkte durch einfachen Klick oder Auswahl mit Cursor und Enter anwählen:

View
Reiter "Channel": Ruft den Channelstrip des selektierten Kanals auf (u.a. Faderstellung, Status, EQ, Dynamics und Aux-/Gruppen-/Master-Routing).

Der zweite Reiter "Aux/GP" zeigt die Aux- und Gruppenzuordnung sowie ankommende Pegel auf dem jeweils selektierten Bus.

Die Registerkarte "CTRL ROOM" zeigt die PFL/AFL-Matrix, aktivierte Solofunktionen und ermöglicht das globale Ausschalten aller Solos.

"Main/Multi" gibt einen Überblick zu Master- und Multi-Out Pegeln und Routings.
Wählt man einen Aux-, Gruppen-, Multi- oder Masterfader an, springt das View-Display automatisch auf die entsprechende Registerkarte.

Meter
Zeigt im Reiter "Channel" die Ein- bzw. Ausgangspegel alles Kanäle (abhängig davon, ob "Meter Input", "Meter pre", "Meter post" gewählt ist).

Der Reiter "AUX/GP" zeigt Ein- bzw. Ausgangspegel auf allen Aux- und Gruppenbussen sowie dem Master an.
"Meter/Fader" stellt die Faderstellungen aller Eingänge, Aux- und Gruppenfader sowie des Masters dar.
"Multi" macht das gleiche für die 8 Multi-Outs, Controlroom, AES/EBU Eingang und die Effekt-Returns.

Fader
Hier kann man sich einen Überblick über die Faderstellung von jeweils 4 Ein- oder Ausgänge anzeigen lassen, je nachdem welcher Reiter (Channel, AUX, GROUP, MAIN) gewählt ist.
Auch lassen sich hier die Gruppen auf den Master routen, im Panorama verteilen und die Faderstellungen ändern (per Cursor und Jogwheel).

Patch
Hier lässt sich die Reihenfolge der Bearbeitung im Kanal einstellen (Dynamics, EQ, Delay) sowie die einzelnen Funktionen ein- und ausschalten.

Delay
Für jeden Ein- und Ausgang steht ein Delay zur Verfügung, dessen Mischverhältnis, Feedback und Verzögerungszeit sich in diesem Menü einstellen lassen. Außerdem lassen sich Lufttemperatur und Delay-Einheit (Meter, Milisekunden, Feet) einstellen.

Effect
Selbsterklärend - hier finden sich die Einstellungen der 2 internen Effect-Engines sowie deren Routing.

EQ
Ruft den Equalizer für den jeweils selektierten Ein- oder Ausgang auf.

DYN
Siehe EQ, nur für die Dynamics.

Utility:
Presets für einzelne Kanäle oder das gesamte Pult speichern, aufrufen oder löschen.
Desweiteren lassen sich die Kanäle benennen. Auf dem dritten Reiter steht ein Testtongenerator zur Verfügung, dessen Ausgangssignal (Sinus 100Hz, 1kHz, 10kHz) sich auf alle 8 Auxe, die Gruppen oder den Master schicken und im Pegel einstellen lassen.

Setup
Hier lassen sich Kanäle zu Fadergruppen zusammenfassen (Link/Pair), Kanalpaarungen einstellen, Samplerate und Synchronisationsquelle einstellen, das LCD kalibrieren und ein Update von SDHC-Karte einspielen.


Im Auslieferungszustand ist übrigens kein Kanal irgendwo hin geroutet. Also weder auf Gruppen, noch den Master. Man sollte also vor dem ersten Job dringend dieses Routing vornehmen, ansonsten bekommt man kein Signal aus dem Pult.
Um einen Kanal auf den Master zu routen wählt man ihn per Select-Taster aus und aktiviert dann "To Main" auf der Channel-Seite im View-Menü.
Um einen Kanal in eine Gruppe zu routen, wählt man "AUX/GP" als Layer-Mode, wählt die entsprechende Gruppe und im View-Menü die Seite "AUX/GP". Hier lässt sich dann jeder Kanal mit einem Klick in die ausgewählte Gruppe und die Gruppe auf den Master routen.

Insbesondere das Aux-Routing sollte man vor dem ersten Einsatz einstellen: Layer-Mode auf "Multi", dann z.B. Multi 1 selektieren und Aux-Master 1 als Quelle auswählen. Man tut gut daran, hier den Multi-Fader schon auf 0dB zu stellen und den Multi-out einzuschalten, sonst kommt nachher trotz offenem Aux nichts aus dem Ausgang.


Aux- und Effektimixes
Um ein Signal auf einen der Multi-Outs (z.B. Monitore 1-4) oder eine Effect-Engine zu schicken, wählt man den entsprechenden Aux (z.B. 1-6 Monitore, 7 und 8 Effekte) aus und schiebt die Kanalfader passend zusammen (Sends on Fader).
Damit am entsprechenden Ausgang auch etwas ankommt, muß man sich vorher natürlich (wie oben beschrieben) um das passende Routing kümmern.
Der Ausgangspegel eines jeden Aux-Sends lässt sich im AUX/GP Modus einstellen.


Alle anderen Funktionen des Pultes funktionieren so, wie man es von nahezu jedem Digitalpult kennt: Passenden Fader- bzw. Layer-Modus auswählen, Kanal- bzw. Bus selektieren und gewünschte Einstellungen vornehmen.
Mit einem Druck auf den "Channel" Taster im Layer-Mode Bereich kommt man sofort wieder auf die Main-Mix Ebene zurück.


Vor- und Nachteile
Das Pult ist prinzipiell praxisgerecht ausgestattet, allerdings fallen im Vergleich mit 01V(96), LS9 und StudioLive doch ein paar Sachen auf:

Pro:

- Faderbahnen mit Filz abgedeckt, guter Staubschutz.
- Die Fader laufen sauber und satt.
- Oberfläche sehr aufgeräumt
- Optionales FireWire/USB-Interface für Multitrackrecording.
- Rackwinkel im Lieferumfang
- Gutes Handbuch ohne gröbere Fehler
- AES/EBU Ein- und Ausgang
- WordClock in/out
- Analoger Insert für jeden Kanal
- Gate/Kompressor/Limiter simultan benutzbar


Contra:

- Es gibt keine dedizierten Encoder für die EQ-Einstellungen.
Der EQ (4-Band parametrisch) lässt sich ausschließlich über Cursortasten und Jogdial einstellen, was in der Praxis ewig dauert, da man ständig hin und her springen muß. Hier sind die Lösungen von Yamaha (je eine Auswahltaste für jedes Band und 2 Encoder für Gain/Güte) oder Presonus (dedizierter Encoder mit LED-Kette für jede Funktion) deutlich intuitiver und schneller bedienbar. Hübsch ist die graphische Darstellung der eingestellten Kurve und die Möglichkeit, bereits aktivierte Bänder mit dem Finger über das Display ziehen zu können.

- Die Effect-Returns lassen sich ausschließlich auf den Master oder die Multi-Outs routen, nicht aber auf Gruppen. D.h. Delays z.B. lassen sich nur durch Variation im Send-Level fahren, was meiner persönlichen Arbeitsweise nicht unbedingt entgegen kommt. Auch liegen die Sends im Layer "Multi", so dass man - um Delay und Hall direkt mittels Fader beeinflussen zu können, erstmal in einen anderen Layer wechseln muß. Auch hier haben Yamaha (01V: FX-Return Encoder) und PreSonus (Effekte auf Gruppen routbar und Send-Level direkt per dediziertem Poti justierbar) deutliche Vorteile was die Arbeitsweise angeht.
Für "Set and forget" Anwendungen (z.B. eine Band, die sich selbst von der Bühne aus mischt) kein Thema - am FoH mit Tonmann ein no-go.

- Bootzeit und Arbeitstempo: Über zwei Minuten Bootzeit sind inakzeptabel! Mit 10-20 Sekunden könnte man sicherlich gut leben. Wenn man aber zwischen Einschalten und Arbeiten noch einen Kaffee trinken kann, passt das einfach nicht mehr.
Auch die Zeit zwischen dem Druck auf's Display und dem Umschalten der Menüpunkte ist teilweise recht lang. Die Fader fahren relativ langsam an ihre vorgesehenen Positionen wenn man einen Layer wechselt, auch das sorgt nicht unebdingt für Spaß beim Mischen.

- Externes Netzteil mit Hohlstecker: Ein unachtsamer Zeitgenosse könnte für eine mindestens zweiminütige Unterbrechung des Gigs sorgen...

- Kein Lampenanschluß

- Keine freie Zuordnung der Fader auf der Masterebene. Dieses Feature wäre (wie z.B. beim 01V96) sehr wünschenswert, um sich z.B. die Effekt-Returns oder 1-2 Stereo-Gruppen für einen schnellen Zugriff auf die Mischebene legen zu können.

- Subgruppen nicht zu Stereo-Paaren verkoppelbar. Wer viel mit Gruppen mischt, wäre darüber sicherlich sehr dankbar.

- Kein Master-VU! Ok, es gibt eins im Meter-Menü, das muß man aber jedes Mal anwählen.

- Ladezeiten von Scenen zu lang: Der Aufruf einer Szene dauert etwa 15-20 Sekunden. In dieser Zeit ist das Pult nicht bedienbar, was z.B. "eine Szene pro Song" unmöglich macht.

Ein ganz grober Kontrapunkt: Sollte - warum auch immer - mal der Touchscreen ausfallen, wird das Pult nahezu unbedienbar. Passiert das während der Show, wo alles schon gepatcht ist, kommt man zumindest noch irgendwie durch. Routings, Effekte oder Scenen Ändern geht ohne den Touchscreen allerdings garnicht. Nichtmal ein EQ-Band kann man ohne Touchscreen aktivieren.


Dank an dieser Stelle an Martin Hofmann / Musik Service für die Demostellung behufs Review sowie M&T für den schnellen Austausch der Erstlieferung mit funktionslosen Touchscreen inkl. Vor-Ort-Austausch gegen ein funktionierendes Pult!
 
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Also bestätigt sich mein Eindruck, dass dieses Pult einfach Praxisfern ist. Das sah man ja schon auf den Produktvorstellungen dass das Display ruckelte und teilweise mehrfachbedienung erforderte, weil es den ersten Befehl garnicht verarbeitet hatte.
Und die Bootzeit ist wirklich absolut inakzeptabel.
Es scheint, als könne nur Behringer das 01V Konzept schlagen, doch wird das DDX3216 schon länger nichtmehr hergestellt...
 
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RaumKlang
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Also bestätigt sich mein Eindruck, dass dieses Pult einfach Praxisfern ist. Das sah man ja schon auf den Produktvorstellungen dass das Display ruckelte und teilweise mehrfachbedienung erforderte, weil es den ersten Befehl garnicht verarbeitet hatte.

Sagen wir mal nicht "praxisfern", aber durchaus optimierungswürdig, was den Workflow angeht.
Das Display mit Touchscreen an sich funktioniert recht gut, wenn man mit dem Fingernagel tippt.
Was allerdings auffällt, ist eine leichte Unschärfe, wenn man das Display von schräg unten betrachtet - das dürfte je nach Einsatz der häufigste Fall sein, wenn man am Pult sitzt und nicht steht.


Es scheint, als könne nur Behringer das 01V Konzept schlagen, doch wird das DDX3216 schon länger nichtmehr hergestellt...

Jain. Das Konzept des (alten) 01V war durchaus gelungen, auch wenn Sends-on-Fader bei diesem Pult manchmal nerven können (man hat ja in dem Moment keinen Zugriff mehr auf den Main-Mix).
Nach über 12 Jahren ur-01V würde ich aber doch erwarten, dass man das heute besser macht. Zumal dann, wenn man eh als Hersteller ein Pult von Grund auf neu entwickelt, wie Phonic das hier getan hat.
Erwartet hätte ich, dass zumindest eine freiere Belegung der Fader möglich wäre. Dass das aus einem <2000,- EUR Pult noch kein iLive macht, ist mir auch klar - es würde aber viele Probleme entschärfen, die man durch das "Muß Motorfader haben - ob bedienbar oder nicht"-Gebrüll bekommt.
So ganz nebenbei: Platz für zwei Encoder wäre auf der Oberfläche locker gewesen. Wenn man schon das Äußere des 01V abkupfert, hätte man die beiden Prömpel auch noch dranbauen können :-/

PreSonus hat hier einen für mich schlüssigeren Weg eingeschlagen, weshalb das Summit zurück zu MS geht und die Tage ein weiteres StudioLive angeschafft wird.
 
Rockopa
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Schade eigentlich ,ich hatte gehofft das es doch noch was wird mit dem Phonic nun muss ich wohl warten bis Behringer ein neues rausbringt,könnte es aber auch mal mit dem neuen Roland M 300 probieren.
Leider ist das nicht meine Preisliga.
 
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RaumKlang
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Schade eigentlich ,ich hatte gehofft das es doch noch was wird mit dem Phonic nun muss ich wohl warten bis Behringer ein neues rausbringt

Spricht irgendwas gegen ein StudioLive? Das Pult kostet nur unwesentlich mehr als ein Summit, lässt sich aber tatsächlich bedienen :)
 

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