Donsiox
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Intro:
Hochzeitsfeier: Die Tanzfläche ist voll, der DJ legt gut auf, die Stimmung ist auf dem Höchststand.
Und plötzlich fällt die Lichtsteuerung aus. Stress. Der PC muss neu gestartet werden.
Immerhin die Uplights sind noch an. Der nächste Übergang wird hektisch - endlich fährt der PC wieder hoch, das Programm startet und die (Licht-)Show geht weiter.
Drei Minuten Panik haben mich zum Kauf des Wolfmix W1 animiert:
Ein befreundeter DJ hatte meine Lichtsteuerung mit altem Lenovo-Laptop und Daslight 4 ausgeliehen und im Einsatz, als der PC abstürzte.
Da das eingesetzte Daslight-Dongle keine Stand-Alone-Fähigkeit mitbrachte, war das Licht plötzlich aus (bzw. im letzten DMX-Modus).
Durch einen Neustart war das ganze zwar schnell behoben und vermutlich haben es die Gäste nicht einmal mitbekommen - doch schön war das nicht. Vor allem, da ich selbst nicht vor Ort war und die Nachricht nur per WhatsApp bekam...
Also war der Entschluss gefasst:
ich brauche ein einfach zu bedienendes Stand-Alone-Lichtpult.
Einen Eurolite Color Chief hatte ich bereits und auch klassische Lightcontroller mit Fadern sind vorhanden.
Für Moving-Lights, Pixeleffekte & Co. sind diese aber nicht wirklich gut geeignet und - gerade was das Programmieren angeht - sind sie auch nicht wirklich intuitiv. Auf eine PC-Visualisierungssoftware, wie von Daslight gewohnt, wollte ich ebenfalls nicht verzichten.
Da Stand-Alone-Lichtcontroller mit mindestens zwei Universen, Visualisierungssoftware & Co. - zum Beispiel ein ChamSys QuickQ 20 - gut und gerne 3.000€ kosten, schaute ich mich mal um und fand den Wolfmix W1 Mk2:
Die Videos des Herstellers - der Wolfmix entstammt, wie auch Daslight, dem Haus Nicolaudie - waren vielversprechend und der Preis von circa 700€ lag im Budget. Zugegeben: mit den Erweiterungen, z. B. dem Freischalten der DMX-Universen 3 und 4 sowie dem Freischalten der Visualisierungssoftware, liegt man eher bei 1.000€.
Hardware und Verarbeitung
Für alle, die vom "Wolfmix" noch nie etwas gehört haben:
Der Wolfmix W1 MK2 ist ein Standalone-DMX-Controller, der bis zu 2048 Kanäle unterstützt. Er lässt sich per integriertem Touchscreen und 37 Softkeys sowie vier Drehencodern steuern, unterstützt eine PC-Visualisierungssoftware, verfügt über ein eingebautes Mikrofon sowie Line In für Sound-to-Light und kann per USB auch mit Midi-Controllern (z. B. AKAI APC mini) verbunden werden. Die Stromversorgung erfolgt per USB-B-Anschluss, z. B. über den PC, über ein Netzteil oder auch per Powerbank.
Die vier DMX-Ausgänge - davon zwei in 5-Pol- und zwei in 3-Pol-Ausführung - sind ordentlich verarbeitet, das Gehäuse ist ebenfalls in vernünftiger Qualität gefertigt und der Touchscreen sowie die Buttons funktionieren einwandfrei. Je nach Menü muss man die Drehregler teils viel drehen und einige Tasten, z. B. "Shift" und "Preset" müssen sehr häufig genutzt werden - hier hoffe ich, dass diese auch langfristig problemlos funktionieren.
Praktisches Feature der DMX-Ausgänge: nutzt man nicht alle vier Universen, kann z. B. Universum 1 an allen vier Buchsen ausgegeben werden. Das erspart ggf. einen Splitter und lästige Adapter von 3- auf 5-Pol!
Bedienkonzept und Workflow im Live-Betrieb
Jedes Lichtpult hat seine Berechtigung - egal ob konventionelles Faderpult, PC-Steuerung oder Profi-Konsole.
Der Wolfmix ist weder für Theater noch für Großveranstaltungen gedacht, sondern für Clubs, DJ- und Live-Events, bei denen mit vorgefertigten Presets gearbeitet werden soll, die live angepasst werden können. Dabei legt der Wolfmix Wert auf eine einfache Bedienung auch ohne besondere Vorkenntnisse, verzichtet dafür aber auf das Ermöglichen komplexer Lichtshows mit vielen aufeinander abgestimmten Szenen oder Timecode-Shows.
Ich habe meinen Wolfmix seit Juli 2024 und seitdem vielseitige Veranstaltungen damit betreut. Darunter Firmenevents, Stadtfestbühnen, Hochzeitsfeiern, Clubnächte, Open-Air-Raves, Live-Musik-Veranstaltungen oder After-Work-Events. Der Wolfmix hat immer zuverlässig funktioniert und immer ließen sich gute Ergebnisse erzielen.
Wichtig zu verstehen ist, dass der Wolfmix Presets ins Zentrum stellt. Diese beinhalten u.a. voreingestellte Farben, Positionen, Bewegungs-, Farbwechsel- und Beam-Effekte.
Bis zu 200 Presets können auf 10 Seiten abgespeichert werden. Die Presets können dann bei der Veranstaltung per Touchscreen oder Soft-Taster abgerufen werden.
Dabei kann das Preset live über die links und rechts angebrachten Softkeys angepasst werden: ein neuer Bewegungseffekt, eine andere Farbgebung, eine neue Geschwindigkeit per BPM-Tap sowie Sondertasten für Blinder, Strobe, Speed, Blackout und Smoke stehen dafür zur Verfügung.
Ist der Wolfmix gut und passend zur Veranstaltung programmiert, ist die Bedienung für (fast) jedermann möglich. So können DJs oder eingewiesene Helfer:innen auch ohne Vorkenntnisse "Licht drücken".
Zusätzlich können bis zu 80 Live-Edits erstellt werden, die wiederum in Szenen zu integrieren sind.
Hierüber können auch Geräte oder Effekte gesteuert werden, welche von den anderen Funktionen nicht abgedeckt sind.
Ich habe hierüber z. B. verschiedene Stroboskopeffekte, Vertikalnebelmaschinen, Pixeleffekte bei Moving-Heads oder Discokugel-Rotationsmotoren gesteuert.
Zu Beginn musste man hierüber auch manche Gobos oder Prismen ansteuern, das geht jetzt aber auch ohne diesen Umweg - denn die "Firmeware 2.0", die im August 2025 veröffentlicht wurde, konnte die Möglichkeiten, die der Wolfmix bietet, nochmal auf ein neues Level heben. Hier ein Video dazu:
View: https://www.youtube.com/watch?v=lFNpKOvNw68
Vorher war es beispielsweise nicht möglich, Beam- und Spot-Moving-Heads getrennt voneinander zu bewegen oder gleichzeitig Zoomfahrten eines Moving-Lights und Dimmer-Pixeleffekte über LED-Bars laufen zu lassen, da immer nur ein Effektprozessor je Gruppe (Color/Move/Beam) genutzt werden konnte. Auch das Einrichten individueller Positionen für Moving-Lights war zuvor sehr kompliziert - das geht jetzt. Ideal für das Anleuchten von einzelnen Akteur:innen auf der Bühne oder das Anstrahlen einer Discokugel.
Durch das Anbinden eines AKAI APC mini oder anderen MIDI-Boards können dem Gerät weitere Softkeys sowie Fader hinzugefügt werden, die z. B. Gruppenhelligkeiten steuern. Das ist sehr praktisch für z. B. Saal- oder Frontlicht. Was aber klar sein muss:
Für größere und komplexe Setups und Shows oder die Einbindung von Lasern oder Video ist der Wolfmix nicht geeignet.
Mit bis zu 200 Szenen mit einstellbaren Zeiten und Übergängen kann man zwar schon eine Mini-Show kreieren, für ein ganzes Konzert oder eine Theateraufführung ist das meiner Einschätzung nach aber nicht ausreichend. Hier geht an professionellen Pulten eben doch kein Weg vorbei.
Einrichtung, Fixtures und Projektaufbau
Der Wolfmix verfügt über bis zu acht Gruppen, denen die zur Verfügung stehenden Fixtures zugeordnet werden können.
Als Beispiel aus der Praxis wäre das z. B.:
1 - Moving Head Wash
2 - Moving Head Spot
3 - LED-Bars
4 - Strobe
5 - Uplight
6 - Frontlicht
Diese Gruppen können später separat gedimmt oder den einzelnen Effekten zugewiesen werden.
Hat man z. B. vier Spot-Moving-Heads im Bühnendach hängen und vier auf dem Boden stehen, so sollte man diese in zwei Gruppen aufteilen, um sie getrennt voneinander ansteuern zu können.
Der Wolfmix hat eine integrierte Fixture-Bibliothek, in welcher ich das Fixture (nach Hersteller sortiert) suchen und auswählen kann.
Folgend sind der DMX-Modus und die Anzahl der Geräte auszuwählen. Dann können das Universum und der DMX-Kanal des ersten Gerätes der Gruppe bestimmt werden, die anderen Geräte der Gruppe folgen dann. Geräte, die aus mehreren einzelnen Lampen bestehen - z. B. eine 4er-LED-Bar wie
werden automatisch erkannt und das Gerät erkundigt sich, ob die Scheinwerfer aufgesplittet werden sollen.
Ist ein Fixture nicht enthalten, kann es am PC über die WTOOLS-App auf den Wolfmix geladen werden. Hier hatte ich bislang nur mit einem Fixture ein Problem: mit meinen Strobe-Panels von Eurolite. Diese haben, im größten Modus, 310-DMX-Kanäle pro Fixture. Das führte, selbst bei der Auswahl des 21-Kanal-Modus, zu einem Systemfehler.
Hier musste ich die umfangreichen DMX-Modi mit 298 und 310 Kanälen aus der Datei herauslöschen und diese dann wieder auf der Gerät laden.
Geräte wie Derbys, Multi-Effektbars oder Laser können zwar grundsätzlich hinzugefügt werden, sind dann aber über die Live-Edit-Funktion zu bedienen, denn die Effektgeneratoren für Color, Move, Beam sowie die Funktionen für Farbe, Position, Gobo & Co. funktionieren bei diesen Geräten nicht.
Sind die Geräte hinzugefügt, fragt der Wolfmix seit der Softwareversion 2.0, ob automatische Presets erstellt werden sollen - und die sind oft erstaunlich brauchbar!
Hier werden insgesamt 80 Presets vollautomatisch generiert. Davon 20 "echte" Presets sowie 20 Farb-, 20 Bewegungs- und 20 Beam-Presets.
Es kann also das Preset "Night-Rider" gewählt werden, welches bestimmte Fixtures anspricht, die z. B. in rot und blau leuchten und sich entsprechend bewegen.
Nun kann ich einen anderen Color-Effekt auswählen und das "Night-Rider"-Preset erscheint nun in regenbogenfarben.
Für kleine und spontane Auftritte ohne besondere Ansprüche können bereits diese vorgefertigten Presets ohne eigene Programmierung ausreichen. Für das ein oder andere After-Work-Event habe ich das auch so genutzt und, statt alles selbst zu programmieren, nur in der Location vor Ort Anpassungen dieser Presets vorgenommen.
Sind bestimmte Looks gewünscht kann natürlich selbst programmiert werden. Hier hilft die Visualisierungssoftware "Easy View 3D visualiser", die dem ein oder anderen auch von Daslight bekannt sein dürfte. Dass es überhaupt eine Visualisierungsmöglichkeit zum Programmieren zu Hause gibt, das ist natürlich super. Gerade bei Stadtfestbühnen oder Clubnächten - wo doch ein wenig mehr als automatische Presets zu erwarten sind - habe ich das gerne genutzt und viel Zeit investiert, um die Lichtshow zu programmieren.
Das ist leider auch nötig, denn so intuitiv wie der Wolfmix selbst ist die Software leider nicht. Was mich sehr irritiert hat ist die Tatsache, dass man alle Fixtures, die man am Wolfmix bereits gepflegt hat, nochmal in der Software einrichten muss. Software und Hardware "sprechen" hier also nur sehr begrenzt miteinander. Ist die virtuelle Bühne einmal aufgebaut, die Fixtures sind eingepflegt und die Adressen gepachted, so funktioniert die Software aber wirklich gut und das Ergebnis lässt sich sehr gut auf die echte Einsatzumgebung übertragen. Allerdings schadet, gerade bei pixelfähigen Scheinwerfern wie LED-Bars oder Stroboskopen, ein leistungsfähiger PC nicht.
Das Programmieren selbst ist relativ easy:
ich erstelle mir immer ein Preset mit "All out", bei dem wirklich alles auf 0 zurückgesetzt wird.
Dann wähle ich die Fixtures aus, die in dem Preset leuchten sollen, z. B. indem ich auf den Reiter "Color" gehe und dort bei den Moving-Head Beams und den LED-Bars jeweils "rot" auswähle. Nun leuchten diese in rot.
Möchte ich hier ein Lauflicht haben, z. B. einen Dimmer mit Sinuskurve, gehe ich auf den Reiter "Beam FX", wähle dort "Sinus" aus und wähle wieder die beiden Gruppen aus. Möchte ich nun, dass die Moving-Heads sich bewegen, klicke ich auf den Reiter "Move FX", wähle einen mir passenden Bewegungseffekt, z. B. "Hoch / Runter" und klicke wieder auf die Gruppe der Movings-Heads. Nun klicke ich auf "Preset" und sehe nun alle vorhanden Presets.
Um ein neues Preset zu speichern, klicke ich auf "Shift" und eine noch nicht belegte Kachel. Jetzt kann ich die Kachel noch benennen, einfärben (z. B. "rot") und einige weitere Einstellungen wählen. Nochmal bestätigen mit Klick auf die bereits gewählte Kachel oder über den Touchscreen und fertig, das erste Preset ist erstellt!
Hat man den Dreh einmal raus, ist das Erstellen und Anpassen der Szenen erheblich einfacher als z. B. mit einem SceneSetter oder einem ColorChief.
Für komplexere Lichtshows, höhere Anforderungen an die Programmierung oder falls mehr haptische Bedienelemente wie Drehregler, Screens, Motorfader etc. gefragt sind, führt weiterhin kein Weg an ChamSys, Avolites, MA & Co. vorbei. Wer mit dem Preset-basierten Workflow zurechtkommt, der findet aber für unter 1.000€ eine Stand-Alone-Lichtsteuerung mit erstaunlich vielen Möglichkeiten - und, meines Wissens, aktuell keinem vergleichbaren Konkurrenzprodukt.
Falls ihr noch Fragen zum Gerät habt, schreibt sie gerne hier ins Thema, ich freue mich auf den Austausch
!
Hochzeitsfeier: Die Tanzfläche ist voll, der DJ legt gut auf, die Stimmung ist auf dem Höchststand.
Und plötzlich fällt die Lichtsteuerung aus. Stress. Der PC muss neu gestartet werden.
Immerhin die Uplights sind noch an. Der nächste Übergang wird hektisch - endlich fährt der PC wieder hoch, das Programm startet und die (Licht-)Show geht weiter.
Drei Minuten Panik haben mich zum Kauf des Wolfmix W1 animiert:
Ein befreundeter DJ hatte meine Lichtsteuerung mit altem Lenovo-Laptop und Daslight 4 ausgeliehen und im Einsatz, als der PC abstürzte.
Da das eingesetzte Daslight-Dongle keine Stand-Alone-Fähigkeit mitbrachte, war das Licht plötzlich aus (bzw. im letzten DMX-Modus).
Durch einen Neustart war das ganze zwar schnell behoben und vermutlich haben es die Gäste nicht einmal mitbekommen - doch schön war das nicht. Vor allem, da ich selbst nicht vor Ort war und die Nachricht nur per WhatsApp bekam...
Also war der Entschluss gefasst:
ich brauche ein einfach zu bedienendes Stand-Alone-Lichtpult.
Einen Eurolite Color Chief hatte ich bereits und auch klassische Lightcontroller mit Fadern sind vorhanden.
Für Moving-Lights, Pixeleffekte & Co. sind diese aber nicht wirklich gut geeignet und - gerade was das Programmieren angeht - sind sie auch nicht wirklich intuitiv. Auf eine PC-Visualisierungssoftware, wie von Daslight gewohnt, wollte ich ebenfalls nicht verzichten.
Da Stand-Alone-Lichtcontroller mit mindestens zwei Universen, Visualisierungssoftware & Co. - zum Beispiel ein ChamSys QuickQ 20 - gut und gerne 3.000€ kosten, schaute ich mich mal um und fand den Wolfmix W1 Mk2:
Die Videos des Herstellers - der Wolfmix entstammt, wie auch Daslight, dem Haus Nicolaudie - waren vielversprechend und der Preis von circa 700€ lag im Budget. Zugegeben: mit den Erweiterungen, z. B. dem Freischalten der DMX-Universen 3 und 4 sowie dem Freischalten der Visualisierungssoftware, liegt man eher bei 1.000€.
Hardware und Verarbeitung
Für alle, die vom "Wolfmix" noch nie etwas gehört haben:
Der Wolfmix W1 MK2 ist ein Standalone-DMX-Controller, der bis zu 2048 Kanäle unterstützt. Er lässt sich per integriertem Touchscreen und 37 Softkeys sowie vier Drehencodern steuern, unterstützt eine PC-Visualisierungssoftware, verfügt über ein eingebautes Mikrofon sowie Line In für Sound-to-Light und kann per USB auch mit Midi-Controllern (z. B. AKAI APC mini) verbunden werden. Die Stromversorgung erfolgt per USB-B-Anschluss, z. B. über den PC, über ein Netzteil oder auch per Powerbank.
Die vier DMX-Ausgänge - davon zwei in 5-Pol- und zwei in 3-Pol-Ausführung - sind ordentlich verarbeitet, das Gehäuse ist ebenfalls in vernünftiger Qualität gefertigt und der Touchscreen sowie die Buttons funktionieren einwandfrei. Je nach Menü muss man die Drehregler teils viel drehen und einige Tasten, z. B. "Shift" und "Preset" müssen sehr häufig genutzt werden - hier hoffe ich, dass diese auch langfristig problemlos funktionieren.
Praktisches Feature der DMX-Ausgänge: nutzt man nicht alle vier Universen, kann z. B. Universum 1 an allen vier Buchsen ausgegeben werden. Das erspart ggf. einen Splitter und lästige Adapter von 3- auf 5-Pol!
Bedienkonzept und Workflow im Live-Betrieb
Jedes Lichtpult hat seine Berechtigung - egal ob konventionelles Faderpult, PC-Steuerung oder Profi-Konsole.
Der Wolfmix ist weder für Theater noch für Großveranstaltungen gedacht, sondern für Clubs, DJ- und Live-Events, bei denen mit vorgefertigten Presets gearbeitet werden soll, die live angepasst werden können. Dabei legt der Wolfmix Wert auf eine einfache Bedienung auch ohne besondere Vorkenntnisse, verzichtet dafür aber auf das Ermöglichen komplexer Lichtshows mit vielen aufeinander abgestimmten Szenen oder Timecode-Shows.
Ich habe meinen Wolfmix seit Juli 2024 und seitdem vielseitige Veranstaltungen damit betreut. Darunter Firmenevents, Stadtfestbühnen, Hochzeitsfeiern, Clubnächte, Open-Air-Raves, Live-Musik-Veranstaltungen oder After-Work-Events. Der Wolfmix hat immer zuverlässig funktioniert und immer ließen sich gute Ergebnisse erzielen.
Wichtig zu verstehen ist, dass der Wolfmix Presets ins Zentrum stellt. Diese beinhalten u.a. voreingestellte Farben, Positionen, Bewegungs-, Farbwechsel- und Beam-Effekte.
Bis zu 200 Presets können auf 10 Seiten abgespeichert werden. Die Presets können dann bei der Veranstaltung per Touchscreen oder Soft-Taster abgerufen werden.
Dabei kann das Preset live über die links und rechts angebrachten Softkeys angepasst werden: ein neuer Bewegungseffekt, eine andere Farbgebung, eine neue Geschwindigkeit per BPM-Tap sowie Sondertasten für Blinder, Strobe, Speed, Blackout und Smoke stehen dafür zur Verfügung.
Ist der Wolfmix gut und passend zur Veranstaltung programmiert, ist die Bedienung für (fast) jedermann möglich. So können DJs oder eingewiesene Helfer:innen auch ohne Vorkenntnisse "Licht drücken".
Zusätzlich können bis zu 80 Live-Edits erstellt werden, die wiederum in Szenen zu integrieren sind.
Hierüber können auch Geräte oder Effekte gesteuert werden, welche von den anderen Funktionen nicht abgedeckt sind.
Ich habe hierüber z. B. verschiedene Stroboskopeffekte, Vertikalnebelmaschinen, Pixeleffekte bei Moving-Heads oder Discokugel-Rotationsmotoren gesteuert.
Zu Beginn musste man hierüber auch manche Gobos oder Prismen ansteuern, das geht jetzt aber auch ohne diesen Umweg - denn die "Firmeware 2.0", die im August 2025 veröffentlicht wurde, konnte die Möglichkeiten, die der Wolfmix bietet, nochmal auf ein neues Level heben. Hier ein Video dazu:
View: https://www.youtube.com/watch?v=lFNpKOvNw68
Vorher war es beispielsweise nicht möglich, Beam- und Spot-Moving-Heads getrennt voneinander zu bewegen oder gleichzeitig Zoomfahrten eines Moving-Lights und Dimmer-Pixeleffekte über LED-Bars laufen zu lassen, da immer nur ein Effektprozessor je Gruppe (Color/Move/Beam) genutzt werden konnte. Auch das Einrichten individueller Positionen für Moving-Lights war zuvor sehr kompliziert - das geht jetzt. Ideal für das Anleuchten von einzelnen Akteur:innen auf der Bühne oder das Anstrahlen einer Discokugel.
Durch das Anbinden eines AKAI APC mini oder anderen MIDI-Boards können dem Gerät weitere Softkeys sowie Fader hinzugefügt werden, die z. B. Gruppenhelligkeiten steuern. Das ist sehr praktisch für z. B. Saal- oder Frontlicht. Was aber klar sein muss:
Für größere und komplexe Setups und Shows oder die Einbindung von Lasern oder Video ist der Wolfmix nicht geeignet.
Mit bis zu 200 Szenen mit einstellbaren Zeiten und Übergängen kann man zwar schon eine Mini-Show kreieren, für ein ganzes Konzert oder eine Theateraufführung ist das meiner Einschätzung nach aber nicht ausreichend. Hier geht an professionellen Pulten eben doch kein Weg vorbei.
Einrichtung, Fixtures und Projektaufbau
Der Wolfmix verfügt über bis zu acht Gruppen, denen die zur Verfügung stehenden Fixtures zugeordnet werden können.
Als Beispiel aus der Praxis wäre das z. B.:
1 - Moving Head Wash
2 - Moving Head Spot
3 - LED-Bars
4 - Strobe
5 - Uplight
6 - Frontlicht
Diese Gruppen können später separat gedimmt oder den einzelnen Effekten zugewiesen werden.
Hat man z. B. vier Spot-Moving-Heads im Bühnendach hängen und vier auf dem Boden stehen, so sollte man diese in zwei Gruppen aufteilen, um sie getrennt voneinander ansteuern zu können.
Der Wolfmix hat eine integrierte Fixture-Bibliothek, in welcher ich das Fixture (nach Hersteller sortiert) suchen und auswählen kann.
Folgend sind der DMX-Modus und die Anzahl der Geräte auszuwählen. Dann können das Universum und der DMX-Kanal des ersten Gerätes der Gruppe bestimmt werden, die anderen Geräte der Gruppe folgen dann. Geräte, die aus mehreren einzelnen Lampen bestehen - z. B. eine 4er-LED-Bar wie
werden automatisch erkannt und das Gerät erkundigt sich, ob die Scheinwerfer aufgesplittet werden sollen.
Ist ein Fixture nicht enthalten, kann es am PC über die WTOOLS-App auf den Wolfmix geladen werden. Hier hatte ich bislang nur mit einem Fixture ein Problem: mit meinen Strobe-Panels von Eurolite. Diese haben, im größten Modus, 310-DMX-Kanäle pro Fixture. Das führte, selbst bei der Auswahl des 21-Kanal-Modus, zu einem Systemfehler.
Hier musste ich die umfangreichen DMX-Modi mit 298 und 310 Kanälen aus der Datei herauslöschen und diese dann wieder auf der Gerät laden.
Geräte wie Derbys, Multi-Effektbars oder Laser können zwar grundsätzlich hinzugefügt werden, sind dann aber über die Live-Edit-Funktion zu bedienen, denn die Effektgeneratoren für Color, Move, Beam sowie die Funktionen für Farbe, Position, Gobo & Co. funktionieren bei diesen Geräten nicht.
Sind die Geräte hinzugefügt, fragt der Wolfmix seit der Softwareversion 2.0, ob automatische Presets erstellt werden sollen - und die sind oft erstaunlich brauchbar!
Hier werden insgesamt 80 Presets vollautomatisch generiert. Davon 20 "echte" Presets sowie 20 Farb-, 20 Bewegungs- und 20 Beam-Presets.
Es kann also das Preset "Night-Rider" gewählt werden, welches bestimmte Fixtures anspricht, die z. B. in rot und blau leuchten und sich entsprechend bewegen.
Nun kann ich einen anderen Color-Effekt auswählen und das "Night-Rider"-Preset erscheint nun in regenbogenfarben.
Für kleine und spontane Auftritte ohne besondere Ansprüche können bereits diese vorgefertigten Presets ohne eigene Programmierung ausreichen. Für das ein oder andere After-Work-Event habe ich das auch so genutzt und, statt alles selbst zu programmieren, nur in der Location vor Ort Anpassungen dieser Presets vorgenommen.
Sind bestimmte Looks gewünscht kann natürlich selbst programmiert werden. Hier hilft die Visualisierungssoftware "Easy View 3D visualiser", die dem ein oder anderen auch von Daslight bekannt sein dürfte. Dass es überhaupt eine Visualisierungsmöglichkeit zum Programmieren zu Hause gibt, das ist natürlich super. Gerade bei Stadtfestbühnen oder Clubnächten - wo doch ein wenig mehr als automatische Presets zu erwarten sind - habe ich das gerne genutzt und viel Zeit investiert, um die Lichtshow zu programmieren.
Das ist leider auch nötig, denn so intuitiv wie der Wolfmix selbst ist die Software leider nicht. Was mich sehr irritiert hat ist die Tatsache, dass man alle Fixtures, die man am Wolfmix bereits gepflegt hat, nochmal in der Software einrichten muss. Software und Hardware "sprechen" hier also nur sehr begrenzt miteinander. Ist die virtuelle Bühne einmal aufgebaut, die Fixtures sind eingepflegt und die Adressen gepachted, so funktioniert die Software aber wirklich gut und das Ergebnis lässt sich sehr gut auf die echte Einsatzumgebung übertragen. Allerdings schadet, gerade bei pixelfähigen Scheinwerfern wie LED-Bars oder Stroboskopen, ein leistungsfähiger PC nicht.
Das Programmieren selbst ist relativ easy:
ich erstelle mir immer ein Preset mit "All out", bei dem wirklich alles auf 0 zurückgesetzt wird.
Dann wähle ich die Fixtures aus, die in dem Preset leuchten sollen, z. B. indem ich auf den Reiter "Color" gehe und dort bei den Moving-Head Beams und den LED-Bars jeweils "rot" auswähle. Nun leuchten diese in rot.
Möchte ich hier ein Lauflicht haben, z. B. einen Dimmer mit Sinuskurve, gehe ich auf den Reiter "Beam FX", wähle dort "Sinus" aus und wähle wieder die beiden Gruppen aus. Möchte ich nun, dass die Moving-Heads sich bewegen, klicke ich auf den Reiter "Move FX", wähle einen mir passenden Bewegungseffekt, z. B. "Hoch / Runter" und klicke wieder auf die Gruppe der Movings-Heads. Nun klicke ich auf "Preset" und sehe nun alle vorhanden Presets.
Um ein neues Preset zu speichern, klicke ich auf "Shift" und eine noch nicht belegte Kachel. Jetzt kann ich die Kachel noch benennen, einfärben (z. B. "rot") und einige weitere Einstellungen wählen. Nochmal bestätigen mit Klick auf die bereits gewählte Kachel oder über den Touchscreen und fertig, das erste Preset ist erstellt!
Hat man den Dreh einmal raus, ist das Erstellen und Anpassen der Szenen erheblich einfacher als z. B. mit einem SceneSetter oder einem ColorChief.
Fazit mit Pro & Contra
Der Wolfmix bietet, insbesondere mit der Softwareversion 2.0, der MIDI-Anbindung sowie dem PC-Visualisierer, ein wirklich gutes Komplettpaket für kleine und mittlere Veranstaltungen, bei denen der Fokus auf einfacher Bedienung, schneller Anpassung sowie hoher Zuverlässigkeit liegt.Für komplexere Lichtshows, höhere Anforderungen an die Programmierung oder falls mehr haptische Bedienelemente wie Drehregler, Screens, Motorfader etc. gefragt sind, führt weiterhin kein Weg an ChamSys, Avolites, MA & Co. vorbei. Wer mit dem Preset-basierten Workflow zurechtkommt, der findet aber für unter 1.000€ eine Stand-Alone-Lichtsteuerung mit erstaunlich vielen Möglichkeiten - und, meines Wissens, aktuell keinem vergleichbaren Konkurrenzprodukt.
Falls ihr noch Fragen zum Gerät habt, schreibt sie gerne hier ins Thema, ich freue mich auf den Austausch