Solo-Kadenzen auf dem Akkordeon?

von Bernnt, 06.01.20.

  1. Bernnt

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    Erstellt: 06.01.20   #1
    Ich bin auf der Suche nach Inspiration und möchte wissen, ob es "orchestrale" Stücke (Sinfonieorchester? Kammerorchester? Akkordeonorchester?) gibt, in denen ein Solo-Akkordionist einem Ensemble gegenübertritt und in denen es eine Solokadenz gibt, mit der der Akkordionist seinen Auftritt einleitet? Gemeint sind Stücke mit Kadenzen, die im weitesten Sinne im Geist der Kadenzen der Klavierkonzerte der großen Komponisten stehen. MII oder MIII ist zunächst einmal egal, auch egal, ob der Akkordionist auf beiden Seiten seines Instruments spielt. Die Qualität der Komposition spielt zurzeit auch nicht die Rolle, es geht nur darum zu sichten, wie Komponisten das Akkordeon in Solo-Kadenzen in Szene setzen. Ich bin total blank und weiß auch nicht, wie ich danach suchen könnte, da ich die in Frage kommende Literatur nicht kenne. Aber so etwas gab / gibt es doch bestimmt?

    Irgendwelche Ideen?
     
  2. chnöpfleri

    chnöpfleri Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.01.20   #2
    Guck mal da, ab 6:13.

    Solche Beispiele gibt es in sehr vielen Instrumentalkonzerten jener Zeit.
     
  3. Bernnt

    Bernnt Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.01.20   #3
    Hallo @chnöpfleri, vielen Dank fürs Raussuchen. Klar, Haydn und Beethoven haben Kadenzen geschrieben, das war Standard in der Klassik. Nur merke ich gerade, das ich vorher wahrscheinlich etwas ungenau war. Mir geht es nicht um Kadenzen, die ursprünglich für Klavier geschrieben waren und aufs Akkordeon übertragen wurden oder werden, sondern um genuines Akkordeon-Material. Also um Stücke, die für das Akkordeon geschrieben sind. Darf auch ruhig etwas rabiater ausfallen. Wahrscheinlich muss man da in den 60ern in Westeuropa gucken oder bei den Russen. Da gab's doch Akkordionisten, die mit Orchestern aufgetreten sind, oder?
     
  4. mjchael

    mjchael Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.01.20   #4
    Gib mal Akkordeonsuite in Google ein.
    Ich habe bei den Ergebnissen einige interessante Sachen gesehen.
     
  5. Monteverdi

    Monteverdi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.01.20   #5
    Es gibt zig Konzerte für Akkordeon und Orchester. Eines der älteren Stücke wäre das nette Konzert für Akkordeon und Streicher von Hugo Herrmann. Aus neuerer Zeit gibt es Fachwerk von Sofia Gubaidulina. Flashing von Arne Nordheim ist im Wesentlichen die Solokadenz aus einem großen Konzert. Etc.
     
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  6. Bernnt

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    Erstellt: 07.01.20   #6
    Hab ich auch gesehen, aber leider keine Kadenz.

    Vielen Dank, Monte. Leider finde ich da im Netz keine Aufnahme. Klar, das ist schon älter, aber irgendwie sind solche Werke aus der breiteren Öffentlichkeit verschwunden.

    Findet sich hier. Ich finde es interessant, es entfaltet so für mich noch ungehörte Klangwelten. Irgendetwas passiert. Freilich finde ich zu diesen Welten keinen Zugang, weil ich nicht weiß, wie man sich an so etwas annähert. Darum bleiben bei mir eine bloße Aneinanderreihung von vereinzelten Klangeindrücken zurück, die ich nicht zusammen bringe. Vielleicht bin ich für so etwas zu einfach gestrickt.

    Eine "Akkordeon-Kadenz" findet sich in 21:38-25:06 und ergreift mich. War sie als erstes Teilstück der Komposition da? Wie passt sie zum Rest? Das Bayan klingt in der Aufnahme ziemlich eindrucksvoll. Ich frage mich, ob man als Komponist bei einer Aufnahme jemals zu 100% zufrieden sein kann, wenn man Klangteppiche weben will. Denn die Bayane unterscheiden sich doch ziemlich im Klang. Oder einfacher gesagt: Mit einer Pigini dürfte das ganze doch ziemlich anders klingen als mit einer Jupiter.

    ist hier zu hören.
     
  7. Monteverdi

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    Erstellt: 07.01.20   #7
    Ähem .... soweit ich weiß, spielt Geir Draugsvoll Pigini :-)

    Bedenke mal, Gubaidulina zählt zu den absoluten Topkomponisten der Gegenwart ;-)
     
  8. klangtaucher

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    Erstellt: 07.01.20   #8
    Ann-Sophie Mutter hat sich ein Konzert schreiben lassen von Sophia. Schnittke und Arvo Pärt gehören zu diesem Kreis. Auch der Kiewer Valentin Silvestrov, mit dessen kleinen (Klavier-)Stücken, Bagatellen u.a., ich vor ca. drei Jahren mal ein ziemlich wiersprüchliches Projekt versucht habe, nachdem er sich dort musikalischer und formaler Schlichtheit bedient. naja, war jetzt evtl. etwas OT, sorry ...
     
  9. Bernnt

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    Erstellt: 07.01.20   #9
    Ich nix verstehn in Athen. Monte, ich weiß, dass sie zu den Topkomponisten gehört. Freilich komme ich mir beim Hören so vor wie ein Marsmensch, der sich Vanillepudding vorstellen soll ohne zu wissen, was a. Vanille und b. Pudding ist.

    Gibt es auch genuine Akkordeonkadenzen, die nicht so up to date sind und eher in Richtung Rachmaninow gehen? Wo?

    Ja ein bekanntes Duo aus dem süddeutsch-schweizerischen Raum hat sich mal der Polka gewidmet. Da steckt Humor drin. Die gewinnt mein Ohr auch sofort. Aber nix Kadenz drin.
     
  10. Klangbutter

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    Erstellt: 08.01.20   #10
    Also wir haben keine Ahnung worauf Du hinaus willst.
    Modern ist nicht das richtige, Mozartsche Klassik ist auch nicht was Du suchst.

    Mit Hugo Herrmann kann ich nicht dienen, aber das erste ausgewiesene Akkordeonkonzert (Original) ist von Berhard Moulique, der aber glaube ich Geiger war.
    Das hört man auch. Das steht alles in alter Tradition.
    Könnte also genau das sein wonach Du suchst, obwohl es genausogut für Geige oder Klavier in alter Manier hätte sein können.

    Ich habs mal für Klingenthal gelernt, erreichte aber die 3. Runde nicht.

    Ich denke, die Form ist heute nicht mehr so oft zu treffen. Die Mischung typisch Klassik (in der es Solokadenzen häufig gab), dann aber Soloinstrument Akkordeon, aber doch nicht modern .... da ist die Luft schon recht dünn.

    Folgende Konzerte standen auch schon auf dem Notenständer:

    Przybylski Concerto Polacco
    Schwaen
    Tschaikin
    Schmykov Ocean
    Trojan Märchen

    Kann mich aber nicht erinnern ob da Kadenzen drin waren.


    Vielleicht helfen Dir die Namen als Stichworte. Mir fehlt leider die Zeit das alles zu sichten.
     
  11. Monteverdi

    Monteverdi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.01.20   #11
    Wobei man bei dem Molique Concerto fairerweise sagen muss, dass es für Concertina komponiert ist.
     
  12. Bernnt

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    Erstellt: 08.01.20   #12
    Naja, ich suche Inspiration, weil ich selber am Gucken bin, wie man das Akkordeon in einer Kadenz in Szene setzen könnte, ohne andere Instrumente zu kopieren. Eine genuine Akkordeonkadenz. Da bin ich störrisch. Manchmal sitze ich vor Würthnerstücken und denke: Das ist jetzt Klavier oder Geige - beides kommt ja vor, aber kein Akkordeon...

    Klar ist der Konverter erst seit den 1960ern richtig heiß am Start - also in einer Zeit, in der die Klassik und die Romantik schon einige Jahrzehnte Geschichte sind. Dass die Luft bei so einem Wunsch dünn ist, ist mir klar. Darum auch die Frage hier und ein Hinweis: Rachmaninoff. Vielleicht gibt es ja etwas, das in jenem Geist für Akkordeon geschrieben wurde...

    Vielen Dank für die Stichworte. Du brauchst nicht alle Werke zu sichten. Du tust schon genug für uns. Mal gucken, was sich noch auftut.

    Wenn's wirklich überhaupt nicht geht: Es gab doch nach dem 2.Weltkrieg eine Reihe südamerikanischer Bandoneonvirtuosen, hab ich zumindest irgendwo mal gelesen. Kadenzen vielleicht dort? Aber auch dort - absolutes Unwissen.
     
  13. Monteverdi

    Monteverdi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.01.20   #13
    Anbei eine Übersicht der bis ca. 1980 entstandenen Konzerte mit Akkordeonbeteiligung (Quelle: Jospeh Macerollo - Accordion Resource Manual).

    @Bernnt: Vergiß mal Deine Fixierung auf Rachmaninov oder auch andere historische Komponisten. Wer möchte schon im Stil von sowieso XYZ komponieren? Noch dazu passt ein solch pianistischer Stil überhaupt nicht zum Akkordeon. "Genuine" Solokadenzen sind doch schon zu genüge in den drei Stücken vorhanden, die ich Dir genannt habe.

    Eine Ausnahme bildet vielleicht Ladislav Kupkovic, der sich nach einer avantgardistischen Phase stilistisch immer weiter zurück bewegt hat zu einer Tonsprache, die z.B. Haydn und Dvorak ähnelt. Von ihm gibt es ein Konzert D-Dur für Akkordeon und Orchester (Streicher, Pauken, Schlagzeug). Das war ein Auftragswerk des NDR und müsste so in den 80ern entstanden sein. Ich erinnere mich an keine Solokadenz, wird aber bestimmt eine drin sein (und vermutlich virtuos).
     

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    Erstellt: 10.01.20   #14
    Vielen Dank für die Liste, Monte. Ich wundere mich immer wieder, an was ihr euch erinnert oder was ihr kennt, @Monteverdi und @Klangbutter. Gubaidulina kann man noch kennen, aber das Zeug, das ihr anführt? Ich wüsste nicht mal, ob die Namen für einen Komponisten oder für einen Wäschehersteller stehen... Wie kommt ihr zu solchen Sachen? Natürliches Interesse? Neugier? Oder Pflicht an der Hochschule?
     
  15. Monteverdi

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    Erstellt: 10.01.20   #15
    Interesse und maßlose Neugier :-)
     
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  16. Bernnt

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    Erstellt: 14.01.20   #16
    [OT] Merkwürdig, über was man alles stolpert. Keine Akkordeon-Kadenz drinne, aber ein Akkordeon und viel Geigenspäße. Auf jeden Fall ist Kupkovic deiner Meinung. Nix historische (romantische) Komponisten:



    [/OT]
     
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