Spieltechnik Geige - Suche Tricks für Ausdauer und gegen Verkrampfung bei langem Geige spielen

von GeiGit, 31.05.17.

?

Bekommst Du Verkrampfungen und/oder Verspannungen bei langem Geige spielen?

  1. Ja, das bekomme ich auch

    5 Stimme(n)
    100,0%
  2. Nee, das macht mir nichts aus

    0 Stimme(n)
    0,0%
  1. GeiGit

    GeiGit Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    12.12.13
    Beiträge:
    4.072
    Ort:
    CGS-Schwabbach
    Zustimmungen:
    5.301
    Kekse:
    60.823
    Erstellt: 31.05.17   #1

    Suche Tricks für Ausdauer und gegen Verkrampfung bei langem Spielen auf der Geige



    Ich spiele ja jetzt schon fast 40 Jahre Geige habe aber trotzdem eher selten Einsätze bei denen ich wirklich sehr lange am Stück ohne Pause spiele.
    Ich spiele in einer Worship-Band bei uns in den Gottesdiensten im Stehen mit meiner E-Geige.
    Meistens spielen wir etwa 20-25 Minuten und davon spiele ich etwa ein Drittel E-Geige und zwei Drittel E-Gitarre.
    Dafür ist keine besondere Kondition nötig und durch den Haltungswechsel auf E-Gitarre habe ich dabei nie Probleme.
    :m_vio:

    Es gibt allerdings auch längere Einsätze bei denen ich nur Geige spiele.
    Bei größeren Beerdigungen am Grab, oder langen Anbetungsabenden spiele ich schon mal eine Stunde und mehr am Stück ohne Absetzen, ohne Pause und dann merke ich, dass die Haltung des linken Armes durch die Drehung des Handgelenks leicht verkrampft und dass mein linker Arm schwer wird und der Rücken verspannt.
    :m_vio2:


    Wie ist das bei euch?
    Habt ich auch solche längeren Spiel-Einsätze und irgendwelche Tricks und Tipps für mich, die euch dabei helfen nicht zu verkrampfen und konditionell so etwas leichter durchzustehen?

    In meiner aktiven Orchesterzeit gab es immer wieder kurze Spielpausen in denen ich absetzen konnte, insofern hatte ich damals keinerlei Probleme an die ich mich heute noch erinnern kann. Aber man wird ja älter ;):opa: :rofl: :weep:... :gruebel: Vielleicht war damals einfach meine Kondition noch besser :confused::nix: - wer weiß?

    Wie ist das bei euch @robbert, @fiddle, @Stollenfiddler @Vali, @suamor, @Geigermeister, @Roadjack92 ?
     
  2. Stollenfiddler

    Stollenfiddler Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    03.06.12
    Zuletzt hier:
    17.10.19
    Beiträge:
    662
    Zustimmungen:
    750
    Kekse:
    13.266
    Erstellt: 31.05.17   #2
    Ohne jegliche Pause eine Stunde durchspielen? Ich wüsste nicht, dass ich sowas jemals gemacht habe. Mein heftigster Gig war mal in einem Country-Duo 4 Sets a 50min + 10min Pause. Und ja, da wird das letzte Set dann echt lang. Aber ich werde dann eher "als Ganzes" müde.

    Was ich aber gut kennengelernt habe, dass sind kurzzeitige Verspannungen und teilweise deutliche Schmerzen im linken Unterarm / Handgelenk / Hand, vor allem beim Üben. Zunächst habe ich dann immer abgesetzt und gelockert, irgendwann wollte ich das aber einfach mal nicht und habe einfach weitergespielt. Dabei hab ich dann für mich herausgefunden, dass es oft nur Nuancen in der Haltung sind, mit denen ich den Schmerz "wegspielen" konnte. Ellbogen weiter eindrehen, Daumen nach vorne ziehen, oder alles umgekehrt. Ob das aber bei Dauerbelastung auch geht:confused:
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  3. GeiGit

    GeiGit Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    12.12.13
    Beiträge:
    4.072
    Ort:
    CGS-Schwabbach
    Zustimmungen:
    5.301
    Kekse:
    60.823
    Erstellt: 31.05.17   #3
    Vielen Dank für Deine Erfahrungen @Stollenfiddler!

    Ja, die leichten Entlastungen durch andere Haltung helfen auf jeden Fall! ...und die hatte ich am Samstagabend alle durch...
    Allerdings war es nach ca. 80min echt schwierig und mein Bizeps war echt angespannt und leicht verkrampft.
    Naja, wir spielten zu zweit: Ein Gitarrist spielte auf der A-Gitarre verschiedene Akkordfolgen, teilweise frei, teilweise improvisiert und ich spielte dazu die Melodien und improvisierte viel.
    Aber wir ließen ein Stück ins andere übergehen und so war es eben non stop...
    Dazu kam, dass ich ab Freitagmorgen bis Samstagabend dann schon gut vier Stunden insgesamt gespielt hatte und mir die Druckstelle am Hals im Bereich der Kinnstütze zu schaffen machte.
    Es machte total Spaß, wurde aber dann echt eine Belastungsprobe!
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  4. robbert

    robbert HCA-Geige HCA

    Im Board seit:
    06.06.13
    Zuletzt hier:
    17.10.19
    Beiträge:
    900
    Ort:
    14000 D
    Zustimmungen:
    6.733
    Kekse:
    25.934
    Erstellt: 01.06.17   #4
    ...ohne Pause und ohne Absetzen, ... das ist ja hart. :eek:
    Aber einen Krampf in der linken Hand hatte ich auch schon einige Male.
    Ich versuche immer mich viel zu bewegen, nicht nur auf der Stelle zu stehen sondern die ganze Bühne zu nutzen. Es kommt auf die Musik an, oft habe ich auch eine Art Bar-Hocker dabei. Zum Solo stehe ich dann auf.
    https://www.thomann.de/de/harley_benton_guitar_stool.htm
    Die für mich nicht benötigten Gitarrenhalterungen habe ich abegbaut oder abgeflext.
    Wenn ich mit meinem Soloprogramm unterwegs bin, bleibt der Hocker aber im Auto. Aber auch dann spiele ich selten mehr als 20 Minuten am Stück und habe zwischen den Titeln immer die Möglichkeit, mal kurz die Hand auszuschütteln.

    Ich verstehe ja meine Geige bei den völlig unterschiedlichen Einsatzgebieten als Bereicherung und "Verstärkung" des bisherigen musikalischen Materials, versuche Akzente zu setzen und meine ganz persönliche Sicht auf den Titel in meist freier Improvisation im Solo abzuliefern.
    Ich spiele mich fast nur noch selbst. Wenn jemand herausfinden will wie ich "ticke", muss er mir nur zuhören.
    Natürlich gehe ich auch in die Begleitung. Aber jeden Titel von vorne bis hinten zu geigen, macht die Geige eher uninteressant.

    Würde ich den ganzen Abend durchspielen, wäre das also aus meiner Sicht eher kontaproduktiv. Irgendwann wird es "Geniedel" .
    Ja, mir fällt es manchmal auch schwer, einfach mal die "Klappe" zu halten...
    ...um später richtig Gas geben zu können. Das ist aber eine Frage der Selbstdisziplin, ... und auch auf welchem Level die Band unterwegs ist. Wenn ich gebucht bin, habe ich ab dem Moment zu "liefern", wenn mir der "musikalische Leiter" ein Zeichen gibt. "Niedel" ich davor oder danach zu viel herum, gäbe nur böse Blicke.

    Ich auch nicht, siehe oben. Lange Einsätze sind mir aber sehr bekannt.
    Mittlerer Hardcore sind Kneipennächte. Beginn meist 20 Uhr, Ende 02 Uhr. Aber auch das kann Spaß machen. Da wird, bis auf ein paar wirklich kleine Pausen fast durchgespielt. Rechnet man Auf-und Abbau, An- und Abreise hinzu, kommen 10, 12 oder mehr Stunden für schmalen Taler zusammen.

    Ich oute mich mal: Ich habe schon ewig nicht mehr zuhause geübt.... :embarrassed:
    Dafür gibts doch die Veranstaltungen.... ;):D:D
     
    gefällt mir nicht mehr 2 Person(en) gefällt das
  5. GeiGit

    GeiGit Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    12.12.13
    Beiträge:
    4.072
    Ort:
    CGS-Schwabbach
    Zustimmungen:
    5.301
    Kekse:
    60.823
    Erstellt: 02.06.17   #5
    Danke für Deine Erfahrungen @robbert!
    Dann scheint es ja bisher eher normal zu sein, dass so eine Spiellänge an die Substanz geht. :gruebel:
    Bei Gitarre und Gesang macht mir so was nichts aus. Da spiele und singe ich wirklich mehrere Stunden ohne Probleme.
    Aber da ist das Instrument nah am Körper und die Armhaltung einfacher und weniger anstrengend.

    Wie schon gesagt, so lang am Stück ist bei mir die absolute Ausnahme!
    Normalerweise ist die Geige auch eher als Highlight für rhythmische, oder eben gefühlsbetontere Lieder oder Instrumentalteile im Einsatz.
    Und ich spiele immer im Stehen mit viel Bewegung :)

    Bewegung, Haltungsänderungen, Pausen, Hand ausschütteln, das sind die bisher genannten Tricks und Gegenmaßnahmen...
    ...mal sehn was noch so kommt ;)
     
  6. Stollenfiddler

    Stollenfiddler Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    03.06.12
    Zuletzt hier:
    17.10.19
    Beiträge:
    662
    Zustimmungen:
    750
    Kekse:
    13.266
    Erstellt: 02.06.17   #6
    @GeiGit: Wenn ihr als Duo mit Gitarre und Geige unterwegs seid, dann vereinbart doch einfach mal reine Solo-Passagen, so dass der jeweils andere auch mal kurz lockern kann. Mit Gitarre ist das kein Problem, bei der Geige hilft nen Looper.

    @robbert: ja, wenn Du Geigen kannst was Du gerne möchtest und die Spielpraxis auf der Bühne ausreicht, den Level zu halten, dann scheint üben obsolet. Für mich macht es aber auf der Bühne einen großen Unterschied, ob ich die letzten 2 Wochen mein Instrument viel gespielt habe, oder nur 1-2 mal die Woche. Und selten nur schaffe ich es, mehr als ne Stunde zu üben. Überwiegend beschäftige ich mich dabei mit Etüden, die ich in nervtötender Langsamkeit spiele, dabei aber auf gute Bogenführung und genaues Timing achte. Eben die Ecken, wo meine offensichtlichen Baustellen sind. Und genau bei diesen Übungen in Langsamkeit, da treten dann auch Verkrampfungen auf.

    Ich finde das echt interessant, dass hier so viele Leute mit Vollimpro unterwegs sind. Ich mach das ja auch regelmäßig, einerseits in Jamsessions, andererseits hab ich noch ein kleines Side-Project mit einem Bassisten, wo wir ohne Programm auf die Bühne gehen und es darauf ankommen lassen, was aus dem Moment heraus passiert.

    Wie handhabt ihr das mit Tonarten und Skalen? Wird da je dran gedacht, oder bin ich doch nicht allein mit einem "ich denk mir den Ton der da hingehört, und schon kommt er aus der Geige"?
     
    gefällt mir nicht mehr 3 Person(en) gefällt das
  7. GeiGit

    GeiGit Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    12.12.13
    Beiträge:
    4.072
    Ort:
    CGS-Schwabbach
    Zustimmungen:
    5.301
    Kekse:
    60.823
    Erstellt: 02.06.17   #7
    Das ist eher die Ausnahme, und dann total spontan z.B. während Gebetszeiten.

    Das mag ich am Meisten und bin froh, dass ich mit der Geige keine Noten mehr brauche!
    Ich brauche auch keine Skalen, weder auf der Gitarre, noch auf der Geige.
    Beides Mal wird im Solo- und Begleitspiel viel improvisiert, bei der Geige sogar Richtung 95%.
    Wenn ich die Tonart weiß, weiß ich zumindest die Tonleiter auf allen Saiten und somit auch die "erlaubten Töne".
    Denken tu ich nicht wirklich, ich lass mich inspirieren und spiel direkt was mir in den Kopf kommt ohne drüber nachzudenken ob ich das kann oder nicht.
    Ich "lebe sozusagen" die Melodien und fühle die möglichen Harmonien!
    Es ist total spannend was dabei dann raus kommt, es ist immer einmalig und ich kann danach nicht sagen was ich gespielt habe :)
    Das passiert dann oft mit vollem Einsatz und Verkrampfungen lenken mich dabei ziemlich ab. deshalb auch meine Eingangsfage nach "Tricks", Ausdauertraining, Übungen usw.
     
    gefällt mir nicht mehr 2 Person(en) gefällt das
  8. robbert

    robbert HCA-Geige HCA

    Im Board seit:
    06.06.13
    Zuletzt hier:
    17.10.19
    Beiträge:
    900
    Ort:
    14000 D
    Zustimmungen:
    6.733
    Kekse:
    25.934
    Erstellt: 02.06.17   #8
    Ja, meistens ist das so.
    In meinem Solopragramm (zu Halbplaybacks) spiele ich hauptsächlich Titel, die ich selber oder Freunde von mir geschrieben habe. Wenn ich da mal was weglasse oder vereinfache, merkt das "keine Sau"... ;) :D:D

    Schon bei den allerersten Takten merke ich, was nicht besonders läuft. Mal ist es ein Lagenwechsel, mal der matte vierte Finger, das Vibrato oder die rechte Hand will nicht wie ich... Sobald es der Titel hergibt, "übe" ich dann auf der Bühne genau diese Dinge.

    Da geht es mir ähnlich. Ich denke über Skalen und Tonarten nicht mehr nach. Ich versuche das Stück zu empfinden und (m)eine Story daraus zu machen, die spannend, beruhigend, aufregend... oder wie auch immer nach meiner Tagesform ausfallen kann. Den Gedanken, in welcher Art meine Impro ausfallen soll, habe ich aber spätestens wenn ich ansetze.
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
  9. GeiGit

    GeiGit Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    12.12.13
    Beiträge:
    4.072
    Ort:
    CGS-Schwabbach
    Zustimmungen:
    5.301
    Kekse:
    60.823
    Erstellt: 03.06.17   #9
    Da geht es mir ähnlich wie Dir:
    Auch ich übe eher selten und wenn, dann spiele ich mehr, als dass ich übe.
    Es ist bei der "Vollimprovisation" ja vorallem wichtig "eins mit dem Instrument zu sein".
    Wenn man sich darauf zuhause fühlt, dann läuft es und man kann frei und ohne Angst, Scheu, oder Respekt einfach losspielen.
    Sowas hätte ich mich früher nie getraut und bin froh das Hilfsmittel "Noten" nicht mehr als Sicherheit zu brauchen.
    Cool, dass @Stollenfiddler und @robbert hier ähnlich unterwegs sind.
    Das findet man unter Streichern eher selten!
     
  10. lil

    lil Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    18.04.08
    Zuletzt hier:
    17.10.19
    Beiträge:
    4.924
    Ort:
    St. Georgen im Schwarzwald
    Zustimmungen:
    2.895
    Kekse:
    31.281
    Erstellt: 23.06.17   #10
    Um das ursprüngliche Thema nochmal aufzunehmen :D
    aber Du schreibst doch selbst
    zumindest in diesen Fällen lässt sich doch vorab mit dem Gitarristen etwas vereinbaren. Oder grundsätzlich: Du wirst ja nicht mit einer unübersichtlichen Zahl von immer neuen Gitarristen zusammenspielen; vermutlich ist es immer der gleiche oder zumindest wenige wechselnde. Und mit denen könntest Du ja vereinbaren, dass Du ihnen in dem Fall, dass es mal wieder länger wird und Du Probleme mit der Haltung bekommst, ein Zeichen gibst, dass sie mal kurz solieren sollen. Ihr werdet ja nicht Rücken an Rücken stehen, sondern Euch während des Spiels im Auge haben, so dass ein Zeichen oder auch ein kurzes Wort möglich sein sollten ...
     
  11. suamor

    suamor Helpful & Friendly User HFU

    Im Board seit:
    13.09.06
    Zuletzt hier:
    17.10.19
    Beiträge:
    631
    Ort:
    Südwestdeutschland
    Zustimmungen:
    194
    Kekse:
    3.289
    Erstellt: 09.07.17   #11
    Ich spiele jedes ein ziemlich heftiges Programm einmal im Jahr, das ich jetzt nicht in Stunden bemesse möchte. Übliche Probenlänge ist bei mir 2h (aber da spielt man natürlich nicht am Stück).
    Im Prinzip geht das am besten mit Training am Instrument (mit wenig Pausen, dabei die Schwachstellen kontrollieren - welcher Rückenbereich (Schulter, Mitte, unten) und Armbereiche.

    Dann die schwachen Bereiche gezielt trainieren (Rückengymnastik, Fitnessstudio o.ä.). Normalerweise sollte 1 Stunde am Stück kein Problem sein, erst ab 90min wird es eng.

    Technische Tricks, bspw. Geige niemals unter das Kinn klemmen, Alexandertechnik anwenden etc. helfen nur zu einem gewissen Grad, wenn die Fitness fehlt.

    Gymnastikübungen kannst Du Dir beim Arzt verschreiben lassen... Mit einem Physiotherapeuten zu reden und Dich auf Deine Fitness kontrollieren zu lassen ist immer eine guter Anfang (es gibt viele gute Bücher - auch für Laien, aber man schätzt sich doch leider häufig falsch ein).
     
    gefällt mir nicht mehr 2 Person(en) gefällt das
Die Seite wird geladen...

mapping