Tief singen - Atemtechnik! - Aber wie?

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Nervmichbittenet
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Hey Leute,

Ich wollte mal fragen, wie das mit der Atemtechnik beim tief singen ist?! Ich übe jetzt schon seit einer Ewigkeit das tief singen (so wie in "Born to die" - Lana del Rey oder Adele Songs) und es ist nicht so, dass ich prinzipiell nicht tief singen kann, meine Stimme ist dazu in der Lage, tiefe Töne zu singen, aber es sind immer nur bestimmte Momente, in denen das gelingen will. Ich sitz z.B. abends in meinem Bett und sing etwas leiser und merke plötzlich, wie tief ich eigentlich mit meiner Stimme kommen kann, aber es klappt leider nicht immer auf Anhieb, wenn ich z.B. ein Lied singe, in dem hohe und tiefe Stellen sind, dann kann ich die tiefen Töne meistens nicht sauber singen oder zumindest nicht so, dass sie sich schön anhören. Ich finde das doof, denn es ist mir sehr wichtig, dass ich tief singen kann, weil das irgendwie jeder Depp kann... -.- nur ich kann es wiedermal nicht gescheit. Und es ist mir auch wichtig, dass ich es sich gut, sauber und schön anhört und nicht "hingehuddelt". Wenn ich auf dem Klavier die Töne nachsinge, treffe ich auch die tiefen Töne, aber es ist immer was anderes, wenn das ganze in einem Lied ist, das man singt.

Deshalb meine Frage: Wie sing ich richtig tief? Ich weiß, es hat ne Menge mit dem Atmen zu tun. Ich würde liebend gerne Übungen zum Tiefsingen machen, kenn aber keine. Wenn ich bei Google eingeb: "Wie kann ich tiefer singen?" find ich nix, nur so unsinnigen Kram, mit dem ich nix anfangen kann. Wie muss da die Atemtechnik sein? Was muss ich mit meiner Stimme machen, damit ich richtig tief singen kann??

Ich hoff, ein paar hier kennen sich aus und können mir weiterhelfen.

Recht herzlichen Dank!
 
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Ich sitz z.B. abends in meinem Bett und sing etwas leiser und merke plötzlich, wie tief ich eigentlich mit meiner Stimme kommen kann,

Ja, dann mach das halt auch im Lied :engel:

Auf die Stimme drücken funktioniert im Mittelbereich; da klingt es halt nicht nett, aber wenn man an die Extreme gehen will, egal ob hoch oder tief, geht mit drücken gar nix mehr. Grad bei tief, da singt man laut, indem man ganz leise singt ;) Die Stimme nach oben denken, in Dich reinfühlen - irgendwann springt sie in die Resonanz, und dann wird es laut.

Als Vorstellung hilft mir da ganz gut, dass ich die Luft in einem schmalen Schlauch vor dem Mund hochführen würde.

Übrigens, danke für den Deppen :p

Ich hab aber schon öfter gehört, dass so manche Sopräne dann wohl keine Deppen sein können, weil die nämlich nicht ans Brustregister kommen und so ab c' dünne werden. Und sich dann manchmal wundern, wie tief sie doch kommen, wenn der GL dann glücklich sturer war als sie ;)
 
Nervmichbittenet
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Ich kann das ja dann auch im Lied. :D Aber eben nur, wenn ich abends in meinem Bett sitze und mir das Playback von "Born to die" oder "Turning tables"... etc. anmache. Ich brumm erst ein bisschen vor mich hin und dann versuch ich eben zu singen. Hahaha. Und ich weiß, dass das mit dem Drücken nix bringt. ;) Aber, was bringen mir diese "Zufallstreffer"? Ich möchte sicher singen und das funktioniert nur, wenn ich genau weiß, was ich machen muss, wenn ich mit der Stimme runter will. Ich weiß genau, was ich machen muss, wenn ich in mittlerer oder hoher Lage singe, aber das weiß ich von selbst und ohne, dass man mir sagen muss, wie ich es machen soll. Ich merk zwar, was ich mache, wenn ich tief komme, aber irgendwie auch wieder nicht. Was ich suche, sind gezielte Übungen, um immer darauf zurückgreifen zu können.
 
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Im Grunde genommen geht tief singen genauso wie hoch singen, aber es gibt 3 Besonderheiten, die es für viele Leute schwierig machen:

1. Die sehr tiefen Töne kann man NUR leise singen (besser gesagt mit sehr geringem Druck). Laut (mehr Druck) singen geht nicht. Wenn man das versucht, bricht der Ton weg oder es kommt nur noch heiße Luft. Dadurch fällt es vielen schwierig diese Töne sauber in einen Song einzupflegen, der insgesamt vielleicht auf einer höheren Lautstärke liegt. Das wäre auch eine mögliche Erklärung, warum es bei dir beim "Rumbrummeln" im Bett geht, aber nicht beim richtigen Singen am Klavier, evtl. ist die Lautstärke einfach unterschiedlich.

2. Weil der Kehlkopf auf den sehr tiefen Tönen runtergeht, fällt es teilweise sehr schwer den Vordersitz zu behalten. Oft hat man eine sehr starke Tendenz den Ton "nach oben" zu denken, was ebenfalls dazu führt, dass der Ton überlüftet und mumpfig wird oder ganz verschwindet. Deshalb unbedingt darauf achten beim tief singen, dass der Vordersitz bleibt, bzw. die Vorstellung "aus der Stirn nach vorne" (nicht nach oben) zu singen.

3. Die Mundöffnung ist beim sehr tiefen singen tendenziell groß, der Kiefer steht sehr tief. Diese Einstellung ist sehr ähnlich dem Singen in den absoluten Höhen. Oft singt man die Tiefen mit zu stark verschlossenem Mund und zu wenig gesenktem Unterkiefer.


Eine nützliche Übung (die auch gut in den Höhen funktioniert) ist es, die gewünschten Töne auf dem Vokal "u" mit möglichst großer Mundöffnung zu singen. Das ist ziemlich "tricky", weil das "u" eine starke Tendenz zu einer kleinen Mundöffnung hat. Aber es hilft genau die Mechanismen in Gang zu setzen, die den Ton in diesen Bereichen stabil halten. Insbesondere auch das stärkere Senken des Unterkiefers. Dabei aber unbedingt darauf achten, dass du den Ton gleichzeitig nach vorne in die Weite "projizierst" (sucht dir z.B. ein Fenster und sing da hinaus).
 
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Die tiefe Lage muss man trainieren, trainieren, trainieren. Und zwar leise, das wurde ja schon gesagt. Für die erforderliche Lautstärke sorgt dann das Mikrofon.
Ich singe manchmal ohne Mikro - z.B. wenn die Akustik gut und die Bandbesetzung klein ist - und das ist auch kein Problem bei mittleren und hohen Lagen, die Stimme setzt sich durch. Tiefe Töne gehen allerdings unter - damit muß man leben!
Versuche mal, chromatisch (in Halbtönen) abwärts, beginnend bei ca. c´, auf "a" zu singen. Mund auf, und Töne in die Stirn denken. Welche Töne sind noch singbar für dich ?
 
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3. Die Mundöffnung ist beim sehr tiefen singen tendenziell groß, der Kiefer steht sehr tief. Diese Einstellung ist sehr ähnlich dem Singen in den absoluten Höhen. Oft singt man die Tiefen mit zu stark verschlossenem Mund und zu wenig gesenktem Unterkiefer.

:gruebel: Ist sie? Innere Weite, klar, aber Mund samt Lippen sind bei mir, wenn ich erfolgreich einen tiefen Ton singe, doch eher nicht so weit offen. Bei extrem hohen Tönen reiß ich die Klappe wesentlich weiter auf.

Oh, heut bin ich aber tief! Normal fängt es beim d, spätestens beim c schon das Knattern an...
 
Kutti
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Hallo,

wenn ich Dich richtig verstehe, hast Du ja schon eine Möglichkeit an Deine tiefen Töne anzudocken. Nämlich im Bett die Lieder nachzusingen. Da gönnt man sich es wohl, zuerst mal ein wenig zu brummen und so in die Tiefe zu kommen und es muss dann ja nicht auf Anhieb gehen, sprich es ist spielerisch. Ich würde das nutzten und als Vorübung machen. Wenn Du gut drinnen bist und die tiefen Töne hast, dann übertrage es ins Sitzen und oder ins Stehen.

Liebe Grüße
Kutti
 
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:gruebel: Ist sie? Innere Weite, klar, aber Mund samt Lippen sind bei mir, wenn ich erfolgreich einen tiefen Ton singe, doch eher nicht so weit offen. Bei extrem hohen Tönen reiß ich die Klappe wesentlich weiter auf.

Oh, heut bin ich aber tief! Normal fängt es beim d, spätestens beim c schon das Knattern an...
Ja, eigentlich schon. Wobei es nach außen hin oft nicht so aussieht, weil man oft wesentlich weniger vordere Weite hat. Was ich meine ist auch nicht die "sichtbare Mundöffnung", sondern die Auslenkung des Kiefergelenks.
 
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Calysta
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Hallo!
Ich möchte auch mal, wenn auch laienhaft, meinen Senf dazu beitragen ;-)
Also meine GL rät mir bei tiefen Tönen immer, den Bodenkontakt nicht zu verlieren, die Beine bzw. Füße fest auf dem Boden zu spüren. Wir arbeiten ab und zu auch mit Gewichten z.B. Hanteln, die mit gestreckten Armen nach unten gehalten werden, die den Schwerpunkt verdeutlichen sollen. Kann man mir folgen?

Was ich damit eigentlich sagen möchte ist, dass es (vermutlich) daran liegt, dass du die tiefen Töne abends im Bett besser triffst, als mittags beabsichtigt, weil du dich im Bett liegend einfach besser entspannst, dadurch öffnen sich deine Resonanzräume. Evtl. "vertraust" du dir beim "rumbrummen" auch besser, stellst dir den Ton besser vor und triffst ihn somit auch "einfacher". Zumindest ist das bei mir oft das Problem. Wenn ich mir sage "Jetzt singe ich und zwar besonders schulisch", wirds meistens schlechter, als wenn ich "drauf los singe" und mich dabei dann schulisch korrigiere. (Oweia, mache ich mich jetzt bei den GL uner euch unbeliebt?..^^)

Ich denke wichtig ist beim singen von tiefen Tönen, dass du auch im Stehen diese gewisse Entspannung findest, die du auch abends im Bett hast.

Hmm jetzt zum Wie: Mein ehemaliger Chorleiter meinte immer, wir sollen "in einen tiefen Schacht" singen, also sich das beim singen vorstellen.

Hoffe, es hilft dir ein bisschen.
Grüße!
 
Sunny_Hunny
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Meiner bescheidenen Meinung nach hat "tief singen" weniger mit Atemtechnik als mit "nicht verkrampfen" zu tun. Wenn du die Stimme runter pressen willst, geht das nicht.

Vielleicht ist der Punktus Knackus, dass du prinzipiell mit viel Druck auf der Stimme singst (im Lied) und deswegen dann die Tiefen nicht mehr funktionieren? Wenn du abends entspannt im Bett sitzt, dann geht es eben.

Übrigens, Lana del Rey live... :igitt: Die growlt in den Tiefen auch ganz schön rum, während sich ihre Stimme ordentlich überschlägt. Bin mir bei ihr leider sicher, dass da im Studio viel getrickst wird, zumindest bei den neueren Sachen. Hör' dir mal "Kinda Outta Luck" oder "Diamond Mountain Dew" an, da merkt man, dass sie eigentlich eine viel höhere Stimmlage als bei "Born To Die" anmacht.

Generell:
Versuch nicht, andere zu kopieren. Das klappt eh nicht. Wenn du Lieder covern willst, dann sing sie halt auf deine Art. Und wenn du sie dafür 1-2 Halbtöne nach oben transponieren musst, stirbst du auch nicht davon. ;)
 
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Ich möchte nicht andere kopieren. ;) Meine Absicht ist es vielmehr, eine größere Range anzueignen, damit ich besser variieren kann und sich nicht alles immer gleich anhört. Übrigens hab ich jetzt den Dreh einigermaßen raus, glaube ich. :) Komme seit ein paar Tagen relativ gut nach unten. :) Danke für alle Antworten.

Die alten Lana-Sachen sind übrigens total toll.
 
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Mein GL hat mir in einer der ersten Stunden auch gesagt, dass ich tendenziell mit etwas zu hoher Spannung an die tieferen Töne herangegangen bin. Das kam daher, dass ich mich vorher hauptsächlich auf die Höhen konzentriert habe, weil mein vorheriger GL meinte, meine Stimme klänge da besser. Dass meine tiefen Töne für meinen ersten GL nicht überzeugend klangen, dürfte aber wohl einfach daran gelegen haben, dass ich versucht habe, diese Töne mit der selben Spannung zu treffen wie die in der mittleren bis hohen Lage, und dann gab's oft entweder nur noch Knattern, oder aber ich habe die Töne getroffen, nur, dass sie sich trotzdem nicht durchsetzten.

Mein neuer GL hat mir dann - im Gegensatz zum landläufig verbreiteten Klischee, man solle immer im Stehen singen - einfach mal geraten, mich in einen Sessel zu setzen und mal wirklich komplett locker zu lassen, wirklich quasi wie "ein Schluck Wasser in der Kurve", auch, ohne so stark zu stützen wie in der mittleren bis hohen Lage. Und siehe da, auf einmal klappt's deutlich besser. :D Das wäre dann vergleichbar mit der Situation, wenn du auf dem Bett sitzt, entsprechend entspannt bist, nicht mit Gewalt versuchst nach unten zu kommen und dir evtl. auch über die Stütze nicht so viele Gedanken machst, wie wenn du bewusst singst.

Wie schon von den anderen gesagt wurde, besonders laut geht in dieser Tiefe nichts. Wenn man dauerhaft in einer so tiefen Lage singen will, muss man das Mikro eben lauter drehen - ansonsten kann man jedoch auch einfach mit dem Abstand zum Mikro spielen, sprich: Bei tiefen (und daher leiseren) Tönen näher rangehen, bei hohen dann aber auch weiter weg, damit nichts übersteuert, wenn man reinschmettert.

Apropos, hoch: Mir ist aufgefallen, dass bei mir die tiefen Töne meist am besten kommen, wenn ich NICHT eingesungen bin, idealerweise morgens nach dem Aufstehen, wenn die Stimme einfach noch schwer ist. :D Nach dem Einsingen habe ich mit den tiefen Tönen dann oft Probleme, obwohl ich dabei sowohl nach oben als auch nach unten gehe. Ich glaube aber, durch das Einsingen in die Höhe kommt man einfach in eine gewisse Grundspannung, die für die hohen Töne auch notwendig ist, die man aber wieder ablegen muss, wenn man dann doch nochmal in die Tiefe will (Stichwort Sessel ;D ).

Und wenn das sehr schnell gehen soll - also kurze Zeit nach einem sehr hohen Ton ein sehr tiefer kommen soll oder umgekehrt - geht meistens eins von beiden schief. Und das hat weniger mit dem großen Intervall zu tun: Entweder, man hat nach dem hohen Ton eine zu hohe Spannung und der untere knattert nur noch, oder aber, man lässt nach einem tiefen Ton auch bei dem hohen zu locker und kommt nicht dran.

Bei mir war's in einer Passage in einem kürzlich aufgenommenen Song so, dass ich in einer Zeile ein e' hatte und in der nächsten aufs große Fis runter musste. Das brauchte auch mehrere Anläufe und im Endeffekt habe ich die beiden Zeilen mWn sogar getrennt aufgenommen. Ich hoffe, mit ein bisschen Übung kriege ich das bald auch am Stück hin, aber das Lied hat noch so einige andere Herausforderungen.


Du siehst also, tief singen kann garantiert nicht jeder "Depp". ;D Viele bringen nur gerade am Anfang einfach nicht die nötige Spannung auf, um hoch zu singen, und bleiben deshalb quasi von alleine tief, weil sie eben die ganze Zeit verhältnismäßig locker lassen. Das hat aber meistens dann auch zur Folge, dass die Range dieser Leute nach oben hin stark begrenzt ist. Darum halten sich dann gerade viele Männer einfach für einen Bass oder tiefen Bariton, dabei haben sie's in der Höhe eigentlich nur "noch nicht richtig versucht".

Und bei uns in der AG haben wir auch einige Mädels, die sich aus demselben Grund bisher auf eine Alt-Range beschränken (unterhalb von c'' bleiben), obwohl ich von der Stimmfarbe her höchstens eine von ihnen wirklich als potentielle Altistin einstufen würde.

Wenn du jetzt schon viel in der Höhe geübt hast (ging mir ja auch so) oder einfach von der Veranlagung her eine höhere Stimme hast, kann's eben sein, dass du das Ganze jetzt in die Gegenrichtung üben musst. Spannung für tiefe Töne nachzulassen ist aber meiner Erfahrung nach leichter, als erstmal die nötige Kraft für hohe Töne aufbauen zu müssen.
 
Tonja
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Mein neuer GL hat mir dann - im Gegensatz zum landläufig verbreiteten Klischee, man solle immer im Stehen singen - einfach mal geraten, mich in einen Sessel zu setzen und mal wirklich komplett locker zu lassen, wirklich quasi wie "ein Schluck Wasser in der Kurve", auch, ohne so stark zu stützen wie in der mittleren bis hohen Lage. Und siehe da, auf einmal klappt's deutlich besser. :D

Ich mache oft solche Entspannungs-Einsingübungen und zwar mit eher kurzen Übungen im unteren Bereich meiner Range. Und auch sozusagen ohne zu stützen. Lasse mich dabei locker etwas in die Knie fallen, hänge faul überm Flügel und stütze mich dort ab oder sitze auf dem Sitzball, manchmal lege ich mich auch bäuchlings darauf (auf den Ball, nicht auf den Flügel ;)). Aus dem Alltag kommt man oft verspannt, gestresst und neigt dann zum singen mit Überspannung. Mir jedenfalls tun solche Übungen gerade zu Beginn des Einsingens sehr gut, auch wenn das nachher natürlich nicht der "Endzustand" sein darf :)


Ich glaube aber, durch das Einsingen in die Höhe kommt man einfach in eine gewisse Grundspannung, die für die hohen Töne auch notwendig ist, die man aber wieder ablegen muss, wenn man dann doch nochmal in die Tiefe will (Stichwort Sessel ;D ).

Und wenn das sehr schnell gehen soll - also kurze Zeit nach einem sehr hohen Ton ein sehr tiefer kommen soll oder umgekehrt - geht meistens eins von beiden schief.

Weiss zwar nicht in wie weit man da Parallelen von der Klassik zu Contemporary ziehen kann, aber dies hatte ich früher auch immer mal wieder. Kann mich an eine Arie erinnern, die konstant relativ hoch war. Ich hatte zwar nie das Gefühl, dass dieses Stück mich gross anstrengt, wollte ich unmittelbar danach aber was eher Tiefes singen, ging gar nichts mehr. War bei mir aber einzig und allein ein technisches Problem. Diese Grundspannung, die man für die Höhe zweifellos braucht, darf eben immer nur im Körper unterhalb des Halses sein und nie nie nie in der Kehle! Das zu trennen ist bekanntlich nicht immer ganz einfach :) Auch wenn in Klassik und Contemporary andere Gesetzmässigkeiten bezgl. Kehlposition und Ansatzrohr gelten, locker sein sollte die Kehle bei Contemporary ja sicher auch immer(?)

Jedenfalls, wenn die Kehle auch in der Höhe ganz locker bleibt, sind anständige tiefe Töne unmittelbar danach kein Problem mehr und man kann beliebig hin und her switchen.
 
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Jedenfalls, wenn die Kehle auch in der Höhe ganz locker bleibt, sind anständige tiefe Töne unmittelbar danach kein Problem mehr und man kann beliebig hin und her switchen.

Das ist sicherlich der angestrebte Idealzustand, im Contemporary wie in der Klassik. :D Aber Idealzustand und Realität unterscheiden sich dann ja doch meist ein ganzes Stück voneinander, und gerade bei den hohen Tönen spielt die Psychologie zumindest bei mir immer noch eine viel größere Rolle. Das mit dem "in der Kehle locker bleiben" ist immer so leicht gesagt, klappt aber oft nur dann, wenn es einem gelingt, den Gedanken an die Höhe und die Schwierigkeit eines Tones vollständig auszublenden und den Ton sozusagen singt, noch bevor man Zeit hat, sich darüber Sorgen zu machen. :D

Genauso, wie man eben bei tiefen Tönen nicht Bammel haben darf, dass die nicht laut genug sein könnten o.ä., denn genau dann lässt man meist nicht locker genug.

Davon abgesehen verkrampfe ich meist mehr, wenn ich nicht einige wenige, wirklich hohe Töne singen soll (bei mir so ab g', gis' und manchmal auch darüber), sondern ein wenig tiefere, dafür aber andauernd. Gibt da einige Stücke von Ten bzw. Gary Hughes als Solosänger, die ständig auf f' und fis' herumtänzeln und zwischendurch kaum Entspannungspause lassen, sowas finde ich viel schwieriger, dabei kann man sich da gar nicht vor einem einzelnen Ton verrückt machen; fis' war lange Zeit der Ton, den ich von all diesen noch locker hinbekommen habe, aber die Frage ist eben: Wie oft hintereinander?. Die Dauerbelastung macht's da irgendwann einfach aus.

Und wenn ich dann - was selten vorkommt - irgendwann mal so richtig warmgesungen bin und so ein Stück zur Abwechslung mal gut klappt, ist's dann meist schwierig, wieder bis ins wirklich tiefe herunter zu kommen. :D
 
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Bei der "lockeren" Kehle ist es halt wichtig, dass sich das wirklich nur auf die Kehle bezieht. Man braucht eine gewisse Stabilität im Bereich des Gaumensegels, um in den Höhen die Kopfresonanz aufrecht zu erhalten. Die wird auch von vielen als Spannung empfunden.

Oder beim Belten gibt es manchmal dieses Bild den Klang "an den Schneidezähnen" zu halten. Die Strategie ist also in der Regel, die Spannung woanders "hinzudenken", aber ganz weg bekommt man sie meistens nicht ;) (es sei den man bevorzugt ein vollkommen überlüftetes Falsett als Gesangsmodus).

BTW ich sitze gerade an "Souls of Silence" von Rob Lunte, der sozusagen ein "Cover-Challenge" dafür angeregt hat. Der Song ist absolut hart aber auch ein richtig guter Übungssong. Hält sich nahezu permanent im Passaggio auf mit ständigen Ausflügen nach gis' und ais' (mit einem einzelnen Scream bis cis''). Sowas eignet sich aber richtig gut, um zu üben und zu überprüfen, ob Vollstimme und Randstimme auch wirklich "connected" sind, weil in einem Wort mit kurzen Silben sowas wie e' - c' - ais' - gis' zu singen geht ansonsten so gut wie gar nicht.
 
Tonja
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und gerade bei den hohen Tönen spielt die Psychologie zumindest bei mir immer noch eine viel größere Rolle. Das mit dem "in der Kehle locker bleiben" ist immer so leicht gesagt, klappt aber oft nur dann, wenn es einem gelingt, den Gedanken an die Höhe und die Schwierigkeit eines Tones vollständig auszublenden und den Ton sozusagen singt, noch bevor man Zeit hat, sich darüber Sorgen zu machen. :D

Ja die liebe Psyche, die kommt ab und zu in die Quere. Bei mir ist das oben herum nicht so ein Problem. Wenn man immer wieder zu hören bekommt, man hätte eine gute Höhe, glaubt man das irgendwann und beginnt sich auf die hohen Töne zu freuen anstatt Angst vor ihnen zu haben. Das hat weiteren positven Einfluss auf die Klangqualität dort oben, wodurch man sich noch mehr darauf freut: man kommt auf diese Weise sozusagen in eine Positivspirale.
Ich habe dafür andere Angstlagen, nur sind die idR. zum Glück etwas weniger exponiert. Aber selbstverständlich habe auch ich immer wieder hohe Töne, die ich als schwierig empfinde. Gut hilft mir in solchen Fällen, mich dann einzig und allein auf den Inhalt des Stückes an dieser Stelle zu konzentrieren. Jeglicher Gedanke an Technik wird komplett verbannt, nur gerade die Emotion ist wichtig, mit dem Gefühl "sch* egal wie der Ton grad kommt" - und meist kommt er dann natürlich viel besser, als wenn man mit der Absicht an die Stelle ran geht, einen schönen hohen Ton singen zu wollen ;)


Davon abgesehen verkrampfe ich meist mehr, wenn ich nicht einige wenige, wirklich hohe Töne singen soll (bei mir so ab g', gis' und manchmal auch darüber), sondern ein wenig tiefere, dafür aber andauernd.

Ganz normal! Dauernd in einer für einem relativ hohen Lage zu singen ist anstrengender als einzelne hohe Spitzentöne. Respektive, damit es (bei noch nicht in allen Lagen völlig automatisierter lockerer Kehle) nicht anstrengend wird, muss man dann sehr auf diese Lockerheit fokussieren und versuchen, sie unter allen Umständen zu erhalten. Aber die Art des Versuchens darf natürlich nicht verkrampft sein, denn man probiere mal "verkrampft eine Lockerheit einzustellen und zu halten" :rolleyes:

Oder auch die Dauer eines Tones! Einen Spitzenton nur kurz antippen ist idR. viel einfacher als einen (u.U. deutlich) tiefer liegenden Ton in schöner Qualität zu halten. Ich singe ein kurzes e''' oder f''' viel lieber als ein ewig zu haltendes a'' oder h''. Habe aber gemerkt, dass neben aller Technik auch hier die Psyche wieder einen nicht unerheblichen Anteil hat. Bei einem meiner Stücke gibt es am Schluss als Verzierung ein d''' mit Fermate. Ich kann bzgl. Dauer also mehr oder weniger machen wie ich grad lustig bin. Dadurch fällt es mir nicht schwer, das d''' recht lange bei gleichzeitig einigermassen anständigem frei schwingendem Klang zu halten. Wäre dort aber ein gleich langer Ton (wie ich ihn meist singe) als fixe Note notiert: Hilfe! ich wäre schon 7 Phrasen vorher am zittern :eek:
 
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Ich singe ein kurzes e''' oder f''' viel lieber als ein ewig zu haltendes a'' oder h''.

Hehe, klingt ganz, als wäre da jemand für die Königin der Nacht prädestiniert. ;D

Bei mir schaukelt sich das eher gleichmäßig hoch; die Töne, die ich recht locker singen kann, kann ich auch recht locker halten (so bis fis'). Aber bei denen, wo ich mich anstrengen muss, ist oft eben das Halten das Problem. Ein gis' oder a' kurz "anzutitschen" zählt für mich praktisch noch nicht, ich habe erst das Gefühl, dass ich den Ton im Griff habe, wenn ich ihn auch sauber halten kann. Das ist aber natürlich ein Anspruch, den man sich vor allem in der Vollstimme bzw. bei den "Money Notes" stellt, denn gerade mit denen will man ja diesen Drama-Effekt der endlos gehaltenen Note erzielen. :)

In der Randstimme stelle ich mir den Anspruch auch nicht so stark, da versuche ich zwar auch, die Töne zu halten, um eben das Gefühl zu haben, ich habe sie im Griff. Aber wenn man sich dann mal als Mann am c''' versucht und das lange halten will, beschwert sich mein Bruder irgendwann... ^^ (Vor allem wenn's schief geht, natürlich XD )

weil in einem Wort mit kurzen Silben sowas wie e' - c' - ais' - gis' zu singen geht ansonsten so gut wie gar nicht.

Ich habe mir "Souls of Silence" mal angehört, ist sicherlich anspruchsvoll; dass er ständig im Passagio bleibt, hat er auch dazu geschrieben bzw. habe ich auch gemerkt - so ganz verstecken kann er den Übergang nämlich auch nicht, zumindest nicht, wenn man sich seine Videos angeguckt und sich an seine Stimme gewöhnt hat. Mir ging das Lied jetzt nicht so ins Ohr; liegt wahrscheinlich an eben solchen Tonfolgen. Ich versuche mir e' - c' - ais' - gis' gerade als Tonfolge vorzustellen, klingt für mich eher nach einer Gesangsübung als nach einer Melodie, die ich tatsächlich in einem Lied erwarten würde. :D
 
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broeschies
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Ich habe mir "Souls of Silence" mal angehört, ist sicherlich anspruchsvoll; dass er ständig im Passagio bleibt, hat er auch dazu geschrieben bzw. habe ich auch gemerkt - so ganz verstecken kann er den Übergang nämlich auch nicht, zumindest nicht, wenn man sich seine Videos angeguckt und sich an seine Stimme gewöhnt hat. Mir ging das Lied jetzt nicht so ins Ohr; liegt wahrscheinlich an eben solchen Tonfolgen. Ich versuche mir e' - c' - ais' - gis' gerade als Tonfolge vorzustellen, klingt für mich eher nach einer Gesangsübung als nach einer Melodie, die ich tatsächlich in einem Lied erwarten würde. :D

Ja, der Song wirkt insgesamt ein wenig wie eine "Tech-Demo" seiner Gesangstechnik. Deshalb hat er auch diese "Challenge" gestartet, dass alle, die mit TVS üben, sich mal an einem Cover des Songs versuchen sollen.

Und seinen Übergang kann er mMn sehr gut verstecken. Der ist nämlich nicht an der Stelle, an der die meisten ihn vermuten (gut, vielleicht bist du ja eine Ausnahme). Er wechselt etwa ab e' in die Randstimme. Die meisten denken allerdings, dass er bei dem Song erst ab g' in die Randstimme wechselt. Aber das hellere Timbre ab g' (das die meisten als Indiz für "Randstimme" nehmen) hat nicht mit einem Wechsel des Schwingungsmodus zu tun, sondern mit seiner Vokaltrakteinstellung, die ab diesem Punkt deutlich "schmaler" wird.

Zudem hat er seine Klangformung zuletzt deutlich geändert. Hör dir mal seine neue Version auf Myspace an http://www.myspace.com/tvsvox
 

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