Warum werden Ganz- u. Halbton-Tasten ein- oder mehrachsig gelagert?

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Balg
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Angeregt durch die Diskussion zwischen Maxito und Lärmbelästigung betreffend der Belegung von Ganztönen auf den Halbton-Stimmstock möchte ich hier anfragen, weshalb die Akkordeone mit ein- oder mehrachsigen Tastenlagerungen ausgestattet sind.

Maxito hatte mitgeteilt, dass er es als unangenehm empfindet, wenn der E-Ganzton auf dem Halbton-Stimmstock eingebaut ist wegen des hörbaren Klangunterschiedes.

Der Hinweis von Lärmbelästigung dass alle Halbtöne diesen Mangel hätten, ist grundsätzlich falsch und hat andere Hintergründe.

Deshalb meine Fragestellung weshalb ein- u. mehrachsige Akkordeone gebaut werden.

Ich freue mich auf Antworten und Fragen zu diesem Thema, das sehr umfangreich ausfallen kann.

Gruß
Balg
 
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diatoner
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Vielen Dank für die Fragestellung, zu dem Thema würde ich gern möglichst viel hören. Ist es nicht so, daß in den meisten Fällen der Klangunterschied durch unterschiedliche Öffnungswinkel bzw. Weite entsteht, verursacht durch die unterschiedllichen Hebellängen bei einachsiger Lagerung. Sofern die Kanzellen und Öffnungen identisch sind müßte doch das E auf dem Halbtonstimmstock gleich klingen?
 
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Hallo Diatoner,

eine von vielen Antworten, die noch kommen werden, ist Deine schon der richtige Weg.

Gruss
Balg
 
maxito
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Maxito hatte mitgeteilt, dass er es als unangenehm empfindet, wenn der E-Ganzton auf dem Halbton-Stimmstock eingebaut ist wegen des hörbaren Klangunterschiedes.

Dazu hätte ich vielleicht noch ergänzen sollen, dass dies die Töne im Cassotto betrifft... das ist noch ein feines aber wichtiges Detail in diesem zusammenahng!

Sofern die Kanzellen und Öffnungen identisch sind müßte doch das E auf dem Halbtonstimmstock gleich klingen?

In meinem Fall ist es so, dass die Stimmstöcke für die Ganztöne und Halbtöne "hintereinander" ins Cassotto eingebaut sind - Der Ganztonstimmstock liegt damit tiefer im Cassotto drin und der Schall hat damit einen ganz anderen Laufweg im Cassotto. Und beim üblichen Aufbau , wie ein Cassotto normalerweise gebaut wird macht das einen wahrnehmbaren Unterschied im Klang aus.



Ist es nicht so, daß in den meisten Fällen der Klangunterschied durch unterschiedliche Öffnungswinkel bzw. Weite entsteht, verursacht durch die unterschiedllichen Hebellängen bei einachsiger Lagerung.

Sehr viele Akkordeons haben ja eine einachsige Lagerung. ...also zumindest Tastenakkordeons, von denen hier vermutlich maßgeblich die Rede ist. Das Problem hierbei ist dabei dass durch die unterschiedlichen Tastenlängen und gleichem Tastenhub, die Tasten einen unterschiedlichen Drehwinkel machen , wenn man die drückt. Und das Problem ist jetzt dabei dass man auf der einen Seite den Tastenhub für den Spieler so gestaltet, dass sich der als angenehm und praktisch für das Spielgefühl gestaltet.

Und sehr oft sit es dann halt so, dass , weil die Halbtontasten kurz sind auch die entsprechende Halbtonstimmstöcke näher bei den Tasten angeordnet werden, damit man passend zu den kurzen Tasten auch kurze Klappenhebel bauen kann und so die Öffnungsverhältnisse so in grober Näherung aneinander angleichen kann.

Klappt aber halt nur so ungefähr... und im Cassotto klappt das schon gleich gar nicht mehr, weil die Cassottostimmstöcke um 90 Grad gedreht eingebaut sind.... Und bei allzuvielen Randbedingungen wirds halt immer schwieriger gleiche Verhältnisse zuschaffen.

Und hier kommt der Umstand hinzu, dass eben aus Platzgründen gerne mal diverse Töne auf einen benachbarten Stimmstock ausgelagert werden.. weil ja auf den Halbtonstimmstöcken praktischerweise Platz hierfür ist...Nur dann passen die Hebelverhältnisse schon gleich überhaupt nicht mehr. Das ergibt ganz unterschiedliche Klappenöffnungen, was man dann am Klang hört.

In meinem Fall ist es sogar so, dass diese "ausgelagerten" Töne sogar auf einer separaten zweiten Welle gelagert sind damit sich für diese Töne ein anderes Hebelverhältnis ergibt, um die Klappenöffnungen anzugleichen.... Aber wie gesagt: klappt nicht ganz und der Stimmstock sitzt an einer anderen Stelle im Cassotto und drum ist der Unterschied eben hörbar.
 
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Stellt sich mir die Frage weshalb wird das bei hochwertigen Akkodeonen so gebaut.

Das Argument, freie Plätze auf dem Halbton-Stimmstock aus Platzgründen zu belegen und dadurch bis zu 3 Ganztönen bewusst mit Nachteilen zu versehen, kann ich nicht nachvollziehen.

Durch diese Anordnung nimmt man noch weitere Nachteile in Kauf. Die Bedienung der Tonklappen wird nur Kröpfungen und Biegungen unter benachbarten Hebeln durchgeführt. Überlange und instabile Klavishebel sind die Folge dieser Anordnung.

Weil ich bei dem Bau des Erlkönig-Akkordeons auf diese Grundlagen aufgebaut habe, habe ich eine dritte Achse eingebaut.

Aus diesen bisher genannten Gründen und weiteren Unzulänglichkeiten war es erforderlich, die Diskantseite neu zu entwickeln.

Diese Neuentwicklung beinhaltet wesentliche Änderungen der bisherigen Bauweisen. Die Neuentwicklung ist in die vorherige Diskantgehäuse-Grösse eingebaut worden ohne Ganztöne auf den Halbton-Stimmstock zu platzieren.

Geht doch wenn man sich bemüht. Meine Entwicklung hat noch zusätzlichen Gewichtsverlust des Akkordeons erfahren. Durch die Anordnung von zwei Achsen habe ich einen korrekten gleichen Klappenaufhub und gerade Klavishebel erreicht.
 
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Deshalb meine Fragestellung weshalb ein- u. mehrachsige Akkordeone gebaut werden.

Ich freue mich auf Antworten und Fragen zu diesem Thema, das sehr umfangreich ausfallen kann.

Die eine Frage ist ja ob und wenn ja, wieviele Achsen brauchts für eine Diskantlagerung. Die Frage scheint sehr einfach ... und ist doch recht schwer, weil es viele Ansprüche unter einen Hut zu bringen gilt. Die eine Seite ist die der Klappenansteuerung. Die hat den Vorteil man braucht das "nur" mit dem Akkordeon abzustimmen.

Die andere Seite betrifft die Bedienerseite - also die Tasten die der Spieler bedient.. und das ist der Punkt der sich nicht eindeutig lösen lässt, denn hier gibts mindestens soviele Ansichten, wie Spieler...

Und ein immer wiederkehrender Diskussionspunkt ist, wo sollte die Achse liegen und was passiert wenn man beim Spielen genau da drauf drückt. Und der Punkt ist natürlich mit zu berücksichtigen .. und hat gegebenen falls Einfluss auch auf die Ausführung der Klappenansteuerung.... Der Punkt, ob die Drehachse auf dem Tastenfeld liegen darf wird oft und sehr kontrovers geführt. Und weil ich mir da auch immer n bissl unschlüssig bin, wie wichtig das ist, hab ich jetzt einfach mal aufgenommen, wie ich denn typischerweise auf die Tastatur greife und wie nicht.


Zu dem Zweck habe ich ein Akkordeon genommen, mit dem ich häufiger spiele und das 1 Drehachse hat.

Bei dem Instrument liegt der Drehpunkt genau hier:

Achse1.jpg
Wenn ich also da drauf drücke geht gar nix.. Bzw. auch ein kurzes Stück davor sind die Hebelverhältnisse so ungünstig, dass das praktisch nicht spielbar ist. Bei diesem Instrument liegt die Achse ca. 1,5 cm vor der Verdeckblende und ist also grundsätzlich per Finger erreichbar - man könnte also auf den Punkt beim Spielen draufdrücken. Und zusammen mit der Zone, die auch nicht sehr unbrauchbar spielbar ist, sind das ca. 3 cm von der Verdeckblende weg, die nicht spielbar zu nutzen ist.

Also grundsätzlich Murks?

... möchte man auf die Schnelle so annehmen... Nur beim Spiel hat das bisher weder mich , noch irgend jemand anderes der darauf gespielt hat je gestört!

Und warum?

Um überhaupt in den Bereich der Achse zu kommen, müsste ich sehr weit in die Tastatur reingreifen - also in etwa so:

Fingerhhaltung 2b.jpg

Mit so einem Griff könnte man Gefahr laufen auf die Achse zu drücken und damit käme dann da kein Ton...

.. aber...

...so spiel ich eigentlich gar nicht!, weil das so weit zwischenden Tasten ist, dass es im normalen Spiel schon hinderlich ist. Denn normal greift man eher so, dass man die Tasten alle bequem erreichen kann. Und das sieht dann üblicherweise eher so aus:

Fingerhaltung 2a.jpg

So ist die Fingerhaltung so , dass ich bequem auf den weißen und schwarzen Tasten spielen kann. Und auch schnell wechseln kann zwischen weißen und schwarzen Tasten. Das geht im Beispiel weiter oben nämlich so nicht so schnell. Da muss ich zuerst wieder zwischen den schwarzen Tasten rauskommen, um bequem auf weiß weiterspielen zu können. Also spiel ich typischerweise dort auch gar nicht, sondern bleibe bei meinem üblichen Spiel im vorderen Bereich der Tasten.

Zwar höre ich oft das Argument von vielen Spielern: " ich muss aber zwischen die schwarzen Tasten greifen können, sonst kann ich nicht spielen"

... Das hab ich auch mal ausprobiert - aber bei mir geht das gar nicht! - Denn meine Finger sind ganz einfach zu breit. Zwar haben meine Finger durch ein langes Bastlerleben schon einige Unglücke erlebt, die sich für das Akkordeonspielen eher als nachträglich auswirken und ein paar Finger sind auch vom Volleyballspielen nachhaltig verbogen worden... auch nicht optimal...

Aber der Hauptgrund ist, dass meine Finger, obwohl ich zwar große Hände, aber eher schlanke Finger habe, trotzdem nicht zwischen die schwarzen Tasten passen, ohne zu klemmen:

Fingerhaltung 3c.jpg

Selbst wenn ich wollte, könnte ich so nicht spielen, weil die Finger zwischen den schwarzen Tasten klemmen und dann ungewollt auch die schwarzen mitbetätigen...


Klar gibt es jetzt natürlich jede Menge unterschiedliche Hände und Finger und meine Hand ist alles mögliche, nur keine Normhand. Von daher kann ich jetzt meine Erfahrungen nicht unbedingt allgemeingültig erklären, weil diese Erkenntnisse streng genommen nur für meine "Pratzen" gelten.

Aber da sich auch andere Spieler noch nie beschwert haben, dass der Drehpukt nicht unter dem Verdeck liegt, glaube ich, dass meine Beobachtungen von meinen Händen auch so oder in ähnlicher Form für viele gelten. Deshalb bin zur Meinung gekommen, dass die Drehache(n) nicht unbedingt unter dem Verdeck liegen müssen, sondern sehr wohl ein Stück weit im erreichbaren (theoretischen) Spielbereich liegen dürfen und das absolute Maß nicht ganz so wichtig ist. Für heute übliche typische Tastenlängen ist ein Bereich von ca. bis zu 2,5 cm noch tragbar. Weiter sollte m.E die Drehachse nicht vor dem Verdeck liegen, weil dann zusammen mit dem Bereich der dann zwar nicht direkt über der Achse liegt, aber dennnoch schwer zu drücken ist, das dann doch zu nahe an den Bereich kommt, wo man typischerweise spielt.

... Und das ist meines Erachtens eher noch die schwerer zu lösende Problemstelle, denn gleichzeitig mit der Problemstelle dass darauf zu achten ist, dass die Klappenansteuerung ausgewogen und gleichmäßig und mit gleichen Druckverhältnissen funktioniert, muss hier auch noch sehr stark darauf geachet werden, dass die Spielerergonomie und Spielergewohnheiten mitberücksichtig werden. Denn wenn der Spieler die Tasten nicht "richtig" angespielt bekommt, tritt die Frage über die optimale Ansteuerung der Klappen mit einer oder zwei Achsen fast schon in den Hintergrund.

Erst wenn für den Spieler ein gleichermaßen gleichmäßiges wie unproblematisches Spiel möglich wird, erst dann kann über eine geschickte Anordnung der Tastaturachsen das Instrument optimiert werden.
 
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