Wie funktioniert unterschiedliche Stimmbildung beim Registeraufbau?

von Dominic89, 30.03.12.

  1. Dominic89

    Dominic89 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.03.12   #1
    Hallo,

    ich habe mir die FAQ zu Stimmregistern durchegelesen, aber noch eine Frage, die m. E. nach nicht beantwortet wurde. Und zwar interessiere ich mich dafür, wie die Stimmregister, vor allem beim Mann, im klassischen Gesang und im Vergleich dazu bspw. in funktionaler Stimmbildung ausgebildet werden. Entspricht die Bezeichnung "Kopfstimme" im klassischen Gesang der Mischstimme im physiologischen Sinne? Ich glaube, dass es unterschiede gibt. Meine Gesangsleherin (funktionale Stimmbildung) hat meine Brust und Mischstimme (diese hat sie aber als Kopfstimme bezeichnet) getrennt voneinander ausgebildet und dann versucht zu verbinden. Wird im klassischen Bereich, der Kopfstimme Bruststimmenanteil und der Bruststimme Kopfstimmenanteil beigemischt? Mach man das auch im Populargesang?
     
  2. broeschies

    broeschies Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.04.12   #2
    Die Unterschiede zwischen Klassik und Pop sind meiner Meinung nach gar nicht so sehr groß, es werden vielfach nur andere Begrifflichkeiten für die gleichen Konzepte verwendet. Zudem hat man in der Klassik ein gewisses "Klangideal", was beinflusst, wie in bestimmten Registern gesungen werden sollte. Die Übungen, gerade für den Ausgleich von Kopf- und Bruststimme sind aber häufig die gleichen.

    In der Klassik ist man aufgrund des Klangideals darauf bedacht Kopf- und Bruststimme so zu verbinden, dass der Unterschied nicht mehr hörbar ist. Im Popgesang ist der Unterschied oft deutlich hörbar, da schert sich dann aber keiner drum. Dieses klangliche "Trugbild" erzeugt man in der Klassik u.a. dadurch, dass die Bruststimme "ausgedünnt" wird und damit ähnlicher zur Kopfstimme wird. Zudem wird mit tiefem Kehlkopf gesungen, was auch der Kopfstimme ein tieferes Timbre verleiht und sie dadurch wiederum ähnlicher zur Bruststimme macht.

    Im Popgesang gibt es Techniken wie Belting und Twang. Belting ist quasi die natürliche Gesangseinstellung bei Männern und ähnlich dem Rufen. Mit dieser Technik kann man niedrige Kopfstimmentöne in der Bruststimme singen (allerdings nur laut). Mit dem Twang kann man niedrige bis mittlere Kopfstimmentöne so singen, dass es sich so anhört, als wären es Bruststimmentöne. Deshalb kann man bei lautem Singen auch im Pop den Übergang zur Kopfstimme manchmal nicht hören. Bei leisem Singen oder bei hohen Kopfstimmentönen ist der Übergang aber in der Regel zu hören.

    Letztendlich handelt es sich oft nur um unterschiedliche Bezeichnungen und auch das Konzept die Stimmen erstmal getrennt auszubilden und dann zu verbinden wird genau wie das entgegengesetzte Konzept, sofort mit dem Mix anzufangen sowohl in Klassik als auch im Pop-Gesang eingesetzt, das ist eher eine Frage der Unterrichtsmethode. Das grundlegende Ziel Kopf- und Bruststimme zu verbinden haben Klassik und Pop im Prinzip gemeinsam. Mit welchem Ansatz das gelöst wird, hängt von der Unterrichtsmethode des GL ab.

    Die Unterschiede finden sich eher in Spezialtechniken (wie Belt und Twang) oder in ein paar Details wie tiefer Kehlkopf, der in der Klassik manchmal gefordert wird oder die in der Regel weichen Ansätze der Klassik, denen gegenüber im Pop oder Rock oft hart angesetzt wird. Der Hauptunterschied ist aber mMn die Art zu singen (Betonung, Phrasierung, harte vs. weiche Einsätze etc.) und nicht die Technik.
     
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  3. Dominic89

    Dominic89 Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.04.12   #3
    Hallo broeschies,

    vielen Dank für deine Anwort, mit der Du meine Frage sehr gut beanwortet hast! Ich muss mal meine Gesangslehrerin fragen, ob sie auch twang bei mir versucht zu trainieren. Dieses Begriff habe ich im Gegensatz zum belting noch nie gehört!
     
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