[Workshop] - DMX-Licht-Szenen automatisch per MIDI von Arranger-Keyboard starten

Hallo,

ich habe hier einen kleinen Workshop, der sich sicherlich auch auf viele andere MIDI-Out fähige Arranger-Keyboard übertragen lässt. Ich habe selbst 2 Tage gekämpft, bis ich es bei mir schließlich lauffähig hatte. Um anderen diesen Kampf und Suche nach der Lösung zu ersparen teile ich hier mein Wissen. Vielleicht hilft es ja jemandem.

An wen richtet sich dieser Workshop?

An alle, die niemanden haben, der sich noch um die Lichtanlage kümmern kann, alle Hände voll zu tun haben, aber zu einem exakten Zeitpunkt automatisch eine vorprogrammierte Licht-Szene abspielen wollen. Also durchaus auch kleine Bands und nicht nur der Alleinunterhalter oder Duos.

Motivation

Als Duo, bei dem meine Begleitung singt und ich "den Rest" erledige, ist es mir nicht möglich neben dem Musizieren am Keyboard, Bereitstellen der Liedtexte per App und steuern des Mischpults mich auch noch um die Steuerung der Lichtanlage zu kümmern.
Wenngleich ich für unsere externe Darbietung nur zwei sogenannte Partybars gekauft habe, die insgesamt 8 LED PAR-Kannen tragen, möchte ich die schon passend zu den Songs leuchten lassen. Auto-Sound-Blink-Blink ist mir zu schnöde.

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Also muss eine Lösung her, welche von mir vorgefertigten Szenen bei Songbegin startet, sodass ich mich darum nicht auch noch kümmern muss.
Unsere Setlist umfasst 15 Songs. Daher werde ich 15 Szenen programmieren, welche dann automatisch bei Start der Begleitautomatik mit starten sollen.
1 Szene beinhaltet beliebig viele Schritte und Effekte, welche dann sequenziell ablaufen.

Ausrüstung

Neben den zwei Partybars und DMX Kabeln sowie einem Abschlusswiderstand nenne ich ein Thomann Stairville DMX-Joker Pro 1024 USB Interface mit der Software DMX-Joker Pro. Hersteller der Stairville DMX-Joker Reihe ist der südfranzösische Hersteller Chormateq. Dort kann auch direkt die aktuellste Software von Pro DMX heruntergeladen werden, statt der veralteten Thomann DMX-Joker-Pro Version.
Das Interface bietet 2 DMX-Universen, wovon ich das eine für meine "große" Beleuchtung im Proberaum und das andere für die Partybars nutze. So gibt es keinen Streit. :)
Dazu gesellt sich dann noch ein altes core-i5 Windows-Laptop mit Windows 10. Die Software gibt es aber auch für macOS.

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Keyboard

Das Korg Pa1000 ist ein Mittelklasse Arranger-Keyboard, welches über reichlich MIDI-Out Optionen und einen integrierten Style-Editor verfügt. Dieser ist auch ausschlaggebend für mein Vorhaben, Szenen automatisiert beim Start der Begleitautomatik mit starten zu lassen. Es wird per USB-Kabel mit dem Laptop verbunden und meldet sich dort als Generic USB MIDI Device.

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MIDI Exkurs & How to?

MIDI
steht für Musical Instrument Digital Interface und ist eine standardisierte Schnittstelle um Daten von einem MIDI Gerät zu einem anderen zu Übertragen. Dies kann auf 16 Kanälen, den Channels, parallel passieren. Auf jedem Channel können spezifischen Informationen mit Bezugswerten von 0-127 übertragen werden. Also zum Beispiel: Note C1 An, Notenstärke 64. Aber auch viele Andere Informationen, wie die Stellung eines Modulationsrades, Damper-Pedal, Wechsel auf ein anderes Programm usw. usf.
Per MIDI können zudem Musikinstrumente im gleichen Takt arbeiten, wenn ein Instrument seine Clock an ein anderes Instrument sendet.
Dabei gibt es keine direkte bidirektionale Verbindung zwischen zwei Geräten. Für eine solche muss jeweils eine sendende und eine empfangende Verbindung geschaffen werden. Eine USB-Verbindung vereint beide Wegstrecken. Auch Bluetooth bietet MIDI-Konnektivität. Alternativ gibt es an vielen Geräten noch die gute alte 5-Pol-DIN Buchse oder Adapter, die ähnliches Bewerkstelligt. Dann werden zwei Leitungen gezogen. Eine hin und eine zurück.

Für uns ist nur ein Weg wichtig: Vom Keyboard zum Laptop. Zeil ist es beim Start einer Begleitung einen definierten Befehl an das Laptop zu senden, welchen die Lichtsoftware wahrnimmt und dann die zum Befehl passende Szene auslöst. Da ich 15 Szenen starten möchte, sind 15 verschiedene Befehle notwendig. Wie kann dies umgesetzt werden?

MIDI bietet viele verschiedene Optionen um Daten zu senden. Die aus unserer Sicht wichtigsten sind Noten (8n/9n), Control Changes (CC) und Program Changes (PP).
Die Tastatur meines Keyboards ist nichts weiter als ein MIDI-Controller, also eine MIDI-Tastatur. Sie sendet MIDI-Daten darüber, welche Taste wie fest und wie lang gedrückt wird. Diese Informationen lassen den internen Synthesizer dann den Ton wiedergeben.
Begleitungen innerhalb des Keyboards sind wiederum nichts anderes, als vorprogrammierte MIDI-Befehle, die Zeitgenau abgearbeitet werden und dann entsprechende Instrumente spielen oder andere Befehle ausführen. Wie z.B. die Modulation für den Begleitsound mit bestimmter Stärke aktivieren. Das Links/Rechts-Verhältnis ändern uvm.

Diese Befehle machen wir uns nun zu nutzen.
Wir können mit dem Event-Editor die Begleitungen innerhalb des Pa1000 mit MIDI-Befehlen programmieren. Mit Noten aber auch CC Events. Außerdem können wir eine bestimmte Begleitspur als MIDI-Out auf einem bestimmten Kanal senden lassen.
Das heißt, alle Befehle, die die Begleitspur abarbeitet, werden auch auf dem MIDI-Out Kanal ausgegeben. Ein daran angeschlossenes Gerät, wie unser Laptop, empfängt dann diese Befehle. Ist der für unsere Lichtsoftware und Szene passende dabei, löst die Szene aus.

Keyboard - Sendeseite

Als erstes suche ich mir eine der 9 Begleitspuren des Pa1000 aus und entscheide mich für die Percussion-Spur. Man kann natürlich auch die Drums oder eine andere nutzen. Ich entscheide mich aber für diese, da sie am wenigsten genutzt wird. Hier werde ich meinen Befehl an den Anfang der Spur unterbringen.
Ich wechsle als nächstes in die globalen Einstellungen, MIDI Konfiguration und wähle dort den MIDI Out Channel Tab. Hier route ich nun die Percussion-Spur auf den MIDI Kanal CH16. Es täte in meinem Fall auch jeder andere Kanal, da ich MIDI sonst für kein anderes Gerät nutze.
Die Drumspur ist idR. auf CH10 zu finden. Dieser wäre also mindestens genauso gut. Damit wir aber auf jeden Fall keine normalen Ereignisse, die Musik wiedergeben, stören müssen wir uns Gedanken über die Art des zu sendenden Befehls machen.

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Was sendet man nun?
Noten wären zwar eine Option, hätten aber den Nachteil, dass diese ggf. hörbar wären oder andere Funktionen erfüllen. Noten lassen wir daher aus und schauen uns die Control Changes CC an.
Davon gibt es eine ganze Liste. Das Pa1000 unterstützt für die Editor-Programmierung allerdings nur eine Auswahl:
1, 2, 10, 11, 12, 13, 16, 64, 71, 74, 80, 81, 82

Damit wir die Begleitung nicht mit unerwarteten Eingaben von Modulation (1), Damper-Pedal (64) und ähnlichem stören, benötigen wir ein CC-Event, welches frei verfügbar ist. Hier kommen 16 und 82 in Frage. Beide sind als frei belegbare Controller definiert.
Mein Versuch mit CC16 hat aber eine seltsame Eigenart gezeigt. Programmiere ich einen CC16 Befehl z.B. mit dem Wert 2 (Ctrl 16 02), wird nach dem Verlassen des Editor automatisch an das Ende der Spur ein Ctrl 16 64 angefügt. Warum ist unklar und leider vereitelt dieses Verhalten meinen Plan, denn wenn dieser Event gesendet wird, hört die Lichtanlage sofort mit der Szene auf. :(

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Bleibt also nur noch CC82 und zum Glück zeigt sich hier dieses Verhalten nicht. Ich setzte also für meinen ersten Song den CC Wert Ctrl 82 1 direkt an den Anfang des Intros / CountIn meines Stückes und speichere die Begleitung ab. Dies gehe ich dann der Reihe nach mit jedem Song durch ... CC82 03, CC82 04, CC82 05, je nach dem auf welchem Programmplatz der Song in meiner Setliste gespeichert ist. Alternativ kann man auch erst ab 10 Zählen, Lücken lassen. Wie es am besten in das eigene Konzept passt.

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Die Sendeseite ist damit eingerichtet. Jetzt muss die Empfangsseite konfiguriert werden. Da ich Stairville/Chromatq DMX-Pro nutze, kann ich nur diesen Weg zeigen. Es wird bei anderen DMX-Lösungen aber ähnlich sein.

Laptop - Empfangsseite

Zunächst stellen wir sicher, dass das Keyboard als MIDI-Device eingerichtet ist. Ein Blick in den Gerätemanager vor und nach dem Einstecken des USB-Steckers lässt ein Generic USB MIDI Device erscheinen. Als nächstes kann DMX-Pro gestartet werden und bereits in dem ersten Splashscreens das MIDI Eingangsgerät kontrolliert oder ausgewählt werden, falls verschiedene vorhanden sind. In den Programmoptionen kann auch im Nachgang das MIDI-Gerät ausgewählt werden.

midi-device.png


MIDI-Optionen.png


Sind wir uns sicher, dass das MIDI Gerät anwesend ist, können wir nun unsere Szenen bearbeiten. Dort findet sich eine Option Auslöser. Und daneben ein Button. Auf diesen geklickt öffnet sich das Auslöser-Menü. Hier sehen wir dann auch, dass es weitere Möglichkeiten gibt. Wir stellen hier nun in der Registerkarte Eingang unseren MIDI-Kanal und MIDI-Befehl ein. Mit Min und Max grenzen wir den Wert ein, auf den die Szene reagiert. Da wir nur einzelne Werte von 1, 2, 3 usw. erwarten, sind dies dann auch die jeweiligen Grenzwerte.

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bearbeiten-Auslöser02.png

Unten wählen ich dann noch die Option Start only. Damit wird die Szene gestartet und sonst nichts.
Abspeichern und testen:



Nachteile, Impros, Tipps zu den Szenen

Einen Nachteil hat das Ganze selbstverständlich: man ist an das Timing der programmierten Szene gebunden. Spontane Improvisationen sind so nicht wirklich realisierbar.
Dafür gäbe es zumindest einen Workaround, indem man sich für die Songs, die infrage kommen, eine Loop-Szene baut und bei Bedarf aufruft.

Beispiel: man programmiert in der DMX-Software zu den entsprechenden Songs noch jeweils ein Impro-Loop und lässt diese auf CC82 101, 102, 103, etc. hören. Die Szenen müssen dabei so eingestellt sein, dass andere Szenen ausgeschaltet werden.
In die Begleitung der Songs, in denen eine Improvisation wahrscheinlich ist, belegt man eine ungenutzte Variation oder ein Intro mit einem entsprechendem Impro-Track und an den Anfang der Percussion-Spur ein Control Change CC82 101, 102, 103 usw.
Mit der Impro-Variation startet die entsprechende Impro-Loop-Szene und läuft so lange man will.
Man sollte dann nur zusehen, dass die Improvisation zum Ende des Stückes stattfindet.

Wenn man will - und das ist meine generelle Empfehlung - programmiert man sich für jedes Stück auch eine End-Szene, die mit dem Druck auf die End-Variation aufgerufen wird.
Diese löst nach Ablauf dann eine Ansage-Szene aus. Diese End-Szenen könnten auf CC82 51, 52. usw reagieren.

Hat man also für einen Song drei Lichtszenen 1, 51, 101 und lässt die MIDI Befehle beim Start, Ende und der Improvisation-Spur auslösen, kann man gut ohne eine Person für das Licht auskommen.

Troubleshooting

Wenn etwas nicht funktioniert - und das hat es bei mir anfangs aus verschiedenen Gründen nicht - sind folgende Dinge Hilfreich zu prüfen:

  • Kommen MIDI-Daten auf dem gewünschten Kanal beim Empfänger an?
    Das kann man mit einem kostenlosen MIDI-Monitor wie Pocket MIDI überprüfen.
    Microsoft Store Pocket MIDI Win
    Apple Appstore Pocket MIDI macOS
  • Wurden freie CC Events genutzt?
    Ich empfehle den CC82. Mit allen anderen hatte ich Probleme.
  • Ist das Keyboard/MIDI Device in der DMX Software korrekt für den Eingang eingerichtet?
    Achtung: es kann nur eine Software mit dem MIDI Gerät verbunden sein. Ist z.B. der Pocket MIDI Monitor aktiv, ist das MIDI Device nicht für andere Applikation verfügbar.
    Mal alles neu in der Reihenfolge Laptop, Keyboard starten
 
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