(Zu) stolz

Frank_de_Blijen
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Ein frischer Text - freu mich über Reaktionen.


(Zu) stolz

Es war nicht einmal schwer zu sehen
wird sie wieder zu ihm gehen?
Noch bin ich zu stolz zum Flehen
doch das Schicksal, ich will's drehen

Ich glaub' fest, sie würd' mich hören
würd' ihr meine Liebe schwören
sieht sie nicht, was wir verlieren
ich sehe unsre Zeit erfrieren

Warum ist es viel leichter zu singen
als über den Schatten zu springen?


Es war zwar ihr Fehler doch viel schlimmer
ist mein Stolz – der zerstört noch immer


Ich bin mir noch nicht mal sicher
wird es so nicht noch peinlicher
wenn ich stolz auf mein Ego schau
und weder ihr noch mir vertrau

Warum hab ich sie von mir getrieben
obwohl wir uns unendlich lieben
ich will mich so gern verändern
doch mein Stolz ist schwer zu überwinden

Warum ist es viel leichter zu singen
als über den Schatten zu springen?


Es war zwar ihr Fehler doch viel schlimmer
ist mein Stolz – der zerstört noch immer


Ich geh jetzt zu ihr, wag den Schattensprung
Ohne Liebe zu leben – dafür ist man immer zu jung
 
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Hallo lieber @Frank_de_Blijen , fangen wir gleich mit dem Positiven an.
Warum ist es viel leichter zu singen
als über den Schatten zu springen?
Dieser Doppelvers gefällt mir ausgezeichnet. Vielleicht für “als“ ein „statt“ einsetzen?

Es war zwar ihr Fehler doch viel schlimmer
ist mein Stolz – der zerstört noch immer

Diese Zeilen teile ich ebenfalls sehr, sehr gern!
Ohne Liebe zu leben – dafür ist man immer zu jung
Auch dieser Satz zieht mich an, erscheint mir aber etwas komplizierter formuliert zu sein. Letztlich lese ich aber, dass man bis zum Tode Liebe (und Eigenliebe) spürt. Hm… so ticke ich wohl auch. ;)

Aber nun, da ich (nicht ganz zufällig ) das Wort „kompliziert“ in den Ring geworfen habe, komme ich zu den Problemen, die ich mit den Text habe.

Ich bin kein Grammatikexperte - allein deshalb gehe ich der indirekten Rede in einem Songtext konsequent aus dem Weg, denn sie ist ja leider an den Konjunktiv 1 gebunden, der mE in der Alltagssprache immer seltener benutzt wird. Man erreicht auch mit dem viel einfacheren Indikativ meist verständlich das Ziel seiner Rede. Wogegen der Konjunktiv schnell für Verwirrung sorgen kann.

Ach diese verdammte Grammatik. Ich nehme mal als Beispiele folgende Verse:

Es war nicht einmal schwer zu sehen
wird sie wieder zu ihm gehen?
Ich lese in V1, dass das LI etwas leicht durchschaute! Aber am Ende von V2 steht ein Fragezeichen?!? Was war denn nun lt. V1 so leicht zu erkennen?
Ich glaub' fest, sie würd' mich hören
würd' ihr meine Liebe schwören
Dieses Apostroph hinter „glaub“ verwirrt mich sehr. Allein schon deshalb, weil es die genaue Zeitform verdeckt, in welcher das Verb steht. Glaubte das LI einst fest, dass sie ihn hören würde? Oder glaubt es das noch immer?

„Würde“ ist zudem ein Konjunktiv und schwächt automatisch die Kraft eine Aussage ab. „Ich glaubte fest, dass sie mir glauben wird“ bekräftigt diesen „festen Glauben“ mE viel nachdrücklicher!!

Und danach dieses unvermittelte „würd' ihr meine Liebe schwören“! Das LI glaubt fest, dass es ihr seine Liebe schwören würde? Warum Konjunktiv? Weil es daran gebunden ist, dass sie ihn hört? Aber daran glaubt das LI doch angeblich fest…!?!

Derartig verwirrende Fragen stelle ich mir ständig, während ich deinen Text lese. Für ein Gedicht kann das Spiel mit der indirekten Rede ein tolles Stilmittel sein. Für einen Songtext mE nicht. Und deshalb würde ich den SONGtext grammatikalisch und syntaktisch vereinfachen.

O Mann, die indirekte Rede allein ist schon recht kompliziert. Aber das kritische Schreiben über indirekte Redeparts führt ja glatt dicht an den Wahnsinn…:bang:

Oder lese ich dMn den Text völlig anders, als Du ihn meinst?

lg
 
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Hallo in die Runde,
kann alles vom @Jongleur unterschreiben, finde es aber stimmig, weil ich vor meinem geistigen Auge ein LI sehe, dass zutiefst hin- und hergerissen ist und quasi im Konjunktiv, im "hätte-hätte" lebt:
Sein Stolz macht alles kaputt, aber er (gehe ich mal von aus) weiß nicht, ob er seinen Stolz überwinden kann. Vermutlich hat er seine Liebste in die Arme eines anderen getrieben, aber so genau möchte er es dann auch lieber nicht wissen, sondern er fragt sich´s einfach selbst. Er glaubt fest, sie würde ihn hören, würd er ihr ihre Liebe schwören - aber tut er´s und hört sie ihn dann wirklich und ändert sich dadurch etwas? Das wiederum weiß er nicht - und wie soll er es auch wissen: ihn ihm steckt dieses Wissen nicht.

Demzufolge sehe ich einen inneren Monolog mit den unterschiedlichen Stimmen des LI, die sich fest im Rahmen seines Kopfkinos bewegen ohne einen Schritt weiter zu kommen.
Insofern für mich: sprachlich/textlich passend die Form der Konjunktive zur Situation des LI.
Aber: Das LI springt dann doch über seinen Schatten mit dem formidablen
Ich geh jetzt zu ihr, wag den Schattensprung
Ohne Liebe zu leben – dafür ist man immer zu jung
Und denkt gleich - Quatsch: also ich denke mir gleich: das wird nix!
Wer es sich so kompliziert macht, der kommt nimmer ans Ziel.
Da muss was gradliniegeres her, etwa "Ich geh jetzt zu ihr, wag den Schattensprung // Ich will die Liebe leben - noch bin ich jung!"
Bleibt es bei dem jetzigen Ende, mag ich nicht an den Erfolg des Unterfangens glauben. Aber vielleicht soll das Publikum das auch nicht tun?
Vielleicht ist es bewußt die Darstellung eines zögerlichen, in sich zerrissenen und zerbeutelten Menschen, der sich auch am Ende noch selbst im Wege steht - bzw. dem der Stolz letzten Endes doch diktiert, dass er seine Liebe ihm zuliebe zu opfern habe.

Und dennoch: Es ist schon ein bißchen eine Mühsal, dem armen Lyrischen Ich zu folgen und setzte ich das Ganze musikalisch fort, wird daraus etwas Chanson-Artiges für die Kleinkunstbühne. Was man durchaus machen kann. Das ginge für mich dann in die Richtung psychologisches Portrait mit Musikuntermalung.

Man könnte es natürlich auch anders machen. Dramatisch, auf den Punkt und mit klaren Sätzen und den Zwiespalt benennen - bzw. dem zerrissenen LI eine andere Situation verpassen, in der er sich entscheiden muss. Beispielsweise, indem seine Liebe die Koffer packt und ihn verläßt - und er hat nur noch genau diese eine Situation, sie aufzuhalten und sich ihr zu erklären. Oder er sieht die Konsequenzen seines Zögerns plötzlich scharf: Lass ich mir Zeit, lass ich sie gehen. Mein Stolz tötet meine Liebe. Oder klarer: Stolz tötet. (Das könnte ihm in einem Dialog mit einem Freund oder einer früheren Freundin - die vielleicht genau dieses Schicksal ereilt hat - klar werden.)
Also: das LI erkennt klarer, was ihn hindert, glücklich zu sein und kann es benennen - und seinen Stolz dadurch besiegen. Weil es eine Situation gibt, in der es nur ein Entweder (schweigen, weiter zögern und verlieren) und Oder (er nimmt sich ein Herz, offenbart sich ihr und hat die Chance, sie zu gewinnen) gibt.

Wäre natürlich ein recht umfangreicher Eingriff in den bisherigen songtext ...

Herzliche Grüße

x-Riff
 
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kann alles vom @Jongleur unterschreiben,
und umgekehrt, lieber @x-Riff. :) Wobei mir eine gelungene Persiflage auf eine eigenwillige Sprachform durchaus grosses Vergnügen bereiten kann!
 
Frank_de_Blijen
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Vielen Dank schon mal, @x-Riff und @Jongleur für Eure tollen Statements. Werde am Text arbeiten und noch ausführlicher antworten ... bald, demnächst, in ein paar Tagen, wenn etwas mehr Zeit für's Texten ist ..
 
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Hier nun eine Antwort auf Eure tollen Statements, @Jongleur und @x-Riff

Ich geh es mal so durch, wie es von Euch hier steht.

Mit dem „statt“ für das „als“ in der Bridge war meine erste Reaktion „natürlich nicht“ … und dann: Ja! Bei einem reinen Text eher ein als, aber im Song ist das statt stärker – wenn das LI eben singt. Nehme ich!

„Ohne Liebe zu leben – dafür ist man immer zu jung“
war gar nicht soo kompliziert gedacht. Oder vielleicht doch? Es ist die Umkehrung von „dafür ist man nie zu alt“ und soll eben auch das sagen: Egal, wie alt man ist: Liebe braucht man immer.

Mit den ersten beiden Zeilen wollte ich in ganz wenig Text die ganze Entwicklung packen: Rückblick mit der deutlichen Abwendung von „ihr“, Ausblick mit dem Zweifel ans eigene ich und der Angst, dass „Sie“ weiter zum anderen geht.

Der Hinweis zu glaube/glaubte – klasse. Für mich war ja klar, dass ich hier „glaube“ meinte und hab gar nicht mehr erkannt, dass das durchaus auch anders verstanden werden kann. Den Konjunktiv hab ich gewählt, weil das LI sich ja eben nicht traut, auf „sie“ zuzugehen und sich dieser Frage zu stellen. „würd ihr meine Liebe schwören“ ist also Konjunktiv, weil er sich die Situation nur ausmalt, aber nich traut, sie auch herbei zu führen. Aber beim glauben werde ich für mehr Klarheit sorgen. Ist nur nicht einfach so anzuhängen, weil es dann eine Silbe zu viel ist. Wird sich aber lösen lassen.
----
Genau so dachte ich es: Das LI erkennt, dass sein Stolz ihm im Weg steht und schafft es trotzdem nicht, den Stolz zu überwinden.

Und zum Schluss, das
„Ich geh jetzt zu ihr, wag den Schattensprung
Ohne Liebe zu leben – dafür ist man immer zu jung“

s. oben, es sollte so wirken, dass er nun doch seinen Stolz überwindet, weil die Liebe, die er dadurch gewinnen kann, eben es wert ist. Die zweite Zeile sollte optimitisch wirken, unterstreichen, dass jede/r immer die Möglichkeit hat, über seinen Schatten zu springen.

Das kommt mit dieser Zeile nur leider nicht an, also muss ich an dieser Stelle noch einmal etwas Neues setzen.

Die weiteren Gedanken zum Inhalt des Songs wären tatsächlich ein recht umfangreicher Einfriff in den Songtext – im Grunde ein neuer Song. Drum werd ich bei diesem Text die Änderung wohl auf dem statt/als, dem galub' und der letzten (noch zu schreibnden) Zeile belassen.

Lieben Dank noch mal!
 
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Hab den Thread jetzt nicht gelesen. Mir gefällt der Text, weil er ehrlich ist und weil du den Fehler nicht beim Gegenüber suchst. Nur mit dem letzen Satz kann ich nichts anfangen. Aber das kann an mir liegen. :)
 
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„Ohne Liebe zu leben – dafür ist man immer zu jung“
war gar nicht soo kompliziert gedacht. Oder vielleicht doch? Es ist die Umkehrung von „dafür ist man nie zu alt“ und soll eben auch das sagen: Egal, wie alt man ist: Liebe braucht man immer.
Müßte es dann nicht heißen:
Ohne Liebe zu leben - dafür ist man nie zu jung?

Wenn Du einfach alt durch jung ersetzt, bleibt imho erhalten, dass das Alter egal ist. Wenn Du zusätzlich noch nie durch immer ersetzt, wird die Aussage meines Erachtens umgedreht: Man ist immer zu jung, etwas zu tun heißt: es wird nie passieren - weil man halt, egal wie alt oder jung man ist, man immer zu jung ist.

Warum hab ich sie von mir getrieben
obwohl wir uns unendlich lieben
ich will mich so gern verändern
doch mein Stolz ist schwer zu überwinden
Ist mir gerade erst beim nochmaligen Lesen aufgefallen - hier reimen sich die Zeilen drei und vier nicht und verlassen damit die eingeführte Form. Absicht?
Mal aus dem Bauch raus: Ich will so gerne anders sein / doch mein Stolz wiegt schwer wie Stein

Die weiteren Gedanken zum Inhalt des Songs wären tatsächlich ein recht umfangreicher Einfriff in den Songtext – im Grunde ein neuer Song. Drum werd ich bei diesem Text die Änderung wohl auf dem statt/als, dem galub' und der letzten (noch zu schreibnden) Zeile belassen.
Kann ich gut verstehen.

Stellst Du die letzte Fassung noch mal hier rein?

Herzliche Grüße

x-Riff
 
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danke für Feedback, @Teestunde und @x-Riff
Ja, die letzte Zeile ist wohl so ziemlich in die Hose gegangen, obwohl sie für die Geschichte wichtig ist. Die kommt neu.

verändern / überwinden - hab ich mir großzügig als recht unsauberen Reim durchgehen lassen. Da braucht's dann einne sehr nuschelige Stimme. :rolleyes:

Oder ich greif die X-Riff-Idee auf!

Und ja, überarbeitete Version stell ich hier noch mal vor, dauert wieder ein paar Tage ...
 
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Version 2 mit kl. Änderungen und vor allem einem neuen Outro. Das ist nun klarer. Nochmals Danke an die vielen guten Tipps und die konstruktiven Feedbacks.


(Zu) stolz

Es war nicht einmal schwer zu sehen
wird sie wieder zu ihm gehen?
Noch bin ich zu stolz zum flehen
doch das Schicksal, ich will's drehen

Ich glaube fest, sie würde mich hören
würde ich ihr meine Liebe schwören
sieht sie nicht, was wir verlieren
ich sehe unsre Zeit erfrieren

Warum ist es viel leichter zu singen
statt über den Schatten zu springen?


Es war zwar ihr Fehler doch viel schlimmer
ist mein Stolz – der zerstört noch immer


Ich bin mir noch nicht mal sicher
wird es so nicht noch peinlicher
wenn ich stolz auf mein Ego schau
und weder ihr noch mir vertrau

Warum hab ich sie von mir getrieben
obwohl wir uns unendlich lieben
ich will mich so gern verändern
doch mein Stolz ist schwer zu überwinden

Warum ist es viel leichter zu singen
statt über den Schatten zu springen?


Es war zwar ihr Fehler doch viel schlimmer
ist mein Stolz – der zerstört noch immer

– – – – – – – – – -
Ich geh jetzt zu ihr, wag den Sprung über den Schatten
und hol uns die Liebe zurück, die wir schon mal hatten
 
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