[Zubehör] Gitarrensaiten – Wissenswertes über ein Stück Draht (Workshop)

von -Silence-, 03.02.08.

  1. -Silence-

    -Silence- Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 03.02.08   #1
    Vorwort
    Man kann das Thema sicherlich zu einer eigenen Wissenschaft machen, wie man es letztendlich mit jedem anderen Thema auch tun könnte. Die Meinungen bei Saiten sind oft subjektiv, weil jeder ein anderes Klangempfinden hat und ein unterschiedliches Bedürfnis an die Saiten stellt. Einer mag den Klang von neuen Saiten und ein anderer den von alten Saiten. Geschmäcker sind und bleiben eben verschieden. Ich habe versucht nur die Wichtigsten Punkte zu behandeln. Gerade auch Gitarrenanfänger möchte ich damit ansprechen. Denn häufig ist man bei den vielen Angeboten, was die Unterschiede und Bezeichnungen angeht, überfragt. Da es ein sachlicher Workshop ist, gehe ich auch nicht auf die Sounds diverser Hersteller und Marken ein. Da sollte jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln. Es ist also nicht verkehrt sich etwas näher mit dem Thema zu beschäftigen, um auch gerüstet zu sein für den Saitenkauf.


    Einleitung
    Bauform, Konstruktion und Holz einer Gitarre geben von vorne herein eine klangliche Grundlage eines jeden Instrumentes. Die Saite ist die Komponente, welche sich weit vorne in der Soundkette befindet. Bei einer akustischen Gitarre wird die Schwingung der Saite über den Steg an die Decke und schließlich zum Resonanzkörper weitergeleitet. Bei Solidbodys werden die Schwingungen der Saiten mittels eines Tonabnehmers übertragen. Danach kommt der Spieler mit seiner individuellen Spieltechnik ins Geschehen und überträgt diese wiederum auf die Saiten. Hierbei spielt die Art und Weise des Anschlags eine Rolle, sowie des verwendeten Materials (Nylon, Metall, Knochen, Stein usw.) des Plektrums oder der Finger bsw. Fingernägel und welche Saiten (Aufbau, Material) wir verwenden. Eine Saite ist also ein wichtiger Übermittler dafür, wie und womit wir Spielen. Saiten bestimmen also in einer gewissen Weise den Grundklang einer Gitarre.


    Nun viel Spaß beim Lesen. :)


    1. Saitenaufbau
    Eine umwickelte Gitarrensaite besteht im Grunde genommen aus zwei Bestandteilen: Dem Kern- und Wickeldraht oder nur einem blanken Draht (= plain). In der Regel ist bei Western/Steelstrings die G-Saite umwickelt und die E- und B-Saite sind sind plain. Kern- und Wickeldraht haben verschiedene Querschnitte. Beim Kerndraht ist die Rede von Round Core und Hex Core und bei der Wickelsaite von Roundwound, Halfwound und Flatwound. Das Verhältnis von Kerndraht zu Wickeldraht ist bedeutend für das Endergebnis. In der Regel sind die Diskantsaiten (EBG) blank und die Basssaiten (DAE) umwickelt.

    1.1. Wickeldraht
    Die Bezeichnungen für Round-, Half-, und Flatwound beziehen sich allein auf die Wickelsaite. Bei genauen hinsehen kann man die Wicklung, die einer Spirale gleicht, sehr gut erkennen.

    MuBo_Saiten_wound1.jpg

    1.1.1. Roundwound
    Roundwound wurde in den 60er Jahren erfunden, davor gab es nur Flatwound. Roundwound (= rund gewickelt) ist ein ungeschliffener runder Wickeldraht. Umwickelte Saiten können bis zu drei Umwicklungen aufweisen. Roundwound kann man als durchsetzungsstark und obertonreich bezeichnen. Sie werden überwiegend für sämtliche Arten von Rock und Metal verwendet. Roundwound wird bei E-Gitarren und A-Gitarren gleichermaßen verwendet.

    1.1.2. Halfwound
    Halfwound ist angeschliffener Wickeldraht und unterscheidet sich im Gegensatz zu Flatround dadurch, dass dieser als Roundwound um den Kerndraht gewickelt wird und anschließend die Umwicklung angeschliffen und poliert wird. Es ist sozusagen eine Kreuzung aus Roundwound und Flatwound. Somit vereinen beide Varianten die Vor- und Nachteile. Sie behalten ihre Saitenschwingung minimal länger bei als Flatwound. Auch im Studio verwendet man sie um Greifgeräusche zu minimieren und somit eine sauberere Aufnahme zu erhalten.

    1.1.3. Flatwound
    Flatwound (= flach gewickelt) ist ein platter, geschliffener Wickeldraht. Unter anderem wird er auch Groundwound genannt. Geschliffene Saiten reduzieren Greifgeräusche und Obertöne, da die Abstände zwischen den einzelnen Umwicklungen kleiner sind und somit die Oberfläche glatter ist. Auch Schmutzablagerungen haben es bei Flatround schwer, denn durch die glatte Oberfläche kann nichts zwischen die Windungen kommen wie bei Roundwound. Somit haben sie auch eine etwas längere Lebensdauer. Geschliffene Saiten haben eine geringere Klangdauer (Sustain) und sie sind etwas straffer von der Handhabung. Bei Jazz-Gitarristen sind geschliffene Saiten sehr beliebt, da sie einen weicheren Klang haben.

    1.1.4. Wicklungsrichtung
    Durch das Verhältnis der Masse von Kern- und Wickeldraht ergibt sich eine mehr oder weniger schräge Wicklungsrichtung. Dieses Verhältnis kommt vom Durchmesser von Kern -und Wickeldraht zustande. Je mehr Masse der Wicklungsdraht hat, desto mehr kann man eine Steigung erkennen und je weniger Masse der Wicklungsdraht hat, desto weniger erkennt man eine Steigung.

    Der Wicklungsdraht kann nie ganz gerade aufgewickelt sein, weil immer eine Steigung vorhanden sein muss. Eine gleiche Umwicklungsrichtung würde die Saite instabiler machen, durch unterschiedliche Wicklungsrichtungen kann man dem entgegenwirken. Bei einer gleichen Wicklungsrichtung, kann die obere Lage in die untere Lage rutschen. Die Wicklungsrichtung ist ausschlaggebend für das Schwingungsverhältnis und Endergebnis einer Saite.

    1.2. Kerndraht
    Der Kerndraht besteht in der Regel aus einem sechskantigen/hexagonalen Draht (hex core) oder einem runden Draht (round core). Umso dünner der Kerndraht, desto flexibler ist die Saite und umgekehrt. Man könnte sicher jetzt darüber diskutieren, welche Methode die bessere ist. Beide Varianten der Kerndrähte sind zwei verschiedene Methoden und haben somit ihre Vor- und Nachteile.

    MuBo_Saiten_wound2.jpg

    1.2.1. Hex Core
    Roundwound wurde praktisch optimiert, indem man einen hexagonalen Querschnitt wählte. Denn bei einem Hex Core Kerndraht bekommt die Wickelsaite mehr halt durch die sechs vorhandenen Kanten, weil sich der Wickeldraht auf die Kanten legt. Eine Hex Core Saite hat eine geringere Masse aufgrund der Zwischenräume, sie bleibt flexibler, weil sie nicht fixiert wird wie bei Round Core. Wenn es nicht ausgeschrieben ist, sollten die Kerndrähte bei heutigen Gitarrensaiten einen Hex Core Kerndraht aufweisen.

    1.2.2. Round Core
    Bei Round Core wird die Wickelsaite auf den Kerndraht mit einem speziellen Klebstoff befestigt, ansonsten hat sie keinen Halt auf dem Kerndraht und könnte ohne eine Fixierung verrutschen. Der Kern- und Wickeldraht sind durch die Fixierung nicht voneinander beweglich. Diese Methode soll unter anderem ein besseres Schwingungsverhalten mit sich bringen.

    1.3. Ball Ends
    Ball Ends werden überwiegend aus Messing hergestellt und es gibt auch Hersteller die Ball Ends aus Stahl fertigen. Des Weiteren findet man Ball Ends auch in bunten Farben (D'Addario) und schwarz (Dean Markley) vor. Es gibt Saiten, diese nennen sich Double Ball End, die an jedem Seitenende ein Ball End haben und sie sind für Gitarren ohne Kopfplatte (= Headless Gitarren) ausgelegt.

    Ein spezielles Vibrato namens Speed Loader von Floyd Rose benötigt spezielle Saitensätze die ausschließlich für das Speedloader-Vibrato von FR zu verwenden sind und nicht in Verbindung mit herkömmlichen Systemen. Es befinden sich am Ende der Saite eine Art Bolzen zum einhängen, ähnlich wie einem Ballend. Durch das Speed Loader System hat man an der Kopfplatte keine Stimmmechaniken mehr, man muss sie am Speed Loader System stimmen. Für die gewünschte Stimmung gibt es die passenden Saitensätze und wenn man einen Satz aufzieht, ist dieser praktisch grob gestimmt und man muss nur noch an den Feinstimmern einstellen.

    Ja, jetzt werfe ich noch mal eine kreative Idee in den Raum: Ihr könnt Euch aus Ball Ends Ketten oder Armbändern fertigen und die hat wirklich nicht jeder. Nur ihr müsst dafür etwas lange sammeln. ;)


    2. Material -und Klangeigenschaften

    2.1. Material
    Durch die Verwendung verschiedener Materialien und dem Aufbau entstehen unterschiedliche Klangeigenschaften. Der Klang ist also abhängig vom verwendeten Material, Aufbau und der Verarbeitung einer Saite. Man kann in drei Grundmaterialien unterscheiden: Stahl, Nickel -und Nylon. Auf den umwickelten Saiten finden wir unter anderem auch Legierungen/Überzüge aus Gold, Silber, Bronze, Messing und Chrom vor.

    2.2. Beschichtete Saiten

    2.2.1. Beschichtungen
    Spezielle Beschichtungen wie Polymer (wurde von der Firma entwickelt die für den Gore-Tex-Stoff bekannt ist) sollen eine längere Lebensdauer hervorbringen. Saiten mit Beschichtungen reduzieren ebenfalls auch Greifgeräusche. Beschichtete Saiten gibt es z.B. von Elexir, D'Addario EXP und Dean Markley Blue Steel. Bei den Elixier Saiten wird nach der Umwicklung die Beschichtung aufgetragen und bei D'Addario wird die Beschichtung vor dem umwickeln der Wickelsaite aufgetragen. D'Addario sollen angeblich etwas brillanter klingen als die von Elixier, wobei man es im Endeffekt schlecht definieren kann und der Geschmack eine Rolle spielt. Für Beschichtete Saiten muss man i.d.R. etwas mehr ausgeben. In den 80er Jahren wurden Versuche gemacht Saiten mit Teflon zu beschichten, was aber nicht erfolgreich verlief.

    2.2.2. Farbige Saiten
    Es gibt auch farbige Saitensätze wie schwarze, rote, grüne, blaue, pinke und silberne Saiten. Nur sie verlieren mit der Zeit ihre Farbe, da wo man z.B. mit dem Pick anschlägt und sind im Vergleich zu den konventionellen Saiten etwas teurer. Farbige Saitensätze gibt es z.B. von DR.

    2.3. Elektrische Gitarre
    Die Saiten für E-Gitarren kann man in drei Grundtypen, wie Stainless Steel, Pur Nickel und Nickel Plated Steel, differenzieren. Alle anderen Varianten von E-Gitarrensaiten sind, wie Legierungen (z.B. Silber, Gold), Beschichtungen usw. alles Feinheiten und Abwandlungen von den Standard-Saitensätzen. Bei Saitensätzen für die E-Gitarre ist der Kerndraht immer aus Stahl und nur die Wickelsaite variiert nach Anwendungsbereich und Bedürfnissen.

    Bei E-Gitarren die mit elektromagnetischen Tonabnehmern bestückt sind, sollten Stahlsaiten zum Einsatz kommen die eine magnetisierbare Umwicklung aufweisen, um die Tonabnehmer wirkungsvoll anzusprechen. Saiten mit beispielsweise einer Bronzeumwicklung sind nicht magnetisierbar und deswegen für eine E-Gitarre eher ungeeignet. Ein Piezo Tonabnehmer wandelt mechanische Schwingungen in ein elektrisches Signal um, welches durch eine Verformung, meist durch Kristalle, entsteht. So kann man alle Saitenarten in Verbindung mit diesen PUs verwenden.

    2.3.1. Stahlsaiten (Stainless Steel)
    Stainless Steel soll dafür sorgen, das die Saiten fast gar nicht oder nie Rost ansetzen, da sie aus rostfreiem Edelstahl gefertigt sind. Saiten aus Stainless Seel reagieren außerdem stark auf Magnetismus. Da reine Stahlsaiten härter sind als Nickel, erschwert sich dadurch auch das Handhaben. Das macht sich beim ausüben von Bendings bsw. Vibrati bemerkbar, da sie mehr Zug ausüben. Es kommt in der Regel vor, wenn man mit reinen Stahlsaiten (das betrifft i.d.R. nur die Umwickelten) spielt, die Bundstäbchen zügiger abgespielt werden, weil die die Saiten relativ hart sind und eine raue Oberfläche haben. Hinzu kommt auch die Konsistenz der Bundstäbchen, denn dort gibt es auch verschiedene Materialien, die dementsprechend auch ihre variable Konsistenz haben. Sie sind gut geeignet für verzerrtes Spielen. Ob letztendlich das verzerrte Spielen gut klingt hängt von der Bauart der Gitarre, der Tonabnehmer und des Verstärkers ab. Den Klang kann man als brillant, definiert, hart und aggressiv bezeichnen.

    2.3.2. Nickelsaiten (Pur Nickel)
    Der Kerndraht besteht aus Stahl und die Umwicklung aus reinem Nickel. Da Nickel weicher ist als reiner Stahldraht, ist dies von Vorteil für die Bundstäbchen, weil sie weniger lädieren. Den Klang kann man als leise, dumpf und weich definieren.

    2.3.3. Nickelstahlsaiten (Nickel Plated Steel)
    Sie haben einen Kerndraht aus Stahl und haben eine Umwicklung aus Stahl die mit einer Nickellegierung versehen ist. Die Nickellegierung schützt vor Oxidation, macht die Oberfläche weicher und somit auch den Klang. Des Weiteren verursachen sie eine geringere Abnutzung der Bundstäbchen, weil Nickel zu den weicheren Metallen gehört. Sozusagen sind dies die Standard-Saiten und somit am meisten verwendet. Den Klang kann man als ausgewogen bezeichnen, also nicht zu aggressiv und nicht zu weich.

    2.4. Akustische Gitarre
    Die verwendeten Saiten für Akustische Gitarre kann man in Nylon -und Steelstrings unterscheiden. Da gibt es zum Beispiel die Westerngitarre und Konzertgitarre (Klassikgitarre). Des Weiteren gibt es noch Flamencogitarre, Semi-Akustik, 12-saitige Akustik usw. Für diese Gitarrentypen werden unterschiedliche Saiten verwendet.

    Bei Konzertgitarre nimmt man als Grundmaterial Nylon oder auch Carbon. Für die Umwickelten Saiten können auch unterschiedliche Überzüge verwendet werden. Ebenfalls gibt es unter ihnen auch beschichtete Saiten. Die Ummantelungen sind z.B. aus Kupfer oder Bronze. Es besteht auch die Möglichkeit E-Gitarrensaiten auf eine Westerngitarre oder einem 12-Saiter aufzuziehen.

    Bei Westerngitarren wird als Grundmaterial Stahl verwendet und hier variiert das Material des Wickeldrahts ebenfalls und das der Überzüge. Eine Stahlsaite muss stärker gespannt sein als eine Nylonsaite, damit sie die gleiche Tonhöhe erreicht. Außerdem üben die Stahlsaiten bei der Westerngitarre mehr Zug aus als bei einer Konzertgitarre mit Nylonsaiten. Deswegen sollte man es vermeiden Stahlsaiten auf eine Konzertgitarre zu ziehen!

    2.4.1. Darm-/Nylonsaiten
    Bevor es Nylonsaiten noch nicht gab, wurden Saiten aus Tierdarm bsw. Tiersehnen gefertigt. Naturprodukte haben keine gleich bleibende Qualität hingegen modernen Kunststoffen wie Nylon. Darmsaiten hatten einen Seidenkern und wurden mit Darm umsponnen.

    Nylonsaiten haben, hingegen den alten Vorreitern, eine längere Lebensdauer und reagieren weniger auf Umwelteinflüsse, wie Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen. Da die G-Saite noch eine Melodiesaite ist, ist sie in der Regel nicht umsponnen. Hier hat die Saite zwei offene Enden und eines von diesen Enden ist i.d.R. farbig markiert, welches an die Wirbel kommt. Es gibt aber auch Nylonsaiten mit Ball Ends. Hier hat man glatte Nylonsaiten für die Diskantsaiten und die Basssaiten sind aus einem Kunstseidenkern und darum der Wickeldraht. Der Klang ist weich, warm, voll und wird bei Konzertgitarren verwendet.

    2.4.2. Carbonsaiten
    Die Diskantsaiten bestehen aus reinem Carbon. Die Basssaiten bestehen aus einem Nylonkern, mit Seideneinlage und sind z.B. mit Kupferdraht umsponnen. Unter anderem gibt es diese auch wahlweise mit einem Silberüberzug. Für Carbon muss man in der Regel etwas mehr ausgeben als für Nylon. Wird bei Konzertgitarren verwendet.

    2.4.3. Silk & Steel
    Diese haben eine feine Seideneinlage aus Kunstseide zwischen Kern- und Wickeldraht. Sie sind mit einer Silberschicht überzogen. Das soll die Saite flexibler machen und einen weicheren Klang hervorbringen. Sie sollen aber schnell an Klang verlieren und bleiben nicht so lange frisch. Sie werden unter anderem auch Compound-Wound genannt. Der Klang ist weich, silbrig und wird bei (Studio-) Westerngitarre verwendet.

    2.4.4. Bronzesaiten
    Bronze wird als Wickeldraht bei Westernsaiten verwendet und besteht aus einer Kupfer und Zinn-Mischung. Der Kupferanteil überwiegt jedoch. Angaben wie 80/20, 83/15 (Prozentangaben) sagen uns etwas über das Mischungsverhältnis von Kupfer und Zinn aus. Desto größer der Anteil an Kupfer ist, desto weicher und wärmer klingen sie. Die erste Zahl steht für den Kupferanteil und die zweite für den Zinnanteil. Phosphor Bronze macht die Saiten zusätzlich widerstandfähiger gegenüber äußeren Einwirkungen. Sie haben einen ausgewogenen, vollen Klang und eine gold-gelbliche Farbe.

    2.4.5. Silver Plated Copper
    Silver Plated Copper kann man als Silber überzogener Kupferdraht übersetzen. Ein Kupferdraht mit Silberlegierung ist die häufigste Umwicklung bei einem Nylonkern. Man umwickelt deswegen mit einem Metalldraht, da Nylon alleine nicht ausreichend Masse für einen vollen Klang hat. Die Silberlegierung macht die Saite auch widerstandfähiger und ist für Menschen mit Nickelallergie geeignet. Wird bei Konzertgitarre verwendet.

    2.4.6. Messingsaiten
    Messingsaiten bestehen aus einer Kupfer- und Zinkmischung. Die Verhältnisse zwischen Kupfer und Zinn können 80/20 oder 60/40 betragen. Messingsaiten klingen, im Gegensatz zu Bronzesaiten, obertonreicher und brillanter und halten etwas länger. Viele Marken/Hersteller bezeichnen die Saiten, sehr zur Verwirrung des Kunden, mal als Bright Bronze oder ähnliche Bezeichnungen.

    2.3. Klangfaktoren/-Verhalten
    Das Klangverhalten einer Saite wird von Faktoren wie Masse und Saitenspannung bestimmt.

    2.3.1. Masse
    Die Masse einer Saite wird von Material und Durchmesser des Kern- und Wickeldrahts bestimmt. Der Kerndraht gibt sozusagen den Grundklang einer Saite vor. Umso dicker die Saite, desto steifer wird sie und umgekehrt. Da eine dickere Saite mehr Masse hat, kann sie die Schwingungen länger beibehalten als bei dünneren Saiten. Jede der Gitarrensaiten hat einen unterschiedlichen Durchmesser und dadurch erzeugen sie die unterschiedlichen Töne. Umso dicker die Saiten sind, desto voller klingen sie. Wenn man einen gleichen, Beispielsweise einen 010er, Saitensatz hat, kann der Kern- und Wickeldraht einen unterschiedlichen Durchmesser haben, das kann von Hersteller zu Hersteller variieren, die Stärke aber + - gleich bleibt.

    2.3.2. Saitenspannung
    Die Saitenspannung einer Saite wird von Masse und Material bestimmt, dadurch kommt die variable Saitenspannung zu Stande. Bei gleicher Tonhöhe hat eine längere Saite eine höhere Saitenspannung als eine kürzere Saite. Eine geringere Saitenspannung erleichtert auch das Spielen.

    Vergleichen wir einen Stainless Steel und einen Saitensatz mit einer reinen Nickelumwicklung in der gleichen Saitenstärke. So übt Stainless Steel mehr Zug aus, als der Satz mit einer reinen Nickelumwicklung. Das liegt daran das Stahl ein härteres und schweres Metal ist als Nickel. Dies kann man beim Saitenwechsel von Tremolo-/Vibratosystemen beobachten. Das Heben und Senken eines Tremolos entsteht, wenn man eine andere Saitenstärke als zuvor benutzt und ist Material unabhängig. Bei Gitarren mit einer festen Brücke (Stoptail) entfällt diese Auswirkung.

    Durch die große Spannung die auf den Hals ausgeübt wird, biegt er sich leicht konkav nach oben. Man kann dies aber kaum sehen. Bei Gitarren (Stahlsaiten) wird der Hals durch einen Stahlstab (eng. = trussrod) stabilisiert um der hohen Zugkraft entgegen zu wirken, ansonsten würde der Hals der Zugkraft nicht mehr Standhalten. Bei einem Tremolo-/Vibratosystem sollte der Saitenzug = Federnzug betragen.

    2.3.3. Schwingungsverhalten
    Das Schwingungsverhalten einer Saite wird von Masse, Material und Saitenspannung bestimmt. Der Durchmesser von Kern- und Wickeldraht und die Art und Anzahl der Umwicklungen sagt uns etwas über deren Schwingungsverhalten aus. Wenn der Kern- und Wickeldraht den gleichen Durchmesser haben, soll dies ein gleichmäßiges Schwingungsverhalten mit sich bringen. Wenn Saiten bei Kern- und Wickeldraht einen unterschiedlichen Durchmesser haben, erhält man ein anderes Schwingungsverhalten. Umso größer der Saitenzug ist, desto später fangen die Saiten an zu klingen, weil sie stärker gespannt sind. Dickere Saiten schlagen mehr aus als dünnere Saiten und deswegen haben die Basssaiten eine minimal höhere Saitenlage als die Diskantsaiten.


    3. Saitenstärken

    Saiten gibt es nicht unendlich viele, die meisten Hersteller haben ähnliche oder identische Saiten. Die Saiten unterscheiden sich lediglich in Mischsätzen (Zusammenstellung einzelner Saiten) und teilweise auch in Ausnahme und Fertigung.

    3.1. Saitenstärken
    Saitenstärken werden in der Maßeinheit Zoll (Inch) angegeben. 1 Zoll = ca. 2,54 cm. Es ist das angloamerikanische Maßsystem, wo wir hingegen das Metrische System nutzen. Wenn man verschiedene Saitenstärken -/Typen von verschiedenen Herstellern miteinander vergleicht, können sie sich minimal in der Zugkraft unterscheiden.

    Folgende sind die gängigsten Saitenstärken bei Stahlsaiten und es gibt noch haufenweise Zwischengrößen, auch wenn man sich selber einen Saitensatz aus verschiedenen Größen zusammensetzt. Die Angaben der ersten Zahl entsprechen immer der dünnen E-Saite und die letzte Zahl der dicken E-Saite. Als kleines Beispiel nehmen wir eine Stärkentabelle für E-Gitarrensaiten. Wir haben eine Gitarrensaite die den Durchmesser von .009 hat und das entspricht 0,009 Zoll. Daher spricht man von einem 009er Satz. Bei Westerngitarren werden ebenfalls Stahlsaiten verwendet und die Saitenstärken bewegen sich im Bereich von .010 bis .013.

    3.2. Spannkraft/Tension
    Bei Nylonsaiten/Carbonsaiten werden Spannungsangaben wie, low, medium und high oder light, normal und hard auf den Verpackungen gemacht. Dahinter wird auch immer die Bezeichnung tension verwendet und dieser englische Begriff steht für Spannung. Das kommt zu Stande, weil Nylonsaiten nicht so präzise hergestellt werden können wie Stahlsaiten. Deswegen wird hier lediglich nur eine Spannungsangabe gemacht. Eine Erklärung: Ein ganz langes Nylonseil kann am Ende einen ganz anderen Durchmesser haben als am Anfang.

    Manchmal findet man Angaben hinter der Größe der Saite (siehe Tabelle oben), das sagt uns etwas darüber aus, ob eine zusätzlich gewickelte Saite (w = wounded) zur glatten Saite (p = plain) mitgeliefert wird. Wie z.B. bei der G-Saite, aber manchmal sind auch die umwickelten so angegeben.


    4. Haltbarkeit, Verschleiß und Pflege

    4.1. Haltbarkeit & Verschleiß
    Saiten altern auch wenn sie nicht bespielt werden. Das betrifft die Saiten die sich auf der Gitarre befinden und auch die Ersatzsaiten die gelagert werden. Da Saiten aus Metall bestehen, sind sie anfällig für Oxydation, wenn das Metall anfängt anzulaufen oder im extremsten Fall anfängt zu rosten. Dieser Vorgang entsteht durch Feuchtigkeit, denn beim Spielen fangen die Hände an zu schwitzen und sie produzieren aggressiven Handschweiß. Gitarrensaiten verlieren mit der Zeit ihre Schutzschicht die das Metall vor äußeren Einflüssen schützt. Auf den Saiten lagern sich mit der Zeit Staub, Schweiß und Hautpartikel ab. Dieses hindert die Saiten am freien Schwingen, was sich unter anderem im verminderten Sustain bemerkbar macht. Auch die Abgegriffenheit der Saiten spielt für die Bespielbarkeit eine Rolle, gerade weil Saiten die Schutzschicht verlieren und dann angegriffen werden, werden sie sozusagen stumpfer. So lassen sie sich schwerer Bespielen als neuere Saiten und auch im Klang bekommen sie Ihre Einbußen. Das kann man jedoch mit speziellen Saitenreinigern hinauszögern, aber der Klang wird dadurch nicht wesentlich besser. Es gibt auch Saiten die mit flüssigem Stickstoff schockgefrostet werden und dadurch erhofft man sich ebenfalls eine längere Haltbarkeit.

    Wenn mal Saiten reißen, schaut man erst einmal nach der Stelle wo die Saite gerissen ist. Das kann daran liegen, dass an der Brücke scharfe Kanten vorhanden sind und somit kann die Saite an diesen Kanten reißen. Diese Kante kann man mit einer möglichst feinen Feile ausbessern. Gründe wenn Saiten reißen, können folgende sein: Zu fester Anschlag eventuell mit zu dickem Pick, Saitenmaterial ist zu schwach, schlechtes Material, scharfe Stellen und Kanten. Möglichkeiten um es zu kompensieren, sind die Anschlagstärke zu minimieren, einen dickeren Saitensatz zu verwenden, dünneres Pick verwenden oder den Saitenhersteller zu wechseln. Aber auch Materialermüdung kann für ein Reißen sorgen.

    Saiten kann man auch kochen, wenn man sie wieder verwenden möchte, um den Kauf eines neuen Saitensatzes zu umgehen. Das Kochen der Saiten dient dazu um den Schmutz aus den Zwischenräumen zu bekommen. Bei Gitarrensaiten finde ich die Idee etwas sinnlos, wenn die Saiten mehrmals auf den Mechaniken aufgewickelt werden, sind sie irgendwann zu sehr verdreht und können brechen. Irgendwann muss man auch der Wiederverwendbarkeit eine Grenze setzen. Bekannt und gemacht ist dies jedoch mehr bei den Bassisten, da dort die Saitensätze etwas teurer sind.

    4.2. Pflege
    Am besten pflegt man seine Saiten nach dem Spielen direkt mit einem klassischen Baumwolltuch (altes T'Shirt). Man wischt damit die Saiten ab, indem man ein paar Mal mit zwei Fingern, dazwischen die Saite, rauf und runter fährt. Es gibt auch spezielle Reinigungs -und Pflegemittel (z.B. GHS Fast Fret, Stringcleaner diverser Hersteller) für die Saiten. Die Schutzschichten auf den Saiten gegen Oxydation können die Saiten nicht dauerhaft vor äußeren Einflüssen schützen, weil sich auch durch das Spielen und der Reinigung diese Schutzschicht mit der Zeit löst.

    Wenn man viel und ausgiebig spielt kann man seine Saiten jeden Monat wechseln. Man kann es, muss es aber nicht, deswegen ist es letztendlich jedem selber überlassen, wie man es mit den Saiten handhabt. Mit älteren Saiten kann man unter Umständen auch zufrieden spielen. Saiten sind, trotz allem was man für ihre längere Lebensdauer unternimmt, ein Verschleißmaterial und früher oder später muss man diese durch neue ersetzen, weil Handschweiß und Materialermüdung den Saiten zusetzt. Wenn man bei Saiten spart, dann spart man eher am falschen Ende, weil es letztendlich nur ein geringer Betrag den man dafür aufwenden muss.


    5. Anhang

    5.1. Saitenmarken-/Hersteller
    D'Addario, Dean Markley, DR, Dr. Junger, Electro Harmonix , Elixir, Ernie Ball, Fender, GHS, Gibson, Hannabach, La Bella, Martin, Optima, PRS, Pyramid, Savarez, SIT, Vinci, Yamaha;

    5.2. Bezugsquellen
    http://www.musik-service.de/gitarrensaiten-cnt1036de.aspx
    https://www.thomann.de/de/saiten.html
    www.saitenkatalog.de
    www.saitenkiste.com
    www.saitenmarkt.com
    www.saitenland.de
    www.saitenexpress.com
    www.saitenbedarf.de

    5.3. Begriffserklärung
    Code:
    brass       = Messing          
    copper      = Kupfer          
    flat        = flach          
    gauge       = Maßeinheit      
    half        = halb          
    heavey      = schwer              
    light       = leicht          
    medium      = mittel          
    plain       = eben
    plated         = beschichtet
    pure        = rein
    round       = rund
    semi        = halb
    silk        = Seide
    tension     = Spannung
    wound/wrap  = wickeln

    Resümee
    Wenn man dieses Thema nicht jahrelang studieren möchte, dann reichen diese Informationen für den gängigen Gitarrenspieler aus. Denn das intensivere Beschäftigen mit Schwingungsverhalten, Frequenzen usw. von Saiten, würde uns beim eigentlichen Spielen nicht voran bringen. Letztendlich soll das Spielen Spaß machen und da muss man nicht bis ins kleinste Detail gehen. Probiert viel aus was Saiten betreffen, denn nur so erfahrt und lernt ihr bei dem Thema am besten. Nun seid ihr einen kleinen Happen Wissen weiter. Bei Kritik/Anregungen/Verbesserungen könnt ihr mir natürlich eine PN schicken.

    Grüße

    Kay :)


    6. Weiterführende/verwandte Themen
    Hinzugefügt v. Samuel_Groth (17.04.10)

    Richelles kurzer aber interessanter Beitrag zum Thema "Auswirkungen des Fingerdrucks auf die Tonhöhe der Saiten".
     
    gefällt mir nicht mehr 21 Person(en) gefällt das
  2. Eggi

    Eggi Inaktiv Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 03.02.08   #2
    Klasse Zusammenfassung :great:

    So richtig intensiv habe ich mich mit dem Thema noch nicht beschäftigt. Hab zwar schon verschiedene Marken ausprobiert, und bin z.Z. bei Ernie Ball hängen geblieben, werde aber sicherlich in Zukunft noch weitere verschiedene antesten.

    btw. ich bin einer von denen, denen der Klang von frischen Saiten weniger gefällt.
     
  3. NOMORE

    NOMORE Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.02.08   #3
    :great:Saubere Arbeit !

    Dito - ich finde den Klang erst nach ein paar Tagen wirklich gut ! (DR-PureBlues)

    lg,NOMORE
     
  4. Bannockburn

    Bannockburn Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.02.08   #4
    Hallo Kaylessa,
    kann mich nur anschließen, ist ein Super Beitrag, aus dem man noch so manches lernen kann!
    Kleine Anmerkung hätte ich noch: Vielleicht willst du das Thema Saitenzug in Kg noch mit aufnehmen, ist vielleicht auch ganz interessant. Hab mich selbst auch mal mit beschäftigt und u.A. hier ein Topic dazu aufgemacht:
    https://www.musiker-board.de/vb/plauderecke/235862-gesamtgewicht-saitenzug.html

    Ansonsten: Weiter so :great:
     
  5. Bela L.

    Bela L. Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.02.08   #5
    Toller umfangreicher Beitrag!

    Super!!
     
  6. Jiko

    Jiko Ex-Mod Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 04.02.08   #6
    Hat wirklich Spaß gemacht, das jetzt zu lesen - wieder ein bissel was gelernt.
    Zwei Sachen (etwas OT), die mir dabei noch aufgefallen seind:
    1) Oxidation, nicht Oxydation, das wäre französisch :D
    2) "JE dicker, DESTO stärker" bzw. "JE dicker, UMSO stärker"; nicht "desto dicker, desto stärker", auch nicht "umso dicker, desto stärker" Letzteres ist mir im Text recht häufig aufgefallen.
    http://www.agb-s.de/index.php?bse=jedesto&bmo=0&bex=0&btl=agbs

    Sorry, Chemie u. Deutsch Leistungskurs ;)



    Die Infos sind jedenfalls wirklich sehr interessant :great:
     
  7. -Silence-

    -Silence- Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 04.02.08   #7
    Ich hätte es mir vorher noch mal genauer durchlesen sollen. Man hat so viel vor sich und dann weis man nicht mehr wo Oben und Unten ist. Leider kann ich jetzt nicht mehr editieren :D

    Danke für's Feedback. :)
     
  8. Helldevil

    Helldevil Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.02.08   #8
    Danke für diese sehr detailreiche Info über die Saiten. Gerade für einen Anfänger wie mich ist es siehr aufschlussreich und da ich bald neue Saiten kaufen solle bringt es mir sicherlich viel ;)
     
  9. Richelle

    Richelle HFU + HCA A-Gitarren HCA HFU

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    Erstellt: 10.02.08   #9
    Sehr guter, informativer Beitrag! :great:, der leider hier mitten im Zubehör etwas versteckt ist. Deswegen mein Vorschlag: "Zubehör" umbenennen in "Saiten/Zubehör" wie in der Bass-Abteilung und diesen Beitrag dauerhaft ganz nach oben stellen.

    Hier noch einige Anmerkungen:
    - würde ich ändern in "In der Regel sind bei Western/Steelstrings die E-,A-,D-,G-Saite umwickelt und die B-,(hohe)E-Saite plain."

    - könnte man die Bezeichnung "semiflatwound" in Klammer ergänzen - "halfwound (semiflatwound)"

    - bei der Angabe von 83/15 fehlen 2% - sollte wohl 85/15 heißen.

    Ergänzung:
    Saitengesamtzug:
    Der Saitengesamtzug bei Konzert(Klassik)-Gitarren liegt in der Regel zwischen 30 - 45 kg, bei 6string Westerngitarren zwischen 55 - 90 kg (z.B. 012-054 Saitensatz 75-80 kg) und bei 12string Westerngitarren zwischen 110 - 130 kg. Für diese Zugkräfte werden die jeweiligen Gitarren gebaut und eingestellt.

    Über E-Gitarren habe ich leider überhaupt keine Ahnung - vielleicht kann jemand den üblichen Gesamtsaitenzugbereich für E-Gitarren ergänzen.
     
  10. -Silence-

    -Silence- Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 10.02.08   #10
    Hallo Richelle :),

    danke für die Korrektur. Habe die Fehler in meiner Original Fassung korrigiert bsw. ergänzt.

    Grüße

    Kay
     
  11. Thor1980

    Thor1980 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.02.08   #11
    Hi, finde es ganz gut. Aber das sich Nylon Saiten nicht so Präzise fertigen lassen wie Stahlsaiten halte ich für nicht ganz richtig. Ich habe mal in meiner Ausbildung in einem Betrieb gearbeitet in dem Nylondrähte produziert wurden.
    Als Azubi durfte ich auch bei den Anlagen die Drähte messen, also die Präzision war im grossen und ganzen hoch, der Bereich in dem sich die Abweichung befand war sehr gering. Als Beispiel: bei einem 0,20mm Draht ist die dünnste stelle grade mal 0,18 mm dick oder 0,22 mm dick.
    Ab einem bestimmten Durchmesser spricht man von Nylondrähten und nicht mehr von Fäden, nur mal so damit keine ungereimtheiten aufkommen.
    Auf der Homepage von D´Addario und auf den Packungen von deren Saiten stehen die Zugkräfte in kg und lbs drauf.

    MfG Thor
     
  12. -Silence-

    -Silence- Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 12.02.08   #12
    Weißt Du auch ab welchem Durchmesser es ein Nylondraht ist? Höre ich jetzt auch zum ersten Mal. ;) Leider habe ich im Internet nicht so viel über das Herstellen von Nylonsaiten gefunden. Danke für's Feedback.

    Grüße

    Kay
     
  13. Thor1980

    Thor1980 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.02.08   #13
    Nein, das weiß ich nicht mehr, es ist schon bald 10 Jahre her das ich da war. Mach dir aber nix draus, ich habe es damals auch zum erstenmal gehört.

    MfG Thor
     
  14. GEH

    GEH MOD A-Saiteninstrumente Moderator

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    Erstellt: 10.05.09   #14
    Ein kleine Frage zu diesem perfekten Beitrag:

    Ich müsste wissen, wie sich (Phosphor-) Bronze bezüglich Härte und Beanspruchung der Bundstäbchen einordnen lässt. :confused:
    Nehmen wir mal eine etwas härtere Varainte Kupfer/ Zinn=80/20 an.
    Ist das weicher oder härter als Nickel Plated Steel oder geht das schon in die Richtung Stainless Steel?

    Irgendwie finde ich zu dem Thema keine brauchbaren Angaben. :nix:
     
  15. Richelle

    Richelle HFU + HCA A-Gitarren HCA HFU

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    Erstellt: 10.05.09   #15
    Härtewertbereiche nach Brinell

    Bronze (CuSn; z.B. 80/20): 80 - 130 HB
    Phosphorbronze (CuSnP0,5; oft 85/15 davon ca. 0,5% Phosphor): über 100 - 220 HB
    Messing (CuZn): 60 - 80 HB (kaltverformt 140-160 HB)
    Stahldrähte (1770 - 1960 N/mm2): 400 - 500 HB
    Nickel: ca. 200 - 400 HB

    In der Reihenfolge von weich nach hart: Messing - Bronze - Phosphorbronze - Nickel - Stahl.

    Diese Angaben beziehen sich auf Materialien die üblicherweise, denke ich, bei Gitarrensaitenherstellung verwendet werden. Technisch sind durch zusätzliche Legierungselemente bzw. andere Zusammensetzungen, Härteverfahren und Kaltverformung auch härtere Messing bzw. Bronzelegierungen möglich. Auch Nickel kann weit höhere Werte aufweisen (Hart-Nickel -600 HB). Stahl ist sowieso ein besonderer Werkstoff, bei dem alle möglichen Festigkeitseigenschaften verwirklicht werden.
     
  16. GEH

    GEH MOD A-Saiteninstrumente Moderator

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    Erstellt: 11.05.09   #16
    @Richelle

    Danke für die kompetente Antwort.
    Dass sich dass aufgrund von Härteverfahren nicht so einfach sagen lässt, hatte ich schon vermutet.
    Aber grob kann ich wohl eine Phosphorbronze doch etwas weicher als ein Nickel Plated Steel einordnen.

    Ich hatte in einem Bastelversuch festgestellt (oder mir eingebildet), dass eine reine Stainless Steel doch gleich andere Spuren hinterlässt als die ursprüngliche Phosphorbronze.
    Nickel Plated Steel wäre dann wohl eine Kompromisslösung dazwischen.
     
  17. züborch

    züborch Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.05.09   #17
    Toller Thread. Allerdings habe ich am Wochenende mir mal einen Satz Pure Nickel Saiten von Pyramid mit Round-Core gegönnt und aufgezogen. Zum einen konnte ich nicht feststellen, dass Nickel dumpfer weicher oder wärmer klingt als Stahl, eher deutlich längeres Sustain durch das Mehr an Masse durch den runden Kern; zum anderen war mir nicht ganz klar, wie folgender Hinweis in der Praxis umzusetzen ist:
    Vielleicht könnte man mir da noch einen guten Tipp geben, habe jetzt erst die bereits aufgezogenen Saiten oben geknickt und dann gekürzt, um dieses abribbeln zu verhindern. Aber ist der Knick überhaupt nötig, wenn man die Saiten erst aufzieht?
     
  18. Richelle

    Richelle HFU + HCA A-Gitarren HCA HFU

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    Erstellt: 11.05.09   #18
    Dieses Problem kenne ich von einem Saitensatz (Newtones roundcore) - Beim ersten Kontakt mit diesen Saiten habe ich den Hinweis auf der Packung ignoriert --> Umwicklung hat sich gelöst und Saite war unbrauchbar.

    Seither ist mir das nicht mehr passiert, da ich ab diesem Zeitpunkt die Saiten erst auf in etwa die gewünschte Stimmung spanne und erst dann das lose Ende durch häufiges Hin- und Herbiegen abbreche. Mit dieser Technik ist das unproblematisch (mache ich jetzt schon lange so und brauche somit auch kein Abzwickgerät mehr).

    Ich weiß nicht ob das Risiko des Lösens der Umwicklung (wenn man die Saiten in unbelasteten Zustand kürzt) bei allen Roundcore-Saiten besteht oder nur bei den Newtones --> Ich werde es aber nicht auprobieren.
    Seltsam ist aber in diesem Zusammenhang, dass bei den Roundcore-Saiten von Dean-Markley kein spezieller Hinweis darauf auf der Verpackung steht im Gegensatz zu den Newtones.
    Eine mögliche Erklärung wäre, dass manche Saitenhersteller Klebstoffe für die Verbindung Umwicklungsdraht - Kerndraht auf einer größeren Länge verwenden (z.B. auf 20 cm am Ende).
    Newtones Saiten werden nur am Ende etwas stärker verpresst --> zwickt man dieses Ende ab --> dann kann sich der Umwicklungsdraht sehr leicht lösen.
     
  19. Richelle

    Richelle HFU + HCA A-Gitarren HCA HFU

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    Erstellt: 11.05.09   #19
    Noch als Ergänzung:

    Beim Nickel (bzw. auch bei anderen Metallen) ist die Härte sehr stark abhängig von der sogenannten Kaltverformung bzw. Kaltverfestigung. Das heißt einfach erklärt: Wenn man reines Nickel hernimmt -> dann hat es relativ gesehen eine geringere Härte (ca. 200 HB) -> wird das mechanisch im kalten Zustand verformt (gepresst, gewalzt, ect.) dann werden im Metallgitter Spannungen aufgebaut und somit wird das Material härter und fester -> dies kann mehr als das Doppelte der ursprünglichen Festigkeitseigenschaften ausmachen (über 400 HB). Der springende Punkt dabei ist die Temperatur --> geschieht diese Verformung über 600°C (Rekristallisationstemperatur von Nickel; Warmverformung) dann sind keine Steigerungen der Festigkeitseigenschaften zu erwarten (ebenso kann man die Festigkeitssteigerung von kaltverformten Nickel durch Erwärmen über 600°C rückgängig machen --> die Verspannungen im Metallgitter werden abgebaut).

    Jetzt wäre es interessant zu wissen bei welcher Temperatur eine Plattierung eines Stahldrahtes für die Saitenherstellung erfolgt. Unter 600°C findet auf jeden Fall eine Verfestigung und Steigerung der Härte statt. Aber der Zuwachs an Festigkeitseigenschaften ist natürlich bei 500°C Bearbeitungstemperatur erheblich geringer als bei 20°C.

    Ich denke, solche Drähte werden von den Saitenherstellern gekauft und nicht selbst plattiert. Weiters denke ich, dass der Plattierungsvorgang mit erhöhter Temperatur erfolgt (soll ja auch eine kompakte lückenlose Verbindung entstehen und ohne Wärme ist das sehr schwierig). Also vermutlich wird die Härte an der Oberfläche von Nickel-platiertem Stahldraht zwischen 200 - 250 HB liegen und damit deutlich unter Stahl (1770-1960 N/mm2 - 400-500 HB) und ein wenig über Phoshporbronze.
    Andererseits ist es durchaus möglich, dass ein Saitenhersteller einen gekauften nickelplattierten Stahldraht im kalten Zustand durch eine Walze laufen lässt bzw. werden ja auch bei der Herstellung der Umwicklung mehr oder weniger erhebliche Kräfte aufgewandt um den Umwicklungsdraht kompakt auf den Kerndraht zu pressen.
    Die Schichtdicke wird in der Praxis beim Kontakt mit den Bundstäbchen auch eine Rolle spielen.
     
  20. GEH

    GEH MOD A-Saiteninstrumente Moderator

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    Erstellt: 14.05.09   #20
    Danke für die Ergänzung.

    Kann eigentlich auch ein Zusammenhang zwischen Saitenzug und Härte hergestellt werden?

    Mir ist da nämlich ein Rätsel geblieben. :confused:
    Es geht um 2 Mandolinensätze von D'Addario:
    JS74 Mandolin Stainless Steel Medium 11-40
    J74 Mandolin Phosphor Bronze Medium 11-40
    Also beide Sätze haben die gleiche Dicke, die dünnen Stahlseiten sind sogar die gleichen.
    Nur die umsponnenen Saiten haben quasi eine verschiedene Hülle aus Stahl oder Phosphor Bronze.
    Nun gibt D'Addario auf der Packung auch den Saitenzug bei einer definierten Länge an - und siehe da, z.B. die Phosphor Bronze G-Saite (11,37 kg) hat gut ein Kilo mehr Zug als die Stainless Steel (10,17).
    Ich habe extra auch noch überprüft, ob die Kern-Saiten gleich sind - ja sind sie.

    Also ohne Ahnung hätte ich jetzt gesagt, dass das Stainless Steel in dem Fall sogar weicher als die Phosphor Bronze ist.
    An den Bundstäbchen habe ich allerdings nicht unbedingt den Eindruck.
    Oder Saitenzug und Härte sind doch 2 paar Stiefel? :gruebel:
     
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