Gerade am Anfang reicht ein Gesangslehrer/in absolut aus. Ich meine, man steht noch ganz am Anfang, und es gibt so viele grundlegende Basics, die man erst einmal ĂŒben und verinnerlichen muss, dass man im Prinzip keinen zweiten Lehrer braucht. Informationen zu allen möglichen Techniken gibt es zwar auf YouTube, aber fĂŒr AnfĂ€nger sind diese meist eher nutzlos, da gewisse Grundlagen zuerst sitzen mĂŒssen.
Ich denke auch, dass ich mich â wie viele andere â am Anfang ĂŒberschĂ€tzt habe und dachte, mit ein bisschen ambitioniertem Elan geht das alles ganz schnell. Pustekuchen.
Was einen ausgebildeten Lehrer nicht ersetzen kann, ist jemand, der gut hört und sieht, was man im Detail falsch oder richtig macht. Viel sinnvoller wĂ€re es daher, die Frage darauf zu lenken, wie man seine eigenen Ăbungen neben dem Gesangsunterricht so gestaltet, dass man mit
weniger Zeit möglichst effektiv an der Stimmbildung arbeitet.
In einem anderen Forum habe ich zu einem Ă€hnlichen Thema bereits meine ersten Erfahrungen zusammengefasst. Diese fĂŒge ich hier noch einmal an. ZusĂ€tzlich werde ich meine Vorgehensweise beim Ăben vorstellen. Das muss natĂŒrlich nicht fĂŒr jeden passend sein, sondern ist einfach die Art und Weise, wie ich es fĂŒr mich handhabe.
Ich veranschauliche das ganze mal ein wenig eventuell fĂŒr interessierte
Es ist eigentlich faszinierend, wie stark Gesangstechnik den Klang der Stimme beeinflusst.
Ziel ist nicht einfach "nur viel Luftâ sondern die
StimmbÀnder optimal anzuregen Àhnlich wie bei einem Saiteninstrument.
Man kann sich das vorstellen wie bei einer Geige:
FĂŒhrt man den Bogen zu langsam, entsteht kein tragender Ton.
FĂŒhrt man ihn zu schnell oder mit zu viel Druck, kippt der Klang.
Dazwischen gibt es einen
sehr konkreten Bereich, in dem die Saite "der beim Singen die StimmbÀnder " optimal zu schwingen beginnt.
Genau so ist es mit der Stimme.
Einfach drauflos zu singen funktioniert nur, wenn man bewusst schreien will.
FĂŒr einen kraftvollen, kontrollierten Klang braucht es das
richtige VerhÀltnis aus Luftstrom und Stimmlippenschluss.
Wie bei einem Wasserschlauch:
Die DĂŒse entspricht dem Stimmbandschluss,
der Wasserdruck dem
gleichmĂ€Ăig gehaltenen Druck unter den StimmbĂ€ndern.
Erst wenn beides im richtigen VerhÀltnis steht, entsteht ein stabiler, tragfÀhiger Ton.
Hat man dieses Grundprinzip verstanden, kann man den Klang weiter formen â zum Beispiel mit
Twang.
Dabei wird der Resonanzraum enger und fokussierter, Ă€hnlich als wĂŒrde man eine runde Ăffnung leicht verformen.
Der Ton bekommt mehr Durchsetzung, ohne dass man mehr drĂŒcken muss.
In diesem stabilen Setup der erst mal sitzen muss, lassen sich dann auch Effekte wie
leichter Vocal Fry kontrolliert einsetzen, um dem Klang etwas Rauheit oder Charakter zu geben.
Entscheidend ist dabei, dass alles auf einer bewust kontrolierter Grundkoordination aufbaut.
Wie bei einer alten TĂŒr

, die nicht gleichmĂ€Ăig schwingt, sondern stoĂweise knarrt, öffnen und schlieĂen sich die StimmbĂ€nder beim Vocal Fry unregelmĂ€Ăig â oder besser gesagt in einem stĂ€ndig wiederkehrenden Auf-und-Zu, da nur ein sehr schwacher, aber dennoch notwendiger konstanter Luftstrom genutzt wird und die Stimmlippen dabei schnell und fortlaufend zusammenfallen und sich wieder lösen
Oft stöĂt man zuerst zufĂ€llig auf diese Empfindungen.
Man spĂŒrt plötzlich, dass etwas anders funktioniert.
Der nĂ€chste Schritt ist dann, dieses Zusammenspiel bewusst zu verstehen â
und schlieĂlich
konstant unter Kontrolle zu halten.
Schon kleine Ungleichgewichte fĂŒhren sonst wieder zu einem zu luftigen oder gepressten Klang.
man muss es irgenwie
spĂŒren, hören und erleben bis es dann hier und da dann AH-a macht.
Ganz wichtig ist, mit Songs zu ĂŒben, die in einer guten ..besser noch in der optimalsten Lage liegen, sozsuagen
die normale natĂŒrliche Sprechstimme, sodass nach oben und unten genug Spielraum bleibt, ohne dass man sich vorher verkrampft und sich spĂ€ter wundert, warum stĂ€ndig etwas nicht klappt und man anfĂ€ngt, Dinge zu erzwingen.
Erst wenn das sitzt, kann man schauen, wie derselbe Song oder andere StĂŒcke ein oder zwei Halbtöne höher oder tiefer klingen und was sich dabei an Luftdruck, Stimmlippenschluss und Gesamtkoordination anpassen muss.
Alles andere ist reine Zeitverschwendung â und erklĂ€rt auch den Frust, den AnfĂ€nger gerade am Anfang wie ich damals erlebt haben und man am liebsten das Mikro aus dem Fenster werfen wollte.
Zum Mikro
Zum Ăben ist nicht das teuerste Mikrofon entscheidend, sondern ein neutrales, das die Höhen sauber abbildet. So kann man das Resonanzverhalten der Stimme gut hören und die feinen Unterschiede in den MikrotonalitĂ€ten genau erkennen. Ein dynamisches Mikrofon wie das SM58 ist dafĂŒr eher ungeeignet. Besser geeignet ist ein Kondensatormikrofon, das möglichst linear wiedergibt und die Stimme nicht verfĂ€rbt.
Hat man diese Kontrolle und Wahrnehmung erst einmal geschĂ€rft, kann man spĂ€ter natĂŒrlich auch live ein Mikrofon wie das SM58 einsetzen. FĂŒr AnfĂ€nger zum Training wĂŒrde ich das jedoch nicht empfehlen. SpĂ€ter kann man klanglich experimentieren und Mikros auswĂ€hlen, die der Stimme eine leichte FĂ€rbung geben â je nach Genre kann das unterschiedlich ausfallen. Auch ein lauter Bandproberaum ist am Anfang nicht ideal. Gerade zu Beginn ist es sinnvoll, ĂŒber eine DAW und Kopfhörer zu ĂŒben, mit ausreichend Zeit, Ruhe und fokussierter Wahrnehmung.
AnfÀnger bin ich zwar immer noch, aber mit ein paar grundlegenden Erkenntnissen reicher die ich mal hier zusammenfassen wollte.
Ja und wie gestallte ich meine Ăbungen.
Ich möchte einmal erklĂ€ren, wie praktisch und sinnvoll es sein kann, das eigene Gesangstraining ĂŒber eine DAW wie z. B. Cubase zu gestalten.
Ein groĂer Vorteil ist, dass man sich komplette Originalsongs in die DAW laden kann. Mit Programmen wie
SpectraLayers lassen sich die Vocals sehr sauber vom Instrumental trennen. Dadurch erhÀlt man zwei separate Spuren: einmal das reine Instrumental und einmal die Originalstimme des SÀngers.
Auf dieser Basis kann man dann selbst auf das originale Instrumental einsingen. Die Originalstimme lĂ€sst sich je nach Bedarf leiser oder lauter mischen â oder auch komplett stummschalten. So kann man zunĂ€chst mit Orientierung singen und spĂ€ter ĂŒberprĂŒfen, ob Timing, Phrasierung oder Tonhöhe passen. Dieser direkte Vergleich ist extrem hilfreich, weil man sofort hört,
was man selbst macht und
wie der OriginalsÀnger eine bestimmte Stelle gelöst hat.
ZusĂ€tzlich kann man mit leichten, gezielt eingesetzten Effekten arbeiten, etwa mit einem Kompressor, etwas EQ, dezentem Delay oder leichtem Hall. Das hat weniger mit âSchönfĂ€rbenâ zu tun, sondern vielmehr damit, die Stimme im musikalischen Kontext realistischer wahrzunehmen. Viele AnfĂ€nger unterschĂ€tzen, wie sehr eine Stimme im Gesamtmix anders wirkt als trocken im Raum. Durch diese Effekte bekommt man ein besseres GefĂŒhl dafĂŒr, wie Gesang tatsĂ€chlich in Musik eingebettet ist.
Ein weiterer Vorteil ist der schnelle Abgleich:
Man kann sofort hören, wo man vom Original abweicht â sei es bei Dynamik, Artikulation, Atmung oder Ausdruck. Gleichzeitig lernt man unbewusst viel ĂŒber musikalische Gestaltung, zum Beispiel ĂŒber Spannungsaufbau, LautstĂ€rkeverlĂ€ufe oder emotionale Akzente.
Aus Erfahrungen vieler SĂ€nger (gerade aus dem Homerecording-Bereich) zeigt sich auĂerdem, dass diese Arbeitsweise das
aktive Zuhören enorm schult. Man hört nicht mehr nur âden Songâ, sondern achtet viel genauer auf Details. Das stĂ€rkt das musikalische VerstĂ€ndnis insgesamt und ergĂ€nzt den Gesangsunterricht sinnvoll â ersetzt ihn aber natĂŒrlich nicht.
Gerade fĂŒr AnfĂ€nger ist diese Methode hilfreich, weil man:
- unabhĂ€ngig ĂŒben kann
- sich selbst objektiver hört
- Fortschritte klarer erkennt
- und mit relativ wenig Zeit sehr gezielt arbeiten kann
Kostet auĂerdem nicht die Welt. Solche Recording-Bundles mit Headset, Mikrofon, Audio-Interface und einer abgespeckten DAW-Version gibt es in der Regel schon fĂŒr etwa
300 âŹ. + Spektralyers ca 70⏠Das kann ich wirklich wĂ€rmstens empfehlen â fĂŒr den Einstieg reicht das allemal aus.
Oder man sagt sich:
Komm, ich leg noch einen Hunderter drauf und nimmt vielleicht ein anderes Mikro dazu. So stellt man sich die grundlegenden Tools einfach selbst zusammen. Und klar â je nach Budget sind nach oben natĂŒrlich keine Grenzen gesetzt.
Wenn man nach einer gewissen Zeit immer noch Feuer und Flamme ist, kann man sich dann in Ruhe Gedanken darĂŒber machen, ob man weiter aufrĂŒsten oder in besseres Equipment investieren möchte.
NatĂŒrlich sollte man dabei immer im Hinterkopf behalten, dass Technik und Effekte kein Ersatz fĂŒr saubere Grundlagen sind. In Kombination mit einem guten Gesangslehrer kann das Arbeiten mit einer DAW jedoch ein extrem effektives Werkzeug sein, um das eigene Singen bewusster und strukturierter weiterzuentwickeln.
LG Dario