Profess. Orgelaufnahme mit digitalem Nachhall?!

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riccc
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Guten Tag,
bei einer Radio-Orgelaufnahme sollen insgesamt nur 2 Kugelmikros nur wenige m von der Orgel entfernt aufgebaut
und der (deshalb) fehlende Nachhall mit künstlichem (digitalen) Nachhall ergänzt werden.
Ist derlei inzwischen bei profess. Orgelaufnahmen gelegentlich oder öfter üblich
oder schlicht unprofessionell?
 
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Hallo riccc,

vorab: ich bin kein Tontechniker.

Ich gehe mal davon aus, dass es sich bei der Orgel um eine Pfeifenorgel handelt.
Und eine Pfeifenorgel muss immer in Verbindung mit ihrem Raum gesehen werden, der wesentlich zur Klangentfaltung und zur Charakteristik beiträgt. Eine Orgel wird gewissermaßen in ihren Raum hineinkonstruiert und sie klingt übrigens auch vom Spieltisch aus (bzw. aus zu großer Nähe) anders als aus einer optimalen Zuhörerperspektive.

Wenn es einfach nur "irgendwie nach Orgel" klingen soll kann man das vielleicht machen und mit einem Faltungshall sogar einen realistischen Raumklang simulieren.
Aber eine spezielle Orgel ist meiner Meinung nach ohne ihren speziellen Raum nicht denkbar. Zumindest noch weitere Mikros weiter weg aufstellen.

Bin gespannt, was die Aufnahme-Experten sagen.

Viele Grüße
Torsten
 
also eigentlich nimmt man dafür 2 Nierenmikros, die man in Richtung der Empore ( Pfeifen) der Orgel ausrichtet, der Nachhall wird dabei automatisch mit aufgenommen, wer will denn dafür Kugelcharakteristik benutzen? denn das wird ein schrecklicher Matsch auf der Aufnahme werden,
die Mikrofon Ausrichtung muss man durch Ausprobieren herausfinden!!
 
Ich würde alles probieren

2 x Niere aus der Kirche auf die Orgel gerichtet.

2 x Kugel auf der Empore bei der Orgel, wodurch aber wahrscheinlich komisches stereo sein...

2 x Niere auf der Empore auf die Orgel

Später im Mix ausrichten und nach Gusto mischen, also swt 1 und 3 zusammen.


LG
Randy
 
moin,
ich hatte vor kurzem ähnliche probleme:
- die kirche ist extrem trocken
- in ermangelung von entsprechend hohen stativen mußte ich zwei mikrofone auf die empore, also relativ (zu) dicht vor den prospekt stellen.
ich habe mir damit beholfen, daß ich im schiff noch zwei mikros als eine art ambient mikros gestellt habe, die ich dann (nach latenzausgleich) ein wenig dazugemischt habe.
das ergebnis ist hier:

spaßeshalber hatte ich früher an dieser orgel auch mal IR-reverbs geladen. ok, klingt ganz nett, hat aber mit der orgel in der kriche dann nicht mehr viel zu tun.
soll heißen: mit den vorhandenen mitteln versuchen das beste draus zu machen.
gruß, horst
 
Hallo,

...natürlich kann man bei einer Orgelaufnahme auch Kugelmikrofone benutzen. Empfiehlt sich sogar unbedingt, wenn die Kirche wirklich gut klingt und man keine Nebengeräusche durch Publikum hat. Groß-AB in einigen Metern Höhe, ggfs. noch ein Stützmic in der Mitte, wenn das AB sehr weit ist. Das ist durchaus gängige Praxis ;) - aber selbstverständlich kann man das auch mit Nieren machen...
Künstlichen Hall auf eine Pfeifenorgel zu packen, das ist eigentlich nur eine Alternative, wenn man in einer Situation wie @siebass steckt...

Viele Grüße
Klaus
 
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spaßeshalber hatte ich früher an dieser orgel auch mal IR-reverbs geladen. ok, klingt ganz nett, hat aber mit der orgel in der kriche dann nicht mehr viel zu tun.

Genau das hatte ich gemeint: Es hat mit der Orgel in der Kirche dann nicht mehr viel zu tun.

Wobei IR-Reverbs (also Impulse Response bzw. Impulsantwort bzw. Convolution bzw. Faltung) immerhin noch natürlicher klingen als ein Federhall, Plattenhall o. ä. bei einer Pfeifenorgel.

Der nächste, nicht einmal so große Schritt, wäre, gleich eine komplett digitalisierte virtuelle Hauptwerk-Orgel aufzunehmen. :)

Viele Grüße
Torsten
 
ohoh, da gibt's aber unendlichen streß mit dem organisten (und das zu recht). :biggrinB:
...
mmhhh, ich denke gerade daran zu versuchen, in dieser kirche einen IR zu generieren :unsure:.
 
Das schöne ist ja, dass man Digital Hall/Reverb zumischen kann. Wieviel/welcher oder ob überhaupt liegt im Geschmack des Produzenten. Erlaubt ist was gefällt. Studiotechnik macht vieles möglich, nicht alles ist zielführend, vieles schon.
 
Wobei Digital Hall nicht gleich Digital Hall ist. Wenn man einen guten Raumsimulator benutzt, der aber in Hardware immer noch einige tausend Euro kosten wird, und den auch sehr dezent benutzt, dann kann das schon auch funktionieren. Ein billiger 150 e Lexicon MX oder ein SPX ist aber als Halleffekt zu werten, und das noch nicht mal gut, aber rnicht als Raumsimulator. Am Besten ist ein guter Raum und eine gute Mikrofon Position darin.
 
Wieviel/welcher oder ob überhaupt liegt im Geschmack des Produzenten. Erlaubt ist was gefällt.

Im Prinzip schon.
Aber es handelt sich hier ja nicht um eine Pop-Produktion, sondern um die authentische Wiedergabe einer Pfeifenorgel.
Die ist in jeder Hinsicht untrennbar mit ihrem Raum verbunden, auch in akustischer Hinsicht.

Künstlerische Freiheit ist schön und gut, man wird jedoch in einem Bildband über Bayern das Schloss Neuschwanstein selten vor der Kulisse des Matterhorns sehen, weil das dem Produzenten so besser gefiel. :D

Am Besten ist ein guter Raum und eine gute Mikrofon Position darin.

Würde ich auch sagen. Und eine Kirchenorgel ist wohl so ziemlich das einzige Instrument, das seinen perfekt angepassten Raum (oder eher umgekehrt) immer dabei hat, ob man will oder nicht.

Viele Grüße
Torsten
 
das seinen perfekt angepassten Raum (oder eher umgekehrt) immer dabei hat,
oh, das wäre schön ;)
Beitrag automatisch zusammengefügt:

sondern um die authentische Wiedergabe einer Pfeifenorgel.
Die ist in jeder Hinsicht untrennbar mit ihrem Raum verbunden
so ist es. und deswegen wählt ja auch der/die organist-in die register auch nach dem bild aus, das er/sie in diesem raum erzeugen möchte. und so sehe ich im falle einer orgelaufnahme die aufgabe des 'produzenten' eher darin herauszubekommen wie dieses bild aussehen soll um genau das dann technisch umzusetzen.
etwas, was in meinem beispiel nicht komplett gelungen ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wenn man einen guten Raumsimulator benutzt, der aber in Hardware immer noch einige tausend Euro kosten wird, und den auch sehr dezent benutzt, dann kann das schon auch funktionieren.
Die Zeiten sind schon lange vorbei. Selbst das UAD Realverb (einst unter der Marke „Kind of Loud“ auch für Pro Tools angeboten) produziert klanglich recht gute Räume in definierbarer Grösse, Form und Oberflächen-Beschaffenheit.
Die jetzt bei Izotope verkauften Exponential Audio Reverbs liegen irgendwo zwischen 100 und 400€, aber selbst ein 50€ Valhalla Room kann ein dezentes Werkzeug sein.

Wenn man keine Kunstkopf-Aufnahme an Idealposition macht (oder nicht machen kann), ensteht durch die Mikrofon-Charakteristik immer ein anderer Höreindruck als vor Ort.
(unabhängig von der Qualität der Mikrofone)
Womit man sich dem Original-Klangbild weitestmöglich nähert, ist im Grunde egal. ;)
 
Ich gehe da mit dem Vorredner gleich, daß die Orgel und der Raum zusammengehören sollten:

Alles mit Kugeln in 25 cm Abstand in 2 - 3 Metern Höhe (und nur die Bässe ein bißchen mit dem EQ abgesenkt) aufgenommen:
(halliger Raum)

(halbtrockener Raum)

(trockener Raum)

Die Vorstellung, daß zu einer Orgel viel Hall gehört, finde ich schlecht. Man denke z.B. an die Konzerthausorgeln oder all die Orgeln in kleineren Räumen. Je größer und halliger der Raum, um so mehr wird der Klang verwaschen.

Viele Grüße und gutes Gelingen

Andreas
 

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