Darf ich daran erinnern, dass das ein Anfänger-Thread für Akkordeonisten ist? Hier geht es um "Hänschen klein" - also Akkordeonschule Band 1. Kommunizierte Grundlagen waren ursprünglich fundamentale Beherrschung des Instruments und Interesse an einfachen Läufen auf den Grundbässen. Das Material oben aber ist teilweise für Könner, nichts für Anfänger und nichts für etwas Fortgeschrittenere. Als absoluter Anfänger würde mich manches davon abschrecken. Das aber wäre nicht im Sinn der Sache.
Sorry, wollte natürlich niemanden abschrecken, im Gegenteil. Harmonielehre ist ja sowieso etwas instrumentenübergreifendes. Es gibt im Forum ja auch noch extra Bereiche dafür, auch für Anfänger gibt es da was. Kann ich auch empfehlen.
mein Schaubild ist vielleicht auch einfacher als es auf den ersten Blick aussieht. Nicht abschrecken lassen. Ich versuche es mal kurz zu erklären in einfachen Worten:
(könnt ihr ausdrucken und zum Schaubild dazulegen, dessen pdf habe ich angehängt ), danach bin ich wieder weg und nerve nicht mehr, wenn Ihr keine Fragen dazu habt.
***************************************************************************************************************************************************
Basiswissen zum Schaubild "erweiterte Jazz-Funktionsharmonik in C-Dur"
Mit erweiterter Funktionsharmonik in C-Dur meint man so grob die Akkorde, die einem am ehesten in C-Dur begegnen können. Das schließt in dem Gesamtsystem Akkorde mit ein, die da so angrenzend mit dazu geholt werden, z.B. aus den C-Moll-Tonarten, ohne jetzt gleich total in eine andere Tonart zu wechseln.
Die kleinen hellblauen Einträge erst einmal ignorieren, das sind Skalen, also Tonleitern, die bei den jeweiligen Akkorden beim improvisieren spielbar sind.
Ihr seht auf dem Band in der Mitte die diatonischen Akkorde in C-Dur, das sind die Vierton-Akkorde, für jeden Ton der C-Dur-Tonleiter: Cmaj7, Dm7, Em7, Fmaj7, G7, A7, Bm7b5
Am Besten auf der Tastatur mal anspielen. Gerade in C-Dur ist das ja am einfachsten, da man nur weiße Tasten benötigt.
Oberhalb des Bandes geht es weiter:
Ihr könnt bei jedem der diatonischen Akkorde jetzt mal so tun, als sei es die Tonika und zu jedem die Dominante bestimmen, also die Sekundärdominante.
z.B. für Dm7 ist es der A7, da A der 5. Ton der D-Dur Tonleiter ist, man kann da auch dafür schreiben V7 / Dm7 = A7, spricht man: V7 von Dm7 = A7, also keine Division darin sehen.
Diese Sekundärdominanten sind also die erste Reihe weiterer Akkorde oberhalb der diatonischen C-Dur-Akkorde, nämlich: G7 (ist ja auch die Primärdominante), A7, B7, C7.....F#7.
Wenn es die 5. Töne dieser Tonleitern gibt, gibt es natürlich auch 2. Töne. Diese Töne seht ihr auf der nächsten Reihe darüber. Also z.B. für A7 / Dm7 ist es in der Reihe der Em7.
Im Jazz wird da aber meist der Em7b5 gespielt, aus C-Moll entliehen, klingt einfach besser, deshalb steht da Em7b5.
Fundamental wichtig im Jazz ist, dass Euch überall immer wieder II-V-Paare verschiedener Tonarten begegnen, auch ohne dass die Toniken dieser Tonarten dort vorkommen.
Diese Reihe sind also die II-Akkorde dieser sekundären II-V / X-Verbindungen, wie z.B. das Em7b5 von Em7b5-A7 / Dm7.
E ist ja der 2. Ton in der D-Dur-Tonleiter und A der 5.Ton. Das ist doch noch einleuchtend, oder?
Darüber gibt es eine braune und eine lila Reihe. Ihr könnt damit, die V-Akkorde und die II-Akkorde der sekundären II-V / X-Verbindungen ersetzen beim Spielen. Dieses ersetzen von Akkorden in einem Stück nennt man auch reharmonisieren. Das Reharmonisieren von Akkorden ist das Salz der Suppe des Jazz und macht das alles erst interessant klingend.
In unserem Beispiel könnt ihr also den A7 in der Verbindung Em7b5 - A7 / Dm7 ersetzen durch den Eb°7-Akkord, also durch den verminderten Eb-Akkord. Diese Art des Ersetzen der V-Akkorde ist die braune Reihe.
ebenso könnt ihr den Em7b5 in der Verbindung Em7b5 - A7/ Dm7 ersetzen durch den Bbmaj7-Akkord, der Akkord mit dem Dreieck, was nur eine andere Schreibweise ist.
Dieses Ersetzen der II-Akkorde durch Maj7-Akkorde ist die obere lila Reihe, eine weitere Möglichkeit des Reharmonisierens.
Braune und Lila-Reihen sind übrigens beide aus Moll-Tonarten entliehen, die da gut in das C-Dur-System hineinpassen. Das ist doch alles gar nicht so schwer zu verstehen.
Nun kommen wir zum unteren Teil, unterhalb des Bandes der diatonischen C-Dur-Akkorde:
Die erste Reihe darunter sind die Substitutdominanten. Ihr habt vielleicht schon gehört, dass man Akkorde auch ersetzen kann durch welche, die genau 3 ganze Töne entfernt davon liegen, also im sogenannten Tritonus-Abstand.
Für unser Beispiel könnt Ihr den A7, also die Dominante zum Dm7, ersetzen durch den Eb7-Akkord. Das Eb liegt nämlich genau 3 ganze Töne oberhalb und unterhalb des A. Das Spiel könnt ihr für alle anderen Dominanten ebenfalls machen und erhaltet die Reihe des Substitutdominanten, man schreibt da auch subV / X, eine weitere Möglichkeit der Reharmonisation.
Als nächstes könnt Ihr ja so tun, als ob diese Substitutdominanten die Dominanten von Tonarten wären. Der Eb7-Akkord unseres Beispiels wäre ja die Dominante in Ab-Dur.
Der 2.Ton in Ab-Dur ist Bb, Ihr habt also den Bbm7-Akkord gefunden, ein Vertreter der nächsten unterhalb angrenzenden Reihe.
Man schreibt dafür auch SubV / Dm7 = Bbm7, da Bb der 2.Ton in der Ab-Dur Tonleiter ist. Das wird nun schon ein wenig schwieriger zu verstehen. Am besten an der Tastatur ausprobieren zu den jeweiligen Tonarten. Die Tonarten mal anspielen und zu den 5. Tönen der Tonleitern mal die Töne bestimmen, die genau 3 Ganztöne davon entfernt liegen. Diese Töne werdet ihr dann im Schaubild wiederfinden, das auch immer mehr eine gute Übersicht des Ganzen für Euch bietet. Ihr werdet das noch schätzen lernen.
Die untere lila Reihe sind noch weitere Akkorde, meist aus C-Moll, die ebenfalls in C-Dur noch auftauchen können, muss Euch erst einmal nicht stören. Man sagt da ja auch Modal Interchange, also eine eine modale Wechselwirkung mit anderen Tonarten.
Damit habt Ihr schon einen ganz guten Überblick erhalten über die Akkorde im Jazz, die Euch in C-Dur begegnen können.
Zu den Skalen in hellblau, deren einzelnen Töne dann im unteren Teil des Schaubilds abgebildet stehen, also die Tonleitern, die Ihr bei den jeweiligen Akkorden beim Improvisieren spielen könnt, sage Ich nur noch was, wenn jemand danach fragt. Das Schaubild ist aber auch da eine richtig gute Hilfe.
****************************************************************************************************************************************************
Das Alles klingt zwar theoretisch, ist aber das tägliche Brot des Jazz-Musikers. Daran kommt ihr nicht vorbei. Das ist nun einmal so und darf Euch nicht schrecken, auch wenn es auf einmal natürlich etwas viel ist. Immer wieder dran gehen und die Struktur des Schaubilds durchdenken, die ich versucht habe in einfachen Worten zu erklären.
Jetzt bin ich erst einmal wieder weg
