Let's jazz up "Hänschen klein" - Jazz und Blues für Anfänger

von Bernnt, 01.01.18.

  1. Bernnt

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    Erstellt: 01.01.18   #1
    Ok Leute, manche von euch wollten es nicht anders. Let‘s jazz up „Hänschen klein“ heißt es hier. Jazz up heißt soviel wie aufmotzen. Wir machen uns als „Hänschen klein“ auf den Weg und kommen hoffentlich beim großen jazzigen Hans an. Auf diesem Spaziergang gucken wir uns in der Jazzlandschaft um. Für Wanderungen braucht man Wanderschuhe. Eine Voraussetzung hier ist, dass man „Hänschen klein“ in C-Dur auswendig spielen kann. Mit nur zwei Akkorden sollte sich das in etwa so anhören:





    Jeder von uns hat dieses Stück wahrscheinlich einmal gespielt. Sollte es ein Jazzer in Noten fassen wollen, sieht es so aus:

    HänschenKleinLeadSheet.png
    Man sieht nur eine Notenzeile mit der Melodie (eventuell auch mit Songtext) und darüber die Akkorde, manchmal auch Akkorde mit Bässen (G/C wäre ein G-Dur-Akkord mit einem C-Grundbass). Diese Notation nennt der Jazzer Leadsheet und gerät ins Schwärmen, wenn er an sein Notenregal denkt, denn da stehen das „Real Book“ oder auch mehrere „Real Books“ drin, früher illegal zusammenkopierte Sammlungen von Leadsheets für verschiedene Instrumente – es gibt welche für C-Instrumente (z.B.Klavier), aber auch für B-Instrumente (Trompeten) etc. pp.

    Leider sagen diese Leadsheets nicht, wie man diese Stücke interpretieren soll. Wie soll denn unser Beispiel „Hänschen klein“ klingen?

    So schnell?


    Eher wie ein Tango?


    Marschig? Bässe und Akkorde zusammen unisono?



    Ein richtiger Jazzer kennt sein Repertoire und wie es klingen muss. Der Trompeter sagt, was er spielen will. Der Schlagzeuger weiß sofort, ob er gedrechselte Stöcke aus Eiche oder geschnitzte Stöcke aus Buche oder einen Stahl-Jazzbesen oder einen Nylon-Jazzbesen braucht, der Saxofonist greift wie selbstverständlich zu seinem Alt- oder seinem Tenor-Sax, der Bassist fragt „Ja ja, wie Bill Evans 1958?“, schnallt sich den E-Bass um oder dreht sich nach seinem Upright um, der Gitarrist nickt verträumt dazu, kennt das Tempo bis auf den Metronomschlag genau und denkt völlig verzückt an seine Schallplattensammlung mit den sanft meerartig rauschenden Hintergrundgeräuschen. Wir stehen blöd dabei rum, erstens weil wir ein Akko dabei haben, was doch mit etwas irritierendem Blick zur Kenntnis genommen wird, und zweitens weil wir diese esoterische Musikerlandschaft etwas merkwürdig finden. Aber Musik machen macht trotzdem Spaß. Aber was jetzt?

    Wichtig ist erst mal, dass wir „Hänschen klein“ spielen können – trotz des Leadsheets auswendig. Ihr seid dran. In ein paar Tagen schicken wir "Hänschen klein" durch das jazzharmonische Dickicht - dann klingt es anders.
     

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  2. Klangbutter

    Klangbutter HCA Akkordeon-Spieltechnik HCA

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    Erstellt: 01.01.18   #2
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  3. Jetzt aber!

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    Erstellt: 01.01.18   #3
    Das hatten wir also schon mal.

    Da wurde jedoch für mich Dummie zu tief in die Kiste gegriffen. Mir erschließt sich ohne Vorwarnung nicht, warum ausgerechnet diese Akkorde gewählt wurden. Ich finde das Klangergebnis auch - vorsichtig ausgedrückt - gewöhnungsbedürftig. Zu "vollmundig". Ich finde, die Variation eines Themas sollte den Charakter des Originals nicht verfälschen. Auf die schnelle fällt mir als positives Beispiel Miles Davis' Interpretation von Cyndie Laupers "Time after Time" ein. Aber vielleicht bin ich da auch nur zu schlicht gestrickt.

    Ich hoffe, @Bernnt führt uns (noch) jazzig Minderbemittelten behutsamer an das Thema heran!
     
  4. klangtaucher

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    Erstellt: 01.01.18   #4
    aber warum mit einem Sonderfall anfangen? Ein Kinderlied zu ver"jazzen" kommt zwar Tygges Wunsch entgegen, die eine "Jazz"-Version von "Ihr Kinderlein kommet" spielen möchte. Klar kann man das Stück durch jegliche erdenkliche Mangel drehen, Swingversion oder oder so für den Anfang, aber im Jazz-Sinn wird es ein Gag bleiben, wie z.B. Dutzende von "Happy Birthday"-Versionen. Wie Klangbutter es schon gemacht hat, kann man das Stück reharmonisieren, um eine harmonische Improvisations-Basis zu haben. Etwas, das ein einfacher Standard sowieso anbietet.
    Vielleicht sehe ich's zu eng, ist halt auch ein sehr globales Ding mit dem "Jazz" ...
    kann ich für meinen Teil auch bestätigen
     
  5. Jetzt aber!

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    Erstellt: 01.01.18   #5
    Womit dann? Was wäre der Normalfall für einen Einstieg? Ich bekomme langsam den Eindruck, es geht hier mehr um Ideologie als um Pragmatismus.
     
  6. Tobias R.

    Tobias R. Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 02.01.18   #6
    Dann wag ich mal einen kleinen Versuch, weder perfekt gespielt noch perfektes Balg-Handling oder ausgewogene Einstellungen. Gespielt leider nur auf dem FR-3X, denn auch wenn wir sehr kulante udn coole Nachbarn haben, wollte ich jetzt gegen Mitternacht nicht die Grenzen austesten :D

    Das ist jetzt m.E. eher Humtata, noch etwas zu hektisch, mit minimal jazzigem Einschlag (zumindest sind nicht nur "saubere" Akkorde drin):




    Gruß,
    Tobias
    --- Beiträge zusammengefasst, 02.01.18 ---
    Und noch mal, wenn Hänschen in der großen weiten Welt zu viel gesoffen hat...


     

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  7. Landes

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    Erstellt: 02.01.18   #7
    Horstilein spielt Hänschen klein. Ich bitte um Vergebung, ist halt verwurstelt, selbst 1 Tag nach Sylvester geht's noch zäh.








    --- Beiträge zusammengefasst, 02.01.18 ---
    . . . und wann kommt die Jazz-Version vom Initiator und Schirmherrn dieser Stiftung :thumb_twiddle:
     

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  8. Bernnt

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    Erstellt: 02.01.18   #8
    Skal, Jungs. Ihr seid klasse. Vielen Dank für eure Mitwirkung anno 2018. :great: Großartige Neujahrsgrüße zu diesem großartigen Jahr. It will be great. Wahrscheinlich eignet ihr euch nicht so ganz für diesen Thread. Hier sind blutige Anfänger unterwegs, ihr seid definitiv keine, weil ihr die richtige Tasten auch ohne Noten trefft und dabei noch jazzige Gefühle entwickelt. Na ja: Ihr macht mir trotzdem eine Riesenfreude. Schön, wenn man was geschenkt kriegt, obwohl Weihnachten schon vorbei ist und der Geburtstag noch in der Ferne liegt.:)
    Solltest Du mich meinen, so schnell nicht. Wir genießen hier ein mehrgängiges Menü. Es ist total langweilig, die Hauptspeise am Anfang zu servieren. Hänschen hat grad mal laufen gelernt und macht seine ersten Schritte... Also gemach, gemach. Es geht hier nicht nur ums Ziel, sondern auch um den Weg, auf dem wir uns ausgiebig umtuen wollen.

    Weiter geht's:
    Ja, ja das „jazzharmonische Dickicht“. Das ist ein großer Urwald mit mancherlei Bäumen. Manche davon kommen häufiger vor, manche eher weniger häufig. Wenn mein Freund mit mir durch den Wald geht, kann er gar nicht genug erklären: Er findet Tannen, Weißtannen, Blautannen, Buchen, Steinbuchen, Trauerbuchen, Blutbuchen, Rotbuchen, …. Eichen, Grün-Eichen, Blaueichen…?! Ähnlich verlieren kann man sich im jazzharmonischen Dickicht – also in der Abfolge von Akkorden wie dem Aufbau von Akkorden. Darum müssen wir zunächst einmal die Nebensachen Nebensachen sein lassen. Wenn ich mit meinem kleinen Sohn Hänschen durch den Wald ging, gab es in dieser weiten Welt zweierlei Arten von Bäumen: Nadelbäume und Laubbäume. Basta.

    Im Jazz verhält es sich genauso. Wir schauen uns zunächst einmal die Abfolge von Akkorden an. Dafür stilbildend war (1.) der Blues, dessen Akkorde sich in der Grundform nach 12 Takten immer wieder wiederholen. Stilbildend waren (2.) die Rhythm-Changes. Rhythm-Changes waren – makroskopisch gesehen - die Grundlage für ein 32-taktiges Schema, auf dem man improvisieren kann. Rhythm-Changes waren – mikroskopisch gesehen – aber auch die Grundlage für eine Abfolge von vier Akkorden, die man im Jazz und bald auch in der Popmusik immer und immer wieder findet. Doch genug geredet. Es beginnt die Show schlechthin:



    Magic happens schon am Anfang. Bitte genau auf das Intro achten – vor allem was nach dem längeren Saxofon-Ton am Anfang passiert, bevor die Muppets singen. Auch die(selbe) Begleitung zu „Jetzt tanzen alle Puppen.“ und „Macht auf der Bühne Licht!“ ist wichtig.

    Das kennt man auch:




    Irgendwie hört sich das immer ähnlich an. Diese meist zweitaktige immer wiederkehrende Abfolge nennt man Vamp oder Turnaround. Sie findet sich in Intros wie bei der Muppet Show, sie findet sich als Grundlage von Improvisationen zum Beispiel auf „Stay just a little bit longer“ wie im Film "Dirty Dancing" und natürlich ist sie auch am Schluss gegenwärtig, wo man sie allerdings meist mit dem Grundton abschließt. Woraus besteht die Abfolge?

    Ich schreibe mal die C-Dur-Tonleiter auf:
    C-D-E-F-G-A-H-C
    =I-II-III-IV-V-VI-VII-VIII

    Die Formel für die Konstruktion des Standard-Turnarounds ist:
    I(Dur)-VI(moll)/-II(moll)-V(Dur)

    Für C-Dur ergibt sich also folgender einfacher zweitaktiger Vamp:
    C-am / dm-G

    Auf dem Klavier kann man das so spielen:

    Ein Vamp.png
    Klingt so:




    Meist reichert das noch mit Septen an, aber das kriegen wir später. Auf jeden Fall kann man damit laaaaaannnnnnggggggeeeee Improvisationen bestreiten, wie dieser Mann (Musiker? Jazzer? Kabarettist) hier bestätigt:



    Und was bringt das jetzt für den kleinen Hans? Nun ja, man kann ihn nur mit Vamps und verkürzten Vamps reharmonisieren. Damit hätte man die Anzahl der Akkorde schon mal verdoppelt. Dann sieht die Sache so aus:

    Hänschen klein mit Vamps.png

    Wie ihr seht: Die Reihenfolge der Akkorde ist stets gleich, auch wenn man die Abfolge verkürzt. Es kommt immer diese Reihenfolge: C-->am-->dm-->G---->C-->am-->dm-->G------->jetzt mal anders: -->dm-->G-->C---->normal: C-->am-->dm usw. usw. usw. Wenn man verkürzt, lässt man vielleicht den ersten Akkord mal weg, aber dann geht es immer gleich weiter..... So ist es zumindest in dieser Version vom kleinen Hans (aber auch anderswo).

    Damit ist euer Job klar. Spielt die Jazz-Vamps rauf und runter, auch in verschiedenen Tonarten, nur auf dem Bass oder unter Zuhilfenahme der rechten Seite. Und probiert mal "Hänschen klein" mit Jazz Vamps - auswendig natürlich. Ich denke mal, es macht Sinn, hier nicht so schnell weiterzumachen. Schließlich wollen wir uns alle musikalische Vampen zulegen.:D Ach ja noch was: Um-paah-paah reicht hier noch völlig aus. Immer schön Grundbass und Akkorde wechseln.

    N.B.: Nach Jazz klingt es noch nicht. Aber es stehen ja noch Interviews aus: Wir sollten uns mal mit unserem Bassisten unterhalten, dem Drummer sowieso und eine Séance mit dem verstorbenen Frank Marocco könnte auch nicht schaden. Mal gucken, wen ich als ersten treffe....:gruebel:

    Hier noch das Kleingedruckte:
    1. Gut und leider wahrscheinlich nicht mehr lange öffentlich im Netz ist das da: http://www.cs.uml.edu/~stu/JazzTheory.pdf. Dort findet sich u.a. alles zur Bedeutung der Wichtigkeit von Blues und der Rhythm Changes. Die Informationsdichte ist hoch und der Inhalt verständlich, wenn man Englisch kann.
    2. Der englische Wikipedia-Artikel über die Rhythm Changes ist auch nicht von schlechten Eltern:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Rhythm_changes. Dort wird einem die Abfolge der Akkorde vermittelt. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass die verkürzte Akkordabfolge zu „I got rhythm“ von Gershwin Grundlage dafür war.
     

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  9. Landes

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    Erstellt: 02.01.18   #9
    Zu kompliziert, ich spiel' einfach was mir in den Sinn - und Stunden später in die Finger - kommt. So isser halt der . . . .
     
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  10. Bernnt

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    Erstellt: 02.01.18   #10
    Auch nicht schlecht. Ich möchte dich aber drauf hinweisen, dass du bereits Vamps gespielt hast, bevor ich was davon erzählt habe. In deiner ersten "Hänschen klein"-Einspielung vor meinem zweiten Beitrag hier findet sich nämlich nach deinem Intro der erste Vamp. Vampire lauern überall. Sie besitzen eine große Anziehungkraft...:-D
     
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  11. Jetzt aber!

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    Erstellt: 02.01.18   #11
    Kann es sein, dass gegen Ende des zweiten Beispiels das walzernde Hänschen auf den Kater Kasimir trifft? Habe das Motiv im Ohr, kann es aber nicht richtig unterbringen.
     
  12. Landes

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    Erstellt: 02.01.18   #12
    Ja so schaut's aus, ich spiele was mir in den Sinn kommt, mein "Problem" ist die saubere Umsetzung, das heißt die Verkabelung zwischen Hirn und Finger ist schon etwas brüchig. Und ob das jetzt Vamps, Ghosts, Demons, Evil Spirits, oder irgendwelche anderen alkoholischen Getränke waren ist mir nicht offensichtlich bewusst. Aber danke dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast. Jetzt kann ich vor meinen Freunden richtig "g'scheid daherreden :great:".
    Hänschen mag dem Kasimir zwar auf den Schwanz getreten sein, was aber nicht beabsichtig war. Die zwei Einspielungen sollten eigentlich gleich sein, nur habe ich beim Zweiten den el. Bass dazugegeben. Aber wie's halt so ist, beim Jazz, es klingt jedesmal anders - jetzt hast du den Beweis :-D (q.e.d.).
     
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  13. Bernnt

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    Erstellt: 02.01.18   #13
    Vamps sind überall! 1963 stürmte die Kirche mit einem Vamp-unterlegten Hit - dem Dankelied - die Hitparade. Sechs Wochen konnte es sich in den Charts halten, wurde in verschiedene Sprachen übersetzt und feierte - trotz der Kritik der beamteten Kantoren, die schließlich diese PRIMITIVEN Vamps aus ihren Gemeinde-Begleitarrangements strichen - beachtliche Erfolge. Ein Beispiel:



    Auch eher unreligiöse oder atheistisch eingestellte Menschen verlassen sich auf die Wirkung von Vamps. Hier eine vamp-basierte Religionskritik von Thomas Pigor:

     
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  14. morino47

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    Erstellt: 06.01.18   #14
    Vamps/ Turnarounds etc. sind in Jazzer-Kreisen übliche Begriffe, man kommt in Musiker-Kreisen nicht drum herum. Sie sollen nebenbei bewusst oder unbewusst auch Duftmarken setzen. Ich will damit sagen, dass derjenige, der sich damit umgibt, ausdrückt, dass er dazu gehört, und derjenige, der solche Begriffe nicht benützt oder vielleicht sogar nicht mal versteht, eben nicht dazu gehört. Man kann diese Anglizismen verwenden, man kann sich aber auch etwas zurückhalten. Diese Begriffe allein machen noch nicht die Musik.

    Vamps/ Turnarounds sind wiederkehrende Harmonieabfolgen. In weniger anglomanischen Zeiten nannte man so etwas (Harmonie-) Kadenzen.

    Häufig findet man die "kleine Kadenz", z.B. in C-Dur: C-Dur, F-Dur, G-Dur oder -7, C-Dur. Abgewandelt: C-Dur, D-Moll, G-Dur oder -7, C-Dur. Tonart-neutral lässt sich die kleine Kadenz in der Stufenschreibweise so ausdrücken: I-IV-V-I bzw. I-II-V-I. Wann Dur und wann Moll weiß man nach einiger Übung sehr sicher. Bei ganz primitiven Stücken fehlt die Stufe V bzw. II - Volkslied-Fans oder POP-Fans mögen mir diese Bemerkung nachsehen, es gibt dort ungezählte Melodien, die mit Stufe I und V auskommen, und die manche Musiker weitgehend ernähren.

    Die "große Kadenz" baut auf der kleinen auf und wird durch die Parallel-Moll-Harmonien der Stufe I und IV ergänzt. Also z.B. in C-Dur: C-Dur, A-Moll, F-Dur, D-Moll, G-Dur bzw. -7, C-Dur. In Stufen I-VI-IV-II-V-I. Je nach Bedarf oder auch Geschmack lässt man die eine oder andere Harmonie weg.

    Mit Gesagtem lässt sich obige Harmonisierung von Hänschen klein erklären.

    Viele Grüße

    morino47
     
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  15. klangtaucher

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    Erstellt: 07.01.18   #15
    eigentlich ist's der Stanislaus, urspr. The Alley Cat

    sorry für OT, bin schon wieder weg ...
     
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  16. Bernnt

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    Erstellt: 07.01.18   #16
    Wie immer man das auch nennt oder nannte oder nennen wird, auf jeden Fall hört sich jetzt unser "Hänschen klein" so an:





    Wenn man das so kann, hat man jetzt auf jeden Fall die Standardabfolge der vier Akkorde schon ein paar Mal gespielt. Darum "Hänschen klein" und kein komplizierterer Jazz-Standard.

    Ob das allerdings Jazz ist??? Es klopft an der Tür. Draußen steht mein Freund Miles, der mir seinerzeit Jazzpiano beigebracht ist. Neben ihm eine etwas durchscheinende Gestalt mit weißen Haaren, einer dicken Brille und einem leicht spöttischen Grinsen. Frank? Was sie sagen wollen ist, habe ich befürchtet: "No. This is not Jazz." Es sind bestimmt nicht die einzigen Besucher, die vor der Tür stehen und mir ihr "No" übermitteln wollen.
     

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  17. Landes

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    Erstellt: 07.01.18   #17
    Wie du schon sagst, das haut mich nicht gerade vom Jazz-Hocker. Da war ja mein früher Beitrag schon deutlich jazziger, obwohl ich "damals" von Vamps-Turnarounds-Kandenzen noch gar nichts wusste und nur die einfache Karies kannte ;-).
     
  18. Bernnt

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    Erstellt: 07.01.18   #18
    Nee, Horst, mich auch noch nicht. Dein Beitrag war definitiv jazziger. Da bin ich 100% bei dir. Aber da stehen ja noch ein paar Besucher vor der Tür, die mir weiterhelfen werden und ich bin sicher, dass am Ende der Gespräche die Sache anders klingt. Ok, Tür auf für Miles und Frank: "No this is not Jazz."

    Ja, ich weiß, meine Harmonien. „Hänschen klein“ enthält zwar so etwas wie Vamps. Jazzer aber lieben kompliziertere Akkorde und außerdem haben sie zu denen noch einen anderen Zugang als ich. Wenn ich C7 lese, dann denke ich an folgenden Akkord:

    C7klassisch.png
    Den Akkord kennen wir gut. Auf dem Klavier klingt er so:



    Mein Freund Miles, ein kanadischer Jazzpianist, aber spielt beim ersten Drübersehen über einen Leadsheet folgendes:

    C7 im Jazz.png




    Dazu erklärte er: Ein Jazzakkord besteht zunächst einmal aus einem Root und einer Shell. Der Root ist der Grundton des Akkords, in unserem Falle ein C. Die Shell besteht immer aus einer großen oder kleinen Terz und der Sext oder Sept des Akkords. Im Falle von C7 sollte ich also meinen Grundton um ein e (große Terz für Dur) und ein b ergänzen. Die Quinte ist zunächst mal raus. Aus diesen Schichtungen entstehen (jetzt mal mit Quint, die man aber meist nicht spielt) sechs Jazz-Grundakkorde:

    Grundakkorde im Jazz.png

    Zu einem Jazz-Grundakkord treten oft zusätzliche Töne hinzu, die sogenannten Color Tones, „Farbtöne“. Das können Nonen, Undezimen oder Tredezimen sein, vielleicht vermindert oder erhöht, bis dann aufwändigere Akkordgebilde entstehen, die jeder von uns schon mal gesehen hat.

    Ein Beispiel: D7#9.

    Das wäre folgendes Gebilde:
    Root (Grundton): D
    Shell (Terz): fis
    Shell (Sept): c
    Color Tone (erhöhte None): f

    Den Akkord könnte man so aufschreiben:
    D7#9.png




    Mit diesem Steilpass von Miles war ich dann in der Lage, mich am Klavier an Jazzstandards zu machen. „I like the accordion – the accordion as a jazz instrument“, warf Frank ein. Der Beitrag von Frank Marocco besteht u.a. darin, kreative Umsetzungen der Jazzharmonik auf unserem Instrument gefunden zu haben. Man kann dort Jazzakkorde auf einem dreifachen Weg angehen:
    (1) Man kann die Jazzakkorde auf der Bass-Seite versuchen zu kombinieren.
    (2) Man kann den Root auf dem Bass spielen und die übrigen Töne auf der Diskantseite spielen.
    (3) Man kann Akkordtöne links und rechts mischen.

    Total interessant ist Umsetzung (1). Mit etwas Geschick kriegt man:
    Cmaj7: C+em
    C6: C+am
    cm6 A+cm (Naja, hier liegt die Sexte im Bass)
    cm7: C+es
    C7: C+c7 :-)
    C0 C-cverm :-)

    Neben den sechs Grundakkorden gefällt mir auch:
    C9=C7/9: C+gm

    Diese Akkorde kann man links hin und her schieben. So kriegt man die genannten Jazzakkorde in allen Tonarten.

    Damit seid ihr nun in der Lage, Hänschen klein mit Jazzakkorden zu harmonisieren. Das Leadsheet zeigt wie:

    Hänschen klein mit Jazzakkorden.png


    Ich freue mich auf eure Einspielungen.
     

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  19. Balgseele

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    Erstellt: 07.01.18   #19
    ach ich dachte immer wichtig ist nur das man die Terzen sauber schichtet und dabei große und kleine kräftig mischt. Also die Finger der rechten Hand schön spreizen und dann aufs Klavir hauen so das der oberste Ton ungefähr getroffen wird.



    HänschenJazz.png

    --- Beiträge zusammengefasst, 07.01.18 ---
    noch besser wirds wenn man angesoffn ist oder was zu rauchen hatte :D
    aber erklären kann ich das nicht mehr und mein Hänschen ist jetzt sauer :ugly:



    HänschenJazz2.png
     

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  20. lil

    lil Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 07.01.18   #20
    mein lieber @Balgseele sei besser vorsichtig mit solchen Scherzen, sonst meint noch jemand, du meintest es ernst! Ach - du meintest es ernst? Dann bitte ich vielmals um Entschuldigung! :whistle:
     
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