Der neue Yamaha Vertrieb - Agenturen statt Händler

Das Modell des unabhängigen Handels halte ich nicht für utopisch, schon eher für optimal. Optimal meine ich im Sinn von "bestmöglich". Das bedeutet unter den realen Bedingungen und Umständen natürlich nicht "perfekt", deshalb sind Kontrollinstanzen und Korrekturmechanismen wichtig.

In Deutschland kenne ich auch mehr als einen leistungsfähigen Online-Händler für Musikinstrumente.
Bei sechs verschiedenen habe ich in den letzten Jahren eingekauft und weitere sind mir durch deren Werbung beim Aufruf von Suchmaschinen untergekommen - da würde ich nicht von "Monopolisten" reden wolllen.

Andere Branchen haben deren eigene wirtschaftlichen Bedingungen und Spielregeln. Ohne konkrete Angaben ist mir daher unklar, was sich aus generellen Querverweisen zu deren Agenturen für den Handel mit Musikinstrumenten folgern lässt.

Gruß Claus
 
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Praktisch bedeutet das für mich erst mal, dass ich die neuen Yamahas nicht mehr bei einem Händler in meiner Gegend Probe spielen oder kaufen kann, ein altes Instrument nicht in Zahlung geben kann und das Netz der Anlaufstellen für Reparaturen entspricht in etwa dem Vertriebsnetz.
Das ist für mich ein klarer Nachteil.
Preislich scheint es für Früh- und Sofort-Besteller günstiger zu sein. Hinten raus ist dann eher mit wenig bis keinem Preisverfall zu rechnen, vielleicht ein jährliches anpassen. Bei den Streichpreisen der +-Modelle hätte ich die M-Serie darüber erwartet.
Wenn man nur die Verkaufsränge von Thomann sieht wie sie nach gut einer Woche schon teilweise das Vormodell geknackt haben kann man sich vorstellen wie da bestellt wird.
Das bedeutet aber, dass bei jedem Release ein größerer Bestell-Tsunami zu erwarten sein ist. Angenehmer für Firma und Produktion wäre wenn man diese Wellen versucht zu glätten statt zu pushen.
 
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Die Werkstatt bei Thomann ist ja sehr, sehr gut eingerichtet und diesen Service verkaufen sie auch an die Hersteller, als Vorstufe/Filter zu Reklamationen. Damals bei Gibson - die nicht die Kontrolle aus der Hand geben wollten und alle Beanstandungen selbst (in Amsterdam) abwickelten - sind nur :bang: ca. 6 zusätzliche Wochen dazu gekommen, bis das Produkt wieder beim Kunden war.

Die Auswirkungen dieser konzeptionellen Umstellung, sind mit Sicherheit nicht nur im Warenkorb des Kunden zu merken, sondern wirken auf ganz viele - im Hintergrund eingespielte - Konzepte. Werkstatt, Werbung ... usw.

Gruß
Martin
 
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Ich bin leider kein Jurist und kann das dementsprechend auch rechtlich gar nicht beurteilen. ABER: Gibt es nicht in D so etwas, wie das Recht auf freie Preisgestaltung für Händler? Nicht umsonst dienen die eigentlichen UVPs ja bestenfalls als Abschreckung oder als "Beweismittel", wie günstig der Händler etwas anbietet.

Kann es tatsächlich so einfach sein, dieses vom Gesetzgeber bestimmte Recht der Händler auszuhebeln?
 
… Gibt es nicht in D so etwas, wie das Recht auf freie Preisgestaltung für Händler? …

Kann es tatsächlich so einfach sein, dieses vom Gesetzgeber bestimmte Recht der Händler auszuhebeln?
Natürlich. Den Preis bestimmen kann man aber nur für ein Produkt, dass man selbst als dessen Eigentümer verkauft (z.B. nachdem man es zuvor selbst vom Hersteller gekauft hat). Die Agenturmodelle funktionieren aber so, dass der „Händler“ lediglich ein Kaufgeschäft zwischen dem Hersteller und dem Endkunden vermittelt. Der Verkauf erfolgt vom - mithin preisbestimmenden - Hersteller direkt an den Endkunden.

Es wird also nichts „… ausgehebelt …“, sondern der „Händler“ ist in einem solchen Modell gar kein Verkäufer, sondern eher (nur) Dienstleister.
 
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Yamaha hat das in den 80ern schon bei Hifi so gehandhabt. Als Endverbraucher profitiere ich zwar zunächst vom Preiskampf der Händler. Wenn's dann aber fast nur noch die Großen gibt, ist das wieder obsolet. Und genau so ist es doch fast schon.
Vor Weihnachten habe ich noch schnell Saiten gebraucht. Die Stadt hat über 100.000 Einwohner, aber weit und breit keinen Laden mehr wo ich diese kaufen kann. Ich vermisse die kleinen Shops, aber nicht nur deswegen.
 
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... Die Stadt hat über 100.000 Einwohner, aber weit und breit keinen Laden mehr wo ich diese kaufen kann. Ich vermisse die kleinen Shops, aber nicht nur deswegen.

dasselbe hier in meiner Stadt auch. Ob allerdings so ein "Modell", wie das von Yamaha daran etwas ändern wird? Da habe ich große Zweifel.

Ich kenne das ein bisschen aus anderen Bereichen. Da läuft es im Prinzip immer darauf hinaus, dass nur noch eine kleine Zahl von Händlern als "Agenten" oder whatever die entsprechende Marke liefern können, weil die anderen einfach keinen Vertriebs- oder Vermittlungsvertrag bekommen.
Am Ende hängt es davon ab, ob ein Händler genug Geräte verkauft und/oder die ganze Produktpalette verfügbar hält und/oder Garantieansprüche, Transport, Aufbau und Reparaturen zuverlässig leisten kann.

Bei den Anforderungen kann man sich leicht ausrechnen, WER dann am Ende so einen Vertrag bekommt und wer nicht. Spoiler: Die kleinen Musikläden werden sich wohl ganz hinten anstellen müssen.
Das ist allerdings oft auch jetzt schon so. Nur nicht ganz so rigide, weil es immer noch "Hintenrum-Optionen" gibt. Sprich: Auch ein Händler, der offiziell nicht von Gibson beliefert wird, kann sich über Zwischenhändler, Kollegen etc. trotzdem ein paar Les Pauls in den Laden hängen. Nach der neuen Methode von Yamaha wäre selbst das nicht mehr möglich, weil der Kleinhändler gar nicht mehr berechtigt ist, die Instrumente zu verkaufen - selbst, wenn er sie von irgendwoher bekommen würde.

Klingt für mich vor allem nach einer "guten" Lösung für Yamaha. Für alle anderen ... werden wir sehen :unsure:
 
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Sollte bei meinem kürzlich gekauften Line6 Helix Stadium, der auch als Yamaha Agenturgeschäft/Artikel ausgewiesen ist, nicht Yamaha auf der Rechnung stehen, wenn Thomann nur Mittelsmann ist? Habe wiederum eine normale Rechnung von Thomann erhalten 🤔
 
Sollte … nicht Yamaha auf der Rechnung stehen, wenn Thomann nur Mittelsmann ist? Habe wiederum eine normale Rechnung von Thomann erhalten 🤔
Da wird‘s dann spannend. Falls für den Käufer nicht eindeutig erkennbar ist, dass der Hersteller Verkäufer(-in) sein soll (und möchte), sondern im Gegenteil die Rechnung den Eindruck erweckt, das Fachgeschäft verkaufe im eigenen Namen, dann könnte der Kaufvertrag tatsächlich mit dem Fachgeschäft zustande gekommen sein.

Maßgeblich ist aber freilich, was im Kaufvertrag steht. Alles in allem sind wir nun im Bereich der Rechtsfindung, was bekanntermaßen weder Gegenstand des Threads ist noch Zweck des Forums. ;)
 
Yamaha hat seinen Agenturvertriebsweg bisher nur für bestimmte Produkte eingeführt, hier fiel mir das beim Montage M und nun dessen Ableitung MODX M auf.
Mangels entsprechender Pressemitteilung von Yamaha ist aber nicht klar, ob und welche Erweiterung des Agentursystems für die Zukunft beabsichtigt ist.
Dieser Thread war auch der erste gewesen, der sich mit der Thematik beschäftigt, der Fachjournalismus für Musik oder auch Wirtschaft ist da offenbar sanft entschlafen.

Was den Line6 Helium Stadium betrifft, der fiel im Fall des Kaufs bei Thomann möglicherweise in den Übergang, aktuell ist er "allein" nicht jedenfalls mehr im Sortiment erhältlich. Es gibt lediglich noch ein lagerndes Angebot im Bundle mit Flight Case.

Gruß Claus
 
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Die Vertriebsstrukturen der von Hersteller/Großhändlern waren schon immer ein „Geheimnis“ von dem die Endkunden möglichst wenig mit bekommen sollten.
Knebelverträge mit Mindest-Abnahmekontingenten und Preisbindungs-Klauseln, damit man überhaupt „Stützpunkt“ werden/bleiben konnte, waren zumindest in den 80ern üblich. Reaktion auf die Knebel-Verträge, war dann ein „Grau-Markt“, wo die Stützpunkte (eigentlich vertragswidrig) an andere kleine Einzelhändler, weiterverkauft haben und auf ihr Umsatzvolumen zu kommen. Gewährleistungsfälle waren da dann halt „blöd“… Die Vertriebe haben teilweise gute Miene zum bösen Spiel gemacht, weil die letztlich auch nur die UVP-Regeln unterlaufen wollten.

Thomann hat da mittlerweile bestimmt eine ganz andere „Macht“. Da ist dann die Frage, ob da nicht manchmal der Schwanz mit dem Hund wackeln will?
 
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Ich bin leider kein Jurist und kann das dementsprechend auch rechtlich gar nicht beurteilen. ABER: Gibt es nicht in D so etwas, wie das Recht auf freie Preisgestaltung für Händler? Nicht umsonst dienen die eigentlichen UVPs ja bestenfalls als Abschreckung oder als "Beweismittel", wie günstig der Händler etwas anbietet.

Kann es tatsächlich so einfach sein, dieses vom Gesetzgeber bestimmte Recht der Händler auszuhebeln?

Diese freie Preisentwicklung haben zahlreiche Hersteller in der Vergangenheit sanktioniert/unterbunden. Ob es nun MRSP (Minimum recommended sales price), schräge UVP (die seltsamerweise 19% höher sind als der gängige Street Preis) oder sog. Malta-Listen (defacto Preislisten mit "uvp" für Malta, die nix anderes als minimale Online-Angebotspreise als Vorgabe waren).

Natürlich konnte dich der Lieferant dafür nicht abmahnen, aber dann wurdest du halt nicht beliefert, es gab seltsame Lieferengpässe, Waren mit eindeutig schlechterer Qualität, keine Berücksichtigung von Werbeaktionen, Road Shows usw usf.

Und das war schon 2015 so als ich noch in der Lehre war. Und das war nicht nur Yamaha.

Ich stehe der Entwicklung von Yamaha kritisch gegenüber. Man will die Vorteile des Handels mit Fachberatung nutzen aber die Verkäufe, Kundendaten etc pp selbst haben. Eventuellen Arbeitsaufwand minimieren, Gewinne maximieren und -das garantiere ich euch- wird man alles an Arbeit, das im After Sales anfällt, ebenfalls auf die Händler - Pardon - Agenturen abwälzen. Man macht hier keinen Finget krumm bis es gesetzlich verpflichtet.

Zudem sind wir im wirtschaftlichen Abschwung. Es werden weniger Instrumente verkauft. Ob die Rechnung für Yamaha aufgeht? Müssen Agenten eigentlich selber Lager halten, ist es dann nicht noch immer Eigentum von Yamaha mit sämtlichen Nachteilen?
 
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Was den Line6 Helium Stadium betrifft, der fiel im Fall des Kaufs bei Thomann möglicherweise in den Übergang, aktuell ist er "allein" nicht jedenfalls mehr im Sortiment erhältlich. Es gibt lediglich noch ein lagerndes Angebot im Bundle mit Flight Case.
gemeint ist natürlich der XL, der seit Weihnachten lagernd ist https://www.thomann.de/de/line6_helix_stadium_xl_floor.htm (das nicht XL wird ja generell noch nicht ausgeliefert) und seit Anfang an "Bei diesem Artikel handelt es sich um ein Yamaha Agenturprodukt." direkt unter den Bildern steht. Wundert mich eben bloß...

Müssen Agenten eigentlich selber Lager halten, ist es dann nicht noch immer Eigentum von Yamaha mit sämtlichen Nachteilen?
Ich kenn das eigentlich nur gegenteilig, dass die Ware in dem Moment auch gestellt wird ... wäre auch interessant zu wissen
 
gemeint ist natürlich der XL, der seit Weihnachten lagernd ist https://www.thomann.de/de/line6_helix_stadium_xl_floor.htm (das nicht XL wird ja generell noch nicht ausgeliefert) und seit Anfang an "Bei diesem Artikel handelt es sich um ein Yamaha Agenturprodukt." direkt unter den Bildern steht. Wundert mich eben bloß...
Nur mal in „Kürze“, weil es hier ja eher grundlegend um das Thema geht, weniger um Einzelfälle:

Der Hinweis auf das „Yamaha Agenturprodukt“ ist aus Sicht des Verbrauchers m.E. nicht allzu aussagekräftig, jedenfalls nicht eindeutig. Ein Verbraucher kann (und muss) nicht wissen, was Thomann damit meint.

Die auf der Website platzierte „… Thomann Garantie“ sieht auch eher nach einem Verkauf durch Thomann im eigenen Namen aus. Denn eine „Garantie“ gibt aus Sicht des Verbrauchers in der Regel der Verkäufer (wenngleich das nicht zwingend so sein muss).

Packt man das Produkt in den Warenkauf, dann gibt es bis einschließlich direkt vor dem „Jetzt kaufen-Button“ keinen Hinweis auf einen abweichenden Verkäufer, jedenfalls ist mir kein solcher Hinweis aufgefallen. Die AGB habe ich mir nicht vertieft angesehen, auf einen schnellen Blick handelt es sich aber um typische Verkäufer-AGB.

Alles in allem meine ich, dass dieses Produkt durch Thomann verkauft wird.

Anders ist es z.B bei Amazon, wo man bei jedem Produkt unmittelbar und direkt sehen kann, durch wen es verkauft wird.
 
…bei Kfz gibt es das für Neufahrzeuge schon lange….
Trotzdem nehmen die Händler gebrauchte Fahrzeuge in Zahlung.
Man will damit Preisschlachten verhindern (billig, billiger, noch billiger).
Über den Preis verkaufen kann jeder….

Grüße

Wolfgang
 
Zuletzt bearbeitet:
Thomann ist sich bezüglich des neuen Vetriebswegs mit Yamaha meines Erachtens uneins, die Indizien dafür hatte ich am Anfang des Threads aufgedröselt.
Autovergleiche sind im Board zwar sehr beliebt, aber fast immer auch unzutreffend. Thomann nimmt jedenfalls kein altes Digitalpiano in Zahlung.

gemeint ist natürlich der XL, der seit Weihnachten lagernd ist https://www.thomann.de/de/line6_helix_stadium_xl_floor.htm (das nicht XL wird ja generell noch nicht ausgeliefert).
Dein Link zeigt mir als Kunde eingeloggt ganz aktuell folgende Information:

Line6 Helix Stadium XL.jpg


Aber hier geht es vor allem um die Yamaha Agenturpolitik bezüglich seiner Tasteninstrumente, sonst würde der Thread nicht in der Keys-Plauderecke stehen.

Gruß Claus
 
Bei mir wird es als lieferbar in 7-9 Wochen angezeigt (bin angemeldet):
1767696893470.png
 
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Interessant, das müsten sich Thomanns Homepage-Entwickler mal anschauen.
Die Anzeige bei nicht angemeldeten und angemeldeten Suchen im Onlineangebot der Agentur-Produkte unterscheidet sich bei mir zuverlässig, wie schon vor Wochen beim MODX M.

Gruß Claus
 
…es gibt ja nicht nur Fa. Thomann….
 
Sicher nicht, aber in den Links der Beiträge von @4enima und @dieterc3 wurde konkret auf Thomann verwiesen. Weil die Info der Homepage je nach Aufruf so widersprüchlich ist, passt das Ganze sogar in diese Diskussion.

Auch haben z.B. MusicStore oder Böke keine Probleme bezüglich der betroffenen Yamaha-Tasteninstrumente im neuen Vertriebsmodell. Bei beiden habe ich deshalb in den letzten Monaten gekauft, was Thomann nicht liefern konnte, er ist sonst mein Stammhändler seit 25 Jahren.

Gruß Claus
 

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