4x12 Isolation Box Erfahrungen?

von Mygod, 16.03.17.

  1. Mygod

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    Erstellt: 16.03.17   #1
    Nabend zusammen. Nachdem ich mich gerade umgesehen habe, wie man möglichst leise die "großen" Gitarrenamps aufnehmen kann, bin ich auf ein Bild von einem Roadcase gestoßen, das im Prinzip als Isolation Box dient. Nur, dass da eine 4x12er Box drinsteht. Der Zweck von dem Teil war wohl nicht, das möglichst leise zu machen, sondern auf Tour die Box inkl. Mikrofon einfach als ein Case transportieren zu können um nicht immer so viel auf- und abbauen zu müssen. Da hab ich mir gedacht: Wieso eigentlich nicht nachbauen, nur dicker gedämmt, um quasi eine große Isolation-Box zu haben? Das würde wohl im Homestudio einiges erleichtern, da man dann auch mal etwas später noch ein bisschen aufdrehen kann. Hat hier jemand Erfahrungen mit sowas oder vielleicht sogar schon selbst sowas gebaut? Oder irgendwelche Ideen/Anregungen? Wenn ich das tatsächlich umsetzen sollte, gibt's natürlich einen detaillierten Bericht darüber. LG!
    P.S.: hoffe mal, das Subforum ist richtig gewählt, ansonsten bitte verschieben!
     
  2. mjmueller

    mjmueller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.03.17   #2
    Hallo,
    der von Dir erwähnte Verwendungszweck "Live" scheint mir die einzig vernünftige Situation zu sein, für so ein Vorhaben.
    Eine 4x12" Box in eine Isobox zu stecken scheint mir keinen Sinn zu ergeben.
    Über die Vor- und Nachteile einer 1x12" Isobox kann man/frau schon ordentlkich diskutieren, aber eine 4x12" ist mMn indiskutabel.
    Welchen Sinn hätten denn die vier Speaker, oder welchen Vorteil sollten die haben?
    Neben den ganzen Nachteilen die in der Box entstehen würden, würde das Teil auch viel zu groß sein.
    Ich glaube, das ist keine sooo gute Idee :)
    Aber wenn Du es dennoch machen solltest, bin ich gespannt, was dabei heraus kommt
    Grüße
     
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  3. Mygod

    Mygod Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.03.17   #3
    Moiners. Das Problem an 1x12 ISO-Cabs ist, dass sie meist nur bis 60 Watt belastbar sind. Das halte ich aber für relativ blöd, weil die ja eigentlich genau dafür gebaut werden, um größere Amps abnehmen zu können, ohne, dass einem die Ohren abfallen. Schon irgendwie paradox. Oder hab ich den Sinn verfehlt? Vielleicht wäre eine 2x12 da auch die beste Lösung, mit den 120 Watt von bspw. der Hesu 2x12 ließe sich wohl schon einigermaßen was reißen. 4 Speaker wären in der Tat etwas überdimensioniert, aber auf die 2x12-Variante bin ich heute Nacht nicht mehr gekommen, vielleicht war die Uhrzeit schuld. BTW. Danke für die Antwort!
    EDIT: Welche Nachteile meinst du, die in der Box entstehen?
    LG!
     
  4. mjmueller

    mjmueller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.03.17   #4
    Hallo,
    In der Box wird jede Menge Energie auf kleinstem Raum hin- und hergeworfen. Das ist schon bei einer kleinen Isobox nicht so dolle, bei einer 4x12er kann ich mir gar nicht vorstellen, was da so in allen Frequenzbereichen passieren wird. Ich bin mir aber sicher: nichts Gutes :)
    Das Problem ist, dass der Sound auch nach winzigem Raum klingt. Irgendwie nach "Schuhkarton" oder so. Bei einer Box - und ich meine auch unter Nahmikrofonierung- spielt der umgebende Raum schon eine Rolle. Der Vergleich hinkt zwar, aber ich stelle mir immer vor, dass die Box einer E-Gitarre den Resonanzkörper des Instruments darstellt. Bei einer A-Gitarre ist es zB ja auch idR nicht so sinnvoll nur einen kleinen Teil isoliert abzunehmen, wenn das Instrument als Ganzes erfasst werden soll.

    Mhhm ... so würde ich das nicht formulieren :D
    60Watt finde ich schon richtig laut. Meines Erachtens nach ist die Funktion einer Isobox, ein lautes Signal etwas abzuschwächen, um auch in nicht so günstigen Umgebungen aufnehmen zu können. Lautlos wird das auf keinen Fall sein.
    http://www.sengpielaudio.com/MachenGedanken09Antworten.pdf

    Ich halte zwar den Effekt der Endstufensättigung für überbewertet, aber kann durchaus verstehen, dass jemand den Amp ausfahren möchte. Da würde sich mMn aber eher ein Attenuator anbieten.
    Oder, und das finden viele blöd, wenn ich das sage, ein Signal gar nicht erst so laut machen. Das ist ja auch recht paradox: Erst mache ich ein Instrument richtig laut, um es dann wieder mit riesen Aufwand leiser zu bekommen. Hier würde ich (!) versuchen, ein Instrument erst gar nicht so laut werde zu lassen.
    Und da gibt es ja neben den Attenuatoren ja auch schon jede Menge Amps, die auch in sehr zivilen Lautstärken hervorragend klingen (ich habe selbst ein paar davon).
    Grüße
     
  5. The_Dark_Lord

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    Erstellt: 16.03.17   #5
    Ein paar praktische Erfahrungen und auch theoretische Überlegungen zu Isoboxen (keine Angst, ich werd jetzt nichts vorrechnen)

    1. Warum braucht man eine Isobox, was ist also das oberste Ziel wenn man eine Isobox baut/kauft?
    -> Schalldämmung, außerhalb der Box soll es also so leise sein, dass man niemanden damit stört, selbst wenn man den Verstärker so laut aufdreht dass die Lautsprecher selbst ein wenig zu zerren beginnen, wenn man also "auf amtlicher Lautstärke" aufnimmt.

    2. Und angenommen man würde dieses Ziel erreichen (was nicht funktioniert wie ich gleich erläutern werde), welche Nebenziele hätte man?
    -> Klang, die Gitarrenbox soll ja schließlich auch noch gut klingen, sonst war das alles für die Katz.


    Also, Schalldämmung.
    Wie laut sind Gitarrenverstärker?
    90 bis 100 dB erreichen übliche Lautsprecher in 1 m Entfernung schon bei 1 Watt Leistung, viele Gitarrenverstärker bieten die zehnfache oder hundertfache Leistung. Wer also mehr als 1 Watt seiner Endstufe nutzt, erreicht deutlich höhere Pegel.
    Um niemanden im Haus zu wecken und auch die Nachbarn nicht zu stören muss die Lautstärke auf jeden Fall unter 60 dB bleiben (gaaanz grob geschätzt).
    Die Berechnung überspring ich jetzt mal und schreib gleich das Ergebnis: Mit keiner Isobox der Welt senkt man den Schalldruckpegel um 40 dB oder mehr. Dafür wären Ziegel- oder Betonmauern nötig.
    Bei der üblichen Konstruktion von Isoboxen (einige Zentimeter dickes Sperrholz) werden zwar hohe Frequenzen und auch Hochmitten tatsächlich geblockt (was eine Menge Probleme aufwirft, siehe weiter unten), mittlere und tiefere Frequenzen jedoch kaum abgesenkt.
    Die Kinder im Nebenzimmer hören also einen weniger höhenlastigen Gitarrensound, der aber nicht wirklich leiser ist. Einschlafen werden sie so nicht.
    oberstes Ziel also verfehlt.

    Und um gleich die Diskussion vorwegzunehmen:
    Ja, viele Leute die sich eine Isobox bauen werden jetzt sofort sagen "aber durch meine Isobox ist es viel leiser geworden!"
    Meine Frage darauf jedes Mal: "Leise genug um niemanden im Haus zu stören?"
    Die Antwort darauf ist immer "Nein, nur ein bissl leiser aber nicht wirklich leise genug".

    Zum Thema Klang:
    Durch das eigentlich enorm kleine Volumen vor der Box, das durch die Wände der Isobox begrenzt wird entstehen völlig neue akustische Begebenheiten. An den Wänden entstehen Reflexionen, und weil die Wände sehr viel näher beim Mikrofon sind als in einer "normalen" Aufnahmesituation sind die Reflexionen deutlich lauter und haben deutlich mehr Einfluss auf den Klang: Es bilden sich stehende Wellen, Resonanzen und Kammfiltereffekte, einzelne Frequenzen werden ausgelöscht, andere stark überbetont. Durch die geringen Abmessungen liegen diese Effekte alle direkt im mittleren Frequenzbereich wo sie am meisten stören. Dazu kommt noch jede Menge wummern.
    Kurz: Der Klang wird absolut unnatürlich, und weil die Effekte sehr zahlreich und überdies recht schmalbandig sind lässt sich das mit einem EQ auch kaum mehr geradebiegen, schon gar nicht für Ungeübte.
    Üblicherweise wird versucht dies zu verhindern indem man die Innenseite der Isobox mit Schaumstoff auskleidet. Noppenschaumstoff ist dabei sehr beliebt - aber genauso wirkungslos, denn die verwendeten Schaumstoffe sind eigentlich immer zu dünn. Mit 2 bis 5 cm dünnem Schaumstoff absorbiert man nur sehr, sehr hohe Frequenzen, der Klang wird also noch dumpfer.
    Das Nebenziel "möglichst guter Klang" wird also ebenfalls verfehlt.

    Und um gleich wieder die Diskussion vorwegzunehmen:
    Natürlich ist jeder der sich eine Isobox gebaut hat zuerst mal sehr stolz auf sein Werk und wird vehement behaupten, dass sie auch gut klingt.
    Ich hab mittlerweile doch viele verschiedene Isoboxen gehört, sowohl kommerziell verkaufte als auch selbst gebaute. Geklungen haben sie allesamt (!) - man verzeihe mir die Wortwahl - ziemlich beschissen.
    Ganz ehrlich, bevor ich so einen - man verzeihe mir die Wortwahl - scheiß unnatürlichen Gitarrensound verwende greif ich sogar lieber zu schlechten Ampsimulator-Plugins. Denn was den Plugins an "Leben" fehlt, das fehlt den Isoboxen ebenso UND sie sind außerdem auch immer noch zu laut.

    Fazit:
    Isoboxen klingen schlechter und sind trotzdem nicht leise genug.
     
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  6. mjmueller

    mjmueller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.03.17   #6
    Prima Beitrag :great:
    Fällt mir gerade auf "HCA" :hail:
     
  7. The_Dark_Lord

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    Erstellt: 16.03.17   #7
    Isoboxen sind ein ziemliches Gräuel, aber um das zu lernen müssen viele erstmal auf die Nase fallen. Ich hoffe ich kann den einen oder anderen durch meinen Beitrag davon abhalten, diesen Fehler zu begehen.
    Frei nach "learn from my mistakes" :)
    :D
     
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