[Amp] - Mesa Boogie M6 Carbine (Fathom)

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Euphemismus

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Das Teil
Seit ich das erste Mal einen Bass in der Hand hatte bin ich auf der Suche nach dem (meinem) "perfekten" Sound oder zumindest etwas das meinem Geschmack so nahe kommt, dass ich damit glücklich bin. Dafür war ich schon einige Male in diversen Musikgeschäften, habe Kombos, Tops und Preamp/Endstufen Kombinationen ausprobiert... Bislang ohne Erfolg.
Zumindest bis ich über diesen Amp gestolpert bin. Gekauft Ende verangenen Jahres als "Fathom" in der 19" Version.

Verarbeitung
Gebürstete Stahloptik, dunkel eloxiert oder lackiert (lässt sich schwer sagen), massig/massiv. Er macht auf jeden Fall insgesamt einen sehr gut verarbeiteten Eindruck. Alle Regler sind griffig, zwar plastik, dennoch mit Metallfassung innen und Madenschrauben fixiert. Jeder Regler dreht sich sauber und gelichmäßig ohne Kratzen und nicht zu leichtgängig - Regelweg ist optimal auf den Sound und die Frequenzen zugeschnitten. Die vorderseitigen Lüftungsschlitze sind leicht gratig (das könnte besser gehen), die beiden Kippschalter rasten mit sauberem *Klack* ein. Lüfter hat leise Laufgeräusche, stört aber nicht weiter.
Alle Anschlüsse rückseitig, so wie alle funktionalen Elemente vorderseitig sind gut lesbar und sinnvoll beschriftet.
So gesehen bis auf das kleine Manko mit den Graten an den Lüftungsschlitzen alles wie es sein muss.



Bedienbarkeit
Bass einstecken, alle Regler neutral, Gain auf 1 Uhr und Volume Richtung 8 Uhr - Ab geht die Post!
Mal ganz davon abgesehen, dass der parametrische EQ und die Regelwege der Potis perfekt sitzen, ist hier auf einfache Bedienbarkeit Wert gelegt worden: Mit wenigen Handgriffen zum passenden Sound.
Was Boxen angeht findet man an der Hinterseite zwei kombinierte Speakon/Klinke Anschlüsse und einen Kippschalter für Endstufen-Leistungsoptimierung 2 und 4/8 Ohm. Das beschert dem Amp bei angeschlossener 4x10 Performer @ 8 Ohm von FMC 350W (RMS).
Ich habe den Amp in ein 4HE Doubledoor-Rack mit einem Korg DTR2 verbaut, hinten eine Steckdosenleiste drin: Hinstellen, Rack auf, Stromstecker einstecken, Speakon einstecken, fertig.

Features
  • Gain bringt nicht nur die Vorverstärkung, sondern ist zugleich "Röhrenbeimischung". Gain ab 12 Uhr bringt langsam den warmen Röhrensound, alles darunter bleibt schön "clean". Wobei man hier beachten muss, dass bei mir mit einem aktiven Warwick $$5 keine Verzerrungen auftreten/möglich sind. Es wird einfach nur "wärmer".
  • Parametrischer EQ mit Bass/Mid/Treble bringt eine Menge Soundmöglichkeiten, allein schon durch die super gewählten Regelbereiche. Komplett neutral hört man einfach nur den Bass (und evtl. die Röhre - je nach Gain). Mir sind meist zuviel Brillianzen drin, deshalb leichte Treble-Absenkung in Verbindung mit einem Bass-Push. Was Bass angeht, lässt isch der Regelbereich noch ein gutes Stück nach "unten" erweitern, indem man das "Pull-Deep" Feature - push/pull Poti - nutzt. Sofort grollt alles eine Stufe massiver, bei Beibehaltung der Ortbarkeit.
    Meiner Meinung nach kommt die enorme (gefühlte) Lautstärke des Amps vor allem aus den super definierten Mitten und Höhen. Da der komplette EQ Bereich eine Menge Besonderheiten aufweist, was Frequenzen und Verhzalten angeht, bei Interesse einfach mal ins Manual schauen.
  • Presets: Zwei Presets mit extremem, bzw. soften Mid-Cut bei 540Hz. Dazu ein Preset mit leichtem Mid-Boost bei 370Hz, bzw. einem Preset mit Mid-Boost bei 170Hz (Tiefmitten). Die Mittelstellung ist hier die Neutrale Position.
  • DI Level: Einstellung des DI-Output Levels. Hier hat man die Möglichkeit das Signal entweder vor (Pull) oder nach dem EQ abzugreifen.
  • Effektweg: Seriell, nicht einstellbar.
  • Anschlüsse (front): Input (aktiv/passiv schaltbar)
  • Anschlüsse (back): Mute switch, Preset 1, 2, 4, 5 switch, Impedance switch (4/8 Ohm oder 2 Ohm Endstufenoptimierung), 2x Speakon, Effect Loop Send/Return, Tuner out, DI Out (+ ground lift)

Sound
Im Prinzip bringt der Amp neutral eingestellt einen sehr klaren Sound mit der Charakteristik des angestöpselten Basses. Nicht 100% Bass wie Glockenklang, sondern mein Bass, bei 1Uhr Gain leichte Röhrenwärme und einfach nur präsent. Fängt man an, den Grundsound ein wenig zu verfeinern ist von Heavy Metal auf der H-Saite bis knackiger Funksound so ziemlich alles möglich. Wirklich wohl fühlt er sich aber generell im Rock-Bereich. Neben der enormen Präsenz ist ebenfalls beachtlich, dass man nie das Gefühl hat, dem Amp könne die Puste ausgehen - selbst wenn man eine gehörige Portion ( >3 Uhr) Tiefbass beimischt.

Das Problem mit den (Um)Schaltern
Drei Mankos konnte ich bislang feststellen.
Nach 30Min Laufzeit sind die Komponenten so langsam gut warm und der Lautstärkepegel legt einen Tick zu. Muss aber nicht tragisch sein wenn man es weiss ;-)

Mute ist über einen push/pull am Volume-Regler gelöst - hier verstellt man beim Muten gern auch mal das Volume... oder verwendet einen Treter.

Mute & Presets sind einzeln über jeweils eine 6,3mm Klinke separat ansteuerbar. Hier wäre Midi echt schön gewesen, denn sonst hat man fünf Kabel zum Amp laufen und braucht die gleiche Anzahl an On/Off Fusstastern. Habe deswegen auch schon mit Mesa Rücksprache gehalten, ein Fussschalter ist aber nicht in Planung. Ein "specialist" könnte sowas maßanfertigen oder man behilft sich mit einer midi-schaltbaren Zusatzbox. Unter uns gesagt ist es aber *eigentlich* nicht schlimm, da man seltenst auf die Presets zurückgreifen muss - geht zumindest mir so - und wenn, dann meist nur eines.

Fazit
In diesem Preissegment gibt es im Prinzip keine "schlechten" Amps mehr - hier zählt nur was man persönlich für einen Sound bevorzugt und sucht. Für mich, der ich im Normalfall Cover-Rock oder Heavy Metal spiele war diese Wahl ein Volltreffer. Bekommen habe ich ein sauber verarbeitetes Stück Amp mit genug Headroom für alles was ich mir an Musik vorgenommen habe. Nicht so clean wie Glockenklang, nicht so einseitig wie Ampeg und mit einer Menge Charakter wenn gewünscht - aber nicht den Klischee-Mesa-Ton. Die 5 Monate in denen ich ihn bislang austesten konnte, wurde ich nicht enttäuscht :) PURE ROCK :rock:

Pros

  • Höllisch viel Power (also das sind mal echte 600W!)
  • Trotz wenig Reglern eine riesige Bandbreite an Sounds
  • Robuste Verarbeitung
  • "Tragbar"

Cons

  • Push/Pull Mute
  • (höllisch laut ;-))
  • Kein Fussschalter
  • Pro Preset (4 Stück + Mute) braucht man einen On/Off Taster mit Klinkenanschluss.


Sound Samples kann ich im Moment nur im Bandkontext anbieten: Heavy Metal Band und alles auf Low B.
Das Sample ist ein working draft eines unserer (eigenen) Songs, mit Zoom H4 im Proberaum aufgenommen - Es gibt also noch keinen *echten* Text :gruebel:
Setting:
  • Warwick Corvette $$5 Zebrano: H off, S Humbucker, aktiv, EQ flat, Plektrum
  • FMC Performer 4x10
  • Mesa: Gain 1Uhr, Bass +10%, Mid flat, Treble flat, Preset flat

Sample: Download

Infos: Herstellerlink

Wer Schreibfehler findet, darf sie behalten :)
 

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sehr gut gemachtes review, hab in etwa den selben eindruck vom amp.

hinzufügen würde ich noch, dass der "deep-pull" KEIN boost ist, sondern nur den teifbassfilter deaktiviert der ins signal eingreift. und der rest vom equalizer hört sich im manual recht kompliziert an, aber die bedinung ist sehr einfach, die regler machen das was man erwartet.

(mehrere bässe über den amp an einer mesa 1x12" gespielt)
 
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Danke für dieses tolle Review! Ich besitze den Fathom als 2*12er Combo und scheitere seit Monaten an einem Review - immer, wenn ich den Bass einstöpsele und den Amp anschmeisse, kommen mir Unmengen an Glückshormonen dazwischen, und es macht sich so ein irres Grinsen im Gesicht breit. Ja, und das Denken setzt komplett aus.

Ist in jedem Fall ein irrsinnig guter Amp.

Ein Frage zu dem Foto in Deinem Review: Dieselbe Einstellung von Gain und Volumen würde bei meinem Combo wahrscheinlich den Proberaum in Schutt und Asche legen. Hat die Box von FMC einen niedrigen Wirkungsgrad, ist Eure Band höllenlaut, oder ist Euer Proberaum so riesengroß? Oder hat der Bass einen niedrigen Ausgangspegel (evtl. mal den Schalter in Stellung "passiv" bringen)?

Viele Grüße und weiterhin viel Freude mit diesem Spitzenamp!
Jo
 
Euphemismus

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Die Einstellungen am Amp funktionieren nur deshalb so, weil:
  • die Box 8 Ohm hat und entsprechend *nur* 350W anliegen
  • ich in der Einstellung über einen Singlecoil (80%) und den Stegtonabnehmer als Humbucker (20%) spiele
  • der Raum ansich ist sehr schallschluckend durch die abgehängte Decke, doppelte Wände etc. ist
  • wir einen sehr tiefen (Low-B) Metal machen und das sehr Leistungshungrig ist
Sonst - und da gebe ich Dir vollkommen Recht - würde der Raum auseinanderfallen. Bei einer Cover-Rock Band würde ich das Volume bei ca. 8 Uhr fahren.
 
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stagesau

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Kann das Review eigentlich nur bestätigen, klasse gemacht :great:. Die Soundeinstellungen finde ich dagegen recht "schwach" :D:rolleyes: <-- achtung

Hier mal meine Einstellungen, je nach Song schalte ich noch den Sansamp zu.

l_2d02eb790cbc42b4988ff4cc5427b060.jpg


Was wohl aber "angeblich" klappt, Zitat EDE-WOLF:

...das ding hat (imho ein völlig SINNVOLLES FEATURE!) einen "shape-schalter". Dieses ding hat 5 stellungen, wovon eine flat ist.

Dieser shape beeinflusst den frequenzgang:

In der ersten stellung zieht er breitbandig n bisschen was bei 510hz weg
in der 2ten zeiht er richtig viel breitbandig bei 510hz weg
in der dritten stellung gibt er n tick bei 3xxhz
in der 4ten einiges bei 170hz... typischer bass/lowmidkick a la ampeg... nur eben kultiviert...

was ein ganz nettes feature ist, ist die tatsache, dass man die schapes per fußschalter zu/wegschalten kann... ich sage bewusst nicht UMschalten, denn das passiert innen nicht.
man kann mehere dieser shapes gleichzeitig an und aus machen.
Ausgeführt ist das hinten über klinken, sodass man diese ganzen standardtreter verwenden kann
zum beispiel son dingen hier:
http://www.musik-service.de/Stage-Li...5739687de.aspx

so kann man den amp ganz schnell "mehrkanalig" machen.
Ob das gut oder schlecht funktioniert vermag ich nicht zu beurteilen...


jedenfalls überlege ich trotzdem den wiederzuverkaufen, aber das hat eher damit zutun, das ich oft gerne rumteste und mein setup noch nicht gefunden habe.
 
mix4munich

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Bevor Du den Amp verkaufst, teste ihn mal an einer 4*10er oder 2*12er von MESA Boogie. Die Jungs bauen die Boxen passend zu ihren Amps.

Viele Grüße
Jo
 
Euphemismus

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Noch ein kurzer Nachtrag zum Amp...
Da ich in letzter Zeit öfter auch in Recording-Situationen bin, bzw. mir auch noch einen dbx 166XL in den Effektweg gepackt habe ist mir folgendes aufgefallen:
  • Pegeländerung im Effects Loop bei Master Volume Änderung
  • Pegeländerung im DI-Out in der "Post" Stellung bei Master Volume Änderung

Ich habe Meinl zu der Thematik angeschrieben, da sich Mesa/USA nicht rückgemeldet hatte. Die meinten dazu:
Durch die Position im Signalweg ist der Effektweg vom Master Level abhängig, das ist auch bei fast allen anderen MESA Bass Amps so der Fall und MESA schreibt auch, daß man unter Umständen den Pegel am Effektgerät korrgieren muß.

Für den Effects Loop und folgendes über den DI-Out:
Beim DI Anschluss gibt es ja auch beim M6/Fathom die Pre/Post Umschaltung.
Wenn Sie den DI Regler herausziehen haben Sie die "PRE" Einstellung und damit den DI Abgriff vor dem Master und vor der Klangregelung, also einen konstanten Pegel unabhängig vom Master. Im gedrückten Zustand haben Sie die "POST" Einstellung und damit den Sound inkl. Klangregelung, aber eben wiederum Abhängigkeit von der Master Lautstärke.

Vom Prinzip her nichts tragisches, sollte aber bei der Amp-Wahl mit beachtet werden. Glockenklang z.B. hat diese Einschränkungen nicht.
Für mich extrem nervig, dass ich bei jeder Band bei der ich den Mesa einsetze, immer den Threshold am dbx nachregeln kann - spätestens wenns lauter oder leiser wird.
 
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