Anfängerfrage zur Fingersatztechnik auf dem Keyboard

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Gotti1212
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Hallo in die Runde,

als ziemlicher Anfänger bin ich dabei den geschützen 5 Finger Raum von C - G so nach und nach zu verlassen.

Als jemand der das 10 Finger Schreibmaschinen System sehr gut drauf hat und genau weiß welcher Finger aus welcher Position auf welchen Buchstaben kommt, so tue ich mir auf der Klaviatur ziemlich schwer. Mein primäres Ziel ist die Klaviatur blind zu beherrschen. Wenn ich allerdings die Hand verschiebe liegen die 5 Fingerchen eben auf D - A. Alleine schon der Versatz um eine Taste bzw. Note bringt mich schon leicht aus der Fassung. Beim üben eines neuen Stückes sehe ich jetzt 2 Möglichkeiten:

Entweder ich muss bei jeden Tastendruck auf die Klaviatur schauen was allerdings das spielen sehr mühsam macht, da ich zwar ganz gut Noten lesen kann, dabei aber noch nicht sehr schnell bin. Oder, und diese Variante habe ich heute ausprobiert, ich schreibe mir die Fingerlage bzw. die Fingerzahlen über die Noten um dann eben doch die Tasten blind zu erwischen was einigermaßen gut funktioniert hat.

Darüber hinaus habe ich den Tipp bekommen mit den Fingerkuppen die richtigen Tasten über die Gruppierung von den 2 und 3 schwarzen Tasten zu erfühlen.

Was mich jetzt interessieren würde ist die Frage welche der beiden Varianten euch besser gefällt bzw. wie Ihr das Problem so angeht. Über Tipps jedweder Art freue ich mich sehr.
 
McCoy
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Es gilt zunächst: 5 Finger liegen auf 5 nebeneinander liegenden Tasten (der Einfachheit halber zunächst mal nur auf weissen Tasten). Das nennt man eine Lage. Über dem ersten Ton steht der Fingersatz, der die Lage festlegt. Üblicherweise wird die Lage nach dem Ton benannt, auf dem der Daumen liegt.

Z.B. Geschrieben ist die Note f' im oberen System, rechte Hand, dazu die Fingersatzzahl 2 darüber. Das bedeutet: Daumen auf e', Zeigefinger auf f', Mittelfinger auf g', Ringfinger auf a' und kleiner Finger auf h'. Nun wird die folgende Passage in dieser Lage gespielt, solange es geht. Es handelt sich hier also um eine e'-Lage.

Sobald ein neuer Fingersatz geschrieben ist, bedeutet das: Lagenwechsel (zumindest wird das in guten Notenausgaben so gehandhabt). Vor dem Lagenwechsel ist keine Fingersatzangabe nötig. Bei der nächsten Fingersatzbezeichnung spielt der angezeigte Finger nun die angegebene Taste, und sofort danach ordnen sich die restlichen Finger wieder in die neue Lage, also auf die 5 nebeneinander liegenden weissen Tasten.

In der Anfängerliteratur tauchen in einem Stück meist nur 2 oder 3 verschiedene Lagen auf. Du könntest Dir diese Lagen farblich kennzeichnen und dann die Übergänge von einer in die andere Lage gesondert blind üben.

Auf keinen Fall solltest Du über alle Noten Fingersätze schreiben, denn dann spielst Du nach Zahlen, und nicht nach Noten.

Viele Grüße,
McCoy
 
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Alleine schon der Versatz um eine Taste bzw. Note bringt mich schon leicht aus der Fassung.

Dann fehlt dir noch die innere Repräsentation im Kopf, wo sich deine Hand befindet und welche Töne sie dort erreicht. Das ist der Lernschritt, nachdem man die Standard-fünf-Finger-Lage c-g erlernt hat. Das fällt in der Tat nicht jedem leicht, eine neue Lage zu lernen, nachdem man die c-Lage beherrscht.

Klavierspielen ist daher nicht so sehr vergleichbar mit Schreibmaschine schreiben - eher mit Auto fahren: je nachdem wo sich deine Hände bzw. Füße befinden, können sie unterschiedliche Aktionen auslösen. Dazu müssen sie aber aufeinander abgestimmt sein und i.d.R. darfst du nicht hinschauen müssen, sondern die Aufmerksamkeit muss beim Straßenverkehr bleiben. Dazu muss das Bewegungsgedächtnis gut trainiert werden und du brauchst eine innere räumliche Repräsentation, wo sich deine Hände gerade befinden.

Darüber hinaus habe ich den Tipp bekommen mit den Fingerkuppen die richtigen Tasten über die Gruppierung von den 2 und 3 schwarzen Tasten zu erfühlen.

Das ist ein entscheidender und guter Tipp. Die Position deiner Hände musst du durch Fühlen der schwarzen Tasten kontrollieren. Das macht auf Dauer das Schauen auf die Hände oder die Notation von Fingersätzen überflüssig. Ich empfehle meinen Schülern immer auch mal auswendiges Spielen mit geschlossenen Augen oder beim Digitalpiano sogar mit ausgeschaltetem Ton - um den Fokus auf das Fühlen zu legen.
 
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1) Gute Fragen an Deinen (hoffentlich guten) Klavierlehrer :cool:

2) Man liegt immer gut, wenn man auf @McCoy hört (y)

3) Falls das nicht reicht, oder als Ergänzung: Die Kunst des Klavier Fingersatzes (schon die ersten Kapitel helfen enorm weiter)


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Claus
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Entweder ich muss bei jeden Tastendruck auf die Klaviatur schauen was allerdings das spielen sehr mühsam macht, da ich zwar ganz gut Noten lesen kann, dabei aber noch nicht sehr schnell bin
Geduld. :)

Es dauert, bis sich Vertrautheit mit der Tastatur einstellt und für Sehende ist es normal, zwischen den Noten und der Tastatur hin und her zu schauen.
Es gibt übrigens keine Vorschrift, sich das Üben unnötig schwer zu machen. Selbst Berufspianisten schauen hin und her und spielen eben nicht "blind ", wie Du das auf der Schreibmaschine gelernt hast.
Besonders ausgeprägt ist das Schauen natürlich, wenn man sich ein Stück erst erarbeiten muss und entsprechend unsicher ist, weil so Vieles zu beachten ist. Genau das ist aber für die Meisten über Jahre die Normalsituation.

Vielleicht kann es deinen Blick auf die Situation etwas entspannen, z.B. die Pianistin Annique Göttler beim Üben zu sehen.
Achte einmal auf die vielen Blickwechsel zwischen Noten und Tastatur, wie sich das gerade am Anfang gut beobachten lässt.
YT, Annique Göttler übt den dritten Satz der Mondscheinsonate

Das Spielen ohne "dauerndes" Hinschauen ergibt sich, wenn Stücke sehr gut geübt werden. Wie man ein neues Stück übt lernst Du (hoffentlich) im Unterricht, ansonsten können wir dazu gerne eine Diskussion starten.
Man lernt bei einem neuen Stück das Notenbild, Klänge und die Details der Ausführung auf den Tasten in Verbindung miteinander. Das benötigt relativ komplexe Sinnesverarbeitung und entsprechende Lernvorgänge, die teils bewusst und teilweise unbewusst ablaufen - letzteres merkt man spätestens bei hartnäckigen Fehlern.

Möglich ist das Spielen ohne Blick aufs Instrument, weil man eine (hochgradig unbewusste) Wahrnehmung für die Lage der Gliedmaße und deren Bewegung hat (Propriozeption). Außerdem kann man Bewegungsabläufe fein aufgelöst lernen (z.B. für Artikulation und Dynamik). Dieses feinmotorische Lernen geschieht oft "wie von selbst" in der Kindheit vom Einschulungsalter und bis zur Pubertät, mit den Jahrzehnten im Erwachsenenalter brauchen die Meisten für ein gleiches Ergebnis zunehmend länger.

Das Spielen im Fünftonraum wird gerne mit "erste Anfänge" verwechselt, wenn es nur mit einfachster Rhythmik dazu verwendet wird. Es kann die Ausbildung aber länger begleiten und damit zu sicheren Grundlagen für alles spätere Klavierspiel beitragen. Vertiefen lässt sich das z..B mit den drei Bänden von Mike Schoenmehl, Fun with Jazz. Die Erfassung der Notenwerte und die rhythmische Unabhängigkeit wird damit ebenfalls bearbeitet. Das nützt für alle Zukunft am Instrument, wie man an den zunehmenden rhythmischen Anforderungen der Stücke sieht.
Zum Vergleich ein Beipiel anhand der ersten Übung aus Band 1 und einem fortgechrittenen Beispiel aus Band 3:
schoenmehl snakecharmer.jpg
schoenmehl julia.jpg
Weitere Notenvorschau:
https://www.alle-noten.de/Klavier-Orgel-Akkordeon/Klavier/Fun-With-Jazz-Piano-1-Standard.html
https://www.alle-noten.de/Klavier-Orgel-Akkordeon/Klavier/Fun-With-Jazz-Piano-2-Standard.html
https://www.stretta-music.com/schoenmehl-fun-with-jazz-piano-3-nr-165076.html

Gruß Claus
 
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Hallo in die Runde und

erst einmal vielen Dank an Alle die bis hier her geantwortet haben. Einen besonderen Dank gilt @HaraldS dessen Vergleich mit dem situationsangepasstem Autofahren mir sehr gut geholfen hat und es zumindest für mein Verstand besser verständlich gemacht hat, das man beim Klavier- oder bei mir besser gesagt Keyboardspielen, nicht so sehr in ASDF/JKLÖ Kategorien denken darf. Mal sehen wie lange es dauert bis auch meine Hände bzw. mein inneres Auge dies genauso verinnerlicht hat.

Ungeachtet dessen hat mir auch die Darstellung von Pille alias @McCoy sehr sehr gut gefallen wobei ich mich Dir schon in besonderer Weise durch Deinen Nick Name besonders verbunden fühle.

@MS-SPO
Mit einem eigenen Lehrer ist das so eine Sache da ich diesen im Moment nicht habe. Ich bin bei dieser https://o-key.de/ Onlineschule angemeldet was verschiedene Gründe hat:
  • Ich bin immer nur zwei Wochen pro Monat in meiner Wohnung
  • Will primär nur Keyboard auf hobbymässiger Basis spielen und.....
  • suche idealerweise einen Keyboardlehrer und weniger einen Klavierlehrer da diese sehr oft nur mit klassischen Stücken um die Ecke kommen, während ich Gospel- und Filmmusik im Kopf habe. Davon abgesehen verspreche ich mir von einem Keyboardlehrer nicht nur das Spielen vermittelt zu bekommen, sondern ein paar Grundlagen in der Registrierung von Musikstücken etc. vermittelt zu bekommen.
Darüber hinaus habe ich festgestellt das es teils durch Corona immer noch ziemlich schwer ist überhaupt einen geeigneten Lehrer zu finden. Insoweit behelfe ich mir neben der erwähnten Onlineschule mit Tutorials und verschiedener Begleitliteratur.

@Claus
Das ich Geduld brauche ist mir schon bewusst. Meine heutige Geschwindigkeit beim 10 Fingerschreiben hat mich durch verschiedene Umstände über 3 Schreibmaschinenkurse (angefangen mit der ganz harten Schule einer mechanischen Schreibmaschine) binnen 4 Jahre gekostet. Von daher weiß ich schon das es sehr viel Zeit und noch mehr Übung braucht bis die Finger ihren Weg mehr oder weniger alleine finden.
 
Claus
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das man beim Klavier- oder bei mir besser gesagt Keyboardspielen, nicht so sehr in ASDF/JKLÖ Kategorien denken darf.
Stimmt, beim Klavierspielen zeigen das gute Lehrhefte frühzeitig. :)

türk arioso 2.jpg

A. Nikolajew, J. Suslin (Ed.), Russische Klavierschule Band I, S. 38.

Gruß Claus
 

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