gitarrero!
Mod Emeritus
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Hallo zusammen,
meine neue (alte) Heartfield EX-1, die ich schon woanders hergezeigt habe, kam vergangene Woche nach ewiger Warterei und langer Verschnaufpause beim Frankfurter Zoll endlich bei mir an. Für den Transport wurde sie auseinandergenommen und aufgrund des lobenswert guten Allgemeinzustands beschränkten sich die "Wareneingangskontrolle" und die Aufbereitung auf folgende Schritte: Hals anschrauben, Bundstäbchen polieren, Vibrato einhängen, frische Saiten aufziehen, neue Batterie einlegen.
Beim ersten Antesten in der Bandprobe kam jedoch sofort die Ernüchterung: Irgendwas stimmt an der Schaltung nicht. Der Klingenschalter kratzt (was man ja beheben könnte), der schaltbare Boost und die TBX-Tonregelung sind OK, aber die drei Single-Coils verhalten sich überhaupt nicht wie erwartet. Könnt Ihr Euch vorstellen, wie enttäuscht ich war?
Ich hatte mich laut Spec drauf vorbereitet, dass die Schaltung quasi einer Telecaster-Anordnung mit einem Steg-Single-Coil und einem Hals-Single-Coil gleicht, bei der man einen mittleren Single-Coil per 3-Weg-Minischalter entweder parallel oder in Serie dazuschalten kann.
Bei Betätigung des 3-Weg-Klingenschalters waren aber die Klangunterschiede kaum auszumachen, die Spulenkombinationen waren "all over the place", es klang dünn und nasal, und der 3-Weg-Minischalter war in der Stegposition ein Kill-Switch. Wie bitte?!?
Also hieß es: Fehlersuche. Erst mal weg mit dem E-Fach-Deckel. Mich grüßte ein komplex anmutender Kabelverhau, der aber doch einigermaßen logisch aufgebaut ist. Die Lötstellen am Klingenschalter kamen mir hingegen merkwürdig vor - das sah definitiv nicht nach Fujigen-Verarbeitungsqualität aus.
Und der schwarze Draht am Lötauge ganz rechts geht auf Masse - das ergibt ja mal gar keinen Sinn. Also den erst mal abgelötet und die ungewollte Kill-Switch-Funktion war schon mal weg. Dann fiel mir die paarweise gebrückte Verlötung der Schalterkontakte auf und es erinnerte mich an die Japanschalter namens YM-30, die in meinen MAXXAS-Gitarren ab Werk verbaut waren - bei denen wurden die Kontakte jeweils zusammengebogen und verlötet, um die 3-Weg-Toggle-Funktionalität auf beiden Schaltebenen zu parallelisieren.
Also fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: Jemand hat wohl irgendwann im Lauf der letzten 37 Jahre den YM-30 gegen diesen Gotoh VLX-54 ausgetauscht und die alte Verdrahtung 1:1 auf den neuen Schalter übertragen, ohne zu wissen, dass die Kontaktbelegung eine völlig andere ist. Dass dabei schaltungstechnischer Käse herauskommt, hat seitdem wohl niemand gestört!? Immer diese Sammler, die ihre Gitarren gar nicht spielen, ts ts ts... Die Theorie habe ich mir dann durch ein E-Fach-Foto einer anderen EX-1 bestätigen lassen - hier sieht man eindeutig einen YM-30.
Beim YM-30 gibt es einen Gehäuse-Ground-Kontakt, den der VLX-54 nicht hat, und der werte Herr Modifikateur hat sich wohl gedacht, mir egal, ich nehme kurzerhand das Lötauge ganz außen, wird schon passen. Tja. Pfeifendeckel. Das war die Ursache für das Nullsignal in bestimmten Schalterstellungen.
Der Rückbau war schnell erledigt, als Proof-of-Concept habe ich jetzt den oben abgebildeten YM-30 aus meinem Altbestand eingebaut, er funktioniert soweit ohne Kratzen oder Aussetzer, von daher kann er mal drinbleiben. Und jetzt funktionieren alle Spulenkombinationen wie sie sollen und ergeben sogar klanglich Sinn!
Der mittlere Single-Coil ist offenbar Reverse Wound und ergibt in Parallelschaltung mit Hals- oder Steg-Pickup einen Humbucker.
Der Vollständigkeit halber noch eine Erklärung der gesamten Elektronik:
Was lernen wir daraus? Schalter ist nicht gleich Schalter. Bei Klingenschaltern muss man die Interna des jeweiligen Modells bzw. die Verschaltung der Anschlüsse kennen, insbesondere dann, wenn man einen ausgedienten oder defekten Schalter gegen einen neuen austauschen möchte.
meine neue (alte) Heartfield EX-1, die ich schon woanders hergezeigt habe, kam vergangene Woche nach ewiger Warterei und langer Verschnaufpause beim Frankfurter Zoll endlich bei mir an. Für den Transport wurde sie auseinandergenommen und aufgrund des lobenswert guten Allgemeinzustands beschränkten sich die "Wareneingangskontrolle" und die Aufbereitung auf folgende Schritte: Hals anschrauben, Bundstäbchen polieren, Vibrato einhängen, frische Saiten aufziehen, neue Batterie einlegen.
Beim ersten Antesten in der Bandprobe kam jedoch sofort die Ernüchterung: Irgendwas stimmt an der Schaltung nicht. Der Klingenschalter kratzt (was man ja beheben könnte), der schaltbare Boost und die TBX-Tonregelung sind OK, aber die drei Single-Coils verhalten sich überhaupt nicht wie erwartet. Könnt Ihr Euch vorstellen, wie enttäuscht ich war?
Bei Betätigung des 3-Weg-Klingenschalters waren aber die Klangunterschiede kaum auszumachen, die Spulenkombinationen waren "all over the place", es klang dünn und nasal, und der 3-Weg-Minischalter war in der Stegposition ein Kill-Switch. Wie bitte?!?

Also hieß es: Fehlersuche. Erst mal weg mit dem E-Fach-Deckel. Mich grüßte ein komplex anmutender Kabelverhau, der aber doch einigermaßen logisch aufgebaut ist. Die Lötstellen am Klingenschalter kamen mir hingegen merkwürdig vor - das sah definitiv nicht nach Fujigen-Verarbeitungsqualität aus.
Und der schwarze Draht am Lötauge ganz rechts geht auf Masse - das ergibt ja mal gar keinen Sinn. Also den erst mal abgelötet und die ungewollte Kill-Switch-Funktion war schon mal weg. Dann fiel mir die paarweise gebrückte Verlötung der Schalterkontakte auf und es erinnerte mich an die Japanschalter namens YM-30, die in meinen MAXXAS-Gitarren ab Werk verbaut waren - bei denen wurden die Kontakte jeweils zusammengebogen und verlötet, um die 3-Weg-Toggle-Funktionalität auf beiden Schaltebenen zu parallelisieren.
Also fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: Jemand hat wohl irgendwann im Lauf der letzten 37 Jahre den YM-30 gegen diesen Gotoh VLX-54 ausgetauscht und die alte Verdrahtung 1:1 auf den neuen Schalter übertragen, ohne zu wissen, dass die Kontaktbelegung eine völlig andere ist. Dass dabei schaltungstechnischer Käse herauskommt, hat seitdem wohl niemand gestört!? Immer diese Sammler, die ihre Gitarren gar nicht spielen, ts ts ts... Die Theorie habe ich mir dann durch ein E-Fach-Foto einer anderen EX-1 bestätigen lassen - hier sieht man eindeutig einen YM-30.
Beim YM-30 gibt es einen Gehäuse-Ground-Kontakt, den der VLX-54 nicht hat, und der werte Herr Modifikateur hat sich wohl gedacht, mir egal, ich nehme kurzerhand das Lötauge ganz außen, wird schon passen. Tja. Pfeifendeckel. Das war die Ursache für das Nullsignal in bestimmten Schalterstellungen.
Der Rückbau war schnell erledigt, als Proof-of-Concept habe ich jetzt den oben abgebildeten YM-30 aus meinem Altbestand eingebaut, er funktioniert soweit ohne Kratzen oder Aussetzer, von daher kann er mal drinbleiben. Und jetzt funktionieren alle Spulenkombinationen wie sie sollen und ergeben sogar klanglich Sinn!
Der Vollständigkeit halber noch eine Erklärung der gesamten Elektronik:
Was lernen wir daraus? Schalter ist nicht gleich Schalter. Bei Klingenschaltern muss man die Interna des jeweiligen Modells bzw. die Verschaltung der Anschlüsse kennen, insbesondere dann, wenn man einen ausgedienten oder defekten Schalter gegen einen neuen austauschen möchte.
