[Bericht] PU-Schaltungen beim Stingray5 HH

von sKu, 18.09.10.

  1. sKu

    sKu Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 18.09.10   #1
    Pimp my 'Ray - 5 Sounds sind nicht genug... ;)

    Juhu, eine Woche Urlaub! Also was stellt man an? Man nutzt die Gelegenheit und bastelt an seinem Instrument herum. Schon länger hatte ich Pläne die PU-Verschaltungs-Möglichkeiten an meinem Stingray zu erweitern beziehungsweise zu modifizieren.
    Klar, ich brauche gewiss keine 15 verschiedene Sounds. Da reichen mir auch 2-3. Doch welche? Keine Ahnung :-) In der Kiste stecken soviele mögliche Varianten, und diese möchte ich ausprobieren...

    1. Ausganslage und Zielsetzung
    Der Bass hat zwei Humbucker, folglich also 4 Spulen:

    [​IMG]

    Der 5-Wege-Schalter bietet nun folgende Optionen:
    1: Spulen 1 & 2 parallel
    2: Spulen 1 &4 parallel
    3: Alle Spulen parallel
    4: Spulen 2 & 3 parallel
    5: Spulen 3 & 4 parallel

    So dachte ich zumindest.

    Geplant ist es, einen zusätzlichen 2xUM Schalter einzubauen mit dem man den Bridge-Humbucker zwischen Seriell, Parallel und SingleCoil umschalten kann und dabei die bisherigen Optionen erhält. Ansich kein großes Problem. Schaltung entworfen, passenden Schalter rausgekramt und E-Fach geöffnet.​


    2. Unerwartetes im E-Fach
    Nanu? Wieso kommen da pro PU nur zwei Kabel ins E-Fach? Wie soll das denn funktionieren wenn die letzendlich in Schalterstellung 2 und 4 doch gesplittet laufen? Erste Verwirrung macht sich breit. Und wieso gehen vom Schalter 2 Leitungen in die Elektronik? Nix von wegen nur einmal "Hot" und das wars... ​


    3. Diagnose
    Nun gut, also Kommando zurück, Planung verwerfen und erstmal ne Bestandsaufnahme:

    1. Tonabnehmer
    Beide sind identisch aufgebaut, haben die selben Widerstände und die selbe Beschriftung.
    Auf der Rückseite findet man folgendes Bild:
    [​IMG]


    Schematisch dargestellt ergibt sich folgende Schaltung:
    [​IMG]
    "grün" die Abschirmung die unter anderem an den PolePieces anliegt.
    2. PU-Schalter
    Im Originalzustand ist der Schalter wie folgt belegt.
    [​IMG]


    3. Elektronik
    Ich möchte hier nicht auf die Elektronik im einzelnen Eingehen sondern nur auf die Verkabelung hinsichtlich der PUs eingehen. Ich arbeite grad am Reverse-Engineering der Elektronik, doch da ergeben sich noch einige Fragezeichen ;) Wenn ich sie reproduziert habe, gibts natürlich ne Doku dazu.

    Die Masse ist direkt mit der Schirmung der PUs verbunden. Logisch und Üblich. Doch wozu führen dann zwei Leitungen vom PU-Wahl-Schalter zur Elektronik? Ein differenzielles Signal? Neeeee, viel einfacher:
    Wenn ich die Schaltung richtig interpretiere sind die beiden Signale im PreAmp seriell verschaltet...

    Der folgende Ausschnitt aus dem Schaltplan des PreAmps zeigt die Eingangssektion
    [​IMG]

    "White" und "Yellow" sind die Eingangssignale der PUs...


    4. Schlussfolgerung

    Meine ursprünglich angenommenen Verschaltungs-Varianten sind falsch! Die wirklichen Schaltungen sind:
    1: Spulen 1&2 seriell
    2: Spulen 1&4 seriell
    3: Spulen 1&2 parallel, seriell zu Spulen 3&4 parallel
    4: Spulen 2&3 seriell
    5: Spulen 3&4 seriell

    Hey, das soll nen Stingray sein? Eigentlich definiert sich ein Stingray über einen parallel verschaltet Humbucker und seiner aktiven Elektronik..... Mein Soundverständnis wangt nun doch sehr ;) Ich war mir bisher recht sicher einen seriellen von einem parallen Humbucker unterscheiden zu können, und nun sowas...


    4. Umbau
    Ok, andere Vorraussetzungen gleiches Ziel: Der Bridge-Humbucker soll schaltbar werden, insbesondere natürlich soll er auch parallel laufen, also ran an den Schaltplan!

    [​IMG]

    Der 2*UM-Schalter bietet für den Neck-Humbucker:
    1: Parallel
    2: Seriell
    3: SingleCoil (Spule 2)

    Mit dem Fünfwegeschalter ergibt sich dann folgendes Bild:
    1: Neck-Humbucker
    2: Spule 4 und Neck parallel
    3: Spulen 4,3 und Neck parallel
    4: Spule 3 und Neck parallel
    5: Spulen 3 und 4 parallel

    Letzendlich bliebe also nur der Serielle Sound des Neck-Humbuckers (ursprünglich Schaltposition 1) erhalten... Egal, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Problematisch werden die Pegelunterschiede sein, da die parallen Modi deutlich leiser sein dürften als ein serieller Humbucker. Allerdings gibt es nur eine Schaltposition mit dem seriellen Humbucker sodass man hier mit einem Drosselwiderstand den Pegel angleichen könnte. Mal schaun obs am Ende nötig wird.

    Also ran an den Lötkolben:

    1. PUs auf 4-polige Kabel umbauen
    Dank der konfortablen Lötpads auf der Rückseite der PUs gestaltete sich dieser Umbau recht einfach. Ein vieradriges, geschmirtes Kabel schnappen und los gehts. Aber vorsicht: Man sollte sich gut merken und notieren, welche Ader an welchem Pol welcher Spule sitzt. Ansonsten gibts nachher feinste Phasenverschiebungen und recht tote Sounds :D

    Schematisch dargestellt sollte das Ergebnis so aussehen:
    [​IMG]

    2. Schalter verlöten
    Die Belegung des 2*UM-Schalters ist relativ trivial und schnell gemacht. Spannender wirds bei dem 5-Wege-Schalter. So sieht das gute Stück aus:

    [​IMG]

    Unschwer zu erkennen: Man sollte sich vorher eine gute Skizze machen was wohin gehört, sonst ist Konfusion vorprogrammiert. Direkt aus dem Schaltplan ist das zwar auch möglich aber die Fehlerquote dürfte höher liegen und dann fröhliches Suchen. Meine Skizze sah so aus:
    [​IMG]

    Damit hats dann auch problemlos geklappt.


    3. Schalter verbauen
    Dieser Schritt gestaltet sich beim Stingray5 recht simpel da man hier nur am Pickguard arbeiten muss und keine Holzarbeiten fällig werden. Zwischen der Elektronik und dem Kippschalter sind ungefähr 15mm Luft was bequem reicht dort einen Schalter unterzubringen...

    Das Ergebnis ist dezent und unauffällig gelungen:
    [​IMG]

    5. Fazit / Ergebnis

    Interessante Varianten! Insgesamt klingts nun durch die Parallelschaltung allgemein etwas "knartziger"/"holziger". Durch die Kombination von Bridge-Pickup mit einer der beiden vorderen Spulen lassen sich sehr schöne Sounds erzeugen. Die trockene, direkte Art des Humbuckers kombiniert mit den runden Bässen eines Hals-Single-Coils hat was. Nicht umsonst gibts zig Bässe mit J+MM Bestückung...
    Die Kombination von zwei SingleCoils parallel klingt nun noch deutlicher in Richtung JazzBass und der Hals-Pickup röhrt nun ordentlich Richtung Preci...obwohl der P klassisch seriell verdrahtet ist.

    Perspektivisch werde ich das ganze nun erstmal ein paar Monate Testen um herauszufinden welche Sounds für mich "funktionieren" und welche überflüßig sind um danach vielleicht wieder auf eine "1-Schalter-Lösung" zurückzukommen.
    Eine andere Variante wäre die eierlegende Wollmilchsau: Ein zusätzlicher Umschalter für den Bridge PU. Dann könnte man den 5-Wege-Schalter nur zum Schalten der Kombinationen der beiden Humbucker (Seriell, Parallel, SC1, SC2...) verwenden und hätte quasi alle möglichen Kombinationen... Mal schaun was es wird ;)

    Vielleicht ist hier die ein oder andere nützliche Information enthalten die anderen bei ihren Basteleien weiterhelfen. Mir hat das Basteln mal wieder viel Spass gemacht und das Ergebnis gefällt mir bisher ganz gut.
    Klar kann man darüber streiten wie praxistauglich eine Zwei-Schalter-Lösung ist, aber wieviele rennen mit nem JazzBass mit zwei Volume-Potis raum... also Ruhe ;-)
     
  2. sKu

    sKu Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 08.04.17   #2
    Nach nun einigen Jahren habe ich diese ganze Bastelei wieder zurück gebaut. Warum?

    Irgendwie hatte ich mehr und mehr das Gefühl, den schlechtesten MusicMan weltweit zu spielen. Jedes andere Exemplar haute viel mehr Power und Druck raus und hatte einfach viel mehr Tiefbass... ich war drauf und dran, die Elektronik zu tauschen und hatte schon einen Status Graphite Hals im Warenkorb. Zum Glück habe ich mich vorher besonnen und mich an eben diese Bastelei erinnert.
    Mit etwas mehr Abstand und einem Blick auf die Schaltpläne, wurde mir klar was passiert ist. Ganz grob vereinfacht: Ich habe dem Preamp einen seiner beiden "Eingänge" (aus der Reihenschaltung) genommen bzw. nicht beliefert. Folglich kam bei ihm nur das halbe Eingangssignal an, für das er offensichtlich ausgelegt ist. Das hat offensichtlich weit mehr Auswirkungen als einfach nur Pegelverlust.

    Also ran an den Lötkolben und alles zurück auf Werkseinstellung zurück gebaut. Und zack: Schau an! Da ist das fehlende Pfund! Puh, muss die Keule doch noch nicht in Rente.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Bei MusicMan sollte man mit Umbauten vorsichtig sein. Die Elektronik ist auf die Tonabnehmer bzw. deren Verschaltung abgestimmt. Verändert man in diesem Zusammenspiel etwas, muss man mit genau solchen Problemen rechnen. Also im Zweifel auch gleich die Elektronik tauschen...

    Warum mir das ganze erst so spät auffiel? Tja, bei solchen Umbauten sind A/B Vergleiche schwierig. Und die anfängliche Euphorie trübt die Sinne. Mit Kompression und EQ lies sich da auch immer viel kaschieren und irgendwann ist es Gewohnheit, das die Settings extremer sind als üblich...

    Ich will niemanden vom Basteln abhalten, aber nicht jeder Umbau ist eine Verbesserung. Nehmt euch die Zeit und macht vorher und nachher Aufnahmen. Dann könnt ihr beurteilen, ob die Veränderung ein Gewinn ist, oder Murks wie bei mir ;)
     
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