Autotune hält sich hartnäckig

Guvnor

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Hallo,

ist eigentlich schonmal jemandem bewusst klar geworden, dass sich das Phänomen "Autotune" weitaus länger hält, als man es sich vielleicht vor einigen Jahren oder auch Jahrzehnten gedacht hätte?

Gemeint ist natürlich nicht die Verwendung von Autotune (oder vergleichbaren Methoden) als reine Pitch-Korrektur, sondern durchaus als als solches wahrnehmbarer Effekt. Erstmals populär gemacht, wie wir alle wissen, damals mit Cher - "Believe" (1998), wo dieser Effekt nur stellenweise vorkam, spätestens dann aber seit Eiffel 65 - "Blue" (1999) auch als durchgängiger Effekt bekannt, wurde es anschliessend in zahlreichen Liedern verwendet, und es wurde viel drüber gelästert, dass das scheisse klingt und was weiss ich alles, sodass auch einige Künstler direkt versuchten, sich gegen Autotune zu positionieren (es gibt soweit ich weiss von Jay-Z ein Lied namens "Death of Autotune"). Trotz allem haben wir nun im Jahr 2019 immer noch den Fall, dass gefühlt in jedem 2. Lied, welches man im Radio ertragen muss (ich hatte vor kurzem eine längere Autofahrt als Beifahrer, dort durfte ich stundenlang moderne Charts-Musik geniessen), Autotune exzessiv eingesetzt wird.

Mich wundert das irgendwie schon ein bisschen. Schliesslich gibt es viele Trends die kommen und gehen, und irgendwann muss das doch einfach auch für die Producer (und auch Consumer) der heutigen Zeit "altbacken" klingen - man will ja modern und hip sein und so. Aber warum hält sich dann ausgerechnet dieser fürchterliche Effekt so hartnäckig, dass auch heute noch kein Ende in Sicht ist?

Und ich möchte jetzt auch nicht zu sehr mein subjektives Empfinden über Autotune hier mit einfliessen lassen. Es mag sogar sein, dass es Lieder gibt, zu denen es passt. Aber ich finde den Gebrauch doch etwas ausufernd, da es sich nicht auf spezielle Musikstile beschränkt (z.B. wenn es jetzt einen bestimmten Ragga-RnB-Ghetto-Style gäbe, bei dem das einfach dazugehört, so wie bei Metal halt nunmal das Gitarrensolo dazugehört), sondern tatsächlich ist es sehr stilübergreifend* in sämtlicher Popmusik zu finden, wie gesagt gefühlt in jedem 2. Lied. Und nochmal: Es geht mir um die hörbare Verwendung als Effekt, nicht um die tatsächliche Verwendung als Pitchkorrektur, die man ja im besten Fall eigentlich nicht als solche wahrnehmen sollte. Denn das wird wahrscheinlich sowieso in 99% der modernen Musik eingesetzt.

* stilübergreifend: Das könnte natürlich eine weitere Diskussion hervorbringen, denn stilistisch scheint es heutzutage auch nur noch sehr wenige Unterschiede zu geben, irgendwie klingt alles nach dem gleichen EDM-BalkanPop-Schlager-Einheitsbrei. Was iwederum erklären könnte, warum Autotune überall reinpasst
 
Mr. Bongo

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selbst bei den Produktionen, wo es "dezent" eingesetzt wird, nervts mich oft schon brutal. Nämlich immer dann, wenn es "schnellschnell" gemacht werden muss und keine Zeit für Feinarbeit ist. Davon krieg ich Kopfschmerzen.

Als Tonmensch kann ich oft sogar bei "dezentem Einsatz" sagen, welches Pitch-Programm genutzt wurde - die haben alle ihren eigenen Sound. Und keiner davon ist wirklich schön.
 
Captain Knaggs

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Mich nervt´s nicht. Zwingt mich ja keiner diese Musik zu hören:)

Dafür nervt meine Mitfahrer immer, wenn ich Bonamassa oder andere Musik mit ewig langen Gitarrensoli höre:)
 
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Guvnor

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Mich nervt´s nicht. Zwingt mich ja keiner diese Musik zu hören:)
Ich meide diese Musik normalerweise auch. Aber darum geht es in diesem Thread nicht, es geht um das Phänomen, dass sich dieser Effekt so lange hält (nun schon seit 21 Jahren) und absolut nicht aussterben will, obwohl schon so viel drüber gelästert wurde und man es eigentlich auch durchaus kennt, dass bestimmte Trends und Modeerscheinungen einfach irgendwann wieder verschwinden. Bei Autotune scheint das aber irgendwie anders zu sein.
 
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@Guvnor Naja, anscheinend scheint es dem Publikum zu gefallen, nur eben bekannten Künstlern und anderen Musikern nicht. Das Publikum hat aber die Macht;)
 
KickstartMyHeart

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Es liegt m.E. weniger am Publikum als an der Qualität des Gesangspersonals, das heute verfügbar ist. Früher musstest Du halt wirklich noch singen können, bevor Du überhaupt davon träumen konntest, in ein Studio zu gehen (Casting-Couch mal Außen vor gelassen).
 
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Bulldozer

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Bei meinem Radiowecker ist der Regler für die Frequenzauswahl defekt, sodass ich nur durch den Sender 1Live geweckt werden kann. Da ist bei mir „und täglich grüßt das Murmeltier“ angesagt. Aber statt Sonny und Cher begrüßt mich Justin Bieber (o.ä) mit einer Überdosis Autotune. Da ist jedes Erwachen so wie an Montagen.

Natürlich ist das Geschmacksache. Ich finde auch der Effekt wird viel zu inflationär eingesetzt. Ich finde auch den Einsatz von Autotune generell als „Vertuschungswerkzeug“ nicht schön. Ich mag es nicht wenn die Vocals so glattgebügelt klingen.
 
frankpaush

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.. ich hätte ja gerne noch mal ein Hardware Autotune :D Nein, mich nervt es nicht, Klangverbiegen gehört zur Musik, solange es sie gibt, und elektronische Verfremdung ja nun auch schon seit mehreren Jahrzehnten. Ich habe mir das ein oder andere auch irgendwann übergehört, aber aufregen darüber, das andere das nutzen? Nö :D
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denn stilistisch scheint es heutzutage auch nur noch sehr wenige Unterschiede zu geben
... sagt das nicht jede Generation über die Produkte der vorhergehenden? :D
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... höre ich schon seit fast 20 Jahren nicht mehr ... genervt hat mich allerdings als Auslöser genau das alte Kram ...
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Früher musstest Du halt wirklich noch singen können, bevor Du überhaupt davon träumen konntest, in ein Studio zu gehen
... das muss wohl noch selbst vor meiner Zeit gewesen sein :D Es gab doch schon immer Kaschierungstricks aller Art, auch für Gesang ...
 
KickstartMyHeart

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Es gab doch schon immer Kaschierungstricks aller Art, auch für Gesang ...

Sorry, das war in der Tat unpräzise. Für ein "we´ll fix it in the mix" hat es AT nicht gebraucht. Trotzdem bleibe ich dabei, dass Du im Durchschnitt vor 25+ Jahren DEUTLICH besser singen können musstest als in der AT-Ära. Da aber Studiozeit heute kaum noch kostet, die Technik wesentliche Sprünge gemacht hat und so weiter und so fort, ist die Hemmschwelle, als Produzent oder Techniker einen gutaussehenden aber furchtbar klingenden "Sänger" zuzulassen, gesunken.
 
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Stimmt:-D. Frank Farian wär bestimmt froh gewesen wenn er damals Autotune gehabt hätte. Dann wär es ja kein Skandal gewesen weil die Tänzer dann nicht durch professionelle Sänger hätten ersetzt werden müssen.
 
Guvnor

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Wie ich schon sagte, es geht jetzt nicht um Autotune als Korrektur-Werkzeug. Es geht um Autotune als hörbaren Effekt, als Stilmittel.
 
omnimusicus

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Schliesslich gibt es viele Trends die kommen und gehen, und irgendwann muss das doch einfach auch für die Producer (und auch Consumer) der heutigen Zeit "altbacken" klingen - man will ja modern und hip sein und so.

Was führt Dich zu der Annahme, daß das ein Trend sein sollte (der auch wieder geht) ?

Vor knapp hundert Jahren kamen Leute auf die Idee, am Schlagzeug die fuß-bediente "Charleston-Maschine" höher zu bauen, um sie mit Stöcken zu bespielen. Das war auch keine Mode oder Trend, sondern hat sich unter dem Namen "Hi-Hat" weltweit durchgesetzt. Dafür baut keiner mehr die alte Charleston-Maschine ...

Andere kamen später auf die spinnerte Idee, ihre Gitarrenverstärker absichtlich zu übersteuern. Wer macht denn auch sowas ...
Heute liefert Thomann 646 Treffer allein bei Gitarren-"Verzerrer-Pedalen". Auch das kein Trend, sondern hat sich durchgesetzt.

Vor ca. 1000 Jahren kamen europäische Mönche auf die Idee, mehrstimmig zu singen. Auch keine schnelle Mode, es wurde unser europäisches Akkordsystem draus ...
 
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frankpaush

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als hörbaren Effekt, als Stilmittel.
.. um so einfacher, "ja" dazu zu sagen, oder? Jede Generation muss halt irgendwas hören, was anderen auf die Nerven geht :D
Ich stelle mir gerade vor, wie viele Gitarren wohl durch einen Chorus gelaufen sind in den letzten 40 Jahren, oder über ein Echo ... abgesehen davon, dass das denn mal irgendwelche schlauen Kritiker dazu gebracht hat, Metaphern von schlechten Wetterzuständen anzubringen, es hat weder die Kreativität, noch die musikalische Qualität verändert.
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Dann wär es ja kein Skandal gewesen
.. also, ich finde, das wäre doch eher jammerschade gewesen :D ich fand das extrem amüsant ...
 
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Ledemduso

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Andere kamen später auf die spinnerte Idee, ihre Gitarrenverstärker absichtlich zu übersteuern. Wer macht denn auch sowas ...
Heute liefert Thomann 646 Treffer allein bei Gitarren-"Verzerrer-Pedalen". Auch das kein Trend, sondern hat sich durchgesetzt.

Da war wieder einer schneller. :mad:;)

Ähnlich wie eine verzerrte Gitarre kann ein voll aufgedrehtes Auto-Tune sehr wohl vielfältige Dinge bewirken. Wenn jetzt jemand in sein Auto-Tune rein rappt, hat das einen ganz anderen Effekt als wenn man rein singt.
Zugegebenermaßen gibt es da nicht so viel Vielfalt, wie vermutlich möglich wäre. Ich glaube das könnte daran liegen, dass so viele Musiker die sich außerhalb von Autotune-Stamm-Genres bewegen so kategorisch davor verschließen. Unter Umständen auch nur, weil Autotune schon als Beleidigung gehandhabt wird.

Diese negative Einstellung zu Autotune könnte auch damit zu tun haben, dass es so viele Leute nicht auf die Kette kriegen zwischen einem Effekt und einem Aufpolieren der Vocals zu unterscheiden. Ob letzteres wirklich verwerflich ist muss ja jeder für sich wissen.
Wie oft hab ich schon unter Songs die Autotune ganz offensichtlich als Stilmittel nutzen gelesen, dass die ja alle einfach nur nicht singen können? Eindeutige parallelen zum Screaming im Metal nur eben oft von denen geäußert, die sich sonst aufregen, dass Pop-Fans Screaming nicht verstehen. :engel:
 
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DerZauberer

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Ich habe das Gefühl (kann ich nicht empirisch belegen), dass die Welle am Abklingen ist. Zumindest bei den up&coming Rappern und "New Artists" ist's meiner Meinung nach etwas weniger derzeit. Ich sehe es so wie ein Chorus-Effekt auf der Gitarre, diverse Synthi-sounds der 80er, dan Europop-Drumbeat der 90er, usw. - Modeerscheinung, die dann zum Teil wieder weggeht, aber als Tool in der Box des Soundmenschen bleibt. Und warum auch nicht? Ottonormal-Hörer merkt's nicht, und wenn's funktioniert... why not?

Ich warte ja auch drauf, dass "normale" und nicht-quantisierte Musik mit echtem menschlichen Groove wieder populär wird, aber ja mei... das kann dauern. Bis dahin finde ich die aktuelle Scheibe von Billie Eilish aber trotzdem nicht schlecht.

(Self-Shame-Story am Rande: Wir haben mal bei unseren Im-Proberaum-EP-Aufnahmen schlicht vergessen, die in einer separaten Session aufgenommenen Bläser gescheit zu stimmen. Die beiden Trompeten und das Sax haben "in sich" schon super gestimmt, aber eben nicht zum zuvor live aufgenommenen Basis-Track aus drums/bass/gitarre/keys, zu dem aber wiederum die Vocals passten. Also haben wir ganz nonchalant das Gebläse von unserem "Produzenten" damals korrigieren lassen. Tat in der Seele weh, war aber ob "Aufnahmen sind im Kasten" und "Kein Geld mehr, das alles nochmal neu zu machen" die einzige Lösung. Hat funktioniert, ist auch nicht offensichtlich.)
 
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Ich glaube, der Übergang von unhörbarer Korrektur und hörbarem Effekt ist fliessend, und nicht immer gewollt.

Ein Beispiel: Mal angenommen ich kann nicht gut singen. Korrektur ist zwingend nötig. Da muss allerdings so stark eingegriffen werden, dass es ungewollt zu einem leicht hörbaren Effekt kommt, wenn man genau hin hört. Nun, ich find, es gibt nichts schlimmeres als ein Effekt der nur so halb wahrgenommen wird, und nur bei genauem hinhören. Die Korrektur weg lassen geht aber nicht, weils dann falsch klingt:D Dann stellt sich bei mir echt die Frage, ob ich den Effekt nicht gleich so einstellen soll, dass man ihn auch sehr gut wahrnimmt, und einordnen kann. Dann klingts wenigstens so, als hätte man es so gewollt.^^ Das würde ich nicht machen um irgend einem Trend zu folgen, sondern weil ich eine technische Entscheidung getroffen habe, von der ich mir ein besseres Resultat erhoffe, als wenn Autotune nur als etwas Undefiniertes zu hören ist, oder ganz fehlt..

Ich denk so ähnlich gehts vielen Mainstream-Musikern. Ich mein, hört euch die mal Live an.^^ zB Madonna am ESC, sorry aber einfach nur grauenhaft. Viele Töne hat die nicht getroffen. Dann lieber ne fette Ladung Autotune:)

Für den harten Einsatz von Autotune, gibts für mich allerdings Unterschiede zwischen Profi- und Hobbymusikern. Ich finde als Hobbymusiker darf ich es mir erlauben, die Töne nicht zu treffen. Von einem Profi erwarte ich dass er mehr übt, bis er die Töne ohne Autotune trifft. :D
 
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Wie ich schon sagte, es geht jetzt nicht um Autotune als Korrektur-Werkzeug. Es geht um Autotune als hörbaren Effekt, als Stilmittel.
Und ich glaube, da irrst du dich, was die Gründe für den Einsatz bei 99% der Chartsmusik angeht. Das ist in aller Regel KEIN bewusstes Stilmittel heutzutage, sondern AT wird einfach von vielen Pop-Produzenten heute scheinbar einfach standardmäßig draufgepappt wie früher ein Exciter oder ein Kompressor oder ein Gate auf Toms.
Die Gründe wurden schon genannt:
- entweder der Kandidat kann nicht singen (DSDS und Co.)
- Studiozeit ist teuer - und da ist eben der Griff zum AT, der eh im Rack (oder in der DAW) steckt, einfacher und billiger als 5-10 neue Takes oder gar Punch-In/Out-Orgien mit Editing etc.
- und nicht zuletzt bemerkt 99% des Publikums das eben nicht (negativ), wenn der Effekt da ist. Auf der anderen Seite empfinden Zuhörer von heute anscheinend sehr schnell etwas als "schief", was nicht 110% in Tune ist - was früher als Charakterstimme oder Stilmittel durchgegangen wäre, mal Töne als Sänger etwas zu benden oder auch bewußt einen Ton zu "leiden" (Radiohead, Selig... ), scheint heute als Unvermögen verpönt zu sein.

Ich finde etwas anderes noch viel beunruhigender und bemerkenswerter: Die besseren Sänger (und vor allem Sängerinnen) aus den diversen Castingshows, also diejenigen, die wirklich mal Töne treffen und halten können: die klingen tatsächlich inzwischen ganz oft OHNE einen AT schon so wie mit. Da wird schon dieses metallische Knirschen der Artefakte irgendwie imitiert, und es wird gerne nach einem erst fast schon unnatürlich statischen Ton nach exakt der gleichen Zeit und exakt der Rate ins Vibrato gegangen wie bei den Standard-Einstellungen der gängen AT-Varianten. Und ja, ich habe einige dieser Sängerinnen, die mit Rihanna, Jessie J und Co. musikalisch groß geworden sind, schon rein akustisch gehört und das schon öfter festgestellt, dass der AT-Sound schon auf der Basis-Gesangsstimme "mit drauf" ist. Furchtbar...
 
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nämlich das, was du selbst (@.Jens) in deinem letzten Absatz ansprichst ;)
 

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