Basics - Bauteile - Sicherungen

von AK, 19.03.05.

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  1. AK

    AK HCA Bass/Elektronik HCA

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    Erstellt: 19.03.05   #1
    Da hauts mir doch gleich die Sicherung durch...

    Über das Thema Sicherungen braucht man in Bezug auf Bassisten sicher keine umfangreiche Abhandlung schreiben, aber es scheint zumindest nicht verkehrt zu sein, wenn man sich ein bißchen auskennt. Nichts Blöderes als wenn bei einem Gig der geliebte Verstärker seine Sicherung schmelzen läßt und plötzlich strom- und noch schlimmer lautlos vor einem steht. Wer hat tatsächlich eine Ersatzsicherung mit bei?? Fast keiner, oder? Ich möchte zumindest ein paar Punkte klären.


    Wie funktionieren Sicherungen?
    Eigentlich einfach zu erklären - eine Sicherung unterbricht den Stromkreis bei Erreichen eines definierten Stromwertes und verhindert damit einen weiteren Stromfluß.


    Was bist Du den für eine Type?
    Nun in elektrischen Geräten kommen in der Regel Feinsicherungen zum Einsatz. Die gibt es in vielen verschiedenen Bauformen, von denen sich in der Gerätetechnik nur ein paar wenige durchgesetzt haben, die anderen sind eher Exoten.
    Am häufigsten finden wir die zylinderförmige 5x20mm große Glassicherung.

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    So sieht das Ding aus - zwei Metallanschlußkappen, Glasröhrchen und der Schmelzdraht. Auf der Kappe ist übrigens der Wert der Sicherung aufgedruckt.

    Der Strom fließt dabei über ein Metalldrähtchen oder -bändchen welches durch den Strom erwärmt wird und ab dem sogenannten Auslösewert der Sicherung schmilzt und damit den Stromkreis unterbricht. Deshalb nennt man diese Art von Sicherung auch Schmelzsicherung. Wie beim Bild erwähnt, steht der Wert der Sicherung auf einer der Metallkappen. Bei manchen Sicherungen kann das Glasröhrchen zusätzlich mit Quarzsand gefüllt sein.

    Jetzt machen wir die Verwirrung noch komplett, denn außer dem Strom bei dem die Sicherung durchbrennen soll, gibt es nun auch noch verschiedene Arten, wie schnell oder langsam sie das denn tun soll. Was heißt die Schnellen, in der Fachsprache flink genannt, brennen sofort nach Erreichen des Stromes durch, auch wenn der Strom nur ganz kurzzeitig fließt. Die Langsamen - träge genannt - sind etwas gutmütiger. Bei diesen Sicherungen muß der Strom schon etwas länger fließen bis sie sich verabschiedet. Zwischen drin gibt's dann noch die mittel-trägen Typen.
    Es ist natürlich - wie so ziemlich alles in Deutschland - in einer DIN-Norm genau beschrieben wie so eine Sicherung durchbrennen muß oder auch nicht - dazu könnte man noch ein Duzend Diagramme zeigen wo genau aufgezeigt ist, wie der Stromverlauf sein muß...aber das lassen wir lieber.

    Bei amerikanischen Geräten kann einem schon mal eine etwas größere Sorte über den Weg laufen, das Bild zeigt den Größenunterschied zwischen der 5x20er und der mächtigen 6,3x32er.

    [​IMG]



    Sicherungs-Kauderwelsch
    Feinsicherungen gibt es von 20mA bis 16A in den Sorten flink, mittel-träge und träge.
    Aber ganz so einfach sollen wir es nicht haben, denn so steht das auf den Dinger nicht drauf - ok es wäre auch kein Platz dafür. Folgende Abkürzungen sind in Deutschland eingeführt:

    T = träge (Farbcode grün)
    M = mittel-träge (Farbcode blau)
    F = flink (Farbcode rot)

    Der Strom steht als Zahlenwert drauf z.B:
    250 = 250mA
    1 = 1A

    Kombiniert steht das dann z.B. so auf den Metallkappen:
    T250L250V = Träge 250mA 250V
    T2L250V = Träge 2A 250V
    F630L250V = Flink 630mA 250V

    Die Spannungsangabe 250V bedeutet, daß die Sicherungen für einen Nennspannung von 250V ausgelegt sind - das Verhalten von diesen Sicherungen ist übrigens anders als das von z.B für Autos ausgelegten 12V Sicherungen gleichen Stromwertes.

    Im englischen Sprachgebrauch stößt man auf die Begriffe slow-blow was träge und fast-blow was flink bedeutet.

    Zu kaufen gibt's Sicherungen in 10er Packs, auf denen natürlich alle Daten und der Farbcode draufstehen. Wir reden übrigens über Cent-Ware - also keine Ausrede wenn man sich keine Ersatzsicherungen leistet.

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    Es gibt natürlich noch die subversiven Elektroniker, die sich schon mal eine etwas größere Auswahl leisten:

    [​IMG]
    Hehe...mein Sortiment


    Die Heimat der gemeinen Schmelzsicherung
    Sicherungen werden bei den meisten Geräten so montiert, daß man sie wechseln kann ohne das Gehäuse zu öffnen. In diesem Fall gibt es zwei Montagearten:

    Halter mit Zentralbefestigung
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    Die Sicherung wird mit dem Deckel des Halters wie eine Schraube eingedreht.

    Halter in Kombination mit Netzanschluß
    [​IMG]
    Der Sicherung wird in den Träger eingelegt und eingeschnappt.

    Der Vollständigkeit halber noch kurz was zu den Sicherungen im Gerät. Bei dieser Lösung ist auf der Platine ein Schnapphalter eingebaut, in welchen die Sicherung eingerastet wird.


    Ein paar Beispiele wie auf Geräte die Angaben aufgedruckt sind:

    [​IMG]
    T5A SLO BLO = Träge 5A (SLO BLO steht für slow-blow = träge)

    [​IMG]
    350mA Slow-Blow = eigentlich klar oder?

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    T250mA = Träge 250mA

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    T8A 250V = Träge 8A


    Warum überhaupt Sicherungen?
    Sicherungen sind Schutzelemente die in erster Linie das Gerät selbst vor Zerstörung schützen. Ein zu hoher Strom wird zwangsläufig jedes elektrische Gerät zerstören und im schlimmsten Fall fackelt das gute Stück unter Rauch und Feuer ab. Die Sicherung sorgt für ein vorzeitiges Abschalten, so daß der zerstörerische Strom erst gar nicht fließen kann.
    Das gilt natürlich auch in Richtung Stromnetz. Eine Gerätesicherung verhindert auch das Auslösen der Netzsicherung - wäre ja ärgerlich, wenn jeder Gerätefehler die Stromversorgung eines ganzen Zimmers oder gar Hauses lahmlegen würde.

    Man fragt sich nun wie der Wert einer Sicherung zustande kommt. Der Ansprechwert muß natürlich größer sein als die Stromaufnahme des Gerätes - klar sonst fliegt sie sofort raus - man geht also mit dem Sicherungswert über diese Stromaufnahme. Es ist nun so, daß die meisten Geräte beim Einschalten kurzzeitig einen höheren Strom ziehen als im Normalbetrieb. Vor allem Geräte mit großen Trafo haben besonders hohe Einschaltspitzen. Jetzt kommt vielleicht die erste Erkenntnis warum es träge Sicherungen gibt - ja? Die träge Sicherung verkraftet die hohe Einschaltspitze, würde aber bei einem länger andauernden höheren Strom trotzdem auslösen.
    Eine andere Möglichkeit wäre eine flinke Sicherung zu nehmen und den Wert so hoch zu machen, daß der Einschaltstrom keine Rolle spielt - das wäre aber dann eventuell ein Risiko für das Gerät.
    Also träge Sicherungen sind in Geräten mit hohen Einschaltströmen, flinke Sicherungen sind da drin wo es konstante Verhältnisse gibt.


    Was soll den nun rein?
    Bei allen Geräten muß der Wert der Sicherung aufgedruckt sein (oben gibt's ja ein paar Beispiele) und genau diesen Wert sollten wir auch einsetzen. Nehmen wir einen zu kleinen Wert fliegt sie vorzeitig raus, meistens schon beim Einschalten - bei einem zu großen Wert gehen wir das Riskio ein, daß das Gerät großen Schaden nimmt.
    Eine Sicherung kann aus verschiedenen Gründe auslösen. Meistens weil durch einen Defekt im Gerät ein höher Strom fließt. Manchmal auch weil eine Sicherung müde geworden ist. Klingt verrückt? Na ja, wenn in einen Amp jahrelang mehrere Ampere fließen und der Einschaltstrom hunderte Male über die Sicherung geflossen ist, kann es schon vorkommen, daß sie sich einfach verabschiedet.
    Wenn also eine Sicherung fliegt und nicht gerade Rauchwolken und Gestank aus dem Gerät aufsteigen, kann man schon einmal den Versuch machen eine Neue mit demselben Wert einzusetzen. Wenn die dann auch fliegt, auf keinen Fall einen höheren Wert einsetzen. Nicht nur, daß das Gerät dann vielleicht einen noch viel größeren Schaden nimmt, die Garantie erlischt ebenfalls. (Grins...ok man könnte natürlich die Alte wieder reinsetzen aber... unterschätze niemals die Macht der Reparaturtechniker...)
    Also keine Experimente...und schon gar nicht überbrücken...ich habe schon mal gesehen, wie ein Lichtsteuergerät mit überbrückter Sicherung abgefackelt ist - das gab Zoff in voller Breite mit Gerichtsverhandlung und so fort...


    Wie sehe ich das Sie dahingeschmolzen ist?
    Erstmal das Gerät wird, wenn Sie es ist, keinen Mucks mehr machen - aber das wäre auch so wenn die Netzspannung ausgefallen wäre. Deshalb immer erst sicher sein, daß noch Strom da ist, z.B. laufen alle anderen Geräte? Evtl. zum Test ein anderes Gerät in dieselbe Steckdose stecken und testen.
    Wenn es sicher ist, daß das Gerät weggetreten ist, erst mal den Netzstecker ziehen und dann die Sicherung ausbauen.
    Bei vielen Sicherungen erkennt man den durchgeschmolzenen Draht sehr leicht, aber Vorsicht die Dinger sind heimtückisch... Eine Sicherung kann direkt an der Metallkappe geschmolzen sein, das sehen wir nicht und der Draht sieht ganz aus. Es gibt außerdem Sicherungen die zusätzlich mit Quarzsand gefüllt sind da sieht man sowieso nix. Oder das alkoholgeschwängerte Auge erkennt den sehr dünnen Draht überhaupt nicht. Am besten hilft da ein Durchgangsprüfer oder ein billiges Multimeter.


    Wo habe ich als Basser mit Sicherungen zu tun?
    Mit Sicherheit finden wir Sicherungen an unseren Amps, Combos, Rackgeräten und eventuell an Netzteilen. Bei all diesen Geräten wird mit der Sicherung - wie bereits erwähnt - verhindert, daß ein zu hoher Strom in das Gerät hinein fließt. Bei Amps und Combos kann es noch zusätzliche Sicherungen geben, die einen zu hohen Strom in den oder die Lautsprecher verhindern - also den Strom aus dem Amp heraus.
    Vor allem für Amps sind Ersatzsicherungen aus oben erwähnten Gründen zu empfehlen, die gehören genauso in den Koffer wie Ersatzsaiten und Ersatzbatterien.

    Edit: Hab ein paar Rechtschreibfehler korrigiert
     
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